Pflanzenaufzuchtbetrieb nutzt Hackschnitzelheizung
Biomasseheizung ersetzt fossiles WärmeerzeugungssystemBiomasseheizsysteme spielen eine tragende Rolle bei der erneuerbaren Wärmeversorgung und bleiben ein unverzichtbarer Baustein der Wärmewende. Zahlreiche installierte Anlagen belegen die technologische Reife und Verlässlichkeit dieser Systeme. Moderne Biomasseanlagen erfüllen hohe Umweltstandards und können eine dauerhafte und saubere Wärmeversorgung ermöglichen. Ein Beispiel dafür ist ein Referenzprojekt aus Wenden, das eindrucksvoll demonstriert, wie eine moderne Biomasseheizung das traditionelle Heizsystem auf Basis fossiler Brennstoffe ersetzt und die bestehende Gebäudeinfrastruktur weiterhin genutzt werden konnte.
Das Gärtnerei- und Blumenfachgeschäft Niklas ist ein renommierter Pflanzenaufzuchtbetrieb. Der familiengeführte Betrieb kultiviert saisonale Blumen für Balkon, Terrasse und Garten und betreibt mehrere Hochglasgewächshäuser mit insgesamt ca. 3.800 m² beheizter Fläche sowie zwei Wohneinheiten. Aufgrund des relativ hohen Energiebedarfs verfolgte der Betrieb das Ziel, die Kohle- und Ölheizungen durch eine sowohl ökonomisch als auch ökologisch nachhaltige Wärmeversorgung zu ersetzen.
Ausgangspunkt des Projektes war eine veraltete Heizungsanlage, die den steigenden Anforderungen eines intensiven...
Das Gärtnerei- und Blumenfachgeschäft Niklas ist ein renommierter Pflanzenaufzuchtbetrieb. Der familiengeführte Betrieb kultiviert saisonale Blumen für Balkon, Terrasse und Garten und betreibt mehrere Hochglasgewächshäuser mit insgesamt ca. 3.800 m² beheizter Fläche sowie zwei Wohneinheiten. Aufgrund des relativ hohen Energiebedarfs verfolgte der Betrieb das Ziel, die Kohle- und Ölheizungen durch eine sowohl ökonomisch als auch ökologisch nachhaltige Wärmeversorgung zu ersetzen.
Ausgangspunkt des Projektes war eine veraltete Heizungsanlage, die den steigenden Anforderungen eines intensiven Pflanzenaufzuchtbetriebs nicht mehr gerecht wurde. Konkret setzte sich das bisherige System aus einem 700-kW-Kohlekessel als Hauptenergielieferant und zwei Ölkesseln, die zur Spitzenlastabdeckung und Sicherheitsreserve eingesetzt wurden, zusammen. Diese Konfiguration führte mit den kontinuierlich steigenden CO2-Preisen zu immer höheren Preisen für fossile Brennstoffe und steigenden Betriebskosten sowie einem ineffizienten, klimaschädlichen Energieverbrauch.
Kundenbedürfnisse und technische Umsetzung
Der Betreiber verfolgte mit dem Heizungsprojekt drei zentrale Ziele: die technologische Modernisierung, wirtschaftliche Effizienz und ökologische Nachhaltigkeit. Die veralteten Heizungsanlagen sollten durch ein modernes Biomasse-Heizsystem ersetzt werden, das den steigenden Anforderungen des Betriebs gerecht wird. Gleichzeitig galt es, die Betriebskosten zu senken und durch die Umstellung auf umweltfreundliche Brennstoffe wie Waldhackgut und Mischholz den CO2-Ausstoß deutlich zu reduzieren.
