Die „PumaVision Headquarters“
Eine klimaneutrale Unternehmenszentrale
Nach nur zwei Jahren Bauzeit hat der Sportartikelhersteller Puma im Herbst 2009 das „PumaVision Headquarters“ in Herzogenaurach als klimaneutrale Unternehmenszentrale eröffnet. Die Zentrale am deutschem Firmenstandort in der Nähe von Nürnberg trägt den Namen „PumaVision Headquarters“, da dessen Nachhaltigkeitskonzept „PumaVision“ Maßstab bei der Konzeption des auf einer Gesamtfläche von 50000 m2 errichteten Komplexes war.
Grundgedanke der architektonischen Planung für das „PumaVision Headquaters“ war, dass sich die durch Puma unverwechselbares Logo der springenden Raubkatze symbolisierte Kraft, Dynamik und Leichtigkeit auch im Gebäude widerspiegeln soll. Der Puma Factory Outlet Store ist optisch an einen roten Puma-Schuhkarton angelehnt und stellt auf einer Verkaufsfläche von 3000 m2 Puma-Kollektionen aus.
Neben dem Umweltschutz stand auch die Schaffung attraktiver Arbeitsbedingungen für rund 650 Mitarbeiter im Vordergrund. Das Gebäude präsentiert sich daher im modernen und stilvollen Ambiente und bringt damit...
Grundgedanke der architektonischen Planung für das „PumaVision Headquaters“ war, dass sich die durch Puma unverwechselbares Logo der springenden Raubkatze symbolisierte Kraft, Dynamik und Leichtigkeit auch im Gebäude widerspiegeln soll. Der Puma Factory Outlet Store ist optisch an einen roten Puma-Schuhkarton angelehnt und stellt auf einer Verkaufsfläche von 3000 m2 Puma-Kollektionen aus.
Neben dem Umweltschutz stand auch die Schaffung attraktiver Arbeitsbedingungen für rund 650 Mitarbeiter im Vordergrund. Das Gebäude präsentiert sich daher im modernen und stilvollen Ambiente und bringt damit die Philosophie des Sportartikelherstellers perfekt zum Ausdruck. Die 107 Einzel- und Großraumbüros sind durch ihre raumhohe Verglasung lichtdurchflutet und großzügig konzipiert und verbinden funktionelles Design mit größtmöglicher Flexibilität. Durch mobile Einrichtungselemente können die Räume mühelos und bedarfsgerecht für Projekte und Arbeitsgruppen umgestaltet werden und entsprechen damit ideal der flachen und dezentralen Unternehmensstruktur.
Zum Brand Center, in dem in insgesamt fünf Showrooms Sportlifestyle-Kollektionen auf einer Fläche von 10000 m2 ausgestellt sind, gehört auch eine Multi-Media-Halle, die bei Präsentationen und Events 1500 Personen Platz bietet und auch für externe Veranstaltungen angemietet werden kann.
Die von Klaus Krex, da capo al fine Architekten, Nürnberg, entworfene Konzernzentrale „PumaVision Headquarters“ besteht aus Verwaltungszentrum (Office), einem firmeneigenen Kongresszentrum – dem so genannten Brand-Center – sowie einem Puma-Store, intern Retail-Gebäude genannt.
Auf dem Dach des Stores wurde eine 1000 m2 große Photovoltaikanlage installiert, weitere 140 m2 an Solarmodulen in die Fensterfassade integriert. Die Warmwasser-Erzeugung erfolgt zum Teil durch Solarkraft. Präsenzmelder, die bei Nichtnutzung des Arbeitplatzes automatisch das Licht ausschalten, sorgen für zusätzliche Energieeinsparung. Durch moderne Betonkerntemperierung werden die Gebäude umweltverträglich grunderwärmt und grundgekühlt und entsprechen damit modernsten ökologischen Ansprüchen. Um die Ressource Wasser zu sparen, wird in den Waschräumen Regenwasser verwendet. Durch diese Energie-Einsparkonzepte leistet Puma einen signifikanten Beitrag zum Klimaschutz und spart deutlich an Strom, CO2, Wasser und damit auch Geld ein.
Da der Strom für die Gebäude am Standort Herzogenaurach ausschließlich aus regenerativen Energiequellen stammt, hat das Unternehmen seine CO2-Emissionen deutlich reduziert. Die verbleibenden CO2-Emissionen wurden komplett kompensiert, indem Puma über ein Ausgleichsprojekt eine Windparkanlage in der Türkei unterstützt.
Gebäudeautomation unterstützt Unternehmensziele
Unterstützt wird die Gebäudetechnik durch das gewerkeübergreifende Gebäudeautomationssystem Desigo von Siemens. Die Grundheizung und Grundkühlung des Hauptgebäudes erfolgt über Betonkerntemperierung. Ein Teil der Wärme und Kälte wird über zwei Wärmepumpen erzeugt.
