Contracting in Lilienthal
Heiztechnik in der kommunalen WärmeversorgungDie überfällige Modernisierung der Heiztechnik in mehreren kommunalen Gebäuden veranlasste die Gemeinde Lilienthal (bei Bremen), europaweit ein Contracting-Modell für die Wärmelieferung auszuschreiben, das Maßstäbe bei der Energieeinsparung setzen sollte. Bei neuen Komponenten und der Fernwirktechnik wurde auf die Produkte eines bekannten Heizungsherstellers gesetzt.
Seit einigen Jahren ist Contracting ein beliebtes Mittel, den Haushalt klammer Kommunen gesund und die öffentlichen Kassen liquide zu halten. Dabei werden Kosten und Verantwortung für Ersatz, Betrieb und Wartung der Heizanlagen in öffentlichen Gebäuden in privatwirtschaftliche Hände ausgelagert. Auch die Gemeinde Lilienthal schrieb im Sommer 2007 europaweit ein Wärme-Contracting für kommunale Gebäude aus, um Investitionskosten zu sparen. Die Heizungsanlagen in diversen Schulen, Kindergärten, Turnhallen und auch dem örtlichen Rathaus waren altersbedingt und wegen mangelnder Energieeffizienz...
Seit einigen Jahren ist Contracting ein beliebtes Mittel, den Haushalt klammer Kommunen gesund und die öffentlichen Kassen liquide zu halten. Dabei werden Kosten und Verantwortung für Ersatz, Betrieb und Wartung der Heizanlagen in öffentlichen Gebäuden in privatwirtschaftliche Hände ausgelagert. Auch die Gemeinde Lilienthal schrieb im Sommer 2007 europaweit ein Wärme-Contracting für kommunale Gebäude aus, um Investitionskosten zu sparen. Die Heizungsanlagen in diversen Schulen, Kindergärten, Turnhallen und auch dem örtlichen Rathaus waren altersbedingt und wegen mangelnder Energieeffizienz großenteils erneuerungsbedürftig. Oft handelte es sich noch um atmosphärische Kessel – einige von ihnen waren schon 30 Jahre alt, und auch ihre Regelung entsprach nicht mehr dem Stand der Technik.
1. Schritt: Potentiale aufdecken
Eine Expertise der Energieberater vom Bremer Ingenieurbüro Utec über das Energie-Einsparpotential bildete die Grundlage für die Bedingungen des auf 15 Jahre angelegten Contractings. Insgesamt waren 20 öffentliche Objekte zu beheizen. Neben dem Rathaus und dem gemeindlichen Veranstaltungszentrum „Murkenshof“ zählten dazu fünf Schulen mit Hausmeisterwohnungen und Turnhallen, eine Kindertagesstätte und ein Kindergarten sowie die Umkleideräume des Stadions Schoofmoor. Die beheizte Gesamtfläche aller Gebäude betrug 22 298 m2, für die ein jährlicher Gasbedarf von 3506 MWh ermittelt wurde. Erwartungsgemäß ergab die Analyse der Firma Utec eine Überdimensionierung aller Kessel im Bestand.
Während bislang Kessel mit einer Gesamtleistung von 1860 kW installiert waren, sollte nach den aktuellen Berechnungen künftig eine kumulierte Kesselleistung von 1387 kW zur Wärmeversorgung aller Gebäude ausreichen. Zwischenzeitlich durchgeführte Energiesparmaßnahmen an den Gebäuden, die modernere Heiztechnik, aber auch präzisere Berechnungsmethoden ermöglichen heute eine weitaus genauere Ermittlung des Wärmebedarfs. Dadurch können neue Heizanlagen in aller Regel kleiner gewählt werden. Besonders augenfällig erwies sich die Übergröße der Kessel in der Schröterschule (beheizte Gesamtfläche: 3285 m2), der größten Einzelanlage der Gemeinde. Anstelle der Altanlage mit 578 kW Gesamtleistung sollten hier nun moderne Brennwertkessel mit 305 kW Gesamtleistung eingesetzt werden.
2. Schritt: Austausch der Kessel
Beim Austausch kamen überwiegend moderne Gas-Brennwertkessel von Brötje zum Einsatz. Für Gebäude mit hohem Wärmebedarf wie dem Rathaus, den Schulkomplexen und Turnhallen wählte man bodenstehende Kessel der EuroCondens-SGB-Baureihe, und für den kleineren Wärmebedarf, etwa bei gesondert beheizten Hausmeisterwohnungen oder zur Brauchwasserbereitung, waren meist wandhängende Ecotherm-WGB-Modelle vorgesehen. Hauptargumente bei der Gerätewahl waren die perfekte Integrationsfähigkeit der Brötje-Gasbrennwertkessel in bestehende Systeme sowie deren weiter Modulationsbereich. Größere Kesselleistungen können bei den SGB-Typen hervorragend durch Kaskadenschaltungen erzielt werden. Die „Mutilevel-Technologie“, eine konsequente Gleichteilstrategie, und der einheitliche Aufbau der Brennwertkessel tragen maßgeblich zur Reduzierung von Wartungskosten bei. Es werden weniger unterschiedliche Ersatzteile benötigt, außerdem kommen die Monteure mit kürzeren Arbeitszeiten aus. Der Zeitplan war eng gesteckt, denn die Gemeinde wollte schon in der Heizperiode 2007/08 eine maßgebliche Verbrauchskostensenkung erreichen. Deshalb sollte auch die Anlagenerneuerung zu diesem Zeitpunkt weitest gehend abgeschlossen sein. Nachdem die Gemeindewerke Lilienthal GmbH den Zuschlag bekommen hatten, wurden die meisten alten Wärmeerzeuger im November 2007 planmäßig ausgetauscht.
3. Schritt: Anbindung an eine Leittechnik
Die dezentrale Lage der einzelnen Objekte, die höchst unterschiedlichen Anforderungen an die Wärmeversorgung machte eine Leittechnik mit Fernüberwachung erforderlich. Brötje-Spezialist Detlef Oltmanns entwickelte eine maßgeschneiderte Regelungssoftware, die sich nicht nur durch ihren günstigen Preis, sondern auch durch ihre einfache Handhabung auszeichnet. Bei Erweiterungen und Umbauten sind die Mitarbeiter der Gemeindewerke Lilienthal GmbH heute in der Lage, neue Anlagenschaltbilder selbst zu erstellen. „Auch Bestandskomponenten ließen sich problemlos in die neue Brötje-Fernwerktechnik einbinden,“ bestätigt Dipl.-Ing. Niko Kirchdorfer, dessen Heizungsbaufirma „Der Installatör“ die Umbaumaßnahmen durchführte. Ausgefeilte Reporting-Funktionen ermöglichen eine kontinuierliche Kontrolle von Energieverbrauchsdaten und Anlagenzuständen. Die dezentrale Lage der Gebäude brachte es mit sich, dass die zentrale Erfassung der Anlagendaten in manchen Fällen nicht über eine konventionelle Telefonleitung möglich war. In solchen Fällen werden die Meldungen über GSM-Mobilfunk-Module abgefragt.
„Trotz der zentralen Erfassung und Steuerung können beispielsweise die jeweiligen Schulhausmeister die Heizzeiten nach wie vor auch selbst parametrieren. Das war eine wesentliche Forderung dieser wichtigen Akteure vor Ort, die sich bei der Heiztätigkeit nicht entmündigen lassen wollten,“ erklärt Gerhard Meyerdierks, der das System bei den Gemeindewerken Lilienthal GmbH betreut, „zeigt sich hier eine wiederholte unwirtschaftliche Vorgehensweise, können wir die Wärmeabnehmer bei der Optimierung des Anlagenbetriebs kompetent beraten.“ Erste Hochrechungen ergaben, dass die Anlagenkalkulation sehr gut getroffen war. Sowohl die Gemeinde Lilienthal, aber auch die Gemeindewerke Lilienthal GmbH als Contracting-Partner fahren bislang ausgesprochen gut mit dem Konzept.
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