Kontinuierliche Verbesserungsprozesse

Energiemanagement nach DIN EN ISO 50 001

Die DIN EN ISO 50 001 soll Unternehmen dabei helfen, ein Energiemanagement einzuführen. Am Beispiel der Ziegelwerke der Schlagmann Poroton GmbH & Co. KG wird gezeigt, welche Erfolge bei der Umsetzung der DIN EN ISO 50 001 erzielt werden können.

Ein Grund zum Feiern

Beim Sommerfest dürfen sich die Mitarbeiter der Schlag­mann Poroton GmbH & Co. KG in Zeilarn über ein Lob freuen – und sich einen Nachmittag lang auf ihren Lorbeeren ausruhen. Wirtschaftsminister Martin Zeil ist zu Besuch und übergibt das frisch ausgestellte Zertifikat für das neu eingeführte Energiemanagementsystem an Geschäftsführer Johannes Edmüller mit anerkennenden Worten:

„Als eines der ersten Unternehmen Ihrer Branche haben Sie sich nach ISO 50 001 zertifizieren lassen … Mit dem Managementsystem und Ihren Energieteams setzen Sie Maßstäbe für die industrielle...

Ein Grund zum Feiern

Beim Sommerfest dürfen sich die Mitarbeiter der Schlag­mann Poroton GmbH & Co. KG in Zeilarn über ein Lob freuen – und sich einen Nachmittag lang auf ihren Lorbeeren ausruhen. Wirtschaftsminister Martin Zeil ist zu Besuch und übergibt das frisch ausgestellte Zertifikat für das neu eingeführte Energiemanagementsystem an Geschäftsführer Johannes Edmüller mit anerkennenden Worten:

„Als eines der ersten Unternehmen Ihrer Branche haben Sie sich nach ISO 50 001 zertifizieren lassen … Mit dem Managementsystem und Ihren Energieteams setzen Sie Maßstäbe für die industrielle Produktion. Damit sind Sie wieder einmal Vorreiter für Ihre Branche und das gesamte verarbeitende Gewerbe.“

Erste Erfolge

Die Ziegelherstellung erfordert verschiedene energieintensive Prozesse. Der Energieverbrauch beeinflusst den wirtschaftlichen Erfolg und die Ökobilanz des Pro­duktionsprozesses stark. Unter diesen Rahmenbedingun­gen konnte Schlagmann Poroton mit der Einführung des Energie­management­systems bereits erste wichtige Erfolge erzielen:

Systematisierung und Transparenz bei der Identifikation von Einspar­potentialen und der Entscheidung über Energie­effizienzprojekte
Vereinheitlichung der Datenbestände. Energiemanagement, Produktions­leitung und Controlling greifen für ihre Auswertun­gen alle auf dieselben Zahlen zu.
Zusätzliche Energieeffizienz-Kennwerte. Kennwerte für den Produktionsprozess gab es bereits. Alle Kennwerte wurden überprüft und ggf. angepasst. Zusätzliche Kennwerte für unterstützende Funktionen (Außenbeleuchtung, Sozialräume etc.) wurden eingeführt und werden kontinuierlich beobachtet und bewertet.
Anspruch auf die Entlastungs­regelung nach § 40 EEG und zukünf­tig auf den Spitzenausgleich nach Energiesteuergesetz und Strom­steuergesetz. Die Anfor­derungen des Gesetzgebers für Entlastungen bei EEG, EnStG und StromStG werden durch das neue Energie­managementsystem erfüllt.

Durch den kontinuierlichen Verbesserungsprozess werden im Energiemanagementsystem ständig Effizienzpotentiale gesucht, identifiziert und bewertet, so dass dauerhaft und regelmäßig neue Erfolge in Form von verbesserter Energieeffizienz erzielt werden können.

Ein Meilenstein im neuen System ist das Reduktionsziel von 3 % für den spezifischen Brennstoffeinsatz innerhalb eines Jahres. Dieses Ziel wurde beschlossen und mit konkreten Einzelmaßnahmen hinterlegt.

Beispiele für diverse Stromeinsparmaßnahmen sind die Sanierung der Deckenbeleuchtung in Werk 2 in Zeilarn und der Ersatz eines großen Motors im Werk Isen. Durch die Beleuchtungssanierung wurden 22 % des Beleuchtungsstroms eingespart, durch den Motorersatz konnte die Leistung um 20 kW und der Stromverbrauch des Aggregats um 31% reduziert werden.

Gute Voraussetzungen

Schlagmann Poroton betreibt an vier Standorten in Bayern Ziegelwerke. Jedes Jahr produ­zieren diese Werke ausreichend Ziegel, um für 30 000 Menschen Wohn- und Arbeitsraum zu schaffen. Flaggschiffprodukt von Schlagmann ist der mit Perlit verfüllte Wärmedämmziegel „Poroton“, der mit natürlichem mineralischen Verfüllstoff und ohne zusätzliche Wärmedämmschicht hohe Anforderungen an ein für die Energie­einsparung gedachtes Produkt im Hausbau erfüllt. Schlagmann ist also mit seinen Produkten im Feld der Energie­einsparung zuhause. Auch im Produktionsprozess wird schon lange intensiv an der Verbesserung der Energieeffizienz gearbeitet. Im Jahr 2012 entschied sich die Unternehmens­leitung, diese Arbeit zu formalisieren und ein Energie­manage­mentsystem nach DIN EN ISO 50 001 einzuführen. Der Zeitplan war anspruchsvoll: Das Projekt startete am 9. Januar, das Zertifikat sollte bereits ein halbes Jahr später ausgestellt sein.

