Die Rhein-Neckar-Arena Hoffenheim
Technik nach internationalem Standard
Am 24. Januar 2009 wurde die Rhein-Neckar-Arena in Hoffenheim feierlich eröffnet. Pünktlich zur Herbstmeisterschaft 2008/2009 erhielt die TSG 1899 Hoffenheim das passende Stadion zum Erfolg. Es wurde weitsichtig geplant: Neben dem hohen Wiedererkennungswert der Architektur („Schwebende Wolke“) und echter Kesselatmosphäre zeichnet sich das Stadion durch eine Technik von internationalem Standard aus.
Ungewöhnlich ist der Verein TSG 1899 Hoffenheim und etwas Besonderes ist auch das Stadion im Sinsheimer Stadtteil Hoffenheim. Mit rund 30 000 Zuschauern gehört die Rhein-Neckar-Arena zu den mittelgroßen Spielstätten der ersten Liga. Außen wird die geschlossene, kompakte Form durch das komplett umlaufende Fassadenband, innen durch steile Einrang-Tribünen und die unmittelbare Nähe von Zuschauern und Spielgeschehen unterstrichen.
Das Stadion wurde nach DFB/DFL- und UEFA-Standards gebaut. So ist es nicht nur in der Lage, die Bundesliga-Spiele auf höchstem Niveau auszurichten, sondern auch...
Ungewöhnlich ist der Verein TSG 1899 Hoffenheim und etwas Besonderes ist auch das Stadion im Sinsheimer Stadtteil Hoffenheim. Mit rund 30 000 Zuschauern gehört die Rhein-Neckar-Arena zu den mittelgroßen Spielstätten der ersten Liga. Außen wird die geschlossene, kompakte Form durch das komplett umlaufende Fassadenband, innen durch steile Einrang-Tribünen und die unmittelbare Nähe von Zuschauern und Spielgeschehen unterstrichen.
Das Stadion wurde nach DFB/DFL- und UEFA-Standards gebaut. So ist es nicht nur in der Lage, die Bundesliga-Spiele auf höchstem Niveau auszurichten, sondern auch internationale Begegnungen. Ein Highlight wird auf jeden Fall das Jahr 2011 sein. Dann finden hier mehrere Spiele der Frauen-WM 2011 statt. Spätestens dann soll die Arena neue sportliche Höhepunkte erleben, nachdem die Herrenmannschaft des TSG 1899 Hoffenheim bereits seine erste Saison in der 1. Bundesliga auf einem hervorragenden 7. Platz beendet hatte.
Vorteil Generalplanung: Kräfte bündeln statt Kräfte messen
Für die Planer und Fachingenieure von agn war die Rhein-Neckar-Arena von Anfang an etwas Besonderes. Die Vielfältigkeit der technischen Herausforderungen, die internationalen Standards, die in manchen Bereichen sogar noch übertroffen werden, und der spektakulär enge Zeitplan waren projekttypisch.
So betrug die Planungs- und Bauzeit bis zum Eröffnungstermin lediglich 24 Monate. Möglich wurde dies durch den Generalplaneransatz, der alle HOAI-Leistungsphasen inklusive LPH 9 beinhaltet. So wurde die Rhein-Neckar-Arena das erste Projekt in dieser Größenordnung, bei dem Bauleistungen nur in Einzelvergabe und ohne einen Generalunternehmer als Zwischenhändler umgesetzt wurden. Nur so war es möglich, vom ersten Tag an interdisziplinär und überlappend zu planen und zu realisieren. „Hand in Hand“ zu arbeiten, war für Architekten und technische Ingenieure kein Slogan, sondern absolute Notwendigkeit.
Inwieweit hat sich Generalplanung bei der Rhein-Neckar-Arena für den Bauherrn ausgezahlt? Als Antwort sind vor allem kurze Entscheidungswege und eine schnelle interne und externe Abstimmung zu nennen. Der Bauherr hat mit nur einem Ansprechpartner für Architektur und alle technischen Einzelgewerke zu tun. Und auch die besonders hohe Flexibilität – insbesondere Planungsflexibilität – durch Abdeckung aller Leistungsphasen gehört zu den Vorteilen, die sich in kurzer Bauzeit und hoher Qualität niederschlagen. Dank Einzelgewerkeausschreibung konnten alle Gewerke gezielt vergeben (Wirtschaftsförderung durch Vergabe z. B. an regionale, mittelständische Unternehmen möglich), verhandelt, gesteuert und kontrolliert werden.
