Neue Wege im Elektroanlagenbau

Schaltanlagen online planen und bestellen

Mit dem Onlineportal „Epos“ zeigt der Krefelder Generalunternehmer für Elektrotechnik Hell ein System zur Projektierung von Schaltanlagen. Der mittelständische Dienstleister für die elektrotechnische Ausrüstung von Anlagen und Gebäuden plant und produziert am Standort Krefeld seit mehr als 50 Jahren Schaltanlagen für unterschiedliche Branchen und Anwendungen.

Das Internet als Plattform für Handel und Vertrieb ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Zu den wenigen Produkten und Dienstleistungen, die bis heute nur selten oder gar nicht über das Internet angeboten werden, gehören Schaltanlagen für den Elektroanlagenbau. Verständlicherweise, denn Schaltanlagen besitzen einen hohen Grad an Individualisierung und sind auch technologisch sehr komplexe Produkte, deren Herstellung eine umfangreiche und detaillierte Planung und damit Know-how voraussetzt. Schaltanlagen werden überwiegend als Unikate aus Hunderten von Einzelteilen gefertigt und kommen...
Das Internet als Plattform für Handel und Vertrieb ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Zu den wenigen Produkten und Dienstleistungen, die bis heute nur selten oder gar nicht über das Internet angeboten werden, gehören Schaltanlagen für den Elektroanlagenbau. Verständlicherweise, denn Schaltanlagen besitzen einen hohen Grad an Individualisierung und sind auch technologisch sehr komplexe Produkte, deren Herstellung eine umfangreiche und detaillierte Planung und damit Know-how voraussetzt. Schaltanlagen werden überwiegend als Unikate aus Hunderten von Einzelteilen gefertigt und kommen für die unterschiedlichsten Anwendungen und Aufgabengebiete zum Einsatz – sei es zur Verteilung von elektrischer Energie in einem Gebäude oder zur Steuerung von Maschinen und Prozessen im Anlagenbau.

Und solch individuellen und auf die Kundenbedürfnisse maßgeschneiderten Anlagen sollen über das Internet geplant und bezogen werden können? Auch für Fachleute eine unrealistische Vorstellung. Hell stellt mit dem Onlineportal „Epos“ unter Beweis, dass dies gelingen kann. „Epos“ ist eine hundertprozentige Weblösung und kommt daher vollständig ohne Fremdsoftware und Zusatzprogrammen aus. Die Anwendung benötigt lediglich einen Standardbrowser und eine leistungsfähige Internetverbindung, was für die Kunden sehr vorteilhaft ist. Denn für den Einstieg sind keinerlei Investitionen oder Aufwendungen erforderlich. Das System speichert zudem sämtliche Daten auf einem dedizierten Server (Cloud), was bei Webanwendungen längst Standard ist. 


Registrierung und Demozugang kostenlos

Unmittelbar nach der Registrierung erhält der Nutzer seine Zugangsdaten per E-Mail. Mit diesen gelangt er zunächst in eine Art Erprobungsstatus. Deshalb stehen ihm noch nicht alle Nutzungsmöglichkeiten zur Verfügung. Insbesondere die Auswahl von Baugruppen ist anfangs eingeschränkt. Doch die Funktionalität des Systems lässt sich sofort anschaulich und umfänglich testen. Selbst das Herunterladen der erstellten Schaltpläne ist in diesem Status kostenfrei möglich.

Für die umfängliche Nutzung des Systems verlangt der Anbieter eine schriftliche Vereinbarung sowie einen Gewerbenachweis; schließlich richtet sich „Hell“ mit dem Portal ausschließlich an gewerbetreibende Geschäftskunden.

Die Handhabung des Systems ist einfach und klar strukturiert. Die Entwickler haben hierzu eine übersichtliche Kacheloberfläche implementiert. Dieses Bedienkonzept findet sich in allen Programmteilen des Systems wieder.

Benutzerzugänge lassen sich auf Kundenseite innerhalb des Firmenkontos selber administrieren. Die Organisation von Zugriffsrechten für Projekte und Funktionen ist daher auch bei Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern möglich.

Eine einstufige Ordnerstruktur stellt die Projektverwaltung dar. Innerhalb eines Projektes können beliebig viele Schaltanlagen definiert und angeordnet werden. Mit der Auswahl einer Schaltanlage gelangt der Nutzer dann in die eigentliche Projektierungsebene des Systems, in der nun die Schaltanlage kundenspezifisch projektiert, besser gesagt, zusammengestellt wird.


Einfaches Baukastenprinzip

Der Workflow für das Erstellen einer Schaltanlage kommt im Wesentlichen mit drei Konstruktionselementen aus. „Felder“ definieren die räumliche Aufteilung einer Schaltanlage in Fertigungs- oder Transporteinheiten. Somit lassen sich auch mehrfeldrige Anlagen oder Anreihsysteme erstellen. Mit den „Anlagen“ werden die später hinzugefügten Baugruppen zu funktionalen Einheiten zusammengefasst. Dies schafft nicht nur Struktur und Ordnung bei großen und komplexen Schaltanlagen, sondern liefert auch die notwendigen Informationen für das Verknüpfen der Schaltungen und Baugruppen untereinander. Sind die Felder und Anlagen definiert, können die eigentlichen „Baugruppen“ der Schaltanlage wie in einem Baukasten eingefügt und zugeordnet werden.

