Sanitärausstattung für Berlin-Tegel
Modernisierungspaket für einen FlughafenEigentlich sollte der Flughafen „Otto Lilienthal“ in Berlin-Tegel schon lange geschlossen sein. Doch durch die Verzögerungen beim Bau des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg, internationales Kürzel BER, muss der in die Jahre gekommene Flughafen Tegel weiterhin die Hauptlast des Berliner Flugverkehrs tragen. Mit einem umfangreichen Modernisierungspaket wurde er noch einmal fit für die Zukunft gemacht. Dabei ist auch ein Großteil der Sanitäranlagen für die Fluggäste modernisiert worden.
Dieses erste Terminal war für 2,5 Mio....
Dieses erste Terminal war für 2,5 Mio. Passagiere ausgelegt. Nach dem Mauerfall wurde bis 2007 die Kapazität durch den Bau der Terminals B bis E kontinuierlich gesteigert.
Parallel dazu fanden bereits Planungen für einen neuen Hauptstadtflughafen statt. 1996 war die Standortfrage geklärt und die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund beschlossen, den Flughafen Berlin Brandenburg International, damaliges Kürzel BBI, in Schönefeld zu bauen. Zehn Jahre später folgte der erste Spatenstich für Europas größte Flughafenbaustelle. Die für Juni 2012 geplante Eröffnung wurde kurzfristig auf unbestimmte Zeit verschoben, da schwerwiegende Mängel, vor allem am Brandschutzkonzept, entdeckt worden waren.
Zweite Nutzungsperiode für „Otto Lilienthal“
Ursprünglich war geplant, dass ein halbes Jahr nach der Inbetriebnahme des neuen Flughafens Tegel und Schönefeld geschlossen werden. Doch die Verzögerungen beim Neubauprojekt bescherten ihnen eine längere Nutzungsperiode, da der gesamte Flugverkehr von und nach Berlin weiterhin über diese beiden Drehkreuze abgewickelt werden muss. Inzwischen wurde insbesondere in Tegel der Sanierungsbedarf immer deutlicher, da angesichts der bevorstehenden Stilllegung über Jahre hinweg nur noch das Nötigste in die Anlagen- und Gebäudetechnik investiert worden war.
Vor diesem Hintergrund bewilligte der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft 17,5 Mio. €, mit denen „Otto Lilienthal“ für weitere Betriebsjahre fit gemacht werden sollte. Mit dieser Summe konnte ab Sommer 2013 ein umfangreiches Maßnahmenpaket in Angriff genommen werden. Einer der größten Posten war dabei die Sanierung der beiden Start- und Landebahnen, die auf 40.000 m² einen neuen Belag erhielten, da der alte abgenutzt war. Im Terminal D wurden eine neue Gepäckabfertigungsanlage und eine Röntgenkontrollanlage eingebaut, um die Abfertigungskapazitäten deutlich zu steigern. In den anderen Terminals sind die Gepäckbänder überholt und instandgesetzt worden. Darüber hinaus wurde ein neues Gepäckverfolgungssystem eingeführt, mit dem die aktuelle Position eines Koffers genau erfasst werden kann.
Neue Sanitäranlagen für Terminal A
Das fast 40 Jahre alte Terminal A wurde einer umfangreichen Verjüngungskur unterzogen. Hier sind störanfällige Drehtüren an den Ein- und Ausgängen ersetzt worden, damit der Passagierfluss an diesen neuralgischen Stellen nicht ins Stocken gerät. Außerdem erhielten die Treppenhäuser und Fluggastbrücken einen frischen Innenanstrich.