Das Beispiel der Rhein-Neckar-Arena beweist, dass sich auch im Stadionbau mit dem interdisziplinären Generalplaneransatz enge Termine und eine hohe Qualität realisieren lassen.
Erfolgsentscheidend: die Technik
Sicherheitstechnik, Medientechnik, Elektrotechnik, Ver- und Entsorgungstechnik usw. sind für ein semi-öffentliches Großgebäude besonders wichtig. Dies belegt auch ein Kostenanteil der Technik an den Gesamtkosten von ca. 1/7 (15 %). Bei einem Stadion, noch dazu einem international agierenden, kommen weitere Faktoren hinzu wie Flutlicht und Beschallung des Großraums, große Medienwände, digitale Werbebanden oder die Videoüberwachung der Zuschauer. DFL- und UEFA-Vorschriften spielten eine ganz wesentliche Rolle.
So muss eine leistungsstarke Flutlichtanlage, eine ausfallsichere Stromversorgung, ein modernes und effizientes öffentliches Kommunikationssystem, ein Überwachungssystem inklusive Kontrollzentrum, moderne Medientechnik, Arbeitsplätze für Journalisten und Fernsehstudios u. v. m. vorhanden sein.
Sicherheitstechnik – störungsfrei und übertragssicher
Video-Überwachungstechnik ist ein wichtiger Bestandteil der DFL-Statuten zur Früherkennung von Störungspotentialen.
Die Tribünenränge der Heim- und Gästefans sowie die Eingangsbereiche und Parkplätze sind mit Farbbildkameras in Schwenk-Neige-Technik videoüberwacht. Eine zusätzliche Kamera im Stadioninnenbereich kann flexibel definierte Bereiche individuell überwachen. Alle Kameras werden in der Sicherheitszentrale aufgeschaltet und lassen sich über insgesamt neun TFT-Monitore einzeln kontrollieren. Dank Standbilderaufzeichnung und hochwertigem Ausdruck können Personen erkannt und abgeglichen werden.
Eine weitere Vorgabe der DFL-Statuten ist die Sprechfunktechnik mit 2 m- und 4 m-Band für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) wie Polizei, Feuerwehr und DRK.
Der Sprechfunk für organisatorische Funkaufgaben wird über weitere vier Anlagen – jeweils für Catering, Ticketing und Technik, Security sowie Fan- und Stadion-TV – abgewickelt.
Die gesamte Anlage ist an die Notstromversorgung und zusätzlich an eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) mit einer Überbrückungszeit von ca. 2 h angeschlossen.
Flächendeckender Brandschutz
Sicherheitstechnik heißt natürlich auch Brandschutz. Die Brandmeldetechnik überwacht sämtliche Bereiche des Stadions einschließlich der Zwischendecken, insgesamt wurden über 1200 automatische Brandmelder eingesetzt. Neben der flächendeckenden Brandmeldeanlage ist das Stadion mit einem flächendeckenden Sprinklerschutz ausgestattet. Dieser verfügt im Westtribünengebäude zusätzlich über eine Deckenhohlraumüberwachung, die Sprinkleranlage entspricht dem VdS (Verband der Sachversicherer). Auch die Kioske im Promenadenbereich sind an den Sprinklerschutz über eine Trockenventilstation angeschlossen.
Die Maße rund um das Sprinklersystem sind beeindruckend: Der Sprinklertank hat ein Fassungsvermögen von ca. 210 m3 Wasser, der Druckluftwasserkessel enthält 25 m3. Es gibt 5000 m Haupt- und Verteilleitungen sowie rund 5000 Sprinklerköpfe.
Die Feuerlöschversorgung besteht aus einem Innenhydrantennetz und Feuerwehreinspeisekästen zur zusätzlichen Löschwassereinspeisung im Westtribünengebäude. Eine Feuerlöschringleitung incl. Außenhydranten um das gesamte Stadion ergänzt das Gesamtfeuerlöschkonzept.
Neben Dimension, Maßen und Komplexität der Anlagen war eine weitere Herausforderung die Erstellung der Brandfallmatrix, d. h. Chronologie und Zusammenspiel aller Maßnahmen im Falle eines Brandes. Bei der Brandfallsteuerung greifen nahezu zehn Gewerke ineinander und agieren parallel. So werden zum Beispiel die vier Aufzüge in definierte Zustände versetzt, die Lüftungsanlagen ausgeschaltet, die maschinelle Entrauchung angesteuert und die RWA-Fenster und -Dachkuppeln geöffnet.
