Vernetzte Sanitärräume für die Messe Nürnberg

Sanitärplanung bei stark schwankender Nutzerfrequenz

16 Messehallen, 18.000 m2 Ausstellungsfläche und drei Kongresszentren: 1,3 Mio. Besucher konnte die Messe Nürnberg im Jahr 2023 begrüßen, für die rund 800 Sanitärobjekte wie WCs, Urinale oder Waschtische zur Verfügung standen. Die größte Herausforderung bei der Sanitärplanung eines Messegeländes ist die stark schwankende Nutzerfrequenz. Für die Sanierung der Sanitäranlagen in Halle 12 war die Zielsetzung daher klar: Die Sanitärtechnik sollte alle Anforderungen an die Trinkwasserhygiene erfüllen, für die praktische Nutzung optimiert und einfach zu überwachen sein.

Anke Klein, Expertin für technisches Gebäudemanagement und Geschäftsführerin der SK+ TGM GmbH – Dienstleister für das technische Gebäudemanagement – betreut die Messe Nürnberg seit 1998 und hat bereits mehrere Sanierungsprojekte auf dem Messegelände umgesetzt. Wechselnde Besuchergruppen und extreme Nutzungsschwankungen gehören zu den wichtigsten Einflussfaktoren auf ein effizientes Gebäudemanagement sowie eine zuverlässige und sichere Trinkwasserhygiene.

Anforderungen an das ­Gebäudemanagement

Die Halle 12 der Messe Nürnberg ist eine endständige Anlage im Westflügel der Messe, die über einen Abgang von der Ringleitung versorgt wird. Aufgrund ihrer Lage ist die Halle 12 selten belegt und die WC-Anlagen werden unregelmäßig genutzt. Hinzu kommt, dass die verschiedenen Sanitäranlagen der Halle je nach Besucheraufkommen geöffnet werden. Unabhängig von der Nutzungshäufigkeit sollte die neue Anlage funktional im Spülbereich gehalten und eine Möglichkeit zur turbulenten Spülung der Trinkwasserleitungen geschaffen werden. Für Klein ein wichtiger Faktor: „Allein durch eine laminare Strömung ohne Turbulenzen ist kein vollständiger Wasseraustausch möglich, was sich negativ auf die Qualität des Trinkwassers auswirken kann.“ Bei der Sanierung in Halle 12 nutzte Klein erstmals „Geberit Connect“ für das ganzheitliche Management der Sanitäranlagen.

Das Konzept hinter „Geberit Connect“ ist auf die vielseitige Steuerung von Sanitäranlagen ausgelegt – von der Überwachung bis zur Protokollierung der elektronischen Spüleinrichtungen. Mit dem „Geberit Konverter“, dem GEBUS-Kabel zur Vernetzung sowie einem Gateway ist eine Integration in die Gebäudeautomation der Messe realisierbar. „Die konkreten Anforderungen und Wünsche hinsichtlich Betrieb und Überwachung der Anlage konnte ‚Geberit Connect‘ vollumfänglich erfüllen. Das System sollte künftig die digitale Vernetzung elektronischer Spüleinrichtungen ermöglichen und den Betreibern das ganzheitliche und wirtschaftliche Management der Sanitäranlagen auf dem Messegelände erlauben“, berichtet Klein.

Gesteigerte Trinkwasserhygiene

Die Messe Nürnberg hat sich bereits seit einigen Jahren dazu entschieden, auf Warmwasser im Bereich der Handwaschbecken zu verzichten. Dadurch entfallen die Warmwasserleitungen und Zirkulationsleitungen in der Decke, was sich wiederum positiv auf die Raumhöhe auswirkt. Zudem erfolgt kein Wärmeeintrag der wasserführenden Medien in den Deckenbereich mehr. Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren vor allem Vorteile in Bezug auf die Verbesserung der Trinkwasserhygiene: „Eine Wassertemperatur von unter 20 °C kann das mikrobielle Wachstum wirksam verhindern. Dadurch wird der gesamte Wasserinhalt des Rohrleitungssystems sowie die Wärmelast auf die Kaltwasserleitung minimiert“, erklärt Klein. Alle Trinkwasserleitungen sind vom Strangbeginn an in „Geberit Mapress Edelstahl“ ausgeführt. Das Brauchwasser wird über Abwasserleitungen in „Geberit Silent-PP“ abgeleitet. Das Abwasserstecksystem eignet sich ideal für die schnelle, wirtschaftliche und schalloptimierte Installation von Entwässerungssystemen.

