Reinigung und Entsorgung in 6 m Tiefe

Alnatura Arbeitswelt erhält maßangefertigte Kompaktanlage

Auf dem Alnatura Campus in Darmstadt befindet sich ein öffentliches vegetarisches Restaurant. Dessen fetthaltige Abwässer müssen vorschriftsgemäß und umweltverträglich entsorgt werden. Dafür wurde eine auf das Projekt zugeschnittene Sonderlösung in Form einer Kompaktanlage mit Fettabscheider und Pumpstation eingebaut.

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uf dem ehemaligen Kasernengelände der Kelley-Barracks, im Südwesten von Darmstadt, entstand in den letzten Jahren der Alnatura Campus. Das Herzstück des 5,5 ha großen, renaturierten Areals bildet die Alnatura Arbeitswelt. Sie ist mit einer Fläche von 13.500 m2 europaweit das größte Bürogebäude, dessen Außenfassaden aus Lehm gebaut sind. Ganz nach dem Leitgedanken „Sinnvoll für Mensch und Erde“, bildet der neue Unternehmenssitz einen architektonischen Meilenstein in puncto Nachhaltigkeit, Materialeffizienz, Offenheit und moderne Arbeitsformen. Im Erdgeschoss des mit dem Deutschen...

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uf dem ehemaligen Kasernengelände der Kelley-Barracks, im Südwesten von Darmstadt, entstand in den letzten Jahren der Alnatura Campus. Das Herzstück des 5,5 ha großen, renaturierten Areals bildet die Alnatura Arbeitswelt. Sie ist mit einer Fläche von 13.500 m2 europaweit das größte Bürogebäude, dessen Außenfassaden aus Lehm gebaut sind. Ganz nach dem Leitgedanken „Sinnvoll für Mensch und Erde“, bildet der neue Unternehmenssitz einen architektonischen Meilenstein in puncto Nachhaltigkeit, Materialeffizienz, Offenheit und moderne Arbeitsformen. Im Erdgeschoss des mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2020 prämierten Gebäudes befindet sich zudem ein öffentliches vegetarisches Restaurant. Wie in anderen lebensmittelverarbeitenden Betrieben fallen auch dort fetthaltige Abwässer an, die es vorschriftsgemäß und umweltverträglich zu entsorgen gilt. Das übernimmt eine auf das Projekt zugeschnittene Sonderlösung: eine Kompaktanlage mit Fettabscheider und Pumpstation.

Spezialanfertigung für besondere Verhältnisse

Im vegetarischen Restaurant „Tibits“ in Darmstadt befinden sich neben den Ablaufstellen in der Küche auch in den Vorbereitungsräumen im Untergeschoss des Gebäudes weitere Leitungen, die an eine Fettabscheideranlage angeschlossen werden müssen. Um Fettansätze zu verhindern, sind Abwässer einer Abscheideranlage in freiem Gefälle zuzuführen. Hierfür eine zweite Etage nach unten zu errichten, kam für den Bauherrn aber nicht in Frage – und hätte zudem einen enormen Aufwand zur Sicherstellung der Statik bedeutet.

Die große Herausforderung für das zuständige Ingenieurbüro für technische Gebäudesysteme Henne & Walter GbR aus Reutlingen bestand also darin, ein geeignetes Produkt für den alternativen Erdeinbau in fast 6 m Tiefe zu finden. Hier konnte die Kessel AG aus dem bayerischen Lenting, die seit über 25 Jahren maßgeschneiderte Entwässerungslösungen für außergewöhnliche Anforderungen entwickelt, punkten. „Im Vorfeld haben wir der Kessel AG die Voraussetzungen an die Fettabscheideranlage sowie die Grobkonzeption zur Verfügung gestellt. Auf dieser Basis plante diese für uns eine individuelle Sonderlösung“, erklärt Frank Braun, zuständiger Projektingenieur bei Henne & Walter. „Neben der Qualität war für den Bauherrn und uns letztendlich auch ausschlaggebend, dass die Anschaffungs- und Betriebskosten im wirtschaftlichen Rahmen bleiben sowie sämtliche Normen und Vorschriften erfüllt werden. All das war mit Kessel der Fall.“


Optisch und technisch clever gelöst durch den Einbau in mehreren Schächten

Im Detail lieferte das Unternehmen eine Kompaktanlage zum Einbau ins Erdreich, bestehend aus Fettabscheider (NS 10) mit programmgesteuerter, vollautomatischer Entsorgungseinrichtung, Pumpeneinheit und nachgeschalteter Hebeanlage. Die Geräte sind in Schächte verbaut, die von außen über eine Leiter zugänglich sind. In einem Schacht befindet sich der Fettabscheider, im anderen die Hebeanlage sowie die Steuerungstechnik. „Da die Entwässerungstechnik lediglich durch Schachtabdeckungen zu erahnen ist, konnten diese problemlos in Abstimmung mit dem Landschaftsarchitekten in die Planung der Außenanlagen integriert werden“, so Frank Braun.