Die technische Umsetzung dieses Projekts basiert auf einer 500 kW Hackschnitzelheizung alsautomatisches Biomasseheizsystem, das den Übergang von veralteten, ineffizienten Heiztechnologien zu einer nachhaltigen und zukunftssicheren Lösung ermöglicht. Im Zentrum steht ein Biomassekessel des Modells „RHK – AK 500“ des Herstellers Heizomat, der eine zuverlässige und bedarfsgerechte Wärmeversorgung ermöglicht und den hohen Anforderungen des Pflanzenaufzuchtbetriebs gerecht wird. Die Integration in die bestehende Energie- und Gebäudeinfrastruktur wurde sorgfältig geplant. Die neue Anlage wurde im vorhandenen Heizraum eines Betongebäudes unterhalb des Wohnhauses installiert, wobei der angrenzende Brennstoffbunker, der zuvor als Kohlebunker diente, für die Lagerung von Hackschnitzeln genutzt wird. Die Befüllung erfolgt über bereits bestehende Öffnungen, sodass das neue System in die vorhandene Gebäudestruktur einfügt werden konnte.
Zusätzlich wurde eine moderne Emissionstechnik integriert, um eine effiziente und emissionsarme Verbrennung sicherzustellen. Die Anlage umfasst eine Doppelkaminanlage mit einer wirksamen Höhe von etwa 8 m, eine doppelte Raumaustragung mittels Bunkerfräsen, eine Zellenradschleuse mit Rücklauffunktion, einen Siemens „ET200“ Schaltschrank und den Feinstaubabscheider „Heizoclean“. Abgerundet wird das System durch ein intelligentes Puffermanagement, das für eine optimierte Wärmeverteilung aus drei Pufferspeicher sorgt.
Effiziente Brennstofflagerung durch doppelte Austragungslösung
Aufgrund der bestehenden baulichen Gegebenheiten und dem Bauherrenwunsch möglichst geringe bauliche Veränderungen vornehmen zu müssen, wurde eine doppelte Austragungslösung geplant und installiert. Dies ermöglicht die Nutzung der gesamten Fläche des ehemaligen Kohlebunkers als Brennstofflager für Hackschnitzel. Die patentierte Parallelfräse verlängert die Lebensdauer der beiden Gelenkarmaustragungen erheblich im Vergleich zu herkömmlichen Blattfederaustragungen. Das Parallelführen der beiden Gelenkarme mittels einer Panzerkette verhindert zudem das Rückschlagen der Gelenkarme, was zu einer höheren Effizienz und Zuverlässigkeit der Anlage beitragen soll. Die beiden Austragungssysteme arbeiten unabhängig voneinander und speisen eine gemeinsame Querfördereinheit. Die Austragungen können flexibel im Wechselbetrieb geschaltet werden, was die kontinuierliche und zuverlässige Brennstoffversorgung sicherstellt.
Durch die doppelte Austragung kann der ehemalige Kohlebunker als Hackschnitzellager genutzt werden, ohne dass aufwendige bauliche Anpassungen erforderlich waren. Dies sparte Umbaukosten und reduzierte den Planungsaufwand sowie die Projektlaufzeit. Durch die Möglichkeit, größere Mengen Hackschnitzel im ehemaligen Kohlebunker zu lagern, kann der Betreiber von besseren Einkaufskonditionen profitieren. Da beide Austragungssysteme unabhängig voneinander arbeiten, bleibt die Brennstoffzufuhr auch dann gewährleistet, wenn eine der Austragungen gewartet werden muss oder unerwartet ausfällt. Das reduziert das Risiko von Heizunterbrechungen. Durch den Wechselbetrieb werden die mechanischen Komponenten gleichmäßig belastet, was den Verschleiß reduziert und die Lebensdauer der Austragungssysteme verlängert.
