Eine Marken-Erlebniswelt in Remscheid

Die Entstehung der „Vaillant expo“

Die Faszination einer Marke in einer Präsentation vermitteln? Einfach. Die Entwicklung einer Marke ansprechend und spannend darstellen? Machbar. Einer Marke ein ganzes Gebäude widmen und den Besucher auf eine Reise durch die Geschichte mitnehmen? Anspruchsvoll. Vaillant hat genau diese Aufgabe mit seinem Marken-Erlebniscenter „Vaillant expo“ in Remscheid überzeugend gelöst. Und setzt dazu gleich auf innovative Technologien, um die geplanten 6.000 Besucher pro Jahr nicht nur zu überzeugen, sondern auch zu begeistern. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie das gelingen kann.

Es ist kein neues, aufwendig erstelltes Gebäude auf der grünen Wiese in dem Vaillant seine Markenerlebniswelt untergebracht hat. In Remscheid steht man zu seinen Wurzeln und hat „kurzerhand“ eine der ältesten Hallen auf dem bestehenden Werksgelände umgebaut, ausgerüstet und ertüchtigt.

Es ist schon ein besonderes Erlebnis, wenn Angela Karaman, Senior Manager Brand Experience bei Vaillant, genau diese Geschichte erzählt. Der erste Eindruck von außen verheißt uns: Es handelt sich um eine Fabrikhalle, wie viele andere – zwar mit ungewöhnlich viel Fensterfläche und äußerst akkurat gestaltet, aber...

Es ist kein neues, aufwendig erstelltes Gebäude auf der grünen Wiese in dem Vaillant seine Markenerlebniswelt untergebracht hat. In Remscheid steht man zu seinen Wurzeln und hat „kurzerhand“ eine der ältesten Hallen auf dem bestehenden Werksgelände umgebaut, ausgerüstet und ertüchtigt.

Es ist schon ein besonderes Erlebnis, wenn Angela Karaman, Senior Manager Brand Experience bei Vaillant, genau diese Geschichte erzählt. Der erste Eindruck von außen verheißt uns: Es handelt sich um eine Fabrikhalle, wie viele andere – zwar mit ungewöhnlich viel Fensterfläche und äußerst akkurat gestaltet, aber dennoch eine Fabrikhalle. Dazu trägt auch der Eindruck bei, dass man sich mitten auf dem Firmengelände befindet. Links Rohrfertigung, rechts Büros und Kantine.

Der erste Eindruck beim Öffnen der Tür überrascht in zweifacher Hinsicht. Zum einen wird man von der warmen und offenen Atmosphäre förmlich direkt aufgenommen. Kein Empfangstresen stört – eher dominant ist ein einladender, großer Tisch, angelehnt an die bergische Kaffeetafel, und – zweite Überraschung – ein sympathisches Auditorium. Sympathisch, weil es sich hier nicht um eine klassische Treppenbestuhlung, sondern um farbige Sitzkissen auf warmen Holzböden handelt. Im äußerst großzügigen Eingangsbereich stören keine Wände oder künstliche Hemmschwellen. Vielmehr soll das Gefühl vermittelt werden, dass man nach Hause kommt. Und dass hier viel darüber nachgedacht wurde, wie man mit technischen Details ein gutes Gefühl vermitteln kann, zeigt z.B. eine vollständig versenkbare Garderobe für die Besucher. Oder eine abschließbare Handy-Ladestation für alle gängigen Marken und Smartphones. Die „Technik hinter der Vaillant expo“ erschließt sich oft erst auf den zweiten Blick, ist angenehm unaufdringlich, spielt sich nicht selber um der Technik willen in den Mittelpunkt, sondern ist stummer Diener.

Flexibilität als Herausforderung

Die wahre Herausforderung der expo versteckt sich hinter einer einfachen Formel: Flexibilität. „Die expo soll und wird keine statische Ausstellung, sondern genauso lebendig wie die Marke Vaillant selbst – mit den zentralen Markenwerten und -botschaften“, so Robert Benda, Head of Brand Marketing Vaillant bei der Vaillant Group. „Vielmehr wird hier nicht nur jede Besuchergruppe eine in zahlreichen Details individuell auf sie zugeschnittene expo erleben, sondern die expo wird sich auch selber ständig anpassen. Unsere Vorgabe war, dass sich gerade dieser Szenarienwechsel über ein offenes System relativ einfach realisieren lassen musste.“

