Regenwassernutzung im Industriebetrieb

Einfach Trinkwasser sparen

Das Familienunternehmen Hehl produziert unter dem Namen Arburg im Schwarzwald. Die Vergrößerung des alleinigen Produktionsstandortes Loßburg um nahezu ein Drittel auf nunmehr insgesamt 146 000 m2 im Jahr 2000 und der Bau eines neuen Kundencenters, das derzeit in Loßburg entsteht, sind eindeutige Bekenntnisse zur Region. Seit über zehn Jahren wird Regenwasser auf dem Betriebsgelände genutzt.

Seit über 50 Jahren produziert das Familienunternehmen Hehl Spritzgießmaschinen unter dem Namen Arburg für die Kunststoffverarbeitung in Serie. Das Unternehmen ist weltweit in allen wichtigen Kunststoffmärkten präsent. Am Standort Loßburg bei Freudenstadt fällt überdurchschnittlich viel Niederschlag. An Stelle des in Deutschland geltenden statistischen Mittelwertes von 770 mm fallen hier zwischen 919 mm und 2025 mm. Dies wurde von der firmeneigenen Wetterstation im Zeitraum von 2000 bis 2007 ermittelt.

Regenwasser als Rohstoff

Der jährliche Umweltbericht des Betriebes gibt Auskunft über Ziele...

Seit über 50 Jahren produziert das Familienunternehmen Hehl Spritzgießmaschinen unter dem Namen Arburg für die Kunststoffverarbeitung in Serie. Das Unternehmen ist weltweit in allen wichtigen Kunststoffmärkten präsent. Am Standort Loßburg bei Freudenstadt fällt überdurchschnittlich viel Niederschlag. An Stelle des in Deutschland geltenden statistischen Mittelwertes von 770 mm fallen hier zwischen 919 mm und 2025 mm. Dies wurde von der firmeneigenen Wetterstation im Zeitraum von 2000 bis 2007 ermittelt.

Regenwasser als Rohstoff

Der jährliche Umweltbericht des Betriebes gibt Auskunft über Ziele und Maßnahmen. Im Jahr 2007 ging es darum, 1 % elektrischen Strom gegenüber dem Fremdbezug des Vorjahres einzusparen. Beim Was­ser­verbrauch sollten 2400 m3 Trinkwasser durch Regenwasser ersetzt werden. Beide Ziele wurden erreicht.

Genutzt wird das Regenwasser hauptsächlich für das Spülen der WC-Anlagen (75 %). Ein geringer Anteil wird für Reinigungsarbeiten benötigt (22 %) und der Rest zur Bewässerung durch die Gärtner in den Außenanlagen (3 %). Hierzu werden Tankwagen eingesetzt. Der Speicherinhalt wird allerdings nie komplett aufgebraucht.
Eine Mindestmenge bleibt als Feuerlöschreserve, auch für die Sprinkler.

Aus der ersten Regenwassersammelanlage im Jahr 1996 sind mittlerweile sechs Systeme geworden, die ein Gesamtfassungsvermögen von 960 m3 haben. 74 % davon werden oberirdisch in Stahltanks gelagert, 26 % unterirdisch in Betontanks. Die jüngste Betriebserweiterung, Bauabschnitt BA 20/21 mit ca. 11200 m2 Dachfläche, wird nach zwei Seiten hin in jeweils einen unterirdischen Betonspeicher mit 100 bzw. 150 m3 entwässert. Der Standort für eine Zisterne wird bei Arburg grundsätzlich so ausgewählt, dass möglichst geringe Leitungswege zwischen Sammelfläche und Speicher entstehen.

Rationelle Bauweise durch Fertigteile

Die Regenspeicher werden als Betonfertigteile im Werk produziert und vom Hersteller vor Ort auf 15 cm hohem Sandbett versetzt und verschraubt. Innerhalb eines Tages können die U-förmigen Segmente mit den zylindrischen Endstücken verschraubt werden, einschließlich der Abdeckplatten und Einstiegsöffnungen. Mit entsprechender Erdüberdeckung sind diese Behälter befahrbar. Damit kann der Standort flexibel gewählt werden, sowohl unter Grünflächen als auch unter Stellplätzen und Zufahrten.