Kein Stadion ohne Medientechnik
Wer erinnert sich nicht an das EM-Halbfinalspiel zwischen Deutschland und der Türkei am 26. Juni 2008? Ein Gewitter legte die Leitungen lahm, die Übertragung wurde für mindestens sechs Minuten unterbrochen. Ursache waren lediglich drei Mikroausfälle von jeweils weniger als einer Millisekunde Dauer. Diese und ein fehlerhaftes Stromgenerator-Notsystem der UEFA reichten für den ärgerlichen und teuren Totalausfall.
Dabei fordern die DFL/UEFA-Vorschriften bei der Medienübertragung nationaler und internationaler Spiele eine absolut störungsfreie Übertragung. In Sinsheim sorgen ein entsprechendes Stromnetz und zwei große 850 kVA-Notstromaggregate für Störungsfreiheit.
Die Aggregate werden während des Spielbetriebes zugeschaltet und versorgen alle sicherheitsrelevanten und medientechnischen Einrichtungen. Außerhalb des Spielbetriebs ist ein Aggregat stets Stand-by, bei Ausfall des öffentlichen Netzes werden alle wichtigen Einrichtungen innerhalb kürzester Zeit wieder mit Strom versorgt. Die Notstromversorgung entspricht allen nationalen und internationalen Anforderungen zur Übertragung von Spielen und wurde durch die entsprechenden Vermarkter getestet.
In den Logen, im Businessbereich, im Bereich Sportstudio (Pressekonferenz) und in Fankneipe/Fanbereich sind eigene LCD-Bildschirme (insgesamt 45 Stück) für die Übertragung der Liveberichterstattung und das Fan-TV installiert. Die Beamer sind optisch fast unsichtbar in die Decke eingelassen. Ein Spiegel überträgt die Bilder auf die Projektionsflächen. Als Projektionsmedien wurden in Absprache mit den Innenarchitekten u. a. satinierte Glasflächen verwendet. So ergänzen sich der gestalterische Anspruch der Innenarchitektur und der funktionale der Technik optimal.
Zwei 58 m2 große Videoleinwände im Stadioninneren ergänzen das Live-Erlebnis.
Die Bedienung der Medientechnik erfolgt über mehrere Touchpanel in verschiedenen Bedienhierarchien. Dank des intelligenten GA-Konzeptes lassen sich so Medientechnik und Gebäudeautomation (Beleuchtung, Sonnenschutz, Regulierung der Luftzirkulation usw.) einzeln oder kombiniert bedienen. Sogar individuelle Szenen und Stimmungen können erzeugt, gespeichert/hinterlegt und mit einem Knopfdruck aufgerufen werden. Beispiel: Zum Abspann eines Spiels können die Lichter gedimmt, der Sonnenschutz ausgefahren und „Chill-out-Musik“ mit einem Zusammenschnitt des Spiels eingespielt werden.
Eine weitere Forderung der UEFA/DFL-Regeln betrifft die Werbung per digitaler LED-Bande. Die Rhein-Neckar-Arena ist eines von bislang wenigen Stadien in Deutschland, die über eine komplett umlaufende LED-Werbebande verfügen. Spots und digitale Werbebanner werden per Computer eingespielt.
„Großhirn“ des Stadions – die Gebäudeautomation
Gebäudeautomation (GA), also die Gesamtheit von Überwachungs-, Steuer-, Regel- und Optimierungseinrichtungen in Gebäuden, ist eine der Kernkompetenzen der agn-Tochter siganet. In Sinsheim waren die Anforderungen: einfache Bedienbarkeit der technischen Systeme, die konsistente Datenhaltung von Betriebsdaten, eine hohe Betriebssicherheit und Anlagenverfügbarkeit, Energieeffizienz und das Wahren der SAP-Betriebsstrukturen. Diese konnten erfüllt werden, indem man die technischen Gewerke konsequent zusammenführte. So waren eine zentrale Visualisierung mit Alarmmanagement und ein jederzeit nachvollziehbarer Anlagenbetrieb möglich. Auch die Wechselwirkungen zwischen den Gewerken konnten so genutzt werden.
„Unsere Lösung sah für die Haustechnik und Sicherheitstechnik ein integriertes GLT-System vor“, so Holger Wallmeier, Geschäftsführer von siganet, „das Resultat: eine effiziente und zentralisierte Parametrierung, Bedienung und Programmierung.“
Die Aufgaben der GLT (Gebäudeleittechnik), an die der überwiegende Teil der sicherheitstechnischen und haustechnischen Anlagen sowie die Kommunikationsanlagen angeschlossen wurde: Überwachung, Alarmierung und Zustandsabfragen der angeschlossenen Untersysteme wie Heizung, Lüftung, Elektro, Energiemanagementsystem, Videoüberwachungsanlage, Evakuierungsanlage (ELA), BOS-Funktechnik, Einbruchmeldeanlage oder Brandmeldeanlage.