Wie die Voraussetzungen zu Beginn der Planungen aussahen, kann man sich anhand der ersten Informationen zur Halle lebhaft vorstellen. Ein wesentliches Detail zur Ausgangslage der Halle: Zwar konnte es nicht letztendlich geklärt werden, aber man geht davon aus, dass es eine der ältesten Hallen auf dem Firmengelände ist, in der die ersten Vaillant-Produkte am Standort der Berghauser Straße in Remscheid hergestellt worden sind. Dementsprechend stellte sich der Gesamtzustand des Gebäudes durch eine Vielzahl an Umbauten und Veränderungen im historischen Verlauf seiner Nutzung dar. Darüber hinausgehend wurde die Halle, wie der größte Teil aller Gebäude auf dem Vaillant-Werksgelände, in Hanglage gebaut. Man ist ja auch im Bergischen Land. Das heißt, die Halle ist komplett unterkellert. Dabei ist der „Keller“ auf der einen Seite unterhalb des Erdreichs und liegt auf der anderen Seite ebenerdig.

Von der Produktionshalle zum Veranstaltungszentrum

Abhalten konnte das die Remscheider Experten für Heizungs- und Lüftungstechnik nicht davon, der Marke hier ein durch und durch emotionales Zuhause zu geben – vielmehr waren die (his­to­ri­schen) Voraussetzungen dafür geradezu ideal. Dazu boten der kurze Weg von Tor 1 des Werksgeländes bis zur Halle und die logistische Umgebung sowie der zur Verfügung stehende Raum eine optimale Basis für den späteren Betrieb der expo. Stets im Blickfeld musste dabei die notwendige Nutzungsänderung der Halle bleiben: weg von der Produktionsstätte und hin zu einem Veranstaltungszentrum mit seinen deutlich andersartig gelagerten gesetzlichen Bestimmungen, wie den erhöhten Anforderungen an den Brandschutz und die Flucht- sowie Rettungsweganordnung. Geradezu klar war aber, dass aufgrund der genannten Faktoren eine vollständige Entkernung der Halle stattfinden musste. Dazu musste u. a. eine vorhandene Trafostation für die Fertigung vollständig demontiert und im Untergeschoss wieder aufgebaut werden. Die Dachfläche aus alten Bimsdielen wurde komplett entfernt und mit neuen Akustiktrapezprofilen mit 16 cm Wärmedämmung und Foliendichtung neu aufgebaut. Das vorhandene Mauerwerk der Außenwände erwies sich trotz des hohen Alters der Halle als außerordentlich stark. Hierauf wurde ein 14-cm-Wärmedämm-Verbundsystem aufgesetzt und der Frontbereich gleichzeitig mit raumhoher Dreischeiben-Verglasung großzügig ausgestattet.

Im jetzigen Eingangsbereich bildet das Auditorium einen echten Blickfang. Die oberste Reihe ist ebenerdig mit dem Fußboden, die weiteren Sitzreihen verschwinden quasi im Boden. Nichts weist mehr darauf hin, dass genau an dieser Stelle früher einmal das Heizhaus des gesamten Standorts Remscheid gestanden hat. „Die Schächte und Gräben im Bereich des Heizhauses waren extrem tief, und wir mussten hier mit Beton auffüllen, um auf das gewünschte Niveau zu kommen“, beschreibt Roger Hardt, Group Real Estate Management Building and Property Manager bei der Vaillant GmbH. „Das treppenförmige Auditorium selber wurde dann mit einer Stahlkonstruktion auf der Grundlage des neuen Betonbodens hergestellt und aus akustischen sowie brandschutztechnischen Gründen mit nicht brennbarer Steinwolle gefüllt.“

Die historische Vergangenheit der Halle wurde insbesondere bei der Aufnahme der Böden deutlich. Beim Entfernen der einzelnen Beläge musste ein neuer höhenmäßiger Ausgleich mit einem entsprechenden Estrich geschaffen werden. In punkto Brandschutztechnik musste aufgrund der behördlichen Auflagen ein relativ breites Spektrum an Maßnahmen umgesetzt werden. Insbesondere die an die anderen Gebäude angrenzenden Wände wurden brandschutztechnisch abgeschottet. Die Halle wurde vollständig mit einer Sprinkleranlage ausgestattet, die in einem gestuften Meldekonzept bei Auslösung eines Alarms entweder die werksinterne Meldestelle im rund um die Uhr besetzten Pförtnergebäude oder direkt die Remscheider Feuerwehr erreicht. Darüber hinaus wurde eine aufwendige Stahltreppenkonstruktion als zweiter Flucht- und Rettungsweg neu erstellt.

