Klimakonzept für Kälberhalle
Adiabatische Kühlung für denkmalgeschütztes Gebäude
Die Klimaanlage für die Augsburger „Kälberhalle“ ist ein Musterbeispiel dafür, wie vielfältig die Einsatzbereiche für moderne Klimatechnik sind. Die Kälberhalle ist Teil des historischen Schlachthofes und beherbergt heute die Hasen-Brauerei sowie ein Restaurant mit Veranstaltungsbereich. Colt International entwickelte für das Restaurant ein innovatives Klimakonzept mit adiabatischer Spitzenlastkühlung für die Gastronomie, kombinierter Be- und Entlüftung mit Beheizung und maschineller Entrauchung.
Im Jahr 2007 begann die Dierig Holding AG als neuer Eigentümer, die denkmalgeschützte Anlage für eine zeitgemäße Nutzung zu sanieren. Fast 7 Mio. € kostete allein die Renovierung und Einrichtung der Kälberhalle. Das wohl schönste Gebäude im Alten Augsburger Schlachthof wurde zur neuen Braustätte der Hasen-Bräu. Einen großen Teil der ca. 17 000 m² großen Halle, nimmt das Restaurant „Kälberhalle – Augsburger Brauhaus Zum Hasen“ ein.
Das Energie- und Sicherheitskonzept
Die Aufgabe, welche die Raumklimaexperten von Colt International (www.colt-info.de) in der Augsburger Kälberhalle zu lösen hatten, stellten sich als anspruchsvoll heraus: In ein 100 Jahre altes Schmuckstück historischer Baukunst sollte eine moderne, funktionale und „ansehnliche“ Klimaanlage eingebaut werden. In der stellenweise 10 m hohen Halle haben etwa 400 Menschen Platz, bei Veranstaltungen können es sogar bis zu 1000 werden. Konkret ging es darum, für die etwa 14 000 m3 Raumvolumen ein verlässliches Klimakonzept zu entwickeln. Hierzu galt es, ein durchschnittliches Luftvolumen von ca. 60 000 m3/h Luft umzuwälzen – das entspricht in etwa einer Leistung für rund 60 Einfamilienhäuser.
Die Colt-Ingenieure, die mit dem Ingenieurbüro Ledwig aus Donaueschingen zusammen arbeiteten, entwickelten und installierten eine kombinierte Lüftungs-, Kühl- und Brandlüftungsanlage, deren Herzstück eine adiabatische Kühlung – also eine Kühlung durch Verdunstung von Wasser – darstellt. Konkret kamen vier Verdunstungskühler vom Typ „CoolStream” mit zusätzlicher Filterung und Beheizung zum Einsatz, zwei Dachbelüftungsanlagen vom Typ „Coltair”, zehn Brandgasventilatoren vom Typ „Liberator” sowie einer multifunktionalen MSR-Anlage (Fabrikat: Saia), die alle Funktionen miteinander verknüpft. Die Verdunstungskühler stellen sicher, dass im gesamten Gastronomiebereich zum Beispiel bei Außentemperaturen von 32 °C und 40 % Luftfeuchtigkeit draußen im Innern der Halle stabile 27 °C herrschen. Das entspricht einem Abbau von 265 kW Wärmelast.
