Aus der Historie der Fußbodenheizung

40 Jahre Original-Tacker-System

Während die tab – Das Fachmedium der TGA-Branche ihren 50. Geburtstag feiert, wird das Original-Tacker-System für die Installation von Fußbodenheizungen dieses Jahr 40. Die Befestigung von Heizungsrohren mittels Rohrbefestigungsklipsen auf Dämmung entwickelte der Unternehmer Manfred Roth zu einer Zeit, als der Marktanteil für Fußbodenheizungen in Deutschland bei rund 3 % lag.

S tand der Technik war Ende der 1970er Jahre die Raumerwärmung mit Radiatoren, betrieben mit bis zu 90 °C heißem Wasser. Aufgrund steigender Energiepreise sah man in der Branche damals große Chancen für Fußbodenheizungen, da sie zur Erzeugung eines angenehmen Raumklimas eine Vorlauftemperatur von lediglich 30 °C benötigte und somit ein großes Energieeinsparpotential bot. Die zunächst für den Neubau angebotenen Lösungen sahen wie folgt aus: Die Lieferung der notwendigen Wärme- und Trittschalldämmung wurde dem Baustoffhandel überlassen. Dieser stellte auch bodenseitig die Abdeckfolie und die...

S tand der Technik war Ende der 1970er Jahre die Raumerwärmung mit Radiatoren, betrieben mit bis zu 90 °C heißem Wasser. Aufgrund steigender Energiepreise sah man in der Branche damals große Chancen für Fußbodenheizungen, da sie zur Erzeugung eines angenehmen Raumklimas eine Vorlauftemperatur von lediglich 30 °C benötigte und somit ein großes Energieeinsparpotential bot. Die zunächst für den Neubau angebotenen Lösungen sahen wie folgt aus: Die Lieferung der notwendigen Wärme- und Trittschalldämmung wurde dem Baustoffhandel überlassen. Dieser stellte auch bodenseitig die Abdeckfolie und die Baustahlmatten bei. Das Bauhandwerk erstellte das Gewerk. Danach kam der Heizungsbauer zum Zuge. Er lieferte die Heizungsrohre und verband diese zunächst mit Rödeldraht, später mit Schellen an den Baustahlmatten, die oberhalb der mit Folie abgedeckten Dämmung angeordnet waren. Danach brachte der Estrichleger die Vergussmasse auf und integrierte damit die Heizungsrohre in das Bauwerk. Als ersten Versuch einer rationelleren Verlegemethode gab es zudem Polystyrolplatten mit aufgeschäumten Noppen zur Rohrbefestigung.

 

Tacker-System – auch heute Stand der Technik

Im Herbst 1980 stellten die Buchenauer Roth Werke das Original-Tacker-System als handwerkerfreundliche Installationsmethode für Fußbodenheizungen mit einem als Tacker bezeichneten Verlegegerät vor. Das System revolutionierte die ganze Branche, ist bis heute weltweit millionenfach im Einsatz und nach wie vor die Verlegemethode mit dem größten Marktanteil. Das Wort „Tacker-System“, das aus dem Hause Roth stammt, wurde zum Gattungsbegriff für dieses Montagesystem.

Roth bot zunächst eine werkseitig vorgefertigte Dämmplatte. Sie bestand aus einer Polyurethanschicht (PU) mit aufgebrachter Deckfolie und einer hiermit verklebten, 3 cm versetzt angeordneten Polystyrolschicht (PST). Diese PU-/PST-Verbundplatte war eine Innovation, da sie im Unterschied zum Stand der Technik die gewünschte Wärme- sowie Trittschalldämmung und aufgrund des klebeaktiven, dicht verschließenden Deckfolien­überstandes eine geschlossene Dämmdichtung gewährleistete. Sie ermöglichte verschiedene Rohrbefestigungen. Roth testete zwei Klips-Typen mit SHK-Fachbetrieben unter Praxisbedingungen. Diese hatten zur Verankerung in den Verbundplatten Widerhaken an ihren Enden. Eine Ausführung hatte zur Aufnahme des Rohres einen offenen Teller, das andere Modell umschloss das Rohr u-förmig.

Das Interesse der Heizungsbauer am Roth-Fußbodenheizungssystem war enorm. Auch wenn die Klipse zunächst noch mit der Hand bzw. mit einem Hammer eingedrückt wurden, war die Lösung ein großer technischer Fortschritt. Bald stellte sich heraus, dass der u-förmige oben geschlossene Klips den größten Zuspruch am Markt erhielt, so dass Roth diese Variante verfolgte. Der Hersteller optimierte den Klips und entwickelte ein darauf abgestimmtes Verlegegerät, um die mühsame Handmontage zu ersetzen: Mit dem Roth-Tacker konnten die Heizungsrohre auf einfache Weise auf Dämmplatten befestigt und die Lage des Heizrohres gemäß dem gewünschten Rohrverlegeplan bestimmt werden. Im Oktober 1980 hatte Roth ein erstes Gebrauchsmuster beantragt und im März 1981 eingetragen. Es folgten weitere Schutzrechtsanmeldungen ab Mitte 1981, die zum ersten Patent im März 1984 führten.

Mit der innovativen Rohrbefestigung brachte Roth weitere PST-Verbundplatten für die Trittschallerfordernisse der Zwischen­decken heraus.