Glücklicherweise waren die Voraussetzungen gut: Die Unternehmensführung unterstützte das Projekt nachdrücklich. Sie benannte einen Energiemanager mit fachlichem Hintergrund aus dem Bereich Managementsys­teme und ein Energieteam.

Diese Mitarbeiter wurden so weit entlastet, dass sie die zusätzlichen Aufgaben für die Systemeinführung übernehmen konnten.

Ein selbst entwickeltes Werkzeug zur Auswertung von Produktion und Energie­verbrauch wurde bereits eingesetzt und konsequent genutzt. Viele größere und kleinere Energieeffizienzprojekte waren bereits umgesetzt worden, und die Mitarbeiter waren für das Thema Energieeffizienz schon sensibilisiert.

Nach dem Beschluss zur Einführung des Energiemanagementsystems hat Schlag­mann Poroton die Firma Team für Tech­nik beauftragt, die System­einführung zu begleiten und den Energiemanager Peter Dorfner und sein Energieteam bei der Einführung zu unterstützen. Team für Technik ist eine Inge­nieur­gesellschaft im Bereich Energie- und Versorgungstechnik und für Unternehmen und die öffentliche Hand beratend sowie planend tätig.

Arbeitsschritte bei der Einführung

Der Terminplan für die Einführung war eng geplant. Nach der ersten energetischen Bewertung, der Definition der Prozesse, dem Aufbau der Doku­mentation – Organigrammen, Kommunikationsmatrix, Verfahrensanweisungen, Schulungsplänen, Stellenbeschreibungen etc. – fanden deshalb bereits Anfang bis Mitte Februar das erste interne Audit und das erste Managementreview statt. Ein freiwilliges Voraudit fand Mitte März statt. Das Zertifizierungsaudit begann mit dem Stufe-1-Audit im Werk Isen im April und endete mit Abschluss des Stufe-2-Audits in Aichach im Mai.

Ein großes Projekt bei der Einführung des Energiemanagementsystems waren der Einbau und die Aufschaltung von zusätz­li­chen Zählern sowie die Ver­ein­heit­lichung der Erfas­sungs­sys­te­matik über alle Standorte.

So wird die Energieeffizienz der verschiedenen Standorte mit ihren unterschiedlichen Anlagengruppen und Produktmixen vergleichbar. Zusätzlich wurden bereits durchgeführte Effizienz­maßnahmen dokumentiert, bestehende Investitionsvorschläge zur Verbesserung der Energieeffizienz zusammengetragen und zentral verwaltet, Gesamtenergieflussbilder für jeden Standort erstellt.

Ein zentrales Arbeitspaket bestand darin, die Methode zur energetischen Bewertung der Hauptverbraucher festzulegen und erstmalig anzuwenden.

Das System

Energiemanagementsysteme nach der Norm DIN EN ISO 50 001 basieren – typisch für formalisierte Managementsysteme – auf einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess nach dem „PDCA-Zyklus“: Planung, Umset­zung der Planung, Überprüfung, Verbes­serung (englisch: „Plan-Do-Check-Act“).

Bei der Einführung mussten alle Norm­forderungen umgesetzt werden. Chancen auf Verbes­serungen zeigten sich bereits in der Einführungsphase besonders dort, wo die Normsystematik an die spezifischen Verhältnisse im Betrieb angepasst werden konnte. So hatte die Fa. Schlagmann schon lange konsequent Energie­kennwerte für Ihre Produkte gebildet und ausgewertet.

Im Zuge der System­einführung stellten die Mitarbeiter fest, dass diese Kenn­werte noch aussage­fähiger werden, wenn sie nach Produktgruppen (etwa dünn­stegigere Reihen, Wärme­dämm­fassadenelemente oder Verfüllziegel mit dickeren Stegen) unterschieden sind.

Diese Unterschei­dung wurde ins Energie­effizienzprogramm übernommen. Dadurch bleibt die Vergleich­bar­keit der Energieeffizienz auch bei stark veränder­tem Produktmix erhalten.

Wie geht es weiter?

Die Einführung des Energiemanagementsystems bei Schlagmann war natürlich zunächst mit Arbeit verbunden. Aber mittlerweile werden die Vorteile des Systems immer deutlicher. Heinz Girgner, der Leiter des Zeilarner Werks, sagt dazu: „Mittlerweile leben wir das System wirklich.“

Auch der Energiemanagementbeauftragte Peter Dorfner ist zufrieden. „Wir haben in kurzer Zeit viel auf die Beine gestellt“, lautet sein Statement.

Aber für Schlagmann ist die Einführung des Systems nur ein Schritt. Bis 2020 soll die Ziegelproduktion CO2-neutral werden. Dafür gibt es schon viele Ideen – für große Maß­nahmen wie Eingriffe in den Ofen-Trockner-Verbund oder den Betrieb eigener Kraft-Wärme-Kopplungs­anlagen und für kleinere Maßnahmen wie verbesserte Beleuchtungssteuerung. Alle diese Ideen werden jetzt im Rahmen des Energiemanagementsystems untersucht, bewertet und zur Entscheidung vorbereitet.

Die Prozesse werden systematisch verbessert, auf einem konsequenten Weg hin zur Energieeffizienz und CO2-Neutralität.

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