Gebäudetechnischer Brandschutz – eine berufliche Perspektive?

Planer und Ausführende, Hersteller und Betreiber, Sachverständige und Prüfer – sie alle kennen die Schwierigkeiten, im heutigen Brandschutz-Baualltag den Überblick über das aktuelle gesetzliche und technische Regelwerk zu behalten, sinnvolle Maßnahmen festzulegen und korrekte Ausführungen im Neubau und Bestand herzustellen. Eine „brandaktuelle Bildungsoffensive“ von EIPOS in Dresden soll einen weiteren Beitrag dazu leisten, dass auch im Bereich des gebäudetechnischen Brandschutz praxisorientiertes Spezialwissen vermittelt wird.

Fachplaner für gebäude-

technischen Brandschutz

Für Ingenieure der Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Elektro-branche wird bereits seit 2000 die berufsbegleitende Fachfortbildung „Fachplaner für gebäudetechnischen Brandschutz“ angeboten. Hier werden grundlegende Kenntnisse zum anlagentechnischen Brandschutz und zu Brandschutzmaßnahmen in Verbindung mit Gebäudeinstallatio­nen bzw. Leitungsanlagen vermittelt. Inzwischen haben rund 300 Fachleute aus der Planung, Bauleitung und Überwachung sowie aus der Produktentwicklung und -beratung diese sieben Wochenendkurse umfassende Fachfortbildung in Dresden und Düsseldorf absolviert. Oftmals erwarten die Teilnehmer „die Brandschutzlösung“ oder „das Detail“. Aber dies ist nicht das Hauptanliegen der Lehrveranstaltungen. Neben Faktenwissen lehren die Dozenten das komplexe Denken im fachlichen, bauordnungsrechtlichen und haftungsrelevanten Sinne gleichermaßen. Anhand von Projektbeispielen und Systemlösungen werden die Schnittstellen Brandschutz/Schallschutz/Wärmeschutz und die persönliche Verantwortung des Planers und Ausführenden in den einzelnen Leistungsphasen deutlich gemacht. Meistens entstehen intensive Kontakte, die nicht mit dem Seminar enden, sondern in einem regen Erfahrungsaustausch ihre Fortsetzung finden.

Am 5. September 2008 startet in Dresden erstmals die berufsbegleitende Fachfortbildung „Sachverständiger für gebäudetechnischen Brandschutz“, die aufbauend auf dem Fachplanerkurs vertiefende Kenntnisse vermittelt. Das Konzept wurde wiederum in Zusammenarbeit mit Manfred Lippe, öbuv Sachverständiger für den baulichen und anlagentechnischen Brandschutz, und vielen bekannt als Autor des Kommentars der Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie, erarbeitet. Er fungiert neben seiner Dozententätigkeit als Studienleiter für dieses Weiterbildungssegment bei EIPOS. Zulassungsvoraussetzung ist – wie bei allen Sachverständigenfortbildungen bei EIPOS – der erfolgreiche Abschluss als Fachplaner in diesem Fachgebiet bzw. als Sachverständiger für vorbeugenden Brandschutz oder brandschutztechnische Bau- und Objektüberwachung.

Brandschutz in die Planung einbeziehen

Anlass sowie Dreh- und Angelpunkt für die neue Fachfortbildung ist die Tatsache, dass der Brandschutz oft nicht im Zusammenhang gesehen und verstanden wird. Brandschutzkonzepte für moderne Gebäude sehen häufig technische Brandschutzmaßnahmen vor, um erhöhte Brandgefahren zu beherrschen oder als Kompensation für Abweichungen von baurechtlichen Vorschriften des baukonstruktiven Brandschutzes. Jedoch kann die Schutzwirkung nur dann dauerhaft gewährleistet werden, wenn Planer, Errichter und Betreiber die Funktion und Wirkung sowie das Zusammenwirken aller Maßnahmen kennen und konsequent umsetzen. Die Fachfortbildung soll zur Beurteilung und Fortschreibung von Planungen des gebäude- und anlagentechnischen Brandschutzes bis hin zur Begleitung und Beratung bei der Ausführung befähigen. Darüber hinaus liegen die Schwerpunkte bei der Planung und Dokumentation der technischen Gebäudeausrüstung, insbesondere im Hinblick auf den späteren Nachweis des Bestandsschutzes. Im Mittelpunkt der diskussionsoffenen Seminare stehen Beispiele, anhand derer die Funktionen und Wechselwirkungen zwischen den Komponenten der Brandschutztechnik untereinander bzw. zur Haustechnik und den technischen Einrichtungen zum baulichen Brandschutz dargestellt werden. Darüber hinaus wird der grundsätzliche Aufbau und die Umsetzung einer Brandfallsteuermatrix für Anlagen und Einrichtungen der Gebäudetechnik vermittelt.

