Nachhaltigkeit im Schacht

Aufzüge in Greenbuildings

Ohne eine Greenbuilding-Plakette kommt heute kaum noch ein größeres Projekt aus. Die Zertifikate betreffen nahezu alle Bauteile und machen auch vor der Fördertechnik nicht Halt. Mit einer Reihe von Optimierungsmöglichkeiten lässt sich ein möglichst nachhaltiger Aufzug realisieren.

Im Bauwesen rückt zunehmend der Gedanke einer umfassenden Nachhaltigkeit der Gebäude in den Vordergrund. Für die Bewertung haben sich mehrere Zertifizierungssysteme etabliert, denen unterschiedliche Kriterien zugrunde liegen. So bewertet das weltweit verbreitete LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) vor allem die ökologische Nachhaltigkeit eines Gebäudes. Das deutsche DGNB-Zertifikat (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) geht darüber noch hinaus und bezieht ökonomische, sozio-kulturelle und funktionale Faktoren mit ein. Daraus ergeben sich auch hohe Anforderungen an die...
Im Bauwesen rückt zunehmend der Gedanke einer umfassenden Nachhaltigkeit der Gebäude in den Vordergrund. Für die Bewertung haben sich mehrere Zertifizierungssysteme etabliert, denen unterschiedliche Kriterien zugrunde liegen. So bewertet das weltweit verbreitete LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) vor allem die ökologische Nachhaltigkeit eines Gebäudes. Das deutsche DGNB-Zertifikat (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) geht darüber noch hinaus und bezieht ökonomische, sozio-kulturelle und funktionale Faktoren mit ein. Daraus ergeben sich auch hohe Anforderungen an die Aufzugstechnik über den gesamten Lebenszyklus. Schon bei der Wahl des Aufzugsunternehmens sollten Planer daher auf eine Zertifizierung nach der internationalen Umweltmanagementnorm ISO 14 001 achten. So ist sichergestellt, dass die eingesetzten Produkte bei der Herstellung, der späteren Nutzung sowie bei Rückbau und Recycling den Anforderungen an eine nachhaltige Bauweise entsprechen und die erforderlichen Nachweise geführt werden können.

Energieverbrauch als relevante Einflussgröße

Einer der wesentlichen Parameter ist bei allen Zertifikaten der Energieverbrauch in der Nutzungsphase des Gebäudes. In diesem Punkt sind Neuanlagen heutzutage grundsätzlich bereits durch ein effizientes Zusammenspiel der Komponenten Antrieb, Steuerung, Kabine und Aufzugschacht gut aufgestellt.

Der Strombedarf der Aufzüge ist stark nutzungsabhängig und entsprechend differenziert zu betrachten. Beispielsweise beträgt der durchschnittliche Anteil der Aufzüge am Gesamtenergieverbrauch in Wohngebäuden nur rund 2 bis 5 %. Bei stark frequentierten Bürogebäuden sind es bis zu 15 % – und damit eine durchaus relevante Einflussgröße. Für Transparenz und Vergleichbarkeit sorgen Energieeffizienzklassen nach VDI 4707. Dabei unterscheidet die Richtlinie zwischen fünf Nutzungskategorien, die sich aus den durchschnittlichen Fahrt- und Stillstandszeiten ergeben. Ruhe- und Betriebsleistung eines Modells können also abhängig vom Gebäude in unterschiedliche Energieeffizienzklassen fallen.

Energieverbrauch im Fahrtbetrieb

Wenn es um die Reduzierung des Fahrtverbrauchs geht, ist häufig vom Einbau eines regenerativen Antriebs die Rede. Beispielsweise ist mit dem „Schindler 5500“ ein vielseitiger Serienaufzug auf den Markt, der die Rückführung überschüssiger Energie in das Stromnetz oder das Versorgungsnetz des Gebäudes mittels Wechselrichter bereits als Standardoption bietet. In Aufzugsgruppen können auch andere Aufzüge in der Gruppe den erzeugten Strom nutzen. Bis zu 40 % der verbrauchten Energie lassen sich auf diese Weise zurückspeisen. Doch der Einsatz ist nicht immer sinnvoll. Eine grobe Faustregel besagt, dass sich ein regenerativer Antrieb, bezogen auf die Lebenszykluskosten, erst ab 100 000 Fahrten pro Jahr mit einer gewissen Förderhöhe rentiert.

Bei Neuanlagen nahezu vollständig durchgesetzt hat sich der Einsatz von energiesparenden LED in Bedientableau, Eta­gen­anzeiger und Kabinenbeleuchtung. So benötigt eine LED-Kabinenbeleuchtung bei einer täglichen Einschaltdauer von drei Stunden (Nutzungskategorie 4) nur rund 20 kWh/a. Vergleichbare Halogen­leuchtmittel würden 230 kWh/a benötigen. Darüber hinaus haben moderne Beleuchtungssysteme eine bis zu zwanzigfach längere Lebensdauer.

