Interview mit Dror Peled und Michael Lechte, Mitsubishi Electric

Heute handeln für eine grünere Welt von morgen

tab: Herr Peled, Mitsubishi Electric formuliert auf der eigenen Website mit der „Environmental Vision 2021“ ambitionierte Ziele in Bezug auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Bitte erläutern Sie doch den tab-Lesern die Details und die Motivation Ihres Unternehmens in diesem Zusammenhang.

Dror Peled: Uns liegt das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit schon seit sehr vielen Jahren am Herzen. Bereits im Jahr 2007 starteten wir die langfristig angelegte Umweltinitiative von Mitsubishi Electric „Environmental Vision 2021“. Hiermit verpflichtet sich Mitsubishi Electric bis zum Jahr 2021, in dem wir den 100. Geburtstag des Unternehmens feiern, in seiner Produktion und in der Nutzung der Produkte eine weltweite Verminderung der CO2-Emissionen um 30 % zu erreichen. Das gelingt u.a. durch eine ressourcenschonende Produktion, den Einsatz recycelbarer Materialien, die Schaffung höchster Effizienz bei unseren Produkten, aber auch durch ein Umdenken in den Köpfen unserer Mitarbeiter und ein möglichst umweltverträgliches Verhalten. 2021 hören wir dann übrigens nicht auf mit unseren Anstrengungen.

Die Vision 2021 wird mit der Vision 2050 fortgesetzt. Bis 2050 sollen die CO2-Emissionen um beachtliche 80 % gesenkt werden. Wir müssen heute handeln, um morgen eine grünere Welt schaffen zu können.

Michael Lechte: Flankiert wird die Umsetzung der Vision 2021 durch das bereits 2010 gestartete Eco Changes-Programm. Eco Changes steht für alle täglichen Aktivitäten von Mitsubishi Electric, die dem Umweltschutz dienen, sowohl in Bezug auf die Produktion und die Produkte von Mitsubishi Electric als auch auf die Einsätze der Mitarbeiter. Sowohl durch unsere interne als auch unsere externe Kommunikation wollen wir das umweltbewusste Verhalten unserer Mitarbeiter, aber auch unserer Kunden immer aufs Neue thematisieren und fördern. Das Programm kommt bei allen hervorragend an und es haben sich etliche Mitarbeiter dazu bereiterklärt, persönlich für Eco Changes zu werben und der Kampagne ein Gesicht zu geben.

tab: Seit 2015 hat die Deutschland-Zentrale von Mitsubishi Electric in Ratingen ein neues Zuhause gefunden. Haben Sie das Thema Nachhaltigkeit auch in Ihrem eigenen Firmensitz berücksichtigt?

Dror Peled: Selbstverständlich! Für Mitsubishi Electric stand von Anfang an fest, dass wir mit unserem Firmensitz Maßstäbe setzen wollten für umweltfreundliches, ressourcenschonendes und nachhaltiges Bauen. Und das haben wir auch umgesetzt, wie die LEED-Zertifizierung in Platin eindrucksvoll beweist. Wir zeigen hier in Ratingen, dass hoher Nutzerkomfort und energieschonendes Bauen in einem modernen Gebäude gleichermaßen möglich sind. Im Vergleich zu unserem früheren Firmensitz haben wir den Energieverbrauch pro Quadratmeter Bürofläche um 40 % senken können.

tab: Mit welchen technischen Maßnahmen haben Sie dies erreicht?

Michael Lechte: Es versteht sich von selbst, dass wir überall dort, wo es möglich war, Produkte aus dem eigenen Haus eingesetzt haben: Aufzüge, Medientechnik, Gebäudeleittechnik und natürlich die komplette Heizungs- und Klimatechnik stammen von Mitsubishi Electric. Diese gehören an sich schon zu den energieeffizientesten Lösungen im Markt, ihr Einsatz allein erklärt aber noch nicht die hervorragenden Ergebnisse in Bezug auf den Energieverbrauch, die wir in Ratingen erzielen konnten. Zum einen konnten wir natürlich durch unser Produkt-Know-how bei der Planung und der Installation das Beste aus den Systemen herausholen. Ein wesentlicher Baustein für maximale Energieeffizienz in unserem Firmensitz ist auf jeden Fall das simultane Heizen und Kühlen mit Wärmerückgewinnung mit unseren „City Multi“-VRF-R2-Systemen. Wir haben aber auch den Betrieb des Gebäudes genauestens unter die Lupe genommen und optimiert. Die präsenzgesteuerte Beleuchtung und Klimatisierung im Gebäude seien hier nur beispielhaft genannt. 

Dror Peled: Erwähnenswert sind auch einige Aspekte rund um die Firmenzentrale, die nicht mit der Gebäudetechnik direkt zu tun haben. So setzen wir überall, wo es möglich ist, auf regionale Dienstleister und Lieferanten, um lange Anfahrten zu vermeiden. Bei der Standortwahl war es wichtig, dass unsere Mitarbeiter mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis vor die Tür der Firmenzentrale kommen; Bahnfahrer erhalten einen ÖPNV-Zuschuss und natürlich haben wir auch einen großen Fahrradparkplatz. Wir versuchen in den Büros so papierlos wie möglich zu arbeiten und Mülltrennung wird bei uns in der Zentrale sehr gewissenhaft betrieben. Zudem haben wir in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) auf dem Firmengelände einen insektenfreundlichen Staudengarten und eine Streuobstwiese angelegt und zur Eigennutzung in der Kantine werden Obst und Kräuter geerntet. Sogar ein Imker nutzt unseren Garten.

Michael Lechte: Zu dem eben genannten Punkt Mülltrennung sollte man auch erwähnen, dass dies nicht nur in unserer Firmenzentrale praktiziert wird, sondern dass wir auch in unseren Werken größten Wert darauf legen, dass möglichst ressourcenschonend produziert wird und dass Reststoffe recycelt werden. Selbst bei der Verpackung der Produkte achtet Mitsubishi Electric darauf, dass nur sortenreine Kunststoffe eingesetzt werden. Wo immer es geht, verzichten wir sogar komplett auf Kunststoffe, um den Verpackungsmüll zu reduzieren. Zum Teil werden auch schon Paletten statt aus Holz aus Presspappe eingesetzt. 

tab: Spüren Sie auch bei Ihren Endkunden, den Betreibern bzw. Besitzern von Gebäuden, ein Umdenken, was den Einsatz umweltfreundlicher Techniken betrifft – auch wenn diese unter Umständen etwas mehr Geld kosten?

Dror Peled: Der „grüne Gedanke“ spielt sicher auch bei Betreibern eine immer wichtigere Rolle. Allerdings findet man Umweltschutz zum Selbstzweck doch eher selten als die treibende Kraft bei Entscheidungen. Hier sind Wirtschaftlichkeit und Kosten nach wie vor die ausschlaggebenden Beweggründe. Unsere Aufgabe als Hersteller muss es daher sein, Produkte zu entwickeln, bei denen sich Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz nicht ausschließen. Schließlich bedeuten energieeffiziente Anlagen auch niedrigere Kosten und weniger CO2-Emissionen. Das ist übrigens kein Blick in die Glaskugel, sondern bereits Status quo bei unseren Produkten.

tab: Welche Produkte haben Sie in diesem Zusammenhang besonders im Blick?

Michael Lechte: Wenn ich jetzt ein Produkt herausgreife, verstehen Sie dies bitte als beispielhafte Erwähnung. Das soll nicht heißen, dass andere Systeme weniger energie­effizient sind. Besonders am Herzen liegt mir die Nennung unseres „Hybrid“-VRF-Systems, bei dem wir das Beste aus zwei Welten vereint haben. Das „Hybrid City Multi“-System (HVRF) ist das weltweit erste 2-Leiter-System zum simultanen oder abwechselnden Kühlen und Heizen mit Wärmerückgewinnung, das die Vorzüge eines direktverdampfenden mit denen eines wassergeführten Systems kombiniert. Wir bieten das System in zwei Varianten an – als „R2“-Serie und als „Y“-Serie. Die „R2“-Serie ermöglicht Heizen und Kühlen über ein 2-Leiter-System und den sogenannten „Hybrid BC“-Controller. Die „Hybrid VRF Y“-Serie ermöglicht den Kühlbetrieb oder den Heizbetrieb auf Basis der standardmäßig integrierten Wärmepumpenfunktion.

Das System zeichnet sich durch hohe Energieeffizienz, individuellen Komfort in jedem einzelnen Raum und einen sehr geringen Planungs-, Montage- und Wartungsaufwand aus. Es kommt mit einer reduzierten Kältemittelfüllmenge aus und ist auf die steigenden Anforderungen der Zukunft bestens vorbereitet.


Dror Peled: Den Aspekt der Kältemittelfüllmenge möchte ich noch einmal besonders herausstellen. Vor dem Hintergrund der F-Gas-Verordnung legen wir größten Wert darauf, bei allen Systemen die Füllmengen zu reduzieren und Kältemittel mit möglichst geringem Treibhauspotential einzusetzen, wobei wir sowohl die direkten als auch die indirekten Emis­sio­nen gleichermaßen im Blick behalten. Der verstärkte Einsatz des Kältemittels R32 in unseren Produkten gehört hier genauso dazu wie die Entwicklung von Wärmepumpensystemen mit CO2 als Kältemittel. Nicht zu vergessen unsere Kaltwasser-Lösungen, die durch die Integration von Climaveneta in unsere Firmengruppe deutlich an Fahrt aufgenommen haben.

Mindestens genauso wichtig wie die Energieeffizienz der Anlage und der Einsatz des richtigen Kältemittels ist aber auch der optimierte Betrieb. Da aber ohne verlässliche Daten und ein entsprechendes Monitoring letztlich keine Optimierung möglich ist, setzen wir bei Mitsubishi Electric auf eine ausgefeilte Mess-, Steuer- und Regeltechnik bei unseren Produkten sowie eine entsprechende Analyse und Visualisierung der Daten. Die Potentiale im Betrieb, die damit gehoben werden können, sind immens. Ich halte übrigens auch schon bei kleinen Anlagen ein Monitoring für sinnvoll.

tab: Tue Gutes und rede darüber, heißt es im Volksmund. Wie informieren Sie Ihre Kunden über die genannten positiven Aspekte?

Michael Lechte: Lösungen mit einem geringen Treibhauseffekt zu entwickeln und anzubieten ist das eine, aber das Ganze dann auch zu vermitteln und zu erläutern, ist etwas ganz anderes. Daher investieren wir viel Zeit in die Weiterbildung unserer Kunden. Wir müssen sie fit machen im Umgang mit unseren Systemen, sonst können deren Energieeinsparpotentiale nicht voll ausgeschöpft werden. Schulung, Training und – nicht zu vergessen – verständlich formulierte und ansprechende Dokumentationen stehen daher bei Mitsubishi Electric ganz oben auf der Agenda. Wir haben ein sehr breit angelegtes Schulungsprogramm auf die Beine gestellt, das ständig aktualisiert und erweitert wird. Dabei geht es übrigens nicht nur um die bloße Technik, auch Recht, Normen, Vorschriften und Tipps im Umgang mit Endkunden werden von uns vermittelt. Und durch unsere großen Schulungsräume in Ratingen haben wir die besten Bedingungen geschaffen, um in einem lernfreundlichen Umfeld mit allen Geräten zum Anfassen und Ausprobieren Weiterbildung auf einem Top-Niveau anbieten zu können. 

Dror Peled: Mit Trainingseinrichtungen in Stuttgart, Hamburg, Nürnberg und Frankfurt bringen wir das Trainingsangebot aber auch in andere Regionen Deutschlands. In ausgewählten Tagungshotels in anderen Städten richten wir zudem Trainingscamps auf Zeit ein. Wissensvermittlung ist aus meiner Sicht aktiver Umweltschutz!

tab: Herzlichen Dank für das Gespräch!

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