Die GLT erlaubt eine einheitliche Alarmbearbeitung aller Meldungen nach Prioritäten. Der Anlagennutzer wird mittels Maßnahmentexten und Einsatzplänen bei der Beseitigung von Störmeldungen unterstützt. Protokollierung und Dokumentation erleichtern die statistischen Auswertungen. Die GLT verfügt über eine eigenständige USV-Anlage (unterbrechungsfreie Stromversorgung), die bei einem Stromausfall eine Überbrückungszeit von ca. 30 min gewährleistet und den Server kontrolliert herunterfahren lässt.
Die Automationsstationen wurden von siganet in LON-Technik mit einem sehr hohen Maß an Verfügbarkeit aufgebaut. „Wir haben die Subsysteme mit einem LWL-Ethernet-Netzwerk gekoppelt und eine gewerkeübergreifende Raum- und Zonenautomation für HLS-/Elektro-/Medientechnik (z. B. in den Logen) geplant“, so Holger Wallmeier. Im Ergebnis können so die gesamte MSR, Elektro und Energiedatenerfassung sowie Raumautomation und die medientechnischen Abspielgeräte (Video, Beamer, LCD-Bildschirm, Audioanlage für Sprach- und Musikübertragung usw.) dezentral durch Touchpanels oder zentral über die GLT gesteuert werden. Auch bei der Gebäudeautomation zeigten sich immer wieder die Vorteile der Generalplanung. Nur mit Hilfe des Generalplaneransatzes und den damit verbundenen, aufeinander abgestimmten Leistungsverzeichnissen war eine Systemintegration effektiv möglich. Das gewählte Automationssystem wiederum unterstützt den flexiblen Generalplaneransatz, indem es auch bei verspäteter Leistung Teilinbetriebnahmen im Subsystem sicherstellt.
Zonenregelung
In jeder Ebene der Westtribüne wird die Heizungs-, Lüftungs- und Beleuchtungstechnik per Zonenregelung gesteuert. Im Bereich der Heizungstechnik bedeutet dies z. B.: Die Raumtemperatur in den Ebenen wird durch Zonenventile in den einzelnen Strängen geregelt. Die Zonen können über die GLT mittels Zeitschaltprogrammen ein- bzw. ausgeschaltet werden. Sind die Bereiche „ausgeschaltet“, werden die Zonen in Stand-by-Betrieb geschaltet (Soll-Raumtemperatur = 16 °C), bei Aktivierung der Bereiche fahren diese in den Komfortbereich (z. B. Soll-Raumtemperatur = 22 °C).
Nutzerabhängig und energiesparend: Die Beleuchtung wird über die Präsenzmelder eingeschaltet. Wird nach 5 min keine Anwesenheit durch die Melder detektiert, schaltet sich die Beleuchtung aus.
Zutrittskontrollsystem
Das elektronische Zutrittskontrollsystem ist in den Außentüren und relevanten Innentüren des Stadions installiert. Die Bedienung (Schließung) erfolgt mit wartungsfreien elektronischen Schlüsseln. Zur Stromversorgung befinden sich in jedem Zylinder Lithium-Batterien, die für mehrere Jahre Betrieb ausgelegt sind. Verwaltet wird das gesamte Schließsystem über ein Software-Tool, das die Schließberechtigungen der einzelnen Schlüssel sperren, hinzufügen oder verändern kann. Jeder Schließvorgang wird mit Datum, Uhrzeit und Schlüsselinhaber gespeichert. Die Programmierung der verschiedenen Zylinder erfolgt über ein PDA mittels Übertragungsadapter direkt vor Ort an jedem Schließzylinder. Das System wird im Offline-Modus betrieben, d.h. es ist keine zusätzliche Verkabelung erforderlich.
Ticketing-System
Zum kontrollierten Zugang der Zuschauer zum Stadion wurde ein elektronisches IP-basiertes Ticketing-System in Verbindung mit 47 Drehkreuzen aufgebaut. Die automatischen Kartenleser an den Drehkreuzen und zusätzliche mobile Handhelds ermöglichen ein sekundenschnelles Lesen von Barcodes unterschiedlicher Vorverkaufsnetze. Die Drehkreuze wurden an den sechs Haupteingängen rund um die Arena errichtet und über LWL mit dem Zentralrechner verbunden. Dieser Rechner wird von SAP gehostet und steht im ca. 60 km weit entfernten Ort St. Leon-Rot. Da die Leser über eine „Eigenintelligenz“ verfügen, ist selbst im Offline-Netz-Betrieb ein störungsfreier Zugang zum Stadion sichergestellt.
