Wärme für die Völklinger Hütte

Wärme-Strahlplatten ermöglichen Kunstgenuss

Die beeindruckende Industrieanlage der 1986 stillgelegten Völklinger Hütte wird als hochkarätiger Veranstaltungsort mit rund 100 000 Gästen im Jahr weitergenutzt. Bis es soweit gekommen ist, mussten rund 6 Mio. € in die Renovierung gesteckt werden. Zentrales Element und besondere Herausforderung bei der Gebäudesanierung stellte dabei die umfassende Beheizung des weitläufigen Hallenensembles dar.

Einst war die Völklinger Hütte ein komplettes Eisenwerk auf einer Fläche von über 60 ha. Seit 1986 stehen die Räder still. 1994 wurde die Völklinger Hütte von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft.

Nach der Stilllegung wurde in der Gasgebläsehalle ein temporärer, provisorischer Veranstaltungsbetrieb aufgenommen. Veranstaltungen konnten zu jener Zeit aber nur im Sommer durchgeführt werden, da im Winter die Halle aufgrund der fehlenden Beheizung bitterkalt war. Verstärkt wurde diese Kälte durch das historische Nutzungsprofil der Gasgebläse­halle: Sie war nicht vielmehr als ein „verkappter“...

Einst war die Völklinger Hütte ein komplettes Eisenwerk auf einer Fläche von über 60 ha. Seit 1986 stehen die Räder still. 1994 wurde die Völklinger Hütte von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft.

Nach der Stilllegung wurde in der Gasgebläsehalle ein temporärer, provisorischer Veranstaltungsbetrieb aufgenommen. Veranstaltungen konnten zu jener Zeit aber nur im Sommer durchgeführt werden, da im Winter die Halle aufgrund der fehlenden Beheizung bitterkalt war. Verstärkt wurde diese Kälte durch das historische Nutzungsprofil der Gasgebläse­halle: Sie war nicht vielmehr als ein „verkappter“ Witterungsschutz für den Maschinenpark und hatte deshalb auch ein extrem undichtes Mauerwerk. Die feuerpolizeilichen Rahmenbedingungen waren ebenfalls recht abenteuerlich und mussten für jede Veranstaltung indivi­duell mit der örtlichen Feuerwehr abgestimmt werden.

Aufgrund des großen Erfolgs und Zuspruchs dieser Veranstaltungen sollte die Professionalisierung der Gasgebläsehalle als Veranstaltungs­ort vorangetrieben werden. Diesbezüglich taten sich diverse Institutio­nen zusammen: Zum einen die „Initiative Völklinger Hütte“, ein un­ab­hängiger Verein bestehend aus ehemaligen Mitarbeitern des Eisen­hüttenwerks, der sich primär um die historische Aufbereitung und Dokumentation der alten Industrieanlage kümmert. Hinzu kamen das Bundesland Saarland als nunmehriger Eigentümer der Anlage, die Landesentwicklungsgesellschaft Saar als verantwortliche Bauträgergesellschaft, sowie die SBB – Saarland Bau und Boden Projektgesellschaft.


Erste Schritte zur Weiternutzung

Nach dem ersten Schritt, der Einrichtung von sanitären Anlagen, dauerte es noch mal zwei Jahre, bis es endlich zur Planung einer Heizungsanlage, dem eigentlichen Sanierungsschwerpunkt zur Umrüstung der Halle als Veranstaltungsort gekommen ist.

Im ersten Bauabschnitt sollte die Beheizung der Gebläsehalle im Erdgeschoss und auf der Veranstaltungsebene realisiert werden. Dabei mussten bei allen Planungen immer die Überlegungen des saarländischen Denkmalschutzes berücksichtigt werden. Als Kompromiss stand Ende 1997 die gemeinsame Entscheidung für die Deckenstrahlplatten als Heizungssystem. Aufgrund der Vorgaben des Denkmalschutzes durften die Deckenstrahlplatten allerdings nicht – wie ursprünglich geplant – in einer flächendeckenden Kon­figuration angebracht werden. Ansonsten wäre die offene Durchsicht zu den fili­granen Dachbindern der Stahlkonstruktion verdeckt worden.


Die Auflagen des Denkmalschutzes berücksichtigt

Dipl.-Ing. Thomas Schneider vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Püttlingen erläutert die damalige Entscheidungsgrundlage für die Deckenstrahlplatte: „Die Vorgabe des Denkmalschutzes konnte mit der Deckenstrahlplatte hervorragend umgesetzt werden, da mit diesem Heizsystem bereits eine relativ hohe Behaglichkeit erzielt werden kann, bevor die Raumlufttemperatur in den Behaglichkeitsbereich kommt. Sprich, wenn die Wärmestrahlung der Deckenstrahlplatte auf die Körperoberfläche trifft, fühlt man sich bereits bei 17/18 °C behaglich. Bei einer reinen Konvektionsheizung, die 20 °C Raumlufttemperatur erreicht, aber ansonsten kalte Umfassungsflächen nicht ausreichend erwärmen kann, fühlt man sich dagegen selbst bei 20 °C nicht annähernd behaglich.“ Ein zusätzlicher positiver Aspekt dieser niedrigeren notwendigen Auslegungstemperatur beim Prinzip der Strahlungsheizung liegt dementsprechend in einer hohen Energieeffizienz.