Betreiber profitiert von umfangreichem Serviceangebot

Der bereits im Kessel-Werk sonderangefertigte Wickelrohrabscheider konnte mithilfe eines Krans bei der Anlieferung weitestgehend anschlussfertig direkt in die offene Baugrube gesetzt werden. Die schnelle, reibungslose Inbetriebnahme übernahm Kessel-Servicetechniker Ferdi Cayir direkt vor Ort: „Hierfür wurden alle Einstellungsparameter exakt an die örtlichen Gegebenheiten angepasst und die gesamte Anlage auf Herz und Nieren geprüft. Außerdem haben wir die zuständigen Personen ausführlich in die Bedienung der Anlage, das Vorgehen bei der Eigenkontrolle sowie die Wartungsvorschriften eingewiesen, damit sie gut alleine zurechtkommen.“ Nach der Einweisung erfolgte abschließend die ordnungsgemäße Übergabe im betriebssicheren Zustand inkl. Inbetriebnahmebericht.

Pumpen-Duo schützt Spezial-Fettabscheider vor Rückstau

Zur Reinigung wird das fetthaltige Abwasser zukünftig aus der Restaurantküche sowie den Vorbereitungsräumen nach draußen in den Abscheider geleitet. Darin sinken die im Abwasser enthaltenen Stoffe, die schwerer sind als Wasser, aufgrund der Schwerkraft zu Boden. Sie lagern sich dort im sogenannten Schlammfang ab. Da Öle und Fette eine geringere Dichte als Wasser aufweisen, trennen sich diese Stoffe vom Abwasser und schwimmen oben auf. Das Abwasser ist somit weitestgehend gereinigt und kann durch einen Auslauf abfließen. Die zurückbleibende Fett- und Schlammschicht muss regelmäßig entsorgt werden. Da sich der Ruhewasserspiegel unter der Rückstauebene befindet, muss der Fettabscheider des Alnatura Campus mit einer nachgeschalteten Rückstausicherung gegen zurückdrückendes Wasser geschützt werden. Andernfalls kann es zu starker Geruchsbildung, Korrosion, Schäden an Gerät und Gebäude durch austretendes Fett sowie sogar zur Anreicherung explosionsgefährlicher Gase kommen. Daher plante die Abteilung „Individuelle Lösungen“ von Kessel eine „Aqualift F XL Duo“ mit zwei Pumpen des Typs „SPF 4500-S1“ ein. Diese pumpt das Abwasser über die Druckleitung mit Rückstauschleife in den öffentlichen Abwasserkanal. Fällt beispielsweise eine Pumpe aus, ist der weitere Betrieb der Hebeanlage durch die redundante Arbeitsweise weiterhin sichergestellt.

Entsorgung per Fernbedienung steuern

Ein wesentlicher Aspekt für den Betreiber und Fachplaner war eine Entsorgung der Fett- und Schlammschicht ohne störende Gerüche und Beeinträchtigungen für die parkähnlichen Außenanlagen des Campus. Der eingebaute Abscheider verfügt daher über eine programmgesteuerte, vollautomatische Entsorgungs- und Spüleinrichtung, die per Fernbedienung gesteuert wird. Der Entsorger muss lediglich die Fernbedienung betätigen und der Entsorgungsvorgang wird in Gang gesetzt. Dabei spielt das Schredder-Mix-System eine wichtige Rolle. Es saugt mittels Pumpen kleine Feststoffe an, zerkleinert sie und injiziert sie mit hoher kinetischer Energie über Düsen. Das zertrümmert harte Inkrustationen an der Behälterwand, löst die oft harte Fettschicht und macht den gesamten Abscheiderinhalt auf diese Weise leicht pumpfähig. Die anlageneigene Pumpe befördert das Abscheidergut über bauseitig fest installierte Leitungen in den Entsorgungswagen. Dadurch entstehen keine Geruchsemissionen. 

Der Anschluss für das Fahrzeug befindet sich ca. 60 m entfernt auf der öffentlichen Straße. Die Entsorgung kann also auch außerhalb der Öffnungszeiten sowie ohne Befahrung des Geländes stattfinden. Abschließend gewährleisten Spülvorgänge eine optimale maschinelle Innenreinigung.

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