Elektrotechnik – das hellste Feld der Liga
Stadionbeleuchtung: Für eine optimale Sicht und, mehr noch, eine gute Bildübertragungsqualität sind 900 bis 1000 Lux in normalem Standard (Bundesligaqualität) gefordert, die UEFA setzt eine Beleuchtungsstärke von 1400 Lux an. Nicht gefordert ist jedoch ein moderner Standard wie HDTV, der in der Regel 1800, maximal 1900 Lux leistet. In Sinsheim wurde nicht nur HDTV-Standard eingesetzt. Durch eine optimal geplante Anordnung der Strahler in der Dachkonstruktion sowie kurze Distanzen zum Spielfeldrand werden aus Sicht der Führungskamera in allen Bereichen des Spielfeldes über 2000 Lux erreicht und somit das Bundesliga und UEFA-Ideal übertroffen.
Die Flutlichtanlage verfügt über 210 Scheinwerfer mit je 2000 W, was ungefähr 800 handelsüblichen Baustrahlern entspricht. So können sich Fernseherzuschauer und Fans vor Ort über eine Top-Bildübertragungsqualität freuen.
Beeindruckende Zahlen
Ein Stadion ist ein Großgebäude. Entsprechende Dimensionen und Verbrauchswerte sind üblich. Während eines Spiels besteht u.a. ein Strombedarf von ca. 2500 kW.
Es gibt über 1400 Datenanschlüsse im gesamten Gebäude, das Datennetz ist getrennt in ein internes Netz, welches nur vom Verein genutzt wird, ein Netz für den Catering-Dienstleister, ein Netz für Mitarbeiter der Presse sowie eines für Sicherheitsträger wie die Polizei.
Um eine maximale Betriebssicherheit zu gewährleisten, ist das gesamte Stromnetz weit gefächert geplant, sämtliche Elektroverteilungen für Catering, Beleuchtung, allgemeine Verbraucher, Flutlicht und sicherheitsrelevante Stromkreise sind getrennt. Es wurden insgesamt über 5000 Sicherungen verbaut.
Die gesamte, verlegte Kabellänge im Gebäude beträgt: ca. 900 000 m, was dem 1500fachen Umfang des Stadions entspricht. Die stärkste Elektroleitung hat dabei die Abmessung 4 x 300 mm2 mit einem Außendurchmesser von 7 cm und einer verlegten Länge von 3700 m.
Die gesamte Beleuchtung wurde energiesparend geplant, es wurden vorwiegend energiesparende Downlights eingesetzt, die in den öffentlichen Bereichen auch dimmbar sind.
Ein besonderer Anblick bietet sich dem Betrachter am Ende des Tages. Mit Einsetzen der Dämmerung wird das Dach mit über 400 Leuchtstofflampen unterleuchtet. Die Schwerkraft scheint außer Kraft gesetzt, das Dach schwebt wie eine Wolke über dem Gebäude und dem Kraichgau!
Energie- und Umweltkonzept: Green Goal
Steigende Energiekosten und wachsendes Umweltbewusstsein führen auch im Stadionbau und -betrieb zu einer Neuorientierung in Richtung mehr Energieeffizienz und stärkerer Ressourceneinsparungen. Das Konzept des „Green GOAL“ der FIFA hat für die Themen Wasser, Abfall, Energie und Mobilität Stadionempfehlungen erstellt. In Sinsheim hat man die „Green Goal“-Richtlinie in weiten Teilen umgesetzt. Dazu gehört die optimierte Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz (eine Sinsheimer DB-Station ist noch geplant, die FIFA fordert einen ÖPV-Anteil von 50 %), Mülltrennung oder Getränkeausgabe in Pfandbechern – der Katalog weiterer kleiner oder größerer Maßnahmen ist lang.
Von zentraler Bedeutung ist das Thema Wasser: Gefordert werden die Reduktion des Wasserverbrauchs, die Substitution von Trinkwasser durch Regenwasser und die optimierte Beregnung des Spielfeldes.
