„StudiumPlus“ an der THM

Im Gespräch mit Prof. Dr. Jens Minnert und Andreas Klöffel

Zum Wintersemester 2018/2019 startete bei „StudiumPlus“, das duale Studienprogramm der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), die Fachrichtung Technische Gebäudeausrüstung im dualen Bachelor-Studiengang Bauingenieurwesen am Campus Bad Vilbel. Inzwischen liegen erste Erfahrungen vor. Die tab-Redaktion tauschte sich dazu mit Prof. Dr.-Ing. Jens Minnert, Studiengangleiter für Bauingenieurwesen, und Andreas Klöffel, Netzwerk Planer Technische Gebäude-Ausrüstung (TGA) e.V. aus.

tab: Wie ist der neue Studiengang angelaufen?

Prof. Minnert: Die neue Fachrichtung Technische Gebäude­ausrüstung ist sehr erfolgreich mit den ersten 16 Studierenden gestartet. Aufgrund der finanziellen Unterstützung unserer über 800 Partnerunternehmen finden bei „StudiumPlus“ die Lehrveranstaltungen in kleinen Gruppen statt. In den für das duale Studium maßgeschneiderten Modulen erwerben die Studierenden Wissen, dass Sie unmittelbar in der Praxis anwen­den können. Theorie und Praxis finden dabei zu gleichen Teilen statt. In dem siebensemestrigen Studiengang erhalten die Studierenden auch so umfassende Einblicke in die Strukturen beim Partnerunternehmen, dass sie nach dem Abschluss sofort voll einsatzfähig sind – eine Einarbeitungszeit entfällt also. 

tab: Die Technische Gebäudeausrüstung ist ein sehr komplexer Bereich, der sich immer noch weiter differenziert. Welche Schwerpunkte setzen Sie im Studiengang?

Andreas Klöffel: In Hessen, dem Land der Hochhäuser und des Großflughafens Frankfurt am Main, sind die Bauaufgaben sehr vielfältig. Der Anspruch an die Versorgungstechnik ist daher hoch. Dies zeigt sich auch an dem zusehends steigenden Anteil der Baukosten der technischen Ausstattung an den Gesamtherstellungskosten. Die in den Gebäuden eingesetzten Versorgungssysteme, quasi die Lebensadern, die durch das Gebäude verlaufen, steigern die technischen Anforderungen ständig. Die Auslegung, Integration und Vernetzung von Anlagen der Technischen Gebäudeausrüstung im Gebäude ist eine hochspannende Planungs- und Überwachungsaufgabe. Für den Fachplaner ergeben sich dabei große Gestaltungsräume und die Möglichkeit, Ideen und Konzepte umzusetzen.

Die Anforderungen an die Ausbildung in der Gebäudeausrüstung haben sich in der Vergangenheit deutlich gewandelt. So geht der Anteil individuell gefertigter Sonderlösungen deutlich zurück und wird durch Systemlösungen von Herstellern ersetzt.

Andererseits liegt der Schwerpunkt heute deutlich auf der Integration der Technik in das Gebäude. Dazu ist es notwendig, dass der TGA-Planer ein Verständnis für die anderen am Projekt beteiligten Planer entwickelt. Deshalb ist es erforderlich, dass der TGA-Planer im Rahmen seiner Ausbildung auch grundsätzliche Inhalte der beteiligten Gewerke erwirbt. Kenntnisse im Bereich der Objektplanung, Baustatik, Brandschutz, Bauphysik, Baurecht, Planungs- und Bauprozess sind hier unerlässlich. Natürlich sollten dabei die Schwerpunkte weiterhin auf der Heizungs-, Sanitär-, Klima- oder Elektrotechnik liegen.

Die Bereiche Facility Management, regenerative Energien sollten nur als Wahlpflichtfach angeboten werden.

Das Netzwerk Planer TGA e.V. hat mit den Vertretern des dualen Studienprogramms der THM die richtigen Partner gefunden, um neue Schwerpunkte in der Ausbildung von TGA-Fachpla­nern zu setzten.

tab: Welche Voraussetzungen müssen künftige Studenten mitbringen?

Prof. Minnert: Ein duales Studium ist in gewissem Sinne natürlich fordernder als ein klassisches Studium. Die Studierenden absolvieren nicht nur ein vollwertiges Bachelor-Studium, sie sammeln zudem während der vorlesungsfreien Zeit intensive Praxiserfahrung in ihrem Partnerunternehmen. In den Praxisphasen, die von einem Hochschulprofessor betreut werden, bearbeiten die Studierenden anspruchsvolle Projekte, die den Betrieb wirklich weiterbringen.

