„Ein neues Techniklabor mit funktionsfähigen, komplexen technischen Anlagen“

Interview mit Dipl.-Ing. M.Eng. Andreas Neyen, Vorsitzender des Zentralen Berufsbildungsausschusses des BTGA

Herr Neyen, Ende 2019 eröffneten der BTGA und das ERFURT Bildungszentrum das neue Weiterbildungszentrum „Servicemonteur BTGA“ in Erfurt. Was hat es damit auf sich und wozu dient dieses Weiterbildungszentrum?

Andreas Neyen: Das Weiterbildungsseminar „Servicemonteur BTGA“ – ehemals „BHKS-Servicemonteur“ – wird seit vielen Jahren gemeinsam mit dem ERFURT Bildungszentrum durchgeführt. Dieses Zertifizierungsprogramm wurde als Bestandteil der Aus- und Weiterbildungsoffensive des BTGA im September 2018 neu aufgestellt. Wesentliche Bestandteile dieses Upgrades sind weitere Module mit neuen...

Herr Neyen, Ende 2019 eröffneten der BTGA und das ERFURT Bildungszentrum das neue Weiterbildungszentrum „Servicemonteur BTGA“ in Erfurt. Was hat es damit auf sich und wozu dient dieses Weiterbildungszentrum?

Andreas Neyen: Das Weiterbildungsseminar „Servicemonteur BTGA“ – ehemals „BHKS-Servicemonteur“ – wird seit vielen Jahren gemeinsam mit dem ERFURT Bildungszentrum durchgeführt. Dieses Zertifizierungsprogramm wurde als Bestandteil der Aus- und Weiterbildungsoffensive des BTGA im September 2018 neu aufgestellt. Wesentliche Bestandteile dieses Upgrades sind weitere Module mit neuen fachspezifischen Inhalten und ein neues Technik-labor mit komplett funktionsfähigen, komplexen technischen Anlagen. Damit wurde die Basis für unser Motto: „Lebenslanges Lernen in individueller Ausprägung“ gelegt. Das unterscheidet die Weiterbildungsseminare des BTGA von den Qualifizierungsangeboten allgemeiner Art, die es am Markt in ausreichender Anzahl gibt. Zukünftig sind weitere Module geplant, die für die vielen Bereiche der Elektrotechnik bedeutend sind.

Wie wurde der Schulungsraum konzipiert?

Andreas Neyen: Wesentlich für das Qualifizierungsangebot ist die Fokussierung auf das Geschäftsfeld „Servicedienstleistungen“ innerhalb unserer Branche. Im Gegensatz zum Projektgeschäft sind Fähigkeiten für die Wartung, Instandsetzung und Reparatur komplexer technischer Systeme fundamental. Der Monteur muss im Notdiensteinsatz in der Lage sein, sich schnell einen Überblick über die Funktionsweise teils fremder Anlagen zu verschaffen, um dann systematisch den verursachenden Fehler einzugrenzen. Kenntnisse über Aufbau und Funktionsweise einzelner Bestandteile der Gesamtanlagen und fachübergreifendes Wissen sind dabei unabdinglich. Diese Anforderungen waren Grundlage des Konzepts. Der Schulungsraum besteht deshalb aus zwei Bereichen: aus einer Technikzentrale für den praktischen Teil und einem Seminarraum für die Theorie – beides nur durch eine Glaswand getrennt. So kann der duale Ansatz der deutschen Berufsausbildung konsequent weitergeführt werden. Theorie und Praxis werden unmittelbar Hand in Hand vermittelt. 

Ein solcher Schulungsraum benötigt für die praktischen Übungen realistisch aufgebaute Anlagen der Technischen Gebäudeausrüstung. Wie wurde diese Herausforderung gelöst?