Sanitärtechnik
agn Niederberghaus & Partner plant und realisiert seit Jahrzehnten Therapie- und Freizeitbäder und entwickelt hierbei oft besonders innovative Lösungen. Dieses Know-how konnte man auch bei der Rhein-Neckar-Arena nutzen.
So sind die Entmüdungsbecken in beiden Umkleiden sowie das Eisbecken auf der Heimseite mit der kompletten und komplexen Schwimmbadtechnik eines Normalbades ausgestattet. Dies garantiert eine hohe Wasserqualität der 20 000 l fassenden Entmüdungsbecken. Die Wasseraufbereitungsanlage entspricht modernster Technik. Sensoren erfassen pH-Wert, Redox, Chlor und Temperatur, speichern die Daten und stellen automatisch den optimalen Messbereich ein. So wird jederzeit – auch nach längeren Spielpausen – eine optimale keimfreie Wasserqualität realisiert. Ein Filter mit automatischer Filtersteuerung reinigt das Wasser wirtschaftlich und energiesparend. Die Wassertemperatur wird mit Wärmetauschern und moderner Temperatursteuerung im optimalen Bereich gehalten.
In den Gastronomiebereichen in Businessbereich und Fankneipe ist u. a. eine komplette Großküchenausstattung für die Gästeversorgung vorhanden. In den einzelnen Küchenbereichen der Ebenen 01 bis 03 wurden zusätzlich zu Standardzapfstellen für Kalt- und Warmwasser separate Entnahmestellen für Weichwasser- und Osmosewasser realisiert. Zur Sicherstellung dieser Versorgungspunkte wurde eine zentrale Wasseraufbereitungsanlage im Technikraum der Ebene 01 aufgebaut, bestehend aus einer Enthärtungs- und Wasserentsalzungsanlage (Umkehrosmose) kombiniert mit einem nachgeschaltetem Speicherbehälter, welcher den Spitzenlastbedarf im Volllastbetrieb puffert. Für beide Wasserqualitäten – Weichwasser und Osmosewasser – wurden getrennte Rohrnetze im Tribünengebäude aufgebaut. Alle Kombidämpfer z. B. werden mit Weichwasser von 4°dH versorgt, weitere solcher Zapfstellen sind auch an den Speiseausgabetheken und in der Barbereichen vorhanden. Alle Spülautomaten und Gläserspülmaschinen erhalten Wasser aus dem Osmosenetz.
Wassertechnik
Sehr verbrauchsintensiv ist die Bewässerung eines Stadionfeldes. So verbrauchten die 64 Spiele der WM 2006 laut FIFA 42 000 m3. Das entspricht 280 000 Vollbädern. In Sinsheim wird für die Rasenbewässerung ausschließlich Wasser aus der Regenzisterne verwendet.
Die Regenentwässerung des Stadiondaches erfolgt über eine umlaufende Entwässerungsrinne mit Dacheinläufen und mehrere Hochdruckentwässerungssysteme. Mehr als die Hälfte der Gesamtstadiondachfläche wurde in das Regenwassernutzungskonzept eingebunden.
Über das Kanalnetz wird das Regenwasser einer Zisterne von 350 m3 Fassungsvermögen zugeführt. Über eine Druckerhöhungsanlage erfolgt die Versorgung aller WC-Anlagen im Promenadenumgang sowie die Spielfeld-Rasenbewässerung.
Neben der Versorgung der WC-Anlagen im Promenadenbereich mit Regenwasser leistet auch die zentrale Spülungssteuerung der Promenaden-Urinale über die Gebäudeleittechnik und der dezentralen Urinalsteuerung im Westtribünengebäude einen Beitrag zur Senkung des Wasserverbrauchs.
Lüftung
Eine Lüftungsanlage mit einer Gesamtleistung von ca. 200 000 m3/h (Fabrikat robatherm) sorgt für gute Luft in den Aufenthaltsbereichen.
Die dafür erforderlichen RLT-Zentralen befinden sich auf dem Dach des Westtribünengebäudes, jeweils auf der Nordwest und Südwestseite unmittelbar an den Fluchttreppenhäusern, zwischen Gebäude und Stadiondach.