Das Office wird über thermisch aktivierte Betondecken grundbeheizt beziehungsweise grundgekühlt; die Nachheizung beziehungsweise Nachkühlung auf Komforttemperatur erfolgt individuell über fassadenorientierte einzelraumgeregelte Ventilator-Konvektoren sowie Heizkörper. Wegen der extrem unterschiedlichen Nutzung der Gebäude „Retail“ und „Brand“ wurde dort auf den Einbau einer Betonkerntemperierung (BKT) – auch thermoaktive Bauteilsysteme (TABS) genannt – verzichtet. Zentrale Teilklimaanlagen versorgen alle Räume mit dem hygienisch notwendigen Luftvolumen.
Wichtigstes Werkzeug zur Aufrechterhaltung eines effizienten und wirtschaftlichen Gebäudebetriebs ist das gewerkeübergreifende Gebäudeautomationssystem „Desigo“, geplant und ausgeführt durch das Systemhaus IPM – Innovatives Projekt Management für Gebäudeleittechnik GmbH, Feucht bei Nürnberg. IPM ist Solution-Partner von Building Technologies (BT), einer Division von Siemens.
GLT-Systemhaus frühzeitig eingebunden
Die Planung der umfangreichen Elektro,- Kälte-, Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen erfolgte durch den Gesamtplaner Haustechnik Planungs GmbH, Nürnberg. Die Erfahrung zeigt, dass die Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes in starkem Maße von der Dimensionierung von Wärme- beziehungsweise Kälteerzeugern, von der Hydraulik, der Aufteilung der Regelkreise sowie von gewerkeübergreifenden Verknüpfungen, beispielsweise zu Beleuchtung und Sonnenschutz, abhängig ist. Deshalb wurde das Systemhaus IPM frühzeitig in das Projekt eingebunden. Insbesondere bei der Konzeption der Hydraulik war das Know-how der Regelungsspezialisten gefragt, zumal die realisierte Betonkerntemperierung generell als hydraulisch und regelungstechnisch sehr anspruchsvoll gilt.
Dreh- und Angelpunkt der Wärmeerzeugung sind vier Plattenwärmeübertrager mit gleichprozentiger Kennlinie als Teil einer Fernwärmeübergabestation mit zusammen rund 2000 kW, die so dimensioniert wurde, dass im Sommer ein auf 200 kW Heizleistung reduzierter Wärmeübertrager für die Wärmeversorgung ausreicht. Dadurch konnte die Regelungsqualität ganz erheblich verbessert werden. Grundsätzlich sind alle Umwälzpumpen (Heizen und Kühlen) energiebedarfsgeführt und werden nach Netzschlechtpunkten geregelt. Die Wärme- und Kälteversorgung des Betonkerntemperiersystems übernehmen zwei Wärmepumpen mit je 145 kW Heizleistung beziehungsweise je 225 kW Kühlleistung.
Die Regelung des thermoaktiven Bauteilsystems im Office-Gebäude erfolgt über speziell von Siemens entwickelte und im Labor getestete Regelungsmodule auf der Basis der Automationsstation „Desigo PX“. Erste Betriebserfahrungen belegen, dass die BKT-Heizung bereits ab einer Außentemperatur von circa 12 °C abschaltet; das Office-Gebäude heizt sich dann quasi selbst. Um ein individuelles Nachheizen beziehungsweise Nachkühlen über die Einzelraumregelung zu gewährleisten, wird die BKT über die Ermittlung der Raumlasten bedarfsabhängig vom Sommer- zum Winterbetrieb geführt. Nachheizung beziehungsweise Nachkühlung erfolgen getrennt über Heizkörper beziehungsweise Ventilator-Konvektoren.
Einzelraumregelung mit durchgetesteten Makros
Ähnlich wie bei der BKT-Regelung setzte IPM auch bei der Einzelraumregelung (ERR) vorgetestete Makros aus dem „Desigo“-Programm ein, die sich individuell anpassen lassen. Zur Rationalisierung der Montage und Implementierung wurden beispielsweise neun Raumtypen für eine auf dem LON-Protokoll basierende Raumautomation definiert. Neben der bedarfsgeführten Heizung, Kühlung und Lüftung sind in der Regel auch Beleuchtung und Sonnenschutz mit auf die Raumregler „RXC“ aufgeschaltet. Ein Großteil der Bürobeleuchtung wird durch Präsenzmelder und Dämmerungsschalter übersteuert, das heißt, bei Nichtbenutzung eines Arbeitsplatzes oder ausreichendem Tageslicht wird das Licht im jeweiligen Raum automatisch abgeschaltet.
