Verkehrsmanagement in Gebäuden
Integration von GebäudeleitsystemenElektronische Verkehrsmanagementsysteme sorgen für einen geordneten Personenfluss und den effizienten Einsatz vorhandener Aufzugsanlagen in Gebäuden. Auf diese Weise kommen selbst in komplexen Gebäuden alle Menschen schnell ans Ziel. Gleichzeitig lässt sich Energie sparen.
Mit der Port-Technologie des Aufzugherstellers Schindler gibt es ein Verkehrsmanagementsystem,...
Mit der Port-Technologie des Aufzugherstellers Schindler gibt es ein Verkehrsmanagementsystem, dass den Fokus genau auf diesen Sachverhalt lenkt. Der Grundgedanke: Der Personenverkehr in einem Gebäude wird effizienter, wenn jedem Nutzer ein individueller Weg ermöglicht wird. In vielen Gebäuden der Welt ist das bereits Realität. Eines der ersten war der höchste Wolkenkratzer Hongkongs, das im Jahr 2010 eröffnete International Congress Center. Nicht nur, dass die Menschen in dem 484 m hohen Turmbau aufgrund der neuen Technologie schnell zum gewünschten Ziel gelangen. Jährlich werden zudem 85 000 kWh Strom eingespart – allein dadurch, dass das System in Zeiten mit wenig Verkehr die Hälfte der Aufzüge stilllegt.
System erlernt Nutzergewohnheiten
Das Portsystem funktioniert zunächst wie eine moderne Zielrufsteuerung für Aufzugsgruppen. Das heißt: Der Nutzer gibt nicht erst in der Kabine, sondern bereits vor dem Betreten seine Wunschetage an. Daraufhin wird Personen mit identischem Ziel derselbe Aufzug zugewiesen. Das vermeidet Zwischenstopps und jeder kommt schneller an. Zudem werden die Anlagen besser ausgelastet. Das spart Energie. Noch effizienter arbeiten Zielrufsteuerungen, wenn jeder Passagier über ein Identifikationsmedium – wie zum Beispiel eine Karte – mit spezifischen Nutzerdaten verfügt. So erhöht sich auch die Orientierung und Sicherheit im Gebäude.
An diesem Punkt setzt das Verkehrsmanagementsystem an und geht dabei noch einen deutlichen Schritt weiter: Es arbeitet nicht nur mit einem vorgespeicherten Datenbestand, sondern registriert die Nutzergewohnheiten eigenständig. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das namensgebende „PORT“, das „Personal Occupant Requirement Terminal“. Dahinter verbirgt sich ein kleines Terminal mit Touchscreen, Mikrofon, Lautsprecher und Kartenleser, das an der Wand oder auf einem Fuß im Raum installiert ist. Ein Aktivitätssensor schaltet das Gerät ein, sobald sich jemand nähert. Nach der Identifikation durch einen RFID-Chip bietet der personalisierte Bildschirm dem Nutzer die erlernten Zieloptionen der Relevanz nach an.
Die Abfolge hängt vom gegenwärtigen Standort sowie der Tages- und Wochenzeit ab. Wer also jeden Morgen mit dem Aufzug in die sechste Etage fährt, weil sich dort sein Büro befindet, dem wird das System auch zuallererst diese Option anbieten, wenn er morgens in der Lobby eintrifft. Tritt die betreffende Person indes zur Mittagspause an das Terminal im sechsten Stockwerk, dann ist gegebenenfalls die Kantine im zweiten Stockwerk die erste Option.
Kommunikation mit der Gebäudetechnik
Wenn sich alle Gebäudenutzer identifizieren, ist also jederzeit ersichtlich, wie viele Personen sich in einer Etage aufhalten. Das sind wertvolle Informationen, die das Verkehrsmanagementsystem anderen Bereichen der Gebäudetechnik über eine eigene TCP/IP-Schnittstelle zur Verfügung stellen kann. Hier zeigen sich die vielfältigen Energiesparpotentiale des Systems in vollem Umfang.
