Intersolar 2012

Solares Ende oder Energiewende?

Stark gesunkene Solartechnik-Preise haben dazu geführt, dass Solarstrom vom eigenen Hausdach in Deutschland nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) bereits jetzt das Preisniveau der Verbraucher-Stromtarife unterschritten hat. Die Gestehungs­kosten für Solarstrom liegen nicht nur in Regionen mit sehr hoher Sonneneinstrahlung, sondern auch in Deutschland inzwischen unterhalb des Endkundenstrompreises. Dies bestätigen auch Ergebnisse einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE. Die gesunkenen Preise führen dazu, dass sich inzwischen auf allen Kontinenten schnell wachsende Solartechnik-Absatzmärkte etablieren.

Mit diesen Informationen versorgt, wunderte es nicht, dass auf der diesjährigen Intersolar Europe (www.intersolar.de) in München nur wenig Klagen über die politische Situation im PV-Bereich zu hören waren. Auch wenn mit 66 000 Besuchern und 190 Ausstellern zum ersten Mal in beiden Bereichen ein kleines Minus zu verzeichnen war, lockten die Messethemen Netzintegration, Stromspeicher und Stromeigennutzung viel Pub­li­kum in die Münchner Messe­hallen.

Insbesondere für die Eigenversorgung des solar erzeugten Stromes wurde eine Vielzahl an Lösungen präsentiert. Eigen­versorgung bedeutet bei einer Großzahl der Aussteller, die ein entsprechendes System vorgestellt haben, dass ein Akkusystem plus Batteriemanagement dafür sorgen, dass die Batteriespeicher immer zu mindestens 50 % gefüllt sind. Überschüssige Energie, die weder direkt verbraucht noch gespeichert wird, weil die Batterien voll sind, wird derzeit noch ins Netz eingespeist. Mittelfristig besteht jedoch die Überlegung, weitere Überschüsse thermisch zu speichern, indem die vorhandenen Warmwasserspeicher auf ein höheres Temperaturniveau gebracht werden, um für Zeiten eines solar bedingten Energiemangels in Schlechtwetterphasen gerüstet zu sein.

Vorgestellte Technikkonzepte

Eine solche Komplettlösung zur Eigenversorgung mit Solarstrom stellte beispielsweise Deger vor. Das Testsystem läuft seit Herbst 2011. Ertrags- und Verbrauchsmessungen zeigen bereits: Das System deckt mit nur 22 m2 nachgeführter Solarmodulfläche den Eigenbedarf von Haus, Büro und zwei Elektrofahrzeugen zu rund 115 % ab.

„Soliberty“ heißt die Energiespeicherlösung von Solon Energy. Mit dieser können Besitzer einer PV-Anlage bis zu 70 % ihres jährlichen Strombedarfs decken. Als Speichersystem wird ein Bleiakku mit 24 kWh genutzt, von denen 12 kWh ver­fügbar sind.

Als Komplettlösung im „Energiewendehaus“ setzen Stiebel Eltron, Azur Solar und der Massivhausbauer Heinz von Heiden auf die Kombination Photovoltaik im Verbund mit einem 12 kWh Blei-Gel-Batterie (6 kWh verfügbar), Wärmepumpe „WPL 10 AC“ sowie Solarthermieanlage und Kombispeicher. Ziel ist es ein 177 m2 „Effizienzhaus 70“ nach KfW-Standard zum Qua­drat­meterfestpreis von 1090 € anzubieten.

Auf die Kombination von Wär­mepumpe und Photovoltaik setzt auch Centrosolar, das die eigenen PV-Module mit einer Wärmepumpe von Dimplex zu einem zukunftsorientierten System bündelt.

Solarer Strom und Wärme

Die Verknüpfung verschiedener Strom- und Wärmeerzeuger mit Energiespeichern machen, wie auf der Intersolar Europe zu sehen war, den Weg dafür bereit, die Eigennutzung von solarem Strom voranzubringen. So werden der Photovoltaik Perspektiven aufgezeigt, die weg von der Notwendigkeit einer Förderung hin zu einer etablierten Technologie führen.

Die nächste Intersolar Europe findet vom 19. bis 21. Juni 2013 auf der Messe München statt.

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