Anwendungsorientiert und

praxisnah

Trainings in Laboren der FH Lausitz in Cottbus und der Imtech in Hamburg sowie Übungen zur Planung, Ausführung und Dokumentation von aktuellen Brand- und Löschversuchen gewährleisten eine sehr anwendungs- und praxisorientierte Seminargestaltung. Dafür steht auch das „alte und neue“ Dozententeam, das sich aus Fachingenieuren und Sachverständigen aus der Planung und Ausführung, Forschung und Normung sowie Prüfung und Anwendung zusammensetzt.

Für beide Weiterbildungsangebote gilt, dass die Abschlussbe­zeich­nungen „Fachplaner“ und „Sachverständiger“ keine ge­schütz­ten Berufsbezeichnungen dar­stellen. Auch mit dem erfolgreichen Abschluss der teilweise sehr anspruchsvollen Prüfungen ist keine automatische bauaufsichtliche Anerkennung oder öffentliche Bestellung und Vereidigung verbunden. Derartige Berufungen erfordern in jedem Fall ein separates Anerkennungsverfahren entsprechend den gesetzlichen Regelungen der einzelnen Bundesländer. Die Weiterbildung trägt aber ohne Zweifel dazu bei, nachzuweisen, dass, tatsächlich eine besondere Sachkunde vorhanden ist bzw. zu erkennen, ob eine anerkannte Sachverständigentätigkeit eine berufliche Pers­pektive darstellen könnte.

Neben den berufsbegleitenden Fachfortbildungen wird seit 2003 bei EIPOS auch ein postgradualer Master-Studiengang Vorbeugender Brandschutz angeboten – nach wie vor ein Unikat im deutschsprachigen Raum. Der viersemestrige, modular aufgebaute Studiengang wird in Kooperation mit der Hochschule Zittau/Görlitz (FH) durchgeführt. Inzwischen haben 89 Ingenieure – vorwiegend aus den Bereichen Bauwesen und Architektur sowie Haustechnik – aus Deutschland, Österreich und der Schweiz das Studium aufgenommen oder bereits erfolgreich beendet.

Im Oktober 2006 wurde das Akkre­ditierungsverfahren für die­sen Master-Studiengang er­folg­reich abgeschlossen. Die Gut­achter bewerten den Studien­gang als in sich stimmig und bescheinigen die Vermittlung der erforderlichen Befähigung zum Zugang zu den Laufbahnen des höheren Dienstes. Die Fachkommission Bauaufsicht der Bauministerkonferenz hat festgestellt, dass Absolventen des Master-Studienganges die nicht Bauingenieur oder Architekt sind, mit diesem Studiengang und entsprechender Berufserfahrung formal die Zulassungskriterien für eine Anerkennung als Prüfingenieur erfüllen. Damit ist dieser Studiengang auch für diejenigen von Interesse, die auf Grund ihrer Ausbildungsrichtung, z. B. Heizungs-, Lüftungs- und Sanitär- oder Klimatechnik von diesem Entwicklungsweg bisher ausgenommen waren.

Dipl.-Ing. Sabine Schönherr
Produktmanagerin Brandschutz beim Europäischen Institut für postgraduale Bildung an der Technischen Universität Dresden e. V. (EIPOS), 01309 Dresden, Internet: www.eipos.de
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