Luftvolumenstrom messen: Was sich mit DIN EN 16211 ändert
Neue Normenstruktur, verschobene Messverfahren und offene Fragen für Planung, Abnahme und VOB-konforme Ausführung von RLT-Anlagen
Mit der Überarbeitung der DIN EN 12599 und der Neufassung der DIN EN 16211 verändert sich die normative Grundlage für die Messung von Luftvolumenströmen in Lüftungssystemen grundlegend. Verfahren werden verlagert, Anforderungen angepasst und Verweise in der VOB berührt. Für Planer, Ausführende und Prüfer von RLT-Anlagen stellt sich damit die Frage, welche Norm künftig maßgeblich ist – und wie praktikabel die neuen Vorgaben in der technischen Realität tatsächlich sind.
Die Entwicklung der DIN EN 12599
Mit dem Entwurf der DIN EN 12599 „Lüftung von Gebäuden – Prüf- und Messverfahren für die Übergabe raumlufttechnischer Anlagen“ im Jahr 2011 erschien 2013 der bis dahin gültige Weißdruck der Norm. Seitdem stellt diese technische Regel eine praktikable und praxisnahe Grundlage für die Abnahme von RLT-Anlagen und deren Komponenten dar.
Darauf verweist auch die DIN 18379 „Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) – Raumlufttechnische Anlagen“ (Ausgabe 2019). Dort heißt es u. a.: „Nach...
Die Entwicklung der DIN EN 12599
Mit der Überarbeitung der DIN EN 12599 und der Neufassung der DIN EN 16211 verändert sich die normative Grundlage für die Messung von Luftvolumenströmen in Lüftungssystemen grundlegend.
Bild: Clipdealer
Mit dem Entwurf der DIN EN 12599 „Lüftung von Gebäuden – Prüf- und Messverfahren für die Übergabe raumlufttechnischer Anlagen“ im Jahr 2011 erschien 2013 der bis dahin gültige Weißdruck der Norm. Seitdem stellt diese technische Regel eine praktikable und praxisnahe Grundlage für die Abnahme von RLT-Anlagen und deren Komponenten dar.
Darauf verweist auch die DIN 18379 „Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) – Raumlufttechnische Anlagen“ (Ausgabe 2019). Dort heißt es u. a.: „Nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) Teil C ist nach dem Einbau von raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen) eine Abnahmeprüfung durchzuführen. Das entsprechende Verfahren ist in DIN EN 12599 beschrieben.“
Im August 2024 wurde ein neuer Entwurf der DIN EN 12599 veröffentlicht. Der geänderte Titel lautet nun: „Lüftung von Gebäuden – Prüf- und Messverfahren für die Übergabe raumlufttechnischer Anlagen und Luftbehandlungssysteme in Nichtwohngebäuden“. In den Änderungen wird darauf hingewiesen, dass die Verfahren zur Messung von Luftvolumenströmen im Vergleich zum bisherigen Weißdruck in die DIN EN 16211 übertragen wurden. Zudem wurde die Methode zur Messung der Luftdichtheit aus der DIN EN 16798 „Lüftung von Gebäuden – Teil 3: Lüftung von Nichtwohngebäuden – Leistungsanforderungen an Lüftungs- und Klimaanlagen und Raumkühlsysteme“ in den Entwurf der DIN EN 12599 übernommen. Darüber hinaus legt die Norm weiterhin ein Verfahren fest, das die technische Übergabe und Inspektion installierter Lüftungsanlagen und Luftbehandlungssysteme unterstützen soll.
