Wärmetechnik bei KMUs zukunftssicher aufstellen

Web-Tool „Transformationspfade der Prozesswärme“

Viele kleine und mittlere Unternehmen wollen ihre Wärmetechnik zukunftsfest aufstellen. Angesichts dieser umfassenden Herausforderung, die tief in Produktionsprozesse eingreift, fehlt es gelegentlich an klaren Vorstellungen über die ersten Schritte auf dem Weg. Diese Lücke schließt ein Web-Tool, an dem Fraunhofer IEG im Rahmen einer Expertengruppe des „Cluster Dekarbonisierung der Industrie“ mitgearbeitet hat. Die kostenfreie Webanwendung unterstützt Industrieunternehmen gezielt bei der Reduzierung ihrer CO₂-Emissionen und Energieverbräuche und steht ab sofort online für alle Interessierten bereit.

Bild: cluster-dekarbonisierung.de/tool

Bild: cluster-dekarbonisierung.de/tool
„Ausgerechnet beim größten Energieverbraucher der Industrie, der Prozesswärme, herrscht noch zu wenig Transparenz über die Dekarbonisierungsmöglichkeiten“, ordnet Prof. Mario Ragwitz, Leiter des Fraunhofer IEG, die Herausforderung ein. „Die Vielzahl unterschiedlicher Anwendungsfälle macht deutlich, dass es ein Instrument braucht, das die wesentlichen Optionen zur Reduzierung der CO₂-Emissionen systematisch bündelt.“ Als Mitinitiator des CDI und Leiter der CDI-Innovationsgruppe Prozesswärme haben Ragwitz und sein Team am Fraunhofer IEG die Erstellung des Web-Tools begleitet.

Prozesswärme stellt in energieintensiven Branchen der größte Energieverbraucher dar und ist zugleich eine der zentralen technischen Herausforderungen der industriellen Transformation. Die Auswahl geeigneter Technologien, von der Elektrifizierung unter Einsatz erneuerbarer Energien über maßgeschneiderte Anlagentechnik bis hin zur Nutzung von Abwärme, ist komplex und erfordert eine Vielzahl betriebsindividueller Entscheidungen, u. a. zu Investitionen, Fördermöglichkeiten und regulatorischen Rahmenbedingungen.

Konkrete Dekarbonisierungsmaßnahmen für Prozesswärme

Das CDI-Tool bietet insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen einen einfachen Zugang, um Effizienzpotenziale zu identifizieren und konkrete Dekarbonisierungsmaßnahmen für ihre Prozesswärme abzuleiten. Dabei berücksichtigt die Anwendung unterschiedliche Temperaturniveaus, vielfältige Anwendungsfälle und ordnet die verfügbaren technologischen Optionen systematisch ein. Über eine digitale Checkliste werden Unternehmen in fünf Stufen durch die Analyse ihrer Prozesswärmeanforderungen geführt. Auf Basis der eingegebenen Informationen erhalten sie am Ende konkrete Vorschläge zur CO₂-Reduzierung ihrer Prozesswärme. Das Angebot richtet sich an Geschäftsführende, Verantwortliche aus dem Energie- und Nachhaltigkeitsmanagement sowie an technische Fachkräfte. Es unterstützt insbesondere die frühe Orientierungsphase im Transformationsprozess.

Das Tool unterstützt Unternehmen bei:

  • der schrittweisen Transformation von Kälte- und Wärmeströmen – vom Brennstoffwechsel über die Anpassung von Temperaturniveaus im Prozess bis hin zum möglichen Austausch von Anlagen,
  • einer interaktiven und intuitiven Nutzung mit individuell zugeschnittenen Handlungsoptionen,
  • der strukturierten Übersicht potenzieller Maßnahmen,
  • der Bereitstellung vertiefender Informationen sowie relevanter Kontakte.

Die Idee für ein anwenderfreundliches und auf Unternehmensdaten basierendes Entscheidungsunterstützungssystems ist auf die CDI Innovationsgruppe Prozesswärme zurückzuführen. Mit dem CDI Web-Tool „Transformationspfade der Prozesswärme“ steht allen interessierten Unternehmen eine kostenfreie Anwendung zur Dekarbonisierung ihrer Prozesswärme zur Verfügung. Über mehrere Sitzungen schärften rund 40 Expertinnen und Experten das Konzept. Die GreenPocket GmbH, einen Spezialisten für Energiemanagement- und Visualisierungssoftware, hat das Tool umgesetzt. Das Web-Tool „Transformationspfade der Prozesswärme“ steht kostenfrei auf der CDI-Webseite zur Verfügung.

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