Zentrale Steuerung für hygienischen Betrieb

„Geberit Connect“ vernetzt die verschiedenen elektronischen Spüleinrichtungen der Sanitärräume in Halle 12 miteinander und ermöglicht den Betreibern der Messe dadurch das ganzheitliche und wirtschaftliche Management der Sanitäranlagen. Mit der Vernetzung wird die Voraussetzung für das nahtlose Zusammenspiel zwischen den einzelnen Sanitärarmaturen geschaffen. Über vier „Geberit Gateways“ erhalten die Betreiber zentral die volle Kontrolle über die Sanitäranlage. Jedes der vier eingesetzten Gateways deckt bis zu 30 Endgeräte ab. Das Team der SK+ TGM GmbH entwickelte mit Unterstützung der Planungshilfe von Geberit ein Konzept, das die Sanitärräume in verschiedene Zonen einteilt und exakt auf die Gateways verteilt. Im Zuge der umfassenden Neugestaltung der Räume wurden alle Wände geöffnet und GEBUS-Kabel zu allen Endgeräten verlegt. So konnte bei den Waschtischen auf eine 230 Volt-Verkabelung verzichtet werden. Mit der App „Geberit Control“ können die Betreiber Hygienespülungen, elektronische Armaturen sowie WC- und Urinalsteuerungen direkt bedienen. Diese zentrale Steuerung über die Gateways soll dabei ein wirksames Instrument für den energieeffizienten und sicheren Betrieb der Anlagen sein. Die Gateways sind passwortgeschützt: Programmierungen lassen sich nur zentral vornehmen. Über die Bluetooth-Verbindung können die Mitarbeiter der Haustechnik jedoch die Daten der einzelnen Spüleinrichtungen vor Ort einsehen.

Die Einbindung der vielen unterschiedlichen Spüleinrichtungen in Sanitäranlagen bedeutet konkret für die Messe Nürnberg, dass die Spüllogiken an die Hallenbelegung und damit an den aktuellen Bedarf angepasst werden können: So startet die Spülung bspw. vor einer Messe, nach jedem Messetag oder bei einer starken Besucherfrequenz auch zwischendurch. Wird die Halle nicht genutzt, lässt sich ein kompletter Wasserwechsel im Rohrleitungssystem nahtlos umsetzen. Mit der neuen Anlage ist dabei ein bedarfsgerechtes Spülen möglich – also dort, wo das Wasser entnommen wird.

Zentralisierte Kontrolle und Wartung

In zeitlicher Hinsicht bedeutet das zentrale Management der Anlagen für den Betreiber ebenfalls wirtschaftliche Vorteile, z. B. aufgrund eines geringeren Personalbedarfs. Die Anlagenprüfung kann ohne zeitaufwendige Rundgänge über das weitläufige Messegelände über die Funktionsprüfung per Fernwartung zentral über das Gateway erfolgen. Die Steuerungen der Urinale, WCs und Waschtischanlagen lassen sich per App überwachen. Sie melden direkt, wenn eine Störung vorliegt. In der Vergangenheit mussten die Haustechniker im Vorfeld einer Messe alle über 800 WCs, Urinale und Armaturen auf dem Messegelände händisch auf ihre Funktionsfähigkeit prüfen. „Für die Technik war die Installation eines zusätzlichen Schaltschranks nötig. Und die Mitarbeiter der Haustechnik erhielten Schulungen für die Überwachung und Steuerung der neuen Anlage. Die zunehmende Digitalisierung im Gebäudemanagement bietet vor allem für große Betreiber wie die Messe Nürnberg überzeugende Vorteile. Um diese voll auszuschöpfen, ist entsprechend qualifiziertes Personal notwendig“, sagt Klein.

Die Ausstattung der Sanitärräume muss die hohen Anforderungen einer Messe erfüllen und für große heterogene Besuchergruppen geeignet sein. Bei den WC-Keramiken fiel die Wahl auf das spülrandlose „Geberit Acanto WC“, das mit drei entscheidenden Eigenschaften überzeugen konnte: Es spült besonders leise, ist reinigungsfreundlich und hat dank der TurboFlush-Spültechnik eine überzeugende Ausspülleistung. Die Spültechnik sorgt für eine vollständige Flächenspülung und basiert auf der präzise gesteuerten Lenkung des Wasserstrahls. Damit wird eine bis zu zehnmal bessere Spülleistung erreicht, als es die DIN-Norm EN 997:2018 fordert. Klein verspricht sich von der hohen Spülleistung zusätzlichen Nutzen: „Je besser die Ausspülung, desto geringer ist das Risiko für Verstopfungen – mit diesem Problem sind die Betreiber vor allem bei Verbrauchermessen bisher regelmäßig konfrontiert.“ Auf den Herren-WCs sind als Urinale die Hybridmodelle „Geberit Preda“ mit integrierter Steuerung verbaut, die auch wasserlos genutzt werden können.

Aufgrund der Planung von Anke Klein und ihrem Team verlief die Sanierung der Sanitäranlagen in Halle 12 ohne Schwierigkeiten und die Messe Nürnberg konnte die neuen Sanitärräume schnellstmöglich wieder für die Besucher öffnen. Nach der ersten Datenerfassung 2024 konnten die Verantwortlichen der Messe genau sehen, welches Urinal oder WC wie oft benutzt wurde. Die Daten nutzt die Messe künftig, um die Einkaufsplanung für Verbrauchsmaterialien, wie Seife, WC-Papier und Papierhandtücher, wirtschaftlicher auszurichten. Die Messebetreiber zeigen sich rundum zufrieden mit den Möglichkeiten der Überwachung, Steuerung und Protokollierung der vernetzten Sanitärräume.

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