Wer sich für ein duales Studium interessiert, sollte sich bewusst sein, dass dies natürlich eine Herausforderung sein kann. Gleichzeitig müssen sich unsere Studierenden aber auch keinen Aushilfsjob für die ­Semesterferien suchen, sondern erhalten während der gesamten dreieinhalb Jahre eine Vergütung vom Unternehmen, auch in der Vorlesungszeit. Die Übernahmequoten durch die „StudiumPlus“-Partner­unternehmen von 95 % nach dem Bachelor-Abschluss sprechen eine deutliche Sprache. Ebenfalls 95 % der Studierenden absolvieren unser duales Studienprogramm in der Regelstudienzeit.

Für die Fachrichtung TGA sollten die Studierenden Interesse für die naturwissenschaftlichen Fächer mitbringen. Ordentliche Schulleistungen in diesem Fächerspektrum sind daher auf jeden Fall von Vorteil. Gerade für die TGA-Branche, die sich ständig verändert und neue Anforderungen stellt, ist es zudem unerlässlich, dass die Studierenden, gerne Neues Lernen und – noch wichtiger – bereit sind, sich permanent weiterzuentwickeln.

tab: Welche weiteren Ziele haben Sie mit dem Studiengang?

Andreas Klöffel: Wir halten es für überaus wichtig, in das Studium Gastbeiträge von Spezialisten einzubinden – denken wir nur an Fachleute aus der Praxis – beispielsweise für Rauchschutz-Druckanlagen, Sprinkleranlagen, Regenwasser-Bewirtschaftung, Erzeugungs- oder Übergabesysteme. Daher bemühen wir uns um eine noch intensivere Beteiligung von Fachleuten aus der TGA-Branche oder Industrie. Die Ansiedelung des TGA-Studiums im Fachbereich Bauingenieurwesen ermöglicht zudem das Durchführen von fachübergreifenden Projektarbeiten, welche wir fördern möchten.

Auf die TGA-Branche kommen mit dem neuen Planungsprozess nach dem Standard „Building Information Modeling“ (BIM) neue Anforderungen zu. Bereits jetzt lernen die Studierenden bei „StudiumPlus“ während ihres Studiums den digitalen Planungsprozess kennen, dies möchten wir noch weiter ausbauen.

tab: Gibt es noch Optimierungsbedarf?

Prof. Minnert: Mit dem Start der Fachrichtung TGA haben wir bei den Unternehmen der Branche genau ins Schwarze getroffen. Das Feedback ist durchweg positiv. Allerdings arbeiten wir bei „StudiumPlus“ kontinuierlich daran, unsere dualen Studienangebote zu verbessern. Dies geschieht stets im engen Austausch mit unseren Partnerunternehmen, denn wir möchten unseren Studierenden genau das Wissen vermitteln, das in der Praxis wirklich gebraucht wird. In der sich rasant verändernden TGA-Branche ist dieser Ansatz ganz besonders wichtig.

tab: Durch welche Kompetenzen zeichnen sich künftige Absolventen aus?

Prof. Minnert: Neben einem breiten, praxisnahen Fachwissen, das genau auf die Bedürfnisse der Branche zugeschnitten ist, bringen unsere Absolventen wichtige Schnittstellenkompetenzen für das Arbeitsleben mit. Unser Ziel ist es, auf breiter Basis auf die Berufstätigkeit vorzubereiten, indem die Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden mit in den Fokus gerückt wird: Unternehmensethik, soziale Kompetenz und Etikette wurden daher ganz bewusst in die Curricula der Studiengänge aufgenommen. All diese Faktoren sorgen dafür, dass unsere Absolventen nach dem Abschluss sofort verantwortungsvolle Positionen im Unternehmen übernehmen.

tab: Und zuletzt die naheliegende Frage: Wann startet der nächste Jahrgang?

Andreas Klöffel: Wir sind optimistisch, dass die Fachrichtung TGA nahtlos fortgesetzt werden kann. Damit würde zum Wintersemester 2019/2020 die nächste Gruppe starten.

Prof. Minnert: Das sehe ich ganz genauso. 

tab: Dann wünschen wir Ihnen viele interessierte, neue Studenten.

Info

Nähere Informationen zur Fachrichtung Technische Gebäude­ausrüstung beim „StudiumPlus“ der THM gibt es bei Prof. Dr. Jens Minnert, jens.minnert@­studiumplus.de.

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