Adiabatische Kühlung
Die adiabatische Kühlung stellt eine effiziente und effektive Alternative zu konventioneller Klimatisierung dar, besonders in Gebäuden mit so großen Raumvolumina wie in der Augsburger Kälberhalle – allein aufgrund ihrer Größe können solche Räume auf konventionelle Weise nicht kostenbewusst klimatisiert werden. In den „CoolStream”-Geräten wird die Luft durch Verdunsten von Wasser gekühlt. Die Energie für das Verdunsten des Wassers wird der Luft entnommen, dadurch kühlt die Luft sich um bis zu 10 K ab. Dabei wird die Außenluft jeweils mit einem langsam drehenden, sehr leisen Axialventilator durch das Kühlmedium geleitet. Gleichzeitig wird das Medium mit Trinkwasser gesättigt. Ein Kältemittel wie F(C)KW wird beim „CoolStream” nicht benötigt. Eine umweltfreundliche Systemsteuerung gewährleistet die sichere Zirkulation, Temperatur und Erneuerung des Wassers. Zu den Steuerungsparametern gehören die Zeit, die Außentemperatur und der jeweilige Feuchtigkeitsgrad der Luft. Die „CoolStream“-Geräte sind mit effizienten, stufenlos arbeitenden EC-Ventilatoren ausgestattet. Die vier Verdunstungskühler fördern – zusammen mit den beiden „Coltair”-Anlagen – ein Gesamtvolumen von bis zu 72 000 m3/h. Die „Coltair”-Anlagen sind modulare, dezentrale Systeme für Lüftung, Heizung und Wärmerückgewinnung. Die Baukomponenten der Anlagen sind leichtgewichtig – das ist ein Vorteil für die Installation in historischen Gebäuden wie der Kälberhalle, denn die Anlagen können ohne Probleme an jede bauliche Gegebenheit angepasst werden.
Maschinelle Entrauchung
Das zweite Element des Klimakonzeptes betrifft – neben der Klimatisierung – die tägliche Entlüftung in Verbindung mit einem effektiven Rauch- und Wärmeabzug für den Brandfall. In Übereinstimmung mit dem Brandschutzkonzept installierte Colt International auf dem Dach der Kälberhalle zehn Brandgasventilatoren vom Typ „Liberator” (Baureihe TL3/08/12). Sollte es zu einem Brand kommen, saugen die Brandgasventilatoren Rauch und heiße Gase aus der Halle. Die Geräte erfüllen die Anforderungen der Temperatur-Zeit-Klassifizierung F400, das bedeutet, dass sie bei einer Temperatur von 400 °C sicher über einen Zeitraum von 2 h arbeiten. Im Falle eines Brandes erfolgt die Luftnachströmung über sieben elektrisch betriebene Zuluftfenster.
Neben der Entrauchungsanlage, die das Herzstück der Sicherheitskonzeptes bildet, gehören zum Konzept eine Brandmeldeanlage sowie eine Notlichtanlage und eine automatische Sprachanlage, über die in Notfallsituationen Handlungsanweisungen gegeben werden. Sechs der zehn Brandgasventilatoren werden über Frequenzumformer auch zur täglichen Entlüftung genutzt – sie sind zusätzlich mit Schalldämpfern versehen. Das Volumen der Abluft wird dabei in Abhängigkeit von der Außenluftrate gesteuert. Das gesamte Entrauchungsvolumen der Brandgasventilatoren beträgt 126 000 m3/h.
Kurze Amortisationszeiten
Nach allen Erfahrungen werden sich die Investitionen für Lüftungs-, Heizungs-, adiabatische Kühlungs- und Wärmerückgewinnungsanlagen in der Augsburger Kälberhalle innerhalb relativ kurzer Zeit komplett amortisieren – zumal die Gastronomie an sieben Tagen in der Woche geöffnet hat. Ein weiteres Plus sind die geringen Betriebskosten: Allein die Geräte für die adiabatische Kühlung sind im laufenden Betrieb etwa vier- bis siebenmal günstiger als herkömmliche Kühlanlagen.
Das Klimaprojekt Kälberhalle ist ein Beispiel dafür, dass Expertise und erprobte Zusammenarbeit – Colt International hat bereits etliche Projekte mit dem Ingenieurbüro Ledwig erfolgreich umgesetzt – auch in „schwierigen“ baulichen Strukturen zu für alle Beteiligten zufriedenstellenden Ergebnissen führen. Dabei ist es gelungen, moderne Technologie in eine vorgegebene historische Bausubstanz zu integrieren.
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