Die Halle 3A in Nürnberg

Blickfang auf dem Messegelände

Im Wettstreit der deutschen Messegelände geht es nicht nur darum, viel Fläche zu bieten. Vor allem sollen sich Aussteller und Besucher wohlfühlen. Ein repräsentatives Messegelände wird durch eine besondere Architektur geprägt. Für die Messegesellschaften ist es zudem wichtig, dass die Messehalle effizient betrieben werden kann. Auf beide Anforderungen ist die neue Halle 3A in Nürnberg ausgerichtet.

Zwischen der zentralen Einfahrt Mitte/West und der Zufahrt an der Großen Straße sticht die jüngste Visitenkarte der NürnbergMesse Besuchern ins Auge. Die 105 m lange und 85 m breite Halle 3A wurde vom Londoner Architekturbüro Zaha Hadid Architects entworfen. Zu den besonderen Merkmalen zählt die Zertifizierung nach DGNB-Standard (Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen). Angestrebt wurde ein Ergebnis mindestens in der Kategorie „Silber“. Dadurch, dass bei Planung, Bau und Betrieb konsequent auf Nachhaltigkeit gesetzt wurde und wird, konnte sogar weltweit erstmals bei einer Messehalle eine...
Zwischen der zentralen Einfahrt Mitte/West und der Zufahrt an der Großen Straße sticht die jüngste Visitenkarte der NürnbergMesse Besuchern ins Auge. Die 105 m lange und 85 m breite Halle 3A wurde vom Londoner Architekturbüro Zaha Hadid Architects entworfen. Zu den besonderen Merkmalen zählt die Zertifizierung nach DGNB-Standard (Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen). Angestrebt wurde ein Ergebnis mindestens in der Kategorie „Silber“. Dadurch, dass bei Planung, Bau und Betrieb konsequent auf Nachhaltigkeit gesetzt wurde und wird, konnte sogar weltweit erstmals bei einer Messehalle eine Zertifizierung in „Gold“ erreicht werden.

Das in Nord-Süd-Richtung leicht geneigte Dach ist 13 bis 20 m hoch. Der Boden der Messe­halle ist für Belastungen von bis zu 5 t/m2 ausgelegt. Für die Halle 3A wurden knapp 3300 t Stahl und 2750 m2 Glas verbaut. Mit Inbetriebnahme der Halle wächst die Ausstellungsfläche des Messe- und Kongressgeländes um 9000 m2, auf über 170000 m2. Die Halle 3A bildet den Eckstein an der Südostecke des Nürnberger Messegeländes.

Der Hallenbau

Die dem öffentlichen Raum zugewandten Hallenfassaden (Ost- und Südseite) sind über die gesamte Höhe transparent verglast. Der Übergang von der senkrechten Ostfassade in die geneigte Süd­fassa­de erfolgt über eine gebogene Verglasung. Aus städtebau­li­chen Aspekten und aus Gründen des Sonnenschutzes ist die Süd­fassade zum Teil um 17 ° nach außen geneigt. Damit erhöht sich aufgrund des flacheren Einstrahlwinkels die Reflexion deutlich. Nach ca. 20 m ausgehend von der Süd-Ostecke wechselt der Fassadentyp in eine senkrechte Fassade mit den außenstehenden „Bäumen“ als Fortsetzung des Dachtragwerks. Die Bäume schaffen in diesem Bereich einen außenliegenden Sonnenschutz. Das Dachtragwerk besteht aus geschweißten räumlichen Fachwerkdreigurtbindern. Das Rückgrat zeichnet sich zur Halle als Sichtbetonriegel, mit großen durchlaufenden Öffnungen im Galeriegeschoss ab.

Neben der Ausstellungsebene +00 verfügt die Messehalle über die Ebene -01, die der haustechnischen Versorgung dient. Die Halle kann von Norden über drei Ladehoftore befahren werden. In den beiden Kernen befinden sich auf Hallenebene ein Malerraum, Aussteller-Teeküche, Behinderten-WC sowie die Zugänge zu den Treppenhäusern und Aufzügen. Östlich von Kern 1 wurde über ein Verbindungsbauwerk die Anbindung an die Halle 4A geschaffen. Durch die Zufahrt zur Ladehofstrasse ist das Verbindungsbauwerk in zwei Bereiche getrennt. Die Verbindung zur Halle 3 erfolgt derzeit über temporär aufgestellte Bauwerke. In der Ebene +01 befinden sich weitere Flächen, die noch für entsprechende Zwecke nachgerüstet werden können. Die öffentlich zugängliche Ebene +02 wird vorrangig durch eine zur Halle orientierte Freitreppe erschlossen. Ein weiterer Zugang ist über die Treppenhäuser sowie einen Personenaufzug in Kern 2 möglich.

Zwischen den Kernen befindet sich die zur Halle orientierte offene Cafeteria-Fläche, mit Ausgabe und Lagerfläche an Kern 1. Neben dem Mietbüro an Kern 2, wurden zwei weitere Mietbüros und ein Konferenzraum am Kern 1 und damit unmittelbar am Zugang zur Dachterrasse über dem Verbindungsbauwerk vorgesehen. Die Mietbüros als auch die Cafeteria orientieren sich zur Halle, werden aber über ein Fensterband von der Nordseite belichtet.

Die Ebenen +03 und +04 dienen ausschließlich der raumlufttechnischen Versorgung mit den Lüftungsgeräten für die Halle auf Ebene +03. Die Kälteanlagen sowie die RLT-Anlagen für die anderen Nutzungsbereiche im Riegel sind auf der Dachebene +04 platziert.

