Zum Betrieb von Pelletsgroßanlagen
Erfahrungswerte und Hinweise für den EinsatzIm mehrgeschossigen Wohnungsbau, in der Industrie und in öffentlichen Gebäuden sind Holzpellets mittlerweile ein bekannter Energieträger, ohne dass es einen breiten Austausch über die Erfahrungen der Heizanlagenbetreiber gäbe. Wie kauft man gut und günstig den Brennstoff ein? Welche Pelletsqualität senkt die Wartungskosten? Wo gibt es schnell und kostenlos aktuelle Informationen? Nachfolgend Hinweise aus den drei größten Anwendergruppen, die auf andere Großanlagen übertragbar sind.
Einsatz in
Mehrfamilienhäusern
„Klimaschutz und Kosten, beides waren Motive beim Umbau der Ölheizung zur Holzpelletsfeuerung im Jahr 2009 – und, dass der volkswirtschaftliche Nutzen von der Gewinnung bis zur Lieferung des Brennstoffs im eigenen Land bleibt“, berichtet Peter Kuisl. Er ist Geschäftsführer der EBV-Hausverwaltung und unter anderem zuständig für 52 Wohnungen...
Einsatz in
Mehrfamilienhäusern
„Klimaschutz und Kosten, beides waren Motive beim Umbau der Ölheizung zur Holzpelletsfeuerung im Jahr 2009 – und, dass der volkswirtschaftliche Nutzen von der Gewinnung bis zur Lieferung des Brennstoffs im eigenen Land bleibt“, berichtet Peter Kuisl. Er ist Geschäftsführer der EBV-Hausverwaltung und unter anderem zuständig für 52 Wohnungen in Probstried bei Kempten im bayerischen Allgäu.
Anlass zur Änderung der Technik war ein Leck des damals 20 Jahre alten Heizkessels. Verschiedene Planungsbüros hatten Peter Kuisl eine neue Ölheizung empfohlen. „Die 52 Eigentümer waren sich aber schnell einig, mit Blick auf Umwelt und Betriebskosten die von mir empfohlene Alternative zu realisieren“, erinnert er sich. War dies ein Kompromiss? Welche Einschränkungen mussten in Kauf genommen werden? Hausverwalter Peter Kuisl blickt in Gedanken auf mehr als drei Betriebsjahre zurück und verneint: „Keine Nachteile – außer vielleicht das größere Lagervolumen, denn Holzpellets haben bei gleicher Heizleistung doppelt so viel Gewicht und dreimal mehr Volumen als Heizöl – und der höhere Anschaffungspreis für die Heiztechnik, doch der deutliche Preisvorteil der Pellets gegenüber Heizöl macht das wett, lange vor dem Ende des Lebenszyklus der neuen Anlage“. Im Vergleich liegt die Investition in einen Pelletskessel um ein Drittel höher. Laut Deutschem Energieholz- und Pellet-Verband e.V. (DEPV) amortisiert sich ein Heizkessel in der Leistungsklasse 200 kW bei einer Investition von 80 000 € und einem Pelletsverbrauch von 160 t bereits nach rund vier Jahren.
Die mehrgeschossigen Wohnhäuser (3400 m² Wohnfläche, 75 Bewohner) haben einen Jahresbedarf von 75 t Holzpellets. Die neue Heizung wurde in zwei getrennte Systeme aufgeteilt. Die größere Anlage mit zwei Heizkesseln à 60 kW versorgt drei Gebäude mit insgesamt 40 Wohneinheiten. Der Kellerraum, in dem zuvor der Öltank stand, wurde zum Pelletslager umgebaut. Im vierten Haus mit zwölf Wohneinheiten steht die kleinere Anlage, ein Brenner mit 49 kW. Heizraum und das zweite Pellets-lager finden hier Platz im früheren Gemeinschaftstrockenraum. Thermische Solarkollektoren und Pufferspeicher unterstützen die drei Heizkessel. Die Kollektoren mit zusammen 190 m² Fläche sparen jährlich zwischen 12 und 18 t Pellets ein und decken von April bis Oktober nahezu den kompletten Warmwasserbedarf. Der ganze Aufwand hat sich gelohnt. Die Heizkosten sind von 14,10 auf 4,45 €/m² bei der größeren und auf 5,80 €/m² bei der kleineren Anlage gesunken – allerdings auch dank einer energetischen Sanierung der Gebäudehüllen. Für insgesamt 660 000 € Investitionsvolumen zur energetischen Gesamtsanierung gab es 48 000 € an Zuschüssen sowie ein KfW-Darlehen mit ungewöhnlich niedrigem Zinssatz. Der Kredit wird durch die Einsparungen bei den Heizkosten komplett finanziert.
Erwähnenswert ist noch, dass seit Inbetriebnahme im Februar 2009 keine nennenswerten Störungen aufgetreten sind, wenn man vom anfänglichen Quietschen der Pelletsförderschnecke im Lager einmal absieht. Die Wartung sowie das Leeren der Aschebehälter genügt einmal jährlich. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hängt diese erfreuliche Tatsache damit zusammen, dass die Hausverwaltung nur Qualitätsbrennstoff der Kategorie ENplus bezieht.