Und gerade das Thema „Umfassungsflächen“ spielte in der Gasgebläsehalle eine große Rolle. „Denn das Hauptproblem bestand nicht in der Temperierung der Halle, sondern darin, die großen Stahl- und Stahlgussmassen der Maschinen in der Halle zu erwärmen“, führt Fachplaner Schneider weiter aus und ergänzt: „Einerseits sind diese Stahlmassen zwar sehr gute Wärmespeicher, andererseits müssen sie aber auch erst einmal „aufgeladen“ werden. Ansonsten haben diese Stahlkolosse natürlich den gegenteiligen Effekt, indem man seine Körperwärme permanent an die Stahlkörper abstrahlt.“

Eine weitere Vorgabe des Denkmalschutzes war die optisch ansprechende Integration des Heizsystems in das Gesamtkonstrukt der Industrieanlage. Da diese durch den Maschinenpark aus Stahl bestimmt wurde, mussten auch die Oberflächen der Deckenstrahlplatten aus unbehandeltem Stahl bestehen, also ohne einen Rostschutzanstrich oder eine sonstige Verzinkung auskommen. Dieser ungewöhnliche Kundenwunsch konnte mit dem Strahlplattenhersteller, der Firma Zehnder aus Lahr, problemlos umgesetzt werden.


Montage der Strahlplatten

Zum Einsatz kamen in der Gasgebläsehalle auf einer Fläche von rund 5500 m2 22 Strahlplatten mit Längen zwischen gut 16 und knapp 53 m. Die Gesamtlänge der verbauten Strahlplatten beträgt rund 735 m. Installiert wurden die Strahlplatten bei einer Hallenhöhe von 14 m. Dabei wurden, wie Richard Lüftner, technischer Berater bei Zehnder, erklärt, die Strahlplatten mittels Scherenhubbühnen und über Gerüstaufbauten in die vorher angebrachten Montagesätze unter dem Hallendach eingehängt. Zugleich wurden in der Dachbinderebene in einem gemeinsamen Arbeitsschritt auch alle Zuleitungen (Zu- und Rücklauf) installiert, die Elektroarbeiten ausgeführt sowie die Beleuchtung befestigt. Von dem Gerüstaufbau für die Deckenstrahlplatten profitierten somit auch die anderen involvierten Gewerke. Innerhalb von zehn Wochen waren alle Arbeiten in der Dachbinderebene beendet.

Nach den positiven Erfahrungen mit dem Heizsystem entschloss man sich zu weiteren Sanierungsmaßnahmen mit der Deckenstrahlplatte. So wurde 1999/2000 das Heizsystem in der Künstlergarderobe im Erdgeschoss installiert.

Im Jahre 2003, quasi als „letztem Glied in der Beheizungskette“, wurde auch die Verdichterhalle mit der Strahlplatte ausgestattet. Auf einer Fläche von 483 m2 setzte man in einer Hallenhöhe von 12 m noch mal drei Strahlplatten mit einer Länge zwischen 16 und knapp 21 m ein.

Geregelt werden alle Deckenstrahlplatten über eine zentrale Heizkesselanlage, welche aus zwei Erdgas betriebenen Überdruckkesseln mit jeweils 550 kW besteht. Die beiden Kessel liefern die Heizwärme auf einem Temperaturniveau von max. 110 °C. Das System wurde so konfiguriert, dass über einen Verteiler mehrere Heizkreise geregelt werden können. Somit können die reinen Maschinenflächen der Gasgebläsehalle gleichsam wie die Museums- und unterschiedlichen Veranstaltungsflächen als auch später der Eingangsbereich jeweils separat Raumtemperatur gesteuert werden. Die Deckenstrahlplatten fahren im Winter mit einer Temperatur von 110 °C (Vorlauf) zu 85 °C (Rücklauf). Diese wird je nach Außentemperatur bis auf eine Vorlauftemperatur von 80 °C runter gefahren.

Darüber hinaus gibt es noch eine Einzelraumregelung für jeden Bereich. Fachplaner Schneider zieht sein Resümee: „Dieses System hat sich absolut bewährt. Zudem wurde für das gesamte Heizsystem nur eine einzige Pumpe benötigt. Damit konnten wir auch eine zentrale Vorgabe des Bauherren erfüllen: EinHeizsystem ohne großen Wartungsaufwand, das auch unter „robusten“ Bedingungen einwandfrei funktioniert.“

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