Haustechnik

Die Halle wurde an das unterirdische Versorgungsnetz der Nürn­bergMesse angeschlossen. Rückwärtig sind die Räume für Sprink­lerzentrale, Elektroanlagen, Fernwärmeübergabe, etc. an­ge­­ord­net, die zum Teil Zugang zu Kasematten haben, um die Be- und Entlüftung, sowie den Aus­tausch größerer Anlagen­kom­ponenten zu gewährleisten. Vom Ost-West-orientierten Versorgungs­gang wurden die Spartenkanäle zur Versor­gung der einzelnen Messe­stände angeschlossen.

Wärmeversorgung

Die Wärmeversorgung der Halle 3A ist durch die Fernwärmean­bindung des Unternehmens N-Ergie (Stadt Nürnberg) abgedeckt. Diese erfolgt klimaneutral und weist einen Anschlusswert von 1,3 MW auf.

Klima- und Lüftungstechnik

In der Halle 3A gibt es vier Hauptlüftungsanlagen. Die Rotationswärmetauscher bewirken, dass eine Wärmerückgewinnung von 80 % bei einer Luftmenge von 200 000 m³ erreicht wird. Zudem sorgen vier Kältemaschinen mit einer Leistung von je 450 kW dafür, dass in der Halle stets eine angenehmen Raumtemperatur vorherrscht. Diese Kühlung wird aus ökologischen Gründen bei einer Raumtemperatur von 26 °C gedrosselt. Eine Vollklimatisierung existiert somit nicht.

Sanitärtechnik

Die WC-Anlagen sind auf der Ebene +02 des Riegels westlich des Kern 2 untergebracht. Zudem gibt es im Erdgeschoss eine be­hin­dertengerechte Toilet­te. Die Toiletten in der Halle 3A sind zudem mit wasserlosen Uri­na­len ausgestattet.

Elektrotechnik

Die Mittelspannung von 20 000 V wird auf die Bedürfnisse des Messe- und Veranstaltungswesens hin transformiert. So steht in der Halle 3A eine Leistung von 3,2 MW zur Verfügung – 1,6 MW für die Ausstellerversorgung und 1,6 MW für Kühlung und Lüftung. Die Niederspannung wird für Allgemein- und Ersatzstrom zur Verfügung gestellt. Speziell für Aussteller existiert vor Ort eine Versorgungsinfrastruktur, die individuell auf die Bedürfnisse an Ständen unterschiedlicher Größe hin ausgerichtet ist.

Für die Hallenbeleuchtung sind LED Leuchten installiert. Bereits bei einer Leistung von 70 % der Leuchten werden die er­for­der­lichen 300 Lux an den Ausstellungsständen erreicht. Die Lebens­dauer der LEDs ist inzwischen so ausgereift, dass bei der aktuell erforderlichen Leistung die Hallenbeleuchtung mehrere Jahrzehnte ohne Leuchtstoffwechsel bestritten werden dürfte. Auch die wirtschaftlichen Vorteile überwiegen: Nach zweieinhalb Jahren haben sich die etwas erhöhten Kosten der LED Leuchten bereits durch den laufenden Betrieb amortisiert.

Auch in der Außenwahrnehmung der Halle 3A dominieren LEDs das Bild der Ostfassade, die über den Zylinder in die ge­neig­te Südfassade übergeht: Die­ses Alleinstellungsmerkmal kann individuell auf einzelne Veranstaltungen hin angepasst werden und sorgt damit für eine verstärkte Aussteller- und Kunden­bin­dung der NürnbergMesse. Die Ansteuerung der elf Bänder umfassenden LED-Fassadenbeleuchtung erfolgt über das DMX-Bussystem und ist als Stand-Alone-Lösung ausgeführt. Eine Aufschaltung auf das EIB Bussystem der NürnbergMesse ist jederzeit möglich. Die Eingabe von Farben und Dimmwerten erfolgt mittels Tablet-PC vor Ort oder kann über RGB-Farbwerte direkt an der Steuerzentrale hinterlegt werden.

In der gesamten Halle 3A exis­tiert zudem eine flächendecken­de strukturierte Verkabelung, die dank Glasfaserqualität eine optimale IT- und Telekommuni­kationsversorgung an den Mes­se­ständen ermöglicht.

Fazit

Mit der Spielwarenmesse Ende Januar 2014 erlebte die neue Halle – nach rechtzeitiger und im Kostenrahmen geplanter Fertigstellung – ihre erste Be­wäh­rungsprobe. Im Juli 2014 hat anlässlich des 40-jährigen Bestehens der NürnbergMesse eine große Feier „40 Jahre NürnbergMesse/Halle 3A“ stattgefunden. Dass die Halle gut genutzt werden wird, scheint sicher: Auf weiteren acht Fachmessen im zurückliegenden Jahr, darunter der IFH/Intherm war die Halle 3A bereits belegt. Die Geschäftsführer der NürnbergMesse, Peter Ottmann und Dr. Roland Fleck, freuen sich über die neue Halle: „Unser Dank gilt den Handwerkern, Architekten und Ingenieuren, die Großartiges leisten. Unser Dank gilt aber auch den am Bau beteiligten Mitarbeitern der NürnbergMesse selbst. Sie sorgen dafür, dass das magische Dreieck aus Kosten, Qualität und Zeit bei uns jeweils gleich lange Seiten hat.“

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