Andreas Neyen: Reden wir zuerst über die größte Herausforderung: die Kosten. Wer profitiert, der investiert. So ist es üblicherweise. Um ein solches Projekt zu realisieren, bedarf es deshalb vieler helfender Hände, denn die Amortisation dieser Investition in Qualifizierung lässt sich schwer in Zahlen fassen. Konsequent weitergedacht bedeutete das, viele Akteure unserer Branche zu involvieren. Zahlreiche Sponsoren waren sofort bereit, sich zu beteiligen und Komponenten beizusteuern. Es mussten aber auch erhebliche finanzielle Mittel bereitgestellt gestellt werden, um das Projekt zu realisieren. Wir reden hier insgesamt über sechsstellige Beträge, an deren erster Stelle keine Eins mehr steht. 

Es wurde eine Klimaanlage mit allen Luftbehandlungsfunktionen, diversen Luftauslässen, Volumenstromeinstellmöglichkeiten und den Komponenten für den Brand- und Schallschutz installiert und mit kompletter Regelungstechnik versehen. Damit können unter anderem die Module „Raumlufttechnische Systeme“ und „Mess-, Steuer-, Regeltechnik mit Schwerpunkt in der Heizungstechnik“ abgebildet werden. Hydraulische Schaltungen und Druckhaltung lassen sich an den Kälte- und Wärmeerzeugungsanlagen schulen. Diese wurden selbstverständlich mit regenerativen Wärmeerzeugern realisiert, in unserem Fall mit einer Wärmepumpe und einem Pelletkessel. Ergänzungen der bestehenden Anlagen sind geplant.
Das Projektmanagement blieb von der Idee bis zur Fertigstellung in einer Hand, sowohl in den Planungsphasen nach HOAI als auch bei der Realisierung. Das ERFURT Bildungszentrum übernahm für sämtliche Baumaßnahmen die Verantwortung.

Sie sagten eingangs, dass die Eröffnung des Weiterbildungszentrums „Servicemonteur BTGA“ ein Bestandteil der 2018 gestarteten Aus- und Weiterbildungsoffensive des BTGA ist. Im Dezember desselben Jahres kündigten Sie in einem Interview an (tab 12/2018), dass der BTGA sein Zertifizierungsprogramm noch um Seminare zum „Bauleitenden Obermonteur BTGA“ und zum „Bauleiter BTGA“ ergänzen will. Wie ist da der aktuelle Stand?

Andreas Neyen: Alle Seminartermine waren bzw. sind ausgebucht. Die Nachfrage ist so groß, dass es schon Wartelisten gibt. Im Oktober 2019 konnten wir unser Zertifizierungsprogramm „Bauleitender Obermonteur BTGA“ starten – in Kooperation mit der A.M.M. GmbH in Potsdam und der Handwerkskammer Südwestfalen in Arnsberg. Das Seminar ist für erfahrene Monteure, Obermonteure oder Bauleitende Obermonteure gedacht, die bereits kleine Baustellen führen oder sie zukünftig führen sollen. Und im März 2020 beginnt das Zertifizierungsprogramm „Bauleiter BTGA“. Dieses vierwöchige Seminar ist an Bauleiter oder erfahrene Obermonteure gerichtet, die zukünftig auch Großprojekte verantworten sollen. 

Beide Seminare vermitteln fachübergreifendes Wissen, beispielsweise zu den Themen „Führung“, „Kommunikation“, „Konfliktmanagement“, „persönliche Arbeitsorganisation“, „bauvertragliche Projektabwicklung“, „Arbeitssicherheit“ und „Umweltmanagement“.
In der Konzeptphase wurden die Weiterbildungsseminare auch als „Labelseminare“ bezeichnet. Das heißt, alle Teilnehmer, die ein Seminar erfolgreich abschließen, erhalten ein sichtbares Qualitätssiegel. Die Zertifikate und entsprechenden Embleme stellen zusätzliche Qualitätsmerkmale dar. Wie auch beim „Servicemonteur BTGA“ bieten sie einem Auftraggeber die Sicherheit, dass die Monteure wirklich fachlich qualifiziert sind, um die besonderen Anforderungen im Bereich der Technischen Gebäudeausrüstung zu erfüllen.

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