Vor den Speichern wird jeweils ein Filterschacht montiert. Schwebstoffe, die die Filterkassetten aus Edelstahlgewebe mit einer Maschenweite von 0,4 mm nicht passieren können, sinken als Feinteile zu Boden oder schwimmen auf an die Wasseroberfläche, wie z. B. Blütenpollen. Das mit dem Filter verbundene Ablaufrohr gewährleistet, dass weder Sediment noch Schwimmschicht in den Speicher gelangt. Entlüftung und Überlauf werden im Speicher oder im Filterschacht nach Bedarf angeordnet.

Um die Planung zu erleichtern, trägt der Filterschacht als Produktbezeichnung die Zahl der maximal anschließbaren Dachfläche. In diesem Fall wurde an den Regenspeicher mit 100 m3 Fassungsvermögen ein Filterschacht mit der Typenbezeichnung FS 1350 angeschlossen. Das bedeutet, dass der Filter den Abfluss einer Dachfläche bis zu 1350 m2 rückstaufrei bei dem zu Grunde gelegten Bemessungsregen von 300 l/s x ha verkraftet. Der Filterschacht zum größeren Regenspeicher mit 150 m3 Fassungsvermögen hat die Bezeichnung FS 4000, das heißt eine maximal anschließbare Dachfläche von 4000 m2.

 

Künftige Möglichkeiten

Für Erweiterungen des Betriebsgebäudes bei Arburg mit weiteren Bauabschnitten ist das Baugelände bereits vorbereitet. Auch hier sollen Regenspeicher mit 250 m3 Fassungsvermögen pro Halle eingebaut werden, jeweils aufgeteilt in 100 m3 auf der einen Seite und 150 m3 auf der anderen Seite des Gebäudes. Waren in der Vergangenheit Filter- und Speichertechnik aus einer Hand geliefert worden, so besteht heute schon die Option, zusätzlich auch die Druckerhöhungsanlage und damit die Gewährleistung für das gesamte Regenwassersystem vom gleichen Anbieter zu erhalten.

Eine empfehlenswerte Druckerhöhungsanlage mit Steuerung enthält

mehrere selbst ansaugende, mehrstufige horizontale Kreiselpumpen und einen integrierten Vorlagebehälter mit ca. 100 l Fassungsvermögen, Volumenstrom bis zu 14 m3/h,

eine Zubringerpumpe mit Zubehör für die Versorgung des Vorlagebehälters aus dem Regenspeicher,

einen Anschluss zur hausinternen Trinkwassernachspeisung gemäß DIN EN 1717 als „Freien Auslauf“,

eine elektronische IRM-Steuerung und potentialfreie Kontakte,

eine Füllstandsanzeige für Vorlagebehälter und Regenspeicher,

eine manuelle Umschaltung auf Trinkwasserbetrieb,

eine automatische Steuerung und Überwachung des Nachspeiseventils und der Zubringerpumpe im unterirdischen Speicher,

einen Druckausgleichsbehälter.

Gewerbe und Industrie verlangen zunehmend nach Betriebswasserkreisläufen, sowohl für die Produktion als auch für Kühlung und Brandschutz. Die Verwendung des weichen Regenwassers bringt erhebliche Einsparungen, auch bei der WC-Spülung. Der bei der Pflege der Sanitäreinrichtungen unangenehme Urinstein entsteht insbesondere aus der Verbindung mit hartem Trinkwasser.

Literatur:

Ratgeber Regenwasser. Ratgeber für Kommunen und Planungsbüros. Rückhalten, Nutzen und Versickern von Regenwasser im Siedlungsgebiet. Autor: Klaus W. König. 2. Auflage. (Hrsg.:) Mall GmbH, Donaueschingen, 2008. 36 Seiten, DIN A 4, 12,00 € incl. MwSt., zzgl. Porto u. Verpackung; ISBN 3-9803502-2-3

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