Ausgefeilte Technik für Beheizung, Lüftung, Klimatisierung

Mit Wärme, Kälte und Frischluft wird die Halle über eine zentrale Lüftungsanlage mit einem entsprechenden Kanalsystem versorgt. Gesteuert wird die Anlage bedingt durch die stark wechselnde Auslastung u. a. über CO2-Sensoren. Darüber hinaus ist im Eingangsbereich eine Fußbodenheizung verbaut. Im Untergeschoss entsteht die benötigte Wärme durch eine „ecoCraft“-Kaskade, die auch das Werksgelände insgesamt versorgt. Darüber hinaus sind innerhalb der Ausstellung mehrere Geräte für die Wärme- und Stromversorgung in einem separaten Technik-Showroom in Betrieb – so u. a. ein BHKW von Typ „ecoPower 20.0“, ein Batteriespeicher „eloPack“ und ein „allStor“-Multispeicher.

Der Rundgang durch die Vaillant expo wird durch mehrsprachige, ausgebildete Guides übernommen. Und auch das ist Vaillant-typisch: Es handelt sich dabei nicht um angelernte „Ferienjob-Studenten“, sondern um „Eigengewächse“, u. a. aus der Marketingabteilung. Angesprochen und eingeführt werden alle Besucher durch diese Guides im Auditorium. Hier beginnen sie mit individualisierten Vorträgen. Ausgelegt ist das Gesamtkonzept auf neun Sprachen – schon das ist eine spürbare Herausforderung an die gesamte Technik hinter der Vaillant expo. Doch genau das ist letztendlich das Ziel: Jeden Gast persönlich willkommen zu heißen. „Auch bei der kompletten dramaturgischen Planung hatten wir immer den Menschen im Mittelpunkt“, informiert Robert Benda dazu. „Uns ist dabei der internationale Gedanke sehr wichtig, denn wir erwarten ca. 60 % der Gäste aus dem Aus- und 40 % aus dem Inland. Darüber hinaus spielte auch die Möglichkeit der individuellen Anpassung auf die Bedürfnisse der Besucher eine besondere Rolle. Nicht zuletzt versuchen wir, die Besucher durch verschiedene Elemente wie gemeinschaftliche Erlebnisse in der expo in das Geschehen einzubinden. Das beginnt mit einem Gruppenfoto im Auditorium, das später beim Rundgang in der Ausstellung auftaucht, und endet bei der Verbildlichung der Forschungsprojekte unseres Unternehmens in Videoanimationen.“

Die Show in der Hand – das Smartphone steuert die Systeme

Beim Rundgang nutzen die Guides ein Smartphone mit einem hinterlegten Content Management System, mit dem sich die gesamte expo in allen Komponenten steuern lässt – von der Beleuchtung über die Aktivitäten bis hin zu den Shows und der Akustik. Dadurch lässt sich der Rundgang auch auf die jeweils unterschiedliche Gruppendynamik der Besucher ausrichten und anpassen. Die zahlreichen Aspekte und Highlights an sich zu schildern, würde an dieser Stelle zu weit führen. Die Besucher erwartet eine Zeitreise, die sie über die wesentlichen Stationen der Vergangenheit – äußerst authentisch mit Materialien aus den ehemaligen Badezimmern – über die Gegenwart mit in die Zukunft der Heiztechnik nimmt. Über zahlreiche Stationen gelangen die Gäste zum Bereich „Visionen in der Heiztechnik“. Hier werden derzeit Szenarien der Regelung in der TGA veranschaulicht, die ohne feste Hardware, sondern als Human Interface konzipiert ist. Stellvertretend für die zahlreichen Projekte, an denen das Unternehmen forscht, ist auch der Zukunftstisch mit teilweisen Projektionen und real eingebetteten Elementen. Hier steht beispielsweise im Mittelpunkt, wie es künftig gelingen kann, die im Sommer über erneuerbare Energien erzeugte Wärme für den Verbrauch im Winter zu speichern. Nach dem Rundgang wartet – fast wie in einem Freizeitpark – nicht nur der Merchandisingshop, sondern ggf. auch eine Besichtigung der Produktion.

Fazit

Die Vorgabe war, eine flexible und wandlungsfähige Ausstellung zu schaffen, die das emotionale Herz der Marke bildet.

In Remscheid ist das dem ambitionierten Team überzeugend gelungen. Sowohl in punkto der Technischen Gebäudeausrüstung als auch des Aufbaus und der Steuerung der in neun Sprachen verfügbaren Show über Smartphones zeigt Vaillant, was derzeit möglich und machbar ist. Bei derzeit vorsichtig kalkulierten 6.000 Besuchern jährlich ist das eine Investition, die sich schnell bezahlt machen wird.

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