Potentiale im Stillstands­betrieb

Nicht zu unterschätzen ist der Stillstandsverbrauch der Aufzüge, der in den letzten Jahrzehnten mit den immer höheren Sicherheitslevels stetig angestiegen ist, und erst seit einigen Jahren gezielt auf Energieeffizienz optimiert wird. Für Anlagen mit hohen Stillstandszeiten bietet sich daher der Einbau eines Standby-Betriebs an. Die Standby-Ausstattung schaltet die Elektronik bei Wartezeiten automatisch ab und spart so wichtige Ressourcen ein.


Energieeffizienz der Gebäudehülle

Ein weiterer, wesentlicher Punkt beim Thema Nachhaltigkeit ist die Energieeffizienz der Gebäudehülle, innerhalb der sich in der Regel auch die Aufzugsschächte befinden. Doch durch die vorgeschriebene Entlüftungsöffnung geht eine signifikante Menge an Wärmeenergie verloren. Modellrechnungen für einen Aufzug mit 675 kg Tragfähigkeit und sechs Haltestellen ergeben einen Energieverlust von rund 15 000 kWh/a.

Im Gegensatz dazu reagieren „intelligente“ Schachtentlüftungssysteme wie „Schindler HVS flexibel“ auf die Situation im Schacht. Die Luft im Aufzugsschacht wird fortlaufend von Sensoren analysiert. So öffnet sich die Lüftungsklappe unter anderem erst bei Rauchentwicklung oder einem Stromausfall. Über Bewegungsmelder sorgt das System zudem dafür, dass bei der Nutzung des Aufzugs und im Wartungsfall der Schacht ausreichend belüftet wird. Das System stellt also auch ein ausgeglichenes Raumklima im Schacht sicher.

Verbrauchsoptimierung durch Verkehrsmanagement

Optimierungspotential bietet der Einsatz einer Zielwahlsteuerung für Aufzugsgruppen. Der Grundgedanke dahinter: Der Nutzer gibt nicht erst in der Kabine, sondern bereits vor dem Betreten seine Wunschetage an. Daraufhin wird Personen mit identischem Ziel derselbe Aufzug zugewiesen. Das vermeidet Zwischenstopps und jeder kommt schneller an. Zudem werden die Anlagen besser ausgelastet oder bei geringem Verkehrsaufkommen stillgelegt. Das spart weitere Energie.

Noch effizienter arbeiten Verkehrsmanagementsysteme wie die „Port“-Technologie, bei denen jeder Passagier über ein Identifikationsmedium mit spezifischen Nutzerdaten verfügt. Dadurch werden Informationen über den Aufenthalt von Personen in den einzelnen Etagen generiert, die das Verkehrsmanagementsystem anderen Bereichen der Gebäudetechnik über eine eigene TCP/IP-Schnittstelle zur Verfügung stellen kann. Hier zeigen sich die vielfältigen Energiesparpotentiale des Systems in vollem Umfang. So können beispielsweise Lampen und Klimaanlagen bedarfsgerecht auf den einzelnen Stockwerken betrieben werden.

Unbedenkliche Materialien

Neben der Energieeffizienz stellen Zertifizierungsgesellschaften ebenso hohe Anforderungen an die verwendeten Materialien und fordern Arbeitsweisen und Baustoffe, die sowohl für die menschliche Gesundheit als auch die Umwelt unbedenklich sind. So soll laut DGNB beispielsweise der Einsatz von Bauteilen aus Aluminium wegen der hohen Umweltbelastung bei der Herstellung reduziert werden. Viele Architekten setzen daher bei der Kabinengestaltung auf Edelstahl. Das Material erfüllt nicht nur die Anforderungen der Nachhaltigkeit bezüglich Schadstofffreiheit, Recycling und Langlebigkeit, es fügt sich auch nahtlos in die Architekturgestaltung ein. Einen ähnlichen Ansatz verfolgen die Hersteller mit dem Einsatz bleifreier Gegengewichte sowie der Reduzierung von Schmiermitteln, Klebern und Anstrichen. Nicht zuletzt basieren moderne Serienaufzüge auf einer raumsparenden, langlebigen Leichtbauweise, durch die das Gewicht der Kabine deutlich gesenkt werden kann. Daraus ergibt sich auch eine größere Planungsfreiheit, da größere Kabinenmaße bei gleichbleibenden Schachtmaßen möglich werden.


Fazit

Ressourcenschonendes, umweltgerechtes Bauen ist nicht nur angesichts der globalen Herausforderungen des Klimawandels, wachsender Umweltprobleme und der Verantwortung für künftige Generationen geboten. Die Praxis zeigt: Nachhaltigkeitszertifizierungen sind auch zu einem wichtigen Faktor bei der Vermarktung von Immobilien geworden und erfordern auch neue Betrachtungsweisen bei der Aufzugstechnik. Für den Planer spielen dabei die Energieeffizienz und das Nutzungsverhalten eine wesentliche Rolle. Eine kompetente Beratung ist aufgrund der Komplexität des Themas unerlässlich. Die Aufzughersteller stehen dafür mit Rat und Tat zur Seite.

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