So können beispielsweise Lampen und Klimaanlagen bedarfsgerecht auf den einzelnen Stockwerken betrieben werden: Wenn gerade keiner in der jeweiligen Etage ist, geht die Flurbeleuchtung aus. Weil das System die Nutzungsgewohnheiten kennt, können bei geringem Verkehrsaufkommen auch Aufzüge stillgelegt werden, ohne dass der Komfort sinkt. Oder es werden in Stoßzeiten bestimmte Etagen mit geringem Fahrgastaufkommen nicht mehr bedient. Auf diesen Etagen erläutert das Terminal den Nutzern, wie sie alternativ zu Fuß oder über Fahrtreppen ihr Ziel erreichen. Eine solche Route würde einem Nutzer mit Gehbehinderung nicht vorgeschlagen – schließlich berücksichtigt das System diese Information bei der Identifizierung. Somit wird der Blick vom vertikalen Transport endgültig auf den Personenfluss im gesamten Gebäude erweitert.
Sicherheit auf allen Ebenen
Durch die persönliche Identifikation sowie die Einbindung in die Gebäudetechnik kann das Portsystem zudem einen Beitrag zur Sicherheit leisten. Wer sich etwa beim Betreten des Gebäudes nicht identifiziert, dem kann der Zutritt zu sämtlichen Aufzügen wie auch der Tür zum Treppenhaus verwehrt werden. Ebenso lässt sich der Zutritt zu bestimmten Etagen regeln, beispielsweise wenn sich dort Büroräume befinden, die nur für die Mitarbeiter des betreffenden Unternehmens bestimmt sind. Neben verschiedenen Terminalvarianten und Zugangsschranken bietet das System auch eine eigene Türgarnitur für elektronische Schließsysteme. Entsprechend können mit der Identifikation am System die Türen im Gebäude automatisch ent- und verriegelt werden.
Die Terminals sind nicht auf die systemeigenen Komponenten beschränkt. Sie lassen sich ebenso mit bestehenden Zugangsschranken und Schließsystemen koppeln.
Unterstützt werden in diesem Kontext die Systemprotokolle ISO14443A, ISO14443B-2B, ISO14443B-3B sowie ISO15693. Als Kartentypen stehen standardmäßig „Mifare“, „HID iClass“ und „PicoPass“ zur Verfügung. Darüber hinaus werden noch eine Reihe von Karten wie „Indala FlexPass“ oder „NexWatch“ optional angeboten.
Nachrüstung bei laufendem Betrieb
Infolgedessen lässt sich das System ohne Weiteres bei Bestandsbauten sowie Aufzugsanlagen unterschiedlicher Hersteller nachrüsten. Die Modernisierung ist bei laufendem Betrieb ohne Einschränkung der Kapazitäten möglich. So wird die Porttechnologie zunächst auf die bestehenden Controller aufgeschaltet. Auf diese Weise verbessert sich unmittelbar die Gesamtleistung der vorhandenen Aufzüge. Im weiteren Verlauf können dann einzelne Anlagen für die vollständige Umrüstung außer Betrieb gesetzt werden. Während dieser Zeit ist zumindest der ursprüngliche Service für die Fahrgäste gewährleistet.
Der Gedanke liegt nah, dass Verkehrsmanagementsysteme lediglich in großen, komplexen Gebäuden wie dem ICC in Hongkong von Nutzen. Wie jedoch die Praxis zeigt, können derlei Technologien bei der gesamten Bandbreite der Gebäudetypen – also selbst in kleineren Wohnhäusern – zur Optimierung des Personenflusses wie auch der Verbrauchsdaten beitragen.
Im Shoppi Tivoli in der Nähe von Zürich kommt das Portsystem erstmals in einem Einkaufszentrum zur Anwendung. Hinzu kommen ständige Weiterentwicklungen. Inzwischen gibt es sogar eine Funktion, die eine sichere und hocheffiziente Notfallevakuierung etwa im Brandfall ermöglicht.
So etabliert sich das Verkehrsmanagementsystem zunehmend als ein zentrales Modul in der gesamten Gebäudetechnik.
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