Alle wesentlichen RLT-Anlagen sind mit einer effektiven Art der Wärmerückgewinnung und frequenzgeregelten Ventilatormotoren zur stufenlosen Leistungsanpassung ausgestattet. Die einzelnen Zentralanlagen sind den jeweils unterschiedlichen Nutzungsbereichen im Gebäude – Sport, Catering, Nebenräume, Business- und Gastronomieflächen, Logen in den Ebenen 02 und 03 – zugeordnet. So ist ein gezielter und bedarfsgerechter Betrieb auch bei den verschiedenen Veranstaltungen möglich, die außerhalb der Bundesligaspieltage stattfinden. Eine weitere Anforderung an die beiden raumlufttechnischen Anlagen des Businessbereiches in der Ebene 01 ergab sich aus dem Brandschutzkonzept. Mit Hilfe dieser Anlagen ist eine maschinelle Entrauchung als Kaltentrauchung zu garantieren. Diese Kaltrauchmenge wurde über das Zu- und Abluftkanalnetz realisiert, die Gesamtluftmenge beträgt ca. 75 000 m3/h.
Das Nonplusultra – der Stadionrasen
8000 m2 Rasen braucht man für ein Fußballfeld. Hinter diesem einfachen Faktum verbirgt sich eine ganze Wissenschaft zu Aufbau, Beregnung, Drainage, Belüftung und Beleuchtung, Beheizung, Düngung und Pflege.
Rasen ist ein Naturprodukt und nicht allein durch technische Maßnahmen zu beeinflussen. Entsprechend lange Zeit braucht man zur Vorbereitung des Stadionrasens.
Dabei ist die Frage nach der Sorte noch relativ schnell zu beantworten. Wichtig ist sie trotzdem, denn die Rasenart entscheidet über Dichte, Halmdicke, Widerstandsfähigkeit und Regenerationsfähigkeit. Mindestens ein halbes Jahr vor dem Termin im Stadion wird das bereits angebaute Stück Rasen auf dem Feld des Rasenspezialisten definiert, d. h. ausgewählt. Erst kurz vor dem Einsetzen im Stadion wird dieser in einer Sodenhöhe, die je nach Witterung und Jahreszeit zwischen 2 und 4 cm variiert, geschält (geerntet).
In der Zwischenzeit wurde das Stadion aufwendig vorbereitet. Elementar ist zum Beispiel die Tragschicht. Wie ein Stoßdämpfer federt sie große Belastungen zusätzlich ab. Die Drainage – schmale, gefräste Gräben auf dem Kiesbett, das über dem Erdreich aufgeschüttet ist – leitet das Regenwasser ab.
Die in der Bundesliga obligatorische Rasenheizung sorgt dafür, dass ein Platz auch im Winter immer bespielbar ist. Beheizt wird der Rasen mittels im Boden verlegter und mit Schienen fixierter Heizregister. Auch in der Winterpause bleiben die Rohre dank Glykolwassergemisch bis ca. - 20 °C frostsicher. Im Spielbetrieb erreicht die Rasenheizung je nach Witterung und Feuchtegrad der Tragschicht eine Oberflächentemperatur von 0 bis +2 °C. Um eine Schädigung der Rasenpflanze durch zu hohe Temperaturen auszuschließen, überwacht ein, in der Wurzelebene eingebauter Temperaturfühler permanent die Temperatur in diesem Bereich.
Beleuchtung, Belüftung und Beregnung – genau wie in der Natur sind dies die zentralen „Bedürfnisse“ des Rasens, die über ein erfolgreiches Anwachsen und langfristiges Gedeihen des Naturprodukts entscheiden.
Deshalb ist der Unterbau des Rasens neben Drainage und Rasenheizung auch mit einer exakt bemessenen Anzahl von Versenkregnern ausgestattet. Je nach Stadionbauweise werden zusätzliche Eckregner und Torregner installiert. In Sinsheim wurden 16 Versenkregner, vier Eckregner und zwei Torregner eingesetzt.
Für die Belüftung des Stadioninneren sorgen Busdurchfahrten in den Diagonalen unter den Tribünen. So wird ein reger Luftaustausch sichergestellt, der Naturrasen hat optimale Bedingungen. Nach oben hin kann verbrauchte Luft entweichen und frische hinzukommen. Das schwebende Hoffenheimer Dach lässt dank einer Konstruktion, die zum Inneren hin aus Licht durchlässigem Polycarbon-Platten besteht, zusätzliches Tageslicht auf den Boden.
Verschiedene Bodenschichten, darin die Bewässerungs-, Entwässerungs- und Beheizungstechnik und schließlich die letzte Erdschicht, bilden den Unterbau, auf dem schließlich der Rasen verlegt wird. Dies geschieht mit leichten Spezialmaschinen vollautomatisch. Der Aufwärmbereich besteht aus speziell ausgewähltem Kunstrasen, der mit zusätzlich dämpfenden Granulatverfüllungen versehen wird.