Einsatz in Gewerbe und Industrie
Auch AHP Merkle im badischen Gottenheim bestellt Pellets mit dem ENplus-Siegel (A1) nun schon im dritten Jahr. Das Familienunternehmen bezog 2010 den neu gebauten Firmensitz und beschäftigt derzeit 130 Mitarbeiter auf 6000 m² Fläche. Vor knapp 40 Jahren hatte Gerhard Merkle den Betrieb zur Fertigung hochwertiger Hydraulikzylinder gegründet, der nun in der zweiten Generation von Christen Merkle geführt – und von diesem auch in Vorträgen als Pelletheizungs-Musterbeispiel präsentiert wird. Matthias Ringwald, mitverantwortlich für Planung und Ausführung bei Schmieder Heizungsbau in Waldkirch verweist mit Stolz auf einen störungsfreien Betrieb seit Inbetriebnahme und gibt an, dass die Kesselreinigung erst nach 1500 Betriebsstunden (Bh), die Ascheentsorgung bei Bedarf nach ca. 1200 Bh erfolgt. Zuständig für den Pelletsnachschub ist Paul Gutmann, Betriebsleiter bei AHP Merkle. Er beziffert den Jahresbedarf auf 75 t und muss den 30 t fassenden Lagerraum im Geschoss über der Heiztechnik im Winter mehrfach auffüllen lassen. Im Sommer besteht kein Bedarf, da die Trinkwassererwärmung nicht durch die Pelletsheizung erfolgt. „Wir bestellen und erhalten die Holzpellets in unterschiedlichen Mengen auch kurzfristig, sind durch unseren langfristigen Liefervertrag allerdings unabhängig von momentanen Preisschwankungen“, erklärt Paul Gutmann. Die vertragliche Anpassung erfolgt im vereinbarten Turnus. Bei größeren Heizanlagen ist es üblich, den Brennstoffpreis im Verhältnis zum branchenüblichen Preisindex anzugeben. Durch die Indexierung ist es auch denkbar, dass sich die Kosten mit jeder neuen Lieferung an die aktuelle Preisentwicklung anpassen. Als Basis hierfür kann der vom DEPV monatlich erhobene und veröffentlichte Preisindex dienen, den AHP Merkle für den Rahmenvertrag mit dem Pelletslieferanten nutzt.
Einsatz in
öffentlichen Gebäuden
Die Stadtwerke Heidelberg Umwelt GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Heidelberg, einem Unternehmen der Stadt Heidelberg. Als Contractor liefert und verkauft sie unter anderem Wärme an städtische Einrichtungen. Eine solche ist das Sportzentrum Süd im Stadtteil Kirchheim. Nach den Aufzeichnungen von Tobias Enders hat die Heizung einen Jahresbedarf von durchschnittlich 75 t Holzpellets. Dieser Wert schwankt je nach Witterung. Der Pelletsspeicher wurde seit Inbetriebnahme im Dezember 2007 in unregelmäßigen Abständen aufgefüllt: Zwischen Oktober und April im Intervall von ein bis zwei Monaten, zwischen Mai und September selten, und wenn, dann wenig. Die Bestellungen, auch hier höchste Qualitätsklasse ENplus bzw. DINplus, erfolgen nach Bedarf – unabhängig von monatlichen Preisschwankungen. Denn für die Abrechnung mit dem Lieferanten besteht eine Vereinbarung, bei der nur ein Mal jährlich der Preis an einen bekannten Index angepasst wird.
Für die Spitzenlastabdeckung steht im Sportzentrum Süd ein Gaskessel (390 kW) bereit. Der Pelletskessel (300 kW) wird durch eine Förderschnecke mit Pellets aus dem unterirdischen Großbehälter versorgt. Dieser, vor Ort aus Betonfertigteilen montiert, hat eine Kapapzität von 30 t und fasst so die Ladung eines kompletten LKWs mit 22 bis 26 t. „Wir haben allein im Umkreis von wenigen Kilometern drei Holzpellets-Großanlagen und bestellen Nachschub erst, wenn diese zusammen mehr als 20 t brauchen. So hat unser Lieferant die Möglichkeit, einen Lastzug immer komplett zu entladen, unter Umständen auch mal verteilt auf zwei oder drei Stellen“, sagt Tobias Enders und ergänzt: „Insgesamt schreiben wir 600 t pro Jahr zur Lieferung aus und haben damit vertraglich fixierte Preise.“
Um die Wartungsintervalle auf 600 Betriebsstunden zu verlängern, wurde der Kessel um eine pneumatische Abreinigungsanlage und eine automatische Entaschung ergänzt. Tobias Enders weiß als Betreiber, dass noch längere Reinigungsintervalle möglich sind, aber von der Kesseltechnik, insbesondere von den Rauchgaszügen, abhängen und bei dieser Anlage kaum zu erreichen sind. Die Entscheidung für den Pelletskessel der Kirchheimer Sportanlage Süd fiel in der Planungsphase der jetzigen Heiztechnik, noch vor dem Jahr 2007. Damals wurde dem Brennstoff Holzpellets der Vorzug gegeben gegenüber Hackschnitzel, wegen der im Vergleich geringeren Kosten für Wartung und Reinigung sowie der geringeren Störanfälligkeit bei der Entnahme aus dem Lager. Entscheidend war damals der preiswertere, um den Faktor 4 bis 5 kleinere Pelletsspeicher in Verbindung mit weniger Aushub, vor allem aber die an der Turnhalle in Kirchheim durch vorhandene Bäume fehlende Zufahrt. Das Lieferfahrzeug muss hier in 15 m Abstand vom Speicher entladen, mit den Schläuchen eines Pelletstransporters aber kein Problem ist.
Informationsplattform zum Betrieb
Für einen breiten Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer rund um den Betrieb von größeren Pelletfeuerungen wird das Deutsche Pelletinstitut eine Informationsplattform zu diesem Thema starten. Themenschwerpunkte werden der Energieträger Pellets, Anlagenbetrieb, Wärmenutzung, Sicherheit und rechtliche Regelungen rund um den Betrieb größerer Anlagen sein. Teilnehmer der Plattform können im moderierten Blog Erfahrungen austauschen und erhalten regelmäßig aktuelle Informationsmaterialien.
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