Adiabate Kühlung in der Produktion
Angenehmes Raumklima und Kosteneinsparung bei der Prewag
Absolute Präzision ist das A und O bei der Prewag AG mit Sitz in Neuhaus im schweizerischen Kanton Sankt Gallen. In der Kunststoff-Spritzgießerei werden rund um die Uhr Formteile für die Industrie hergestellt. Die Fertigungsprozesse sind äußerst hitzeintensiv, und Kunststoff ist ein empfindlicher Werkstoff. Um ein ausgewogenes Klima in der Produktion zu gewährleisten, investierte die Prewag AG in ein Belüftungssystem mit adiabatischer Kühlung und mechanischer Entlüftung.
Das ist zuallererst für die Menschen, die hier arbeiten, wichtig. Sie überwachen den...
Das ist zuallererst für die Menschen, die hier arbeiten, wichtig. Sie überwachen den Ablauf der Produktion von der Aufbereitung des Rohmaterials über die Fertigung bis hin zur fachgerechten Verpackung und Auslieferung der Kunststofferzeugnisse. Sodann ist Kunststoff ein empfindlicher Werkstoff. Wenn im Zuge des Spritzgussverfahrens Rohkunststoffe geschmolzen werden, so können dabei Schmelzpunkte von über 200 °C erreicht werden. Der geschmolzene Kunststoff wird in Formen gepresst, die dann allmählich erkalten. Dieser Prozess darf nicht gestört werden – zum Beispiel durch Zugluft, denn dann kann es zu Qualitätseinbußen kommen.
Zusätzlich belastend für das Raumklima in der Produktion ist die für Spritzgießereien typische Hitzeentwicklung, die allein durch den hohen Grad an Automatisierung entsteht: Moderne Spritzgießmaschinen verfügen über eine Schließkraft von bis zu 2000 kN. Sind diese Maschinen rund um die Uhr im Einsatz, so führt das zu enormen Wärmebelastungen. Bei der Prewag AG war die Situation konkret so, das sich im Hochsommer – äußere Wärmelast 80 kW bei gleichzeitiger innerer Wärmelast von 180 kW – der Wärmestau mit natürlicher Lüftung nicht mehr abbauen ließ.
Belüftungssystem mit adiabatischer Kühlung
Im Rahmen einer ersten Situationsanalyse stellten die Klimaexperten von Colt International (www.colt-info.de) im Arbeitsbereich der etwa 720 m2 großen Produktionshalle (6200 m3 Raumvolumen) 28 °C, und im Dachbereich sogar 35 °C fest – und zwar bei durchaus angenehmen Außentemperaturen von 22 °C. Die vorhandene Entlüftung, die über mehrere ausstellbare Klappen im Oberlicht auf dem Hallendach bewerkstelligt wurde, sowie die Frischluftzufuhr, die ausschließlich über Fenster, Türen und Tore erfolgte, war nicht mehr geeignet, ein stabiles Raumklima im Produktionsbereich zu gewährleisten.
Colt International konzipierte deshalb für die Prewag AG ein kombiniertes System: Drei „CoolStream“-Geräte (Belüftungssystem mit adiabatischer Kühlung) wurden mit mechanischen Entlüftungsgeräten vom Typ „Typhoon“ kombiniert, deren Kapazität stufenlos an die Zuluftmenge gekoppelt ist und mit Frequenzumformer betrieben wird.
Die „Typhoon“-Lüfter konnten dank ihrer extrem leichten Bauweise und ihrer niedrigen Bauhöhe auf dem Hallendach in das vorhandene Oberlicht integriert werden. Die „CoolStream“-Geräte wurden im seitlichen Dachbereich installiert. Die gekühlte Frischluft wird über ein System spezieller Gewebeschläuche gezielt ins Halleninnere geleitet.
Energiesparende EC-Ventilatoren
Colt International installierte bei der Prewag AG „CoolStream“-Geräte der Baureihe BG 16. Sie verfügen über energiesparende stufenlose EC-Ventilatoren, der Luftdurchsatz beträgt pro Gerät maximal 16 000 m³/h. Die drei „CoolStream“-Geräte wurden so verteilt, dass der gesamte Hallenraum mit frischer Luft versorgt werden kann.
Zur Einleitung der Frischluft ins Halleninnere installierte Colt International ein System von waagerecht angeordneten Gewebeschläuchen. Es handelt sich um runde Gewebeschläuche aus der schwer entflammbaren Kunstfaser „Trevira CS“ (Brandklasse B1). Insgesamt sechs solcher Schläuche wurden installiert, und zwar jeweils zwei à 6 m Länge pro „CoolStream“-Gerät. Die Anordnung der Schläuche wurde so gewählt, dass sie nicht mit den beweglichen Kranbahnen im oberen Hallenbereich der Spritzgießerei kollidieren.
Perforierte Gewebeschläuche
Um sicherzustellen, dass die gekühlte Luft auch gezielt in die Arbeitsbereiche im unteren Hallenbereich bei den Spitzgussmaschinen strömt, wurden die Schläuche perforiert. Dabei erfolgte die Lochung nach einem speziellen Muster: Stellt man sich den Querschnitt durch einen Gewebeschlauch als Zifferblatt einer Uhr vor, so wurde das Gewebe in den Bereichen von drei Uhr bis fünf Uhr und von sieben Uhr bis neun Uhr perforiert – also nach unten hin, in Richtung der Produktionsbereiche.
Die Frischluft bildet auf diese Weise einen regelrechten See im unteren Hallenbereich ohne dass Zugluft entsteht. Die Luftaustrittsgeschwindigkeit beträgt aufgrund der Perforation etwa 1 m/s.
Die verbrauchte und aufgeheizte Luft findet ihren Weg über drei Entlüftungsgeräte vom Typ „Typhoon“, die sich auf dem First des Hallendaches befinden, aus der Halle ins Freie. Diese leichtgewichtigen und kompakten Abluftventilatoren verfügen über eine hohe Lüftungsleistung in Kombination mit niedrigem Luftwiderstand und einem sehr geringen Stromverbrauch.
Stabiles angenehmes Raumklima
Bereits in der zweiten Hälfte des Sommers 2011 konnte die Prewag AG feststellen, dass das neue Klima-Lüftungs-System in der Praxis gut funktioniert. Im Juli 2011 ging die neue Anlage nach einer etwa sechswöchigen Installationsphase in Betrieb. Stabile angenehme Temperaturen von 27 °C herrschten ab sofort im Halleninnern – und das selbst bei Außentemperaturen von 31 °C. Zuglufterscheinungen über Fenster, Türen oder Tore gehören der Vergangenheit an. Darüber freuen sich besonders die Mitarbeiter. Die Geschäftsleitung der Prewag AG ist zufrieden mit den äußerst günstigen Betriebskosten für die neue Anlage: Bei einem Betrieb über zwölf Monate belaufen die sich jährlichen Kosten auf etwa 1100 € für Strom und etwa 500 € für Wasser. Ein weiteres Plus des neuen Systems: In den Übergangszeiten und in der Winterperiode kann es – ohne adiabatische Kühlung – zur Be- und Entlüftung genutzt werden. Die Prewag will ihren Betrieb im laufenden Jahr erweitern. Eine neue Produktionshalle ist in Planung. Und schon heute ist klar: Auch dort soll wieder das adiabatische Kühlsystem „CoolStream“ zum Einsatz kommen.
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