Besondere Herausforderungen
Beispiel Dach: Die besondere Dachkonstruktion, die für die Technik keinen „Catwalk“ vorsah, stellte die Planung der TGA-Gewerke vor besondere Herausforderungen. So wurden alle technischen Installationen wie Regenentwässerung und Versorgung von Flutlicht und Beschallung nahezu unsichtbar im Dach integriert. Hier ist besonders die Koordination der einzelnen Gewerke untereinander hervorzuheben, die einzelnen Arbeitsschritte wurden taggenau geplant und aufeinander abgestimmt. Das Konzept der Generalplanung wirkte sich gerade hier spürbar positiv aus!
Beispiel Energiecontracting: Im Notfall zeigt sich, wie gut ein Konzept, ein Team wirklich ist. Ungewollt bekam das interdisziplinäre Stadion-Team die Chance zu zeigen, wie flexibel und belastbar es war.
Ursprünglich war die gesamte Versorgung des Gebäudes mit Wärme, Kälte und Notstrom über das Modell des Energiecontracting vorgesehen (d. h. ein Energielieferant übernimmt die Energieversorgung einer Liegenschaft. Vorteile für den Kunden: Es sind keine Investitionen in die Energieanlage notwendig, außerdem können u. U. zusätzliche Wirtschaftlichkeitspotentiale realisiert werden).
Durch Verzögerungen auf Seiten des Contractors kam dieses Konzept jedoch nicht zum Tragen. Während der Winterbauzeit wurde die Energieversorgung komplett unterbrochen. Über Nacht musste ein neues Konzept entwickelt werden, um Frostschäden am Gebäude zu verhindern und, vor allem aus terminlicher Sicht, den Ablauf des Innenausbaus nicht zu gefährden und somit den Gesamtfertigstellungstermin nicht in Frage zu stellen!
Auch hier zeigte sich der Vorteil einer Generalplanung. Innerhalb von nur 36 h konnte in enger Zusammenarbeit aller Planer und Gewerke ein neues Konzept entwickelt werden, so dass die Versorgung des Gebäudes sichergestellt sowie die Fortführung der Bauaktivität gesichert waren!
Hochwertig, effektiv, mutig
Mutig, erfrischend, optimal, funktional, von hoher Qualität, effektiv und schnell – das waren Wunschadjektive für den Entwurf und den Planungsprozess im konkurrierenden Workshopverfahren, in dem agn 2006 überzeugen konnte. Ein Entwurf mit Wiedererkennungswert, eine sportliche Planungs- und Bauzeit und ein Gebäude von hoher Qualität konnten dank des Generalpaneransatzes realisiert werden.
Auch die Technik überzeugte im Zusammenspiel mit dem Hochbau und den anderen Beteiligten.
Ob die sicherheitstechnische Ausstattung mit Brandmeldeanlage und Videoüberwachung, die kommunikatorische Vernetzung mit den Behörden, die Medientechnik, die Haustechnik, die langen Wege – anders als z. B. in einem Verwaltungsgebäude müssen technische Systeme und Personal in einem Sportstadion innerhalb weniger Stunden Maximalleistungen erbringen.
Integrierte Lösungen, verbrauchsoptimierte Energietechnik und Green Goal-Maßnahmen, über geforderte Standards hinausgehende Beleuchtung, moderne Banden- und Medientechnik – stets im Dialog mit Innenarchitektur und Architektur erstellt – sind nur einige Beispiele des gelungenen, technischen Gesamtkonzeptes.
Jetzt Artikel freischalten:
tab DIGITAL
14 Tage kostenlos testen
2,49 € / Woche*
Fachwissen jederzeit und überall.
Greifen Sie auf exklusive PLUS-Artikel und das komplette Online-Archiv zu und lesen Sie tab bequem im E-Paper-Format. Das digitale Abo für alle, die flexibel bleiben möchten.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 E-Paper für mobiles Lesen
- Online-Archivzugang
*129,48 € bei jährlicher Abrechnung inkl. MwSt.
tab KOMBI
4,99 € / Woche*
Das komplette tab-Erlebnis – digital & gedruckt.
Für alle, die Fachinformationen auf allen Kanälen nutzen möchten: Kombinieren Sie Print und Digital, profitieren Sie von unseren Fachforen und präsentieren Sie Ihr eigenes Projekt.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 Print-Ausgaben pro Jahr
- E-Paper für mobiles lesen
- Teilnahme an einem Fachforum
- Online-Archivzugang
- Veröffentlichen eines Projekts
*259,48 € bei jährlicher Zahlung inkl. MwSt. & Versand