Die für die Fluggäste wichtigste Veränderung stellen jedoch die neuen Sanitäranlagen des Terminals dar. Die Altanlagen stammten größtenteils noch aus der Bauzeit und verströmten mit ihren roten Waschtischen den Charme der 1970er Jahre. Durch die hohe Nutzungsfrequenz war die gesamte Ausstattung verschlissen und genügte heutigen Ansprüchen nicht mehr. Sogar im Internet wurde der schlechte Zustand der Toiletten kritisiert. So schrieb z. B. ein Fluggast in einem Bewertungsportal, dass er im August 2012 „total veraltete und verdreckte Sanitäranlagen“ in Tegel vorgefunden habe. Noch deutlichere Worte fand eine andere Besucherin: „Ich war im Eincheckbereich von Air Berlin, dort gab es eine Damentoilette, die unter aller … war. Abgenutzt und völlig veraltet, außerdem war eine der beiden Toiletten überschwemmt.“
Um den Aufenthaltskomfort für die Fluggäste nachhaltig zu steigern, entschloss sich die Betreibergesellschaft, alle 32 im Terminal A vorhandenen Sanitäranlagen vollständig zu sanieren und auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Die zugehörigen Pläne lieferte das Architekturbüro KDvJ Kühl, Dardin, von Jascheroff, das auch für die Planungen der Modernisierungsarbeiten in den anderen Terminals verantwortlich war. „Die Sanitäranlagen verteilen sich gleichmäßig über den Innenring des Terminals“, erklärt Architekt Axel von Jascheroff, der das Projekt betreut hat. „Allerdings unterscheiden sie sich hinsichtlich ihrer Größe und Ausstattung. So gibt es große Anlagen mit bis zu zehn Toiletten, aber auch kleine mit nur ein bis zwei WC.“
Die Sanitäranlagen mussten vollständig entkernt und anschließend komplett neu aufgebaut werden. Demontage und Neuinstallation wurden von der Jürgen Urban GmbH, Berlin, ausgeführt. Da die Arbeiten während des laufenden Flughafenbetriebs stattfanden, konnten nicht alle WC gleichzeitig außer Betrieb genommen werden. Stattdessen wurden sie nacheinander saniert. „Wir hatten immer nur zwei Anlagen parallel in Arbeit“, erläutert Frank Hartenhauer, Bauleiter bei der Jürgen Urban GmbH. „Diese lagen zudem noch in unterschiedlichen Gebäudetrakten. Eine befand sich auf der sogenannten Landseite des Flughafens, die allgemein zugänglich ist. Die zweite lag auf der Luftseite, die erst nach dem Check-in erreicht werden kann. Durch diese Verteilung konnten die Einschränkungen für die Passgiere gering gehalten werden“. Im Bereich des Lufthansa-Terminals legten die Monteure sogar Nachtschichten ein, damit die Fluggäste tagsüber nicht dem Baulärm ausgesetzt waren.
Für mehr Hygiene
Im Zuge der Sanierung erhielten die Böden der Sanitärräume anthrazitfarbene und die Wände großformatige weiße Fliesen, die in Anlehnung an die ursprüngliche Farbgestaltung mit roten Bordüren verziert wurden. Bei der Sanitärausstattung setzte man auf Produkte von Keramag. Dabei kam mit den „Rimfree“-Modellen aus der Serie „Renova Nr. 1“ eine der Innovationen des Herstellers zum Einsatz. Diese spülrandlosen WC setzen sich verstärkt durch, da sie auch bei hoher Nutzungsfrequenz ein Maximum an Hygiene bieten.
Entscheidender Vorteil der „Rimfree“-WC ist die konstruktiv gesicherte Vermeidung von Hohlräumen, in denen sich Bakterien, Kalk-, Urin- und andere Schmutzrückstände ablagern können, die selbst bei intensiver Pflege und Einsatz chemischer Mittel nur schwer zu beseitigen sind. „Wir haben dem Bauherrn die spülrandlosen WC vorgeschlagen, weil wir sie einfach gut finden“, erklärt Architekt von Jascheroff.
Dies hat auch die Hybeta GmbH Hygiene-Beratung/Technische Analysen im Rahmen einer hygienischen Untersuchung einer öffentlichen WC-Anlage in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Münster bestätigt: „Aufgrund der einfachen Reinigung der Keramag-„Rimfree“-WC-Keramik wird ein optimaler Reinigungseffekt erzielt. Ebenso sind auch die Ergebnisse der mikrobiologischen Untersuchungen einwandfrei. Während der dreimonatigen Untersuchungsphase konnte kein ansteigendes Keimwachstum festgestellt werden.“ Ina Muthmann, Projektmanagerin Vertrieb für Keramag bei der Industrievertretung Pollak, ergänzt: „Für den Flughafenbetreiber war darüber hinaus ausschlaggebend, dass die spülrandlosen WC kein Versteck mehr beispielsweise für Drogen bieten.“
Die spülrandlosen, wandhängenden „Rimfree“-WC unterscheiden sich im Design des Außenbeckens nicht von den Varianten mit Spülrand.
Erst der Blick ins Innere macht den Unterschied deutlich: Sie heben sich vor allem durch eine glatte und hohlraumfreie Gestaltung von konventionellen Toiletten ab.