Holzhackschnitzel als Biomassebrennstoff
Die Gärtnerei Niklas setzt primär Waldhackgut aus Mischholzarten als primären Brennstoff ein. Der Kessel ist für Brennstoffe der Klasse G50 (neue Bezeichnung P45s) mit einem maximalen Wassergehalt von 30 % eingestellt worden. Aber auch andere Hackschnitzel-Güteklassen und Qualitäten sind mit der gewählten Baureihe möglich. Waldhackgut bietet umweltfreundliche und CO2-neutrale Wärmeerzeugung zu stabilen, kostengünstigen Brennstoffpreisen. Ein entscheidender Vorteil für den Pflanzenaufzuchtbetrieb ist die Möglichkeit des Brennstoffzukaufs über ein Netzwerk lokaler Forstbetriebe und Garten-Landschaftsbauern.
Flexibilität beim Brennstoff
Die Flexibilität der „RHK-AK“-Baureihe beim Brennstoff spielte eine entscheidende Rolle, da die eingesetzten Brennstoffe naturbelassene Hölzer sind und in ihrer Beschaffenheit stark variieren können. Je nach Verfügbarkeit kann der Anwender auf unterschiedliche Holzarten zurückgreifen – von erstklassig abgelagerter Stammware über Waldhackgut mit höherem Rindenanteil bis hin zu Heckenschnitt mit einem erhöhten Grünanteil. Da der Brennstoff je nach Jahreszeit und Lieferant häufig schwankt, ist eine intelligente Anpassung der Verbrennungstechnik essenziell. Mithilfe einer anpassungsfähigen Steuerung können diese Unterschiede ausgeglichen werden. Die automatische Lambda-Regelung sorgt dafür, dass kleinere Schwankungen in der Holzqualität von der Anlage kontinuierlich erkannt und die Verbrennungsluft sowie weitere Parameter automatisch optimiert werden. Damit können sogar Holzreste aus Industrie und Gewerbe sinnvoll zur Wärmeerzeugung genutzt werden. Diese hohe Brennstofftoleranz steigert nicht nur die Wirtschaftlichkeit, sondern erhöht auch die Betriebssicherheit.
Fazit
Das Projekt der Gärtnerei Niklas zeigt, wie moderne Biomassetechnik eine kostensparende und umweltfreundliche Wärmeversorgung ermöglicht. Durch den Austausch der alten Kohle- und Ölheizung konnte der Energieverbrauch optimiert und die Betriebskosten deutlich gesenkt werden. Die Nutzung des ehemaligen Kohlebunkers als Hackschnitzellager sowie die doppelte Austragungslösung sorgen für Effizienz und Versorgungssicherheit. Aufgrund der flexiblen Brennstoffanpassung arbeitet die Anlage zuverlässig mit wechselnden Holzqualitäten. Die Zusammenarbeit mit regionalen Forstbetrieben reduziert Transportwege und stärkt die lokale Wirtschaft. Zudem trägt dieser regionale Bezug zu einem besonders niedrigen Primärenergiefaktor bei, da die Energiequelle effizient genutzt und klimafreundlich bereitgestellt wird.
Jetzt Artikel freischalten:
tab DIGITAL
14 Tage kostenlos testen
2,49 € / Woche*
Fachwissen jederzeit und überall.
Greifen Sie auf exklusive PLUS-Artikel und das komplette Online-Archiv zu und lesen Sie tab bequem im E-Paper-Format. Das digitale Abo für alle, die flexibel bleiben möchten.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 E-Paper für mobiles Lesen
- Online-Archivzugang
*129,48 € bei jährlicher Abrechnung inkl. MwSt.
tab KOMBI
4,99 € / Woche*
Das komplette tab-Erlebnis – digital & gedruckt.
Für alle, die Fachinformationen auf allen Kanälen nutzen möchten: Kombinieren Sie Print und Digital, profitieren Sie von unseren Fachforen und präsentieren Sie Ihr eigenes Projekt.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 Print-Ausgaben pro Jahr
- E-Paper für mobiles lesen
- Teilnahme an einem Fachforum
- Online-Archivzugang
- Veröffentlichen eines Projekts
*259,48 € bei jährlicher Zahlung inkl. MwSt. & Versand