Die eigentliche Herausforderung des Raumautomation-Konzepts bestand in der topologischen Verknüpfung der etwa 430 Einzelraumregler über ein LON-Netzwerk. Erschwerend war insbesondere die vom Bauherrn gewünschte Flexibilität bei der Raumaufteilung, zumal die Verbindungsmöglichkeiten zwischen Fußboden und Decke sehr eingeschränkt sind und sich auf die Schachtköpfe konzentrieren. Im Grundsatz bilden je zwei Fensterelemente mit Heiz- und Kühlkörper, Sonnenschutzjalousie und Lichtband ein ERR-Raster mit der Option, ein oder mehrere ERR-Raster auf einem Bediengerät zusammenzuführen. Alle Flurbeleuchtungen werden über Zeitprogramme geschaltet, lassen sich jedoch individuell übersteuern, zum Beispiel für die Reinigung der Büroräume.
Multimediahalle mit Wurfweitenregelung
Das Retail-Gebäude mit PUMA-Store, Merchandising-Zentrum und Restaurant sowie das Brand-Center mit Multimediahalle und zahlreichen Veranstaltungsräumen werden über jeweils eigenständige Zentralklimaanlagen belüftet und temperiert. Eine Besonderheit ist die Wurfweitenregulierung der Luftauslässe in der Multimediahalle, die im Kühlfall die konditionierte Luft diffus einbringen, im Heizfall die Wärme direkt von der Decke nach unten blasen. Wegen der hohen inneren Wärmelast in der Halle wird die Grundlüftung durch vier Umluftkühlgeräte unterstützt. Für die unterschiedlichen Nutzungen sind in der Hallenregelung verschiedene Szenarien für „Event-gerechtes“ Raumklima hinterlegt. Zur Absicherung der Regelgüte in der rund 1500 Personen fassenden Halle entschied sich IPM für vier Funkfühler in EnOcean-Technologie, die erst nach dem Innenausbau der Halle platziert wurden.
Datenkopplung mit BACnet und Modbus
Grundsätzlich wurde beim Regelungskonzept darauf geachtet, dass Wärme beziehungsweise Kälte nur dann bereitgestellt und nur so viel über die jeweiligen Rohrnetze transportiert wird, wie vom jeweiligen Verbraucher ohne Komfortverlust tatsächlich benötigt wird. Alle thermischen Verbraucher sind messtechnisch erfasst und über Desigo-PX-Stationen geregelt. Vorgegebene und berechnete Sollwerte werden an die jeweilige Vorregelgruppe weitergeleitet und dort in die entsprechenden „Bedarfssignale“ umgewandelt. Mit einbezogen in die bedarfsabhängige Regelungsstrategie sind die Umwälzpumpen für die Heizgruppen und das Kaltwassersystem. Die benötigten Wassermengen werden über Netzschlechtpunktfühler beziehungsweise über die jeweiligen Wärme-/Kälteverbraucher bedarfsgerecht berechnet, geregelt und überwacht. Im Grunde wird das Regelungssystem durch umfangreiche Energiemanagementfunktionen überlagert, die von der Raumebene bis zu den Wärme-/Kälteerzeugern reichen und den bedarfsabhängigen Betrieb absichern.
Topologisch ist das MSR-/Gebäudeautomationsnetz in zehn Informationsschwerpunkte (ISP) unterteilt und umfasst über 5000 Datenpunkte. Die Vernetzung der ISP zu den Gebäuden erfolgt über Glasfaserleitungen, innerhalb der Gebäude über ein TCP/IP-Netz.
Die komplexe Kältezentrale mit ihrer herstellerspezifischen Steuerung ist zur Energieführung und Beobachtung über Modbus auf das Gebäudeautomationssystem aufgeschaltet. Die Datenkopplung zu den elektrischen Anlagen für die Steuerung gewerkeübergreifender Funktionen wie Wetterstation mit Windwächter, Jalousiensteuerung sowie den Bedientableaus zur Steuerung der Haustechnik, Lüftung und Beleuchtung in den Konferenzräumen erfolgt über BACnet. Aufgeschaltet sind außerdem die Entrauchungsanlagen mit zusammen 500000 bis 600000 m3/h Luftleistung, die Trafostationen (Retail-Gebäude mit zwei Trafos à 2 MW, Office-Gebäude drei Trafos à 3,75 MW) sowie die Notstromversorgung/Netzersatzanlage. Die Topologie des Gebäudeautomationssystems ist so angelegt, dass bestehende und künftige Liegenschaften problemlos in die Systemstruktur integriert werden können.
Zur Unterstützung des Kunden bei der Bedienführung, bei Servicearbeiten und bei der komplexen Softwarepflege der Prozessstationen wurde ein Fernzugriff installiert. IPM legte bei der Konzeption des Gebäudeautomationssystems für das gesamte Ensemble großen Wert auf Raumflexibilität, Nachrüstmöglichkeiten, Einbau weiterer Regelungsgruppen und eine klare Gliederung des Schaltschrankaufbaus, um dem Betreiberpersonal die Bedienung der Anlagen zu vereinfachen. So ist beispielsweise in den Schaltschranktüren eine Handbedienebene zur Erleichterung von Wartungsarbeiten und Energieeffizienzmaßnahmen eingebaut.
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