Tarifrunde 2010 – weniger ist manchmal mehr

In einigen Wirtschaftsbranchen unseres Landes sind auch in diesem Jahr Tarifverhandlungen zu führen. Diese Verhandlungen werden angesichts der noch nicht überwundenen Wirtschaftskrise sicherlich nicht einfach. Von den Verhandlungspartnern wird größtmögliches Augenmaß zu verlangen sein. Hohe Lohnabschlüsse würden sicherlich die derzeit noch positive Beschäftigungslage in den Unternehmen gefährden.

Bislang sind trotz Produktionseinbruch von über 12 % im verarbeitenden Gewerbe gegenüber 2008 Kündigungen die Ausnahme geblieben. Nicht zuletzt auch durch staatliche Lenkungsmaßnahmen, insbesondere der...

In einigen Wirtschaftsbranchen unseres Landes sind auch in diesem Jahr Tarifverhandlungen zu führen. Diese Verhandlungen werden angesichts der noch nicht überwundenen Wirtschaftskrise sicherlich nicht einfach. Von den Verhandlungspartnern wird größtmögliches Augenmaß zu verlangen sein. Hohe Lohnabschlüsse würden sicherlich die derzeit noch positive Beschäftigungslage in den Unternehmen gefährden.

Bislang sind trotz Produktionseinbruch von über 12 % im verarbeitenden Gewerbe gegenüber 2008 Kündigungen die Ausnahme geblieben. Nicht zuletzt auch durch staatliche Lenkungsmaßnahmen, insbesondere der weitreichenden Möglichkeit, Kurzarbeit einführen zu können, gibt es in unserem Land derzeit weniger als 8 % Erwerbslose. Damit steht fest, dass es den Unternehmen in unserem Lande gelungen ist, durch erhebliche Anstrengungen, die natürlich auch von den Belegschaften mitgetragen wurden, einen Abbau der Beschäftigten zu verhindern. In anderen Ländern zeichnet sich ein deutlich anderes Bild ab.

In den USA haben innerhalb der letzten 2 Jahre 7 Mio. Beschäftigte ihren Job verloren. Die Arbeitslosigkeit verdoppelte sich hier von 5 auf 10 %. In Spanien sind heute über 20 % erwerbslos. Der Vergleich mit den ausländischen Nachbarn darf allerdings keinen Trost spenden. Auch wenn einige Wirtschafsweise bereits ein „Durchschreiten der Talsohle“, ein „Licht am Ende des Tunnels“ und ein „zartes Pflänzchen des Aufschwungs“ ausmachen, so dürfen die Realitäten in den Unternehmen nicht außer acht gelassen werden.

So sind z. B. im verarbeitenden Gewerbe im Jahr 2009 die Arbeitskosten um über 6 % gestiegen, dabei ist im gleichen Zeitraum die Kapazitätsauslastung um fast 16 % zurückgegangen. In Kurzarbeit befinden sich über 1 Mio. Beschäftigte. Bei stark fallenden Preisen wächst der Wettbewerbsdruck in Industrie und Handel. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Produktivität der Beschäftigten um etwa 10 % gefallen.

Diese Fakten sprechen dafür, dass die Lohnkosten 2010 an sich nicht steigen können, sofern die Unternehmen ihre Belegschaft weiterhin halten und darüber hinaus überlebensfähig bleiben wollen. Natürlich ist das Wort „Lohnzurückhaltung“ für viele wie ein rotes Tuch. Andererseits muss es auch darum gehen, die Eintrittsbedingungen für diejenigen, die derzeit ohne Beschäftigung sind, so zu gestalten, dass eine Wiederbeschäftigung ermöglicht wird. Steigende Löhne oder auch ein schärferer Kündigungsschutz verringern die Chancen auf einen Wiedereintritt in das Arbeitsleben.

Dabei sei eines klargestellt: Den Unternehmen in unserem Lande geht es nicht darum, möglichst niedrige Löhne und Gehälter zu zahlen. Gegenteilige Behauptungen halten einer Überprüfung nicht stand. Die vielzitierten Dumpinglöhne sind nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Für die Betriebe ist es wichtig, hoch motivierte Arbeitnehmer zu beschäftigen, die sich mit ihrer Arbeit identifizieren und sich durch langjährige Betriebstreue auszeichnen.

Insofern müssen in der anstehenden Tarifrunde die Tarifvertragsparteien an einem Strang ziehen. Es gilt aber in diesem Jahr ganz besonders den Bogen nicht zu überspannen und Maß zu halten. Niemandem ist damit gedient, durch zu hohe Tarifabschlüsse Arbeitsplätze zu gefährden.

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