Der Unternehmer Manfred Roth erinnert sich: „Die Tackerverlegung stieß bei den Heizungsbauern auf größtes Interesse, da die Vereinfachung und Schnelligkeit unserer Rohrmontage für sie große Kostenersparnis und Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit bedeuteten.“

Klips mit Rohr-

anhebefunktion

Der Hersteller entwickelte die Komponenten sukzessive weiter. So verfügt der Original-Tacker-Klips in 2020 über eine innovative Rohranhebefunktion, so dass der Estrich das Heizungsrohr vollständig umschließt. Wissenschaftliche Untersuchungen des Instituts für methodische Analysen belegen die bessere Energieeffizienz durch die patentierte Rohranhebefunktion. Sie zeigen, dass der Fußbodenaufbau bis zu 15 % schneller aufheizt. Gegenüber auf der Dämmschicht liegenden Rohren führt der Roth-Klips zu einer deutli­chen Ver­besserung der Wärmeübertragung und ein vergleichsweise schnelleres Reaktions- und Regelverhalten der Fußbodenheizung.

 

Tacker mit Federunterstützung

Das Tacker-Werkzeug ist heute ein ergonomisch geformtes Montagewerkzeug mit ausgefeilter Tacker-Technologie und erweitertem Magazin für die Klips. Der Roth-Original-Tacker „Speedstar“ verfügt über eine Federunterstützung für bessere Kraftübertragung sowie flüssiges und komfortables Arbeiten. Die Formgebung im Tackergehäuse ermöglicht ein leichtes Gleiten über Klips und Systemrohr nach dem Tackervorgang und erhöht damit die Montagegeschwindigkeit. Ein Anheben des Werkzeugs beim Installieren der Heizungsrohre ist nicht mehr erforderlich, da sich das Werkzeug durch die Federfunktion automatisch repositioniert. So reduziert sich deutlich der Kraftaufwand bei der Rohrverlegung. Der Tacker ist höhenverstellbar und kann bedarfsgerecht an die Körpergröße des Nutzers angepasst werden. Mit einem Fassungsvermögen von 135 Rohrhaltern kommt er mit wenigen Beladungsvorgängen des Magazins bei der Rohrverlegung aus. Der „Speedstar“ eignet sich zur Befestigung der Systemrohre 16 bis 20 mm.

 

Der Kern des Systems:

das Heizungsrohr

Die anfänglich verwendeten Heizungsrohre waren zumeist aus Polypropylen und steif sowie verlegeunfreundlich. Als die Technologie der Strahlenvernetzung verfügbar war, führte Roth die flexibleren PEXc-Rohre im Markt ein. Manfred Roth erklärt: „Unser Fußbodenheizungssystem, das wir 1980 wegen der flexiblen Rohrauslegung ‚Rothaflex‘ genannt hatten, wurde so auch bezüglich der eingesetzten Heizrohre seinem Namen gerecht.“

Das Unternehmen entwickelte in der Folge die S5-CoEx-Technologie. Die heute fünfschichtigen Roth-Systemrohre „Duopex S5“ und „X-Pert S5+“ werden in einem Produktionsdurchgang coextrudiert, wobei die einzelnen Schichten untrennbar miteinander verbunden sind und einen Sandwich-Werkstoff mit hoher Widerstandsfähigkeit und Langlebigkeit ergeben.

Die „EVOH“-Sauerstoffsperrschicht ist durch eine Spezialpolymer- und eine Polyethylenschicht gegenüber äußeren Einwirkungen wie Wärme und Feuchtigkeit geschützt. Das Rohr verfügt über höchste Widerstandsfähigkeit gegen Verformung durch punktuelle mechanische Be­las­tung. Durch die Vermeidung von Sauerstoffaustausch ist es besonders langlebig.

 

Flächen-Heiz- und -Kühlsysteme für
Boden, Wand und Decke

Heute kommen als Energieflächen zum Heizen und Kühlen neben dem Boden auch Wände und Decken in Betracht. Ob für Ein- und Mehrfamilienhäuser, Büro- und Verwaltungsgebäude, Geschäfte oder Industriehallen – je nach Bauvorhaben gibt es eine Vielzahl an Systemlösungen für Neubau und zunehmend in der Renovierung in Trocken- und Nassbauweise. Erneuerbare Energieerzeuger wie Wärmepumpen sind die idealen Partner für die Niedertemperatur-Wärmeübergaben, zumal sie je nach Modell eine Kühlfunktion haben. Smarte Regelsysteme ermöglichen punktgenaue Wohlfühltemperaturen, die man über Apps am Smartphone von überall einstellen kann.

Besonders Raumdecken eignen sich als Strahlungsflächen, die Räume im Sommer angenehm kühlen und im Winter behaglich wärmen. Das Temperieren über geschlossene Oberflächen schafft ein behagliches Raumklima ohne unangenehme Zugluft. Die Oberflächentemperatur wird je nach Betriebsweise einige Grad unter oder über der gewünschten Raumtemperatur gefahren. Durch den Strahlungsaustausch mit der Decke verändern sich die Temperaturen der Raumumschließungsflächen. Roth bietet für diese Anwendung verschiedene Systemlösungen zum Heizen und Kühlen an. Neben der Komfortdecke „ComfoTop“ mit endlos verlegten Systemrohren, gibt es das „ClimaComfort“-Panelsystem sowie die Komfortdecke „ComfoTop M“ mit in Metallkassetten eingebauten Rohrregistern. Zudem sind Lösungen mit oberflächennaher Bauteilaktivierung erhältlich. Hierbei sind Rohrsysteme mit geringer Betondecke werkseitig in Fertigteildecken integriert.

Der Erfinder des Original-Tacker-Systems bietet darüber hinaus ein umfangreiches Sortiment an Flächen-Heiz- und -Kühlsystemen inklusive eines darauf abgestimmten Regelungsprogramms. Für die individuelle Einzelraumregelung eignet sich das Funk-Regelungssystem „Touchline“ sowie das System „Basicline“ in der Ausführung Heizen und Kühlen.

Literatur

„Vom Handwerksbetrieb zum Weltmarktführer –
ein Leben für das Familienunternehmen“, Manfred Roth

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