Sicherheitskonzepte für große Infrastrukturen

Situative Risikowahrnehmung mit interoperablen Systemen

Große Infrastrukturen wie Flug- oder Seehäfen stellen sicherheitstechnisch eine doppelte Anforderung: Zum einen müssen sehr große Flächen überwacht werden. Zum anderen ist das Gefährdungspotential dort höher als in Standard-Umgebungen. Eine adäquate Antwort darauf ist die so genannte situative Risikowahrnehmung. Sie setzt die interoperable Integration sämtlicher sicherheitstechnischer Systeme in einem umfassenden Gesamtkonzept voraus.

Ob Airport, Hochseehafen oder Pipeline, maßgeblich für den Erfolg sicherheitstechnischer Maßnahmen ist unter anderem die Qualität des Informationsflusses. Der zentrale Faktor ist dabei die Zeit. Das heißt: Wie schnell gelangt die Meldung eines Ereignisses zu einem Entscheider? Und wie schnell ist dieser Entscheider, etwa ein Wachmann in einer Sicherheitsleitstelle, soweit über das Ereignis im Bilde, dass er die richtigen Entscheidungen treffen kann? Anders ausgedrückt: Die Qualität des eingehenden Informationsmaterials bedingt die Qualität der Analyse des Ereignisses und damit die Qualität der...

Ob Airport, Hochseehafen oder Pipeline, maßgeblich für den Erfolg sicherheitstechnischer Maßnahmen ist unter anderem die Qualität des Informationsflusses. Der zentrale Faktor ist dabei die Zeit. Das heißt: Wie schnell gelangt die Meldung eines Ereignisses zu einem