Ein patentierter Spülverteiler führt das Wasser symmetrisch in das Becken ab und stellt eine einwandfreie Aus- und Flächenspülung sicher.
Erhebliche Betriebskosteneinsparungen
Neben dem Hygieneaspekt punkten die spülrandlosen WC vor allem mit Betriebskosteneinsparungen, die der Betreiber durch den geringeren Reinigungsaufwand realisieren kann. Das gesamte Innenbecken lässt sich einfach sauber halten, Verschmutzungen fallen direkt auf und können schnell beseitigt werden.
Insgesamt wurden von den Monteuren der Jürgen Urban GmbH im Terminal A über 100 „Rimfree“-WC installiert. „Wir kannten diese Art von WC zwar schon vorher, aber das war für uns der erste Großeinsatz“, sagt Frank Hartenhauer. „Für die Monteure war es keine Umstellung, da die WC trotz der innovativen Spültechnik genauso problemlos zu montieren sind wie herkömmliche.“
In den Herrentoiletten wurden zusätzlich „Renova-Nr.-1“-Urinale angebracht. In Kombination mit den dazwischen montierten Schamtrennwänden ergibt sich für die männlichen Nutzer ein Höchstmaß an Diskretion. Die Urinale harmonieren perfekt mit den anderen Keramikobjekten der Serie und erzeugen dadurch ein stimmiges Ambiente.
Kennzeichnend ist die harmonische äußere Kontur, die von sanften Radien geprägt ist. Sie tragen gemeinsam mit der nahezu unsichtbaren „KeraFix“-Befestigung entscheidend zur Reinigungsfreundlichkeit des Urinals bei. Darüber hinaus ist auch hier das Strömungsverhalten derart optimiert, dass beim Einsatz einer entsprechenden Spülsteuerung 1 l Wasser für eine hygienische Spülung ausreicht. So können die Betriebskosten erheblich reduziert werden, denn ältere Modelle benötigten dazu noch 3 bis 4 l Wasser.
Großzügige Waschtischanlagen
In den Vorräumen zu den Toiletten sollten Waschtischanlagen entstehen, die optisch ansprechend wirken, den vorgegebenen Platz optimal ausnutzen und gleichzeitig einen hohen Nutzerkomfort bieten. Deshalb setzten die Planer hier nicht wie bisher auf Einzelwaschtische, sondern konzipierten großzügige Waschtischanlagen. Die Ablageflächen bestehen aus Mineralwerkstoff. Sie sind mit entsprechenden Aussparungen versehen, in die pro Waschtischanlage bis zu fünf „Renova-Nr.-1“-Plan-Unterbauwaschtische integriert wurden. Diese sind speziell für die Einbausituation in Waschtischplatten konzipiert. Das moderne, eckige Design dominiert auch den Unterbauwaschtisch. Eine Besonderheit stellt das im vorderen Beckenbereich befindliche Überlaufloch dar, das aufgrund dieser Positionierung für den Nutzer beinahe unsichtbar bleibt.
Neben den Waschbecken befinden sich großzügige Ablageflächen, die viele Nutzer besonders schätzen. Darüber hinaus wurde zwischen den Becken eine Abwurföffnung in die Waschtischplatte integriert, über die gebrauchte Papierhandtücher in einen darunter befindlichen Behälter geworfen werden können. Seifen- und Handtuchspender sind griffgünstig neben den großformatigen Spiegeln angebracht und für ein Plus an Hygiene sorgen berührungslose Waschtischarmaturen.
Nachnutzung der Terminals
Nach dem Ende der Sanierungsarbeiten stehen den Nutzern moderne und hygienische Sanitäranlagen zur Verfügung, die den Aufenthaltskomfort deutlich erhöhen. Diese werden in den kommenden Jahren wohl noch von zahlreichen Fluggästen und Besuchern frequentiert, denn einen konkreten Termin für die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER gibt es bis heute nicht.
Eine Eröffnung vor der zweiten Jahreshälfte 2017 gilt mittlerweile als unwahrscheinlich. Auch wenn in ferner Zukunft keine Flugzeuge mehr in Tegel starten und landen werden, gehen in den Gebäuden noch lange nicht die Lichter aus. Ähnlich wie beim 2008 geschlossenen Flughafen Tempelhof ist auch hier eine Nachnutzung geplant, die das Terminal A einbezieht. Dann dürften sich künftige Nutzer über die bereits modernisierten Sanitäranlagen freuen.
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