TGA-Mittelstand und internationale Konzerne –Gewinn oder Verlust für die Branche?
Wer in diesen Monaten die Meldungen unserer Branche verfolgt, begegnet einer auffälligen Dynamik: Immer häufiger wechseln mittelständische HKLS-Betriebe den Eigentümer und schließen sich internationalen Gruppen an. Für viele Familienunternehmen ist das kein Ausverkauf, sondern eine pragmatische Antwort auf steigenden Investitionsdruck, Digitalisierungskosten und den demografischen Faktor. Die neuen Anteilseigner bringen Kapital, Einkaufsmacht und Prozessstandards ein, mit denen sich Effizienz und Produktivität spürbar heben lassen. Projekte werden transparenter gesteuert, Lieferketten...
Bernd Bürner, Geschäftsführer ITGA Bayern, Sachsen und Thüringen e. V.
Bild: ITGA Bayern, Sachsen und Thüringen e. V.
Wer in diesen Monaten die Meldungen unserer Branche verfolgt, begegnet einer auffälligen Dynamik: Immer häufiger wechseln mittelständische HKLS-Betriebe den Eigentümer und schließen sich internationalen Gruppen an. Für viele Familienunternehmen ist das kein Ausverkauf, sondern eine pragmatische Antwort auf steigenden Investitionsdruck, Digitalisierungskosten und den demografischen Faktor. Die neuen Anteilseigner bringen Kapital, Einkaufsmacht und Prozessstandards ein, mit denen sich Effizienz und Produktivität spürbar heben lassen. Projekte werden transparenter gesteuert, Lieferketten stabilisiert und ein konzernweites Wissensmanagement kann Innovationen beschleunigen.
Gleichzeitig verändert sich der Charakter des Betriebs: Entscheidungen wandern in mehrstufige Gremien, betriebswirtschaftliche Kennzahlen rücken stärker in den Vordergrund. Das birgt Chancen – etwa den Zugang zu Großprojekten, die ein einzelner Mittelständler bislang nicht stemmen konnte. Es verlangt aber auch kulturelle Anpassung. Unsere Fachkräfte identifizieren sich traditionell mit einem überschaubaren, regional verwurzelten Arbeitgeber. Wird Personalpolitik nun in Amsterdam, Paris oder Zürich festgelegt, müssen wir darauf achten, dass Bindung und Ausbildung nicht leiden. Hier ist Dialog gefordert: Wer die lokale Eigenständigkeit seiner Tochterunternehmen aktiv stützt, bindet Erfahrung und sichert das Know-how, das er gekauft hat.
Wertschöpfungskette lebt von Vielfalt
Als Branchenverband sehen wir uns deshalb in einer Doppelrolle. Wir begrüßen Investitionen, die Strukturen professionalisieren und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Mitglieder stärken. Gleichzeitig erinnern wir Politik und Finanzierungspartner daran, Übergangslösungen zu schaffen, die auch alternative Modelle ermöglichen: zum Beispiel genossenschaftliche Beteiligungen, regionale Kapitalfonds oder vergaberechtliche Regelungen, die kleinere Lose zulassen und so mittelständische Anbieter im Markt halten. Schließlich lebt unsere Wertschöpfungskette von ihrer Vielfalt – von agilen Spezialisten ebenso wie von integrierten Konzernen.
Ob der Eigentümer in Franken sitzt oder in London, sollte für unsere Kunden zweitrangig sein. Entscheidend ist, dass Qualität, Innovationskraft und Ausbildungstiefe erhalten bleiben. Die aktuelle Konsolidierungswelle kann zu einem Modernisierungsschub werden, wenn es uns gelingt, die Stärken beider Welten zu verbinden – die Flexibilität des Mittelstands mit den Ressourcen globaler Gruppen. Gelingt das nicht, droht ein Verlust unternehmerischer Kreativität, den wir uns als Schlüsselbranche der Energiewende nicht leisten dürfen. Bei allen Beteiligten – Eigen-tümern, Investoren, Beschäftigten und nicht zuletzt bei uns als Verband – liegt die Verantwortung, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Wachstum und regionale Identität kein Widerspruch sind.
Der Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder.
Jetzt Artikel freischalten:
tab DIGITAL
14 Tage kostenlos testen
2,49 € / Woche*
Fachwissen jederzeit und überall.
Greifen Sie auf exklusive PLUS-Artikel und das komplette Online-Archiv zu und lesen Sie tab bequem im E-Paper-Format. Das digitale Abo für alle, die flexibel bleiben möchten.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 E-Paper für mobiles Lesen
- Online-Archivzugang
*129,48 € bei jährlicher Abrechnung inkl. MwSt.
tab KOMBI
4,99 € / Woche*
Das komplette tab-Erlebnis – digital & gedruckt.
Für alle, die Fachinformationen auf allen Kanälen nutzen möchten: Kombinieren Sie Print und Digital, profitieren Sie von unseren Fachforen und präsentieren Sie Ihr eigenes Projekt.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 Print-Ausgaben pro Jahr
- E-Paper für mobiles lesen
- Teilnahme an einem Fachforum
- Online-Archivzugang
- Veröffentlichen eines Projekts
*259,48 € bei jährlicher Zahlung inkl. MwSt. & Versand