Die Entwicklung der DIN EN 16211
Als Neufassung der bisherigen Ausgabe von 2015 erschien im August 2025 der Weißdruck der DIN EN 16211 „Lüftung von Gebäuden – Luftvolumenstrommessung in Lüftungssystemen – Verfahren“. Die Norm beschreibt verschiedene Messverfahren für Luftvolumenströme sowie die Durchführung der Messungen innerhalb der jeweils zulässigen Toleranzen. Die informativen Anhänge A und B enthalten zusätzliche Verfahren sowie Berechnungen zur Ermittlung von Messunsicherheiten. Ein wesentlicher Punkt der Neufassung ist die Feststellung, dass die in der DIN EN 12599 von 2012 beschriebenen Verfahren zur Messung des Luftdurchsatzes in Lüftungskanälen nun in die DIN EN 16211 aufgenommen wurden. Im Vorwort der Norm heißt es, dass für die Inbetriebnahme und den Betrieb raumlufttechnischer Anlagen Messverfahren entwickelt und normiert wurden, die sowohl vorschriftsgemäß als auch einfach anzuwenden seien. Voraussetzung dafür sei, dass die Anlage bereits im Planungsstadium so konstruiert werde, dass Messungen und Überwachungen unter Anwendung etablierter und anerkannter Verfahren möglich sind.
In der Praxis zeigt sich jedoch, dass diese Anforderungen häufig schwer umzusetzen sind. So lassen sich die in der Norm geforderten Messbedingungen in Luftleitungen zwar in versuchstechnischen Aufbauten realisieren, jedoch kaum unter realen Planungs- und Ausführungsbedingungen. Insbesondere die im ID-Verfahren geforderten Mindestlängen gerader Leitungsabschnitte vor und hinter der Messebene sind in der Praxis meist nicht darstellbar. Gleiches gilt für die Anforderungen an Messpunkte und Messebenen bei Abnahmen und Einregulierungen von RLT-Anlagen.
Vergleich von DIN EN 12599 und DIN EN 16211
Bereits 2015 wurde die Frage nach der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit einer eigenständigen DIN EN 16211 gestellt. Diese Diskussion bleibt auch mit der Integration der bisherigen Verfahren aus der DIN EN 12599 weiterhin aktuell.
Bild: Clipdealer
Die Notwendigkeit der unter englischer Federführung erarbeiteten DIN EN 16211 erscheint vor diesem Hintergrund nicht eindeutig nachvollziehbar, da die wesentlichen Punkte zur Luftvolumenstrommessung bereits in der bestehenden DIN EN 12599 klar geregelt waren. Die DIN EN 16211 kann daher als weiteres Beispiel für die zunehmende Normungsvielfalt gesehen werden, die u. a. aus einer geringen Beteiligung Deutschlands an der europäischen Normungsarbeit und der weitgehend unkritischen Übernahme von EN-Normen resultiert. Weder erläuternde Vorworte noch Hinweise im Anwendungsbereich ändern etwas an dieser grundsätzlichen Problematik.
Im Zusammenhang mit der EPBD, der EnEV, dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) sowie der Erstellung der DIN EN 18599 „Energetische Bewertung von Gebäuden“ dürfte jedoch die Notwendigkeit entstanden sein, beide Normen zu aktualisieren und an die gestiegenen Anforderungen der Energieeffizienz von Gebäuden anzupassen. Die Verlagerung der Verfahren zur Luftvolumenstrommessung aus der DIN EN 12599 hat zur Folge, dass:
in der zukünftigen DIN EN 12599 die Messverfahren selbst nicht mehr dokumentiert sind,
der Verweis in der ATV DIN 18379, Teil C der VOB, angepasst werden muss und
in der DIN EN 12599 ein ausdrücklicher Hinweis auf die DIN EN 16211 erforderlich wird.
Fazit
Bereits 2015 wurde die Frage nach der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit einer eigenständigen DIN EN 16211 gestellt. Diese Diskussion bleibt auch mit der Integration der bisherigen Verfahren aus der DIN EN 12599 weiterhin aktuell. Mit Blick auf vertragliche Regelungen im Zusammenhang mit der VOB C erscheint es erforderlich, die bestehenden Verweise und Vorgaben künftig zu korrigieren und klarzustellen, um Rechtssicherheit und Praxistauglichkeit gleichermaßen zu gewährleisten.
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