Baugruppen sind vordefinierte Schaltplanmakros. Diese können sowohl einfache als auch komplexe Teilschaltungen oder mechanische Bestandteile wie der Aufbau der Montageplatte sein. Das Verknüpfen der Baugruppen untereinander läuft weitestgehend automatisiert im Hintergrund ab. Hierfür zuständig ist eine Projektierungsdatenbank, welche sowohl die Informationen der Makros als auch die aktuelle Projektierung enthält. Nach einem speziellen Verfahren werden die Baugruppen an den Schnittstellen automatisch miteinander verbunden. So entsteht am Ende ein zusammenhängender und funktionsfähiger Schalt- und Bauplan. Durch eine integrierte Prüffunktion kann die Vollständigkeit der Planung jederzeit abgefragt werden. Fehlende, jedoch für Funktion notwendige Verknüpfungsstellen werden so einfach lokalisiert und der Konstrukteur kann die noch erforderlichen Baugruppen ergänzen.


Kundeneigene Baugruppen integrierbar

Die Auswahl der Baugruppen gestaltet sich komfortabel. Entweder durch eine Volltext-Suchfunktion oder mittels eines technologischen Suchbaums findet der Anwender schnell die passende Funktion bzw. das passende Makro als Lösungsansatz für seinen jeweiligen Anwendungsfall. Schon mit dem eingeschränkten Demozugang lässt sich erahnen, wie umfangreich die Baugruppenbibliothek sein kann. Gut gelöst ist die Anordnung und Struktur des Suchbaums. Durch die zahlreichen Ebenen lassen sich auch Baugruppen mit komplexen technischen Spezifikationen übersichtlich einordnen und gezielt wieder auffinden.

Nach Angaben des Betreibers sollen die Baugruppen-Bibliotheken zukünftig auch für weitere Branchen und Anwendungen ergänzt werden. Es ist zudem möglich, kundenspezifische Baugruppen nach vorhandenen Schaltplänen in das System zu integrieren. Diese Baugruppen befinden sich dann in einem kundeneigenen Ordner.


Schaltplan nach wenigen Minuten

Die Kennzeichnung und Benennung aller Elemente einer Schaltanlage ist im Rahmen der Konfiguration durch den Nutzer selbst einstellbar. Dies ermöglicht eine weitere Individualisierung und Anpassung für die jeweilige Aufgabenstellung. Strompfade, Kontaktverweise, Einbauplätze und sogar modulare Automatisierungsgeräte kann das System als Schnittstellen innerhalb der Makros verwalten und bei ihrer Anwendung automatisch auflösen und zuordnen.

Nach Abschluss der Planung ist es zunächst erforderlich, einen Auftrag zur Erstellung des Schaltplans zu erteilen. Hierfür verlangt der Anbieter erstmalig eine Vergütung. Im Gegenzug erhält der Nutzer einen vollwertigen und sehr detailreichen Schaltplan in elektronischer Form als PDF-Dokument.

„Profi-CAD“ als Basis für die Planerstellung

Die Qualität der Unterlagen überzeugt. Ins Auge fallen insbesondere die anschaulichen 3D-Ansichten, mit deren Hilfe der Kunde einen realen Eindruck vom Aufbau der Schaltanlage erhält. Auch die Stromlaufpläne enthalten viele Zu­satz­infor­ma­tio­nen, welche die Übersicht und Darstellung vereinfacht. Stück- und Kabellisten sind ebenso vorhanden wie Klemmenpläne und Inhaltsverzeichnis. Zudem findet sich das Kennzeichnungssystem, das der Kunde vorgegeben hatte, in den Schaltplanunterlagen wieder. Basis für die Schalt­plan­erstel­lung ist ein professionelles CAD-System, welches im Hintergrund die Planfragmente aus einer Makrobibliothek lädt und nach den Vorgaben des Nutzers anordnet und verknüpft.

Für die Erstellung der Pläne werden 15 % vom Kaufpreis der jeweiligen Schaltanlage berechnet. Dieser Betrag wird jedoch mit der späteren Bestellung gutgeschrieben. Den Kaufpreis einer Schaltanlage errechnet das System bereits während der Projektierung aus den Einzelpreisen der projektierten Baugruppen. Diese werden im System als Preisliste hinterlegt. Auf Wunsch kann der Nutzer eine detaillierte Kostenübersicht der aktuellen Projektierung vom System laden. Die Projektierung muss hierfür nicht abschließend oder vollständig sein. Das System eignet sich daher auch für die Preisermittlung im Zuge einer Angebotserstellung oder Kalkulation.

Anhand der Planunterlagen kann die abschließende Prüfung beim Kunden erfolgen. Änderungen können bis zu zweimal kostenlos vorgenommen und neue Planversionen erstellt werden. Ab der vierten Version oder im Falle änderungsbedingter Kaufpreiserhöhungen fallen zusätzliche Kosten an. Falls der Kunde es wünscht, kann er die final projektierte Schaltanlage abschließend bestellen.


Fazit

Das Portal „Epos“ (www.hell-epos.de) ist nicht nur ein interessanter Vertriebsweg für individuell gefertigte Schaltanlagen. Das Onlineportal geht auch bei deren Planung und Konstruktion neue Wege. Angesichts der Forderung nach weiterer Optimierung und Stringenz im Planungs- und Fertigungsprozess einer Schaltanlage bietet die Lösung gut durchdachte Lösungsansätze: Modul- und Makrotechniken bei der Schaltanlagenkonstruktion werden konsequent eingesetzt und deren Anwendung erheblich vereinfacht, da größtenteils automatisiert. Dies führt am Ende deutlich schneller zu einer optimalen und reproduzierbaren Planqualität mit hoher Informationsdichte – die Voraussetzung für weitere Optimierungen im Fertigungsprozess. Mit der Möglichkeit, auch anwenderspezifische Baugruppen zu integrieren, eignet sich „Epos“ letztlich für alle Kunden, die Schaltanlagen mit wiederkehrenden Lösungsansätzen planen und konstruieren.

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