Auslegung nach DIN 1946-6

Berücksichtigung des Wäschetrocknens im Lüftungskonzept

In der DIN 1946-6 [1] werden im Abschnitt 4.2.2 die Randbedingungen für den Luftvolumenstrom zum Feuchteschutz angegeben. Daraus geht hervor, dass das freie Wäschetrocknen, z.B. mittels Wäscheständer, separat zu berücksichtigen ist. Mit den Algorithmen in der DIN/TR 4108-8 [2] (früher DIN-Fachbericht 4108-8) Anhang H ist es möglich, den notwendigen Außenluftvolumenstrom für die Abfuhr der Feuchtelast durch freies Wäschetrocknen zu berechnen und in das Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 einzubinden. Dieser Beitrag stellt Ergebnisse dieser Berechnung für einige außenklimatische Zustände und unter Beachtung der sonstigen Randbedingungen in der DIN 1946-6 zusammen.

Einleitung

In der Definition „Lüftung zum Feuchteschutz“ [1, Abschn. 3.1.29] wird ebenfalls darauf hingewiesen, dass Wäschetrocknen nicht in diesem zugehörigen Luftvolumenstrom enthalten ist. Aus Tabelle 16 Fußnote d der DIN 1946-6 für die Gesamt-Abluftvolumenströme kann man entnehmen, dass für das Wäschetrocknen mit einem um 20 m³/h höheren Volumenstrom gegenüber der Nennlüftung zu planen ist. Allerdings nur für die Räume Hausarbeitsraum, Kellerraum und WC. Im informativen Anhang F (Kellerlüftung, Tab. F.3 und Bild F.3) wird für wenig genutzte Kellerräume empfohlen, im Falle einer...

Einleitung

In der Definition „Lüftung zum Feuchteschutz“ [1, Abschn. 3.1.29] wird ebenfalls darauf hingewiesen, dass Wäschetrocknen nicht in diesem zugehörigen Luftvolumenstrom enthalten ist. Aus Tabelle 16 Fußnote d der DIN 1946-6 für die Gesamt-Abluftvolumenströme kann man entnehmen, dass für das Wäschetrocknen mit einem um 20 m³/h höheren Volumenstrom gegenüber der Nennlüftung zu planen ist. Allerdings nur für die Räume Hausarbeitsraum, Kellerraum und WC. Im informativen Anhang F (Kellerlüftung, Tab. F.3 und Bild F.3) wird für wenig genutzte Kellerräume empfohlen, im Falle einer Wäschetrocknung nach Nennlüftung auszulegen.

Diese z.T. widersprüchlichen Empfehlungen sind für die Praxis nicht ausreichend. Die Räume Hausarbeit, Keller und WC könnten zu klein sein, um einen Wäscheständer aufzustellen oder sind gar nicht vorhanden. Außerdem werden Parameter nicht berücksichtigt, die einen hohen Einfluss auf den notwendigen Außenluftvolumenstrom für das Wäschetrocknen ausüben.


Volumenstromermittlung

Da sich die Feuchtelast in einem Raum additiv zusammensetzt, kann man nach [2, Glg. H.1] auch den für die jeweilige Feuchtelast notwendigen Luftvolumenstrom addieren. Dies eröffnet die Möglichkeit, mittels eines Zuschlags zum errechneten Volumenstrom nach DIN 1946-6 die Wäschetrocknung zu berücksichtigen.

Allerdings ist zu beachten, dass bei Auslegung nach Nennlüftung das Maximum aus dem errechneten Volumenstrom nach DIN 1946-6 für den betreffenden Raum und dem notwendigen Luftvolumenstrom für die Wäschetrocknung zu nehmen ist. Die Nennlüftung beinhaltet die Abfuhr anderer Schadstoffe, vornehmlich CO2. Sollen unterschiedliche Schadstoffe (hier CO2 und Feuchte) abgeführt werden, so führt der errechnete Volumenstrom für CO2 gleichzeitig auch die Feuchte ab und umgekehrt. Nur bei Zugrundelegung der Lüftung zum Feuchteschutz ist daher der Luftvolumenstrom für die Wäschetrocknung zu addieren.

Feuchtelast

Gemäß Anhang H der DIN/TR 4108-8 beträgt die mittlere Feuchte­last durch freies Wäschetrocknen 26 g/(h Person). Je mehr Personen in der Nutzungseinheit wohnen, desto öfter wird Wäsche getrocknet. Aufgrund der Zeit, in der sich Schimmelpilz bilden kann (s. [2, Abschn. 4.2.1]), werden durchschnittliche Werte für einen 5-Tageszeitraum zugrunde gelegt. Geht man von maximal einmal Wäschetrocknen pro Tag aus, begrenzt sich diese Betrachtung auf maximal vier Personen in der Nutzungseinheit.


Notwendiger Außenluftvolumenstrom für freies Wäschetrocknen

In [3] sind die Parameter für die Berechnung des notwendigen Luftvolumenstroms aufgrund der Feuchtelast angegeben. Dabei gehen neben der Feuchtelast auch der Außenklimazustand, die Raumtemperatur und der Wärmeschutz in die Berechnung ein.

DIN 1946-6 Abschnitt 4.2.2 enthält für verschiedene Raumnutzungen die zugrunde gelegten Raumtemperaturen. Die Höhe des Wärmeschutzes an Wärmebrücken erfolgt über zwei verschiedene fRsi-Werte. Diese Angaben werden für die Tab. 1 und 2 übernommen.

Je feuchter die Außenluft ist, desto höher muss der notwendige Außenluftvolumenstrom sein. Eine hohe absolute Außenluftfeuchte tritt bei hohen Außenlufttemperaturen auf. In einigen Beispielrechnungen mit dem Programm „VolFeu“ (s. [3, 4]) hat sich gezeigt, dass sich der maximal notwendige Volumenstrom bei einem absoluten Feuchtegehalt ergibt, der ca. 1 bis 2 g/kg unterhalb des zur jeweiligen Außenlufttemperatur gehörigen Sättigungsfeuchtegehaltes liegt. Es wird daher empfohlen, Werte aus Spalte 80 bis 90 % relative Außenluftfeuchte zu entnehmen. Eine genauere Berechnung kann mit dem „VolFeu“ erfolgen. Dabei werden auch anhand von TRY-Daten der Projektort berücksichtigt und der ungünstigste Außenklimazustand ermittelt.

Die Wahl der Außenlufttemperatur sollte sich bei einer kontinuierlichen Lüftung nach der Heizgrenztemperatur richten, um eine Auslegung nach dem worst case vorzunehmen (s. [3]). Je besser der Wärmeschutz des Gebäudes ist, desto geringer ist die Heizgrenztemperatur, was in den Tabellen durchweg zu kleineren Volumenströmen führt.

Auch bei der Auswahl des Raumes für das Aufstellen eines möglichen Wäscheständers sollte man von ungünstigen Verhältnissen ausgehen. Räume mit einer niedrigen Raumtemperatur (Schlafzimmer) eignen sich wegen der begrenzten Belegungszeit durch Personen für das freie Wäschetrocknen, erfordern aber einen höheren Volumenstrom. Demzufolge ist die Schimmelpilzgefahr bei Nichtbeachtung eines für das Wäschetrocknen erhöhten Volumenstroms für diese Räume besonders groß.

Es ist jedoch zu beachten, dass sich in einem niedrig beheizten Schlafzimmer bei einer hohen Heizgrenztemperatur und guter Dämmung eventuell eine höhere Raumtemperatur einstellen wird als 16 °C. In diesem Fall sollte auf die Wohnzimmertabelle mit 20 °C Raumtemperatur übergegangen werden.

Für 1-Zimmer-Wohnungen ist für den Aufstellungsort eine höhere Raumtemperatur anzunehmen, z.B. im Wohnzimmer. Das Bad wäre hinsichtlich des notwendigen Volumenstroms der günstigste Aufstellungsort, muss aber genügend Platz bieten.

Beispiel

Für eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus mit drei Personen soll ein Lüftungskonzept erstellt werden. Das Gebäude ist gut gedämmt und die Heizung wird bei einer Heizgrenztemperatur im 5-Tagesmittel von über 12 °C abgeschaltet. Nach Tabelle 2 ergibt sich für „Wärmeschutz hoch“ an den Wärmebrücken und 80 % relative Außenluftfeuchte, dass für das freie Wäschetrocknen 3 x 14,6 m³/(h Person) ≈ 44 m³/h im Schlafzimmer notwendig sind.

Bei der Überprüfung der Notwendigkeit einer lüftungstechnischen Maßnahme werden diese 44 m³/h der Lüftung zum Feuchteschutz aus [1, Glg. 8] zugeschlagen.

Als lüftungstechnischen Maßnahme soll eine Abluftanlage geplant werden. Im Schlafzimmer ergibt sich bei Auslegung nach Nennlüftung und unter Berücksichtigung eines minimalen Zuluftvolumenstroms von 15 m³/(h Person) gem. [1, Tab. 17] unter Annahme von zwei Personen im Schlafzimmer ein Volumenstrom von 30 m³/h. Da nach Nennlüftung ausgelegt wurde, beträgt der Auslegungsvolumenstrom für das Schlafzimmer max (30; 44) = 44 m³/h.

Literatur

[1] DIN 1946-6:2019-12: Raumlufttechnik − Teil 6: Lüftung von Wohnungen − Allgemeine Anforderungen, Anforderungen an die Auslegung, Ausführung, Inbetriebnahme und Übergabe sowie Instandhaltung. [2] DIN/TR 4108-8:2020-??: Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Teil 8: Vermeidung von Schimmelwachstum in Wohngebäuden. [3] Nadler, N.: Lüftungskonzept mit Fensterlüftung. Planen mit der DIN SPEC 4108-8. Teil 1: tab 03/2020, S. 48−53, Teil 2: tab 04/2020, S. 42−49, Bauverlag BV GmbH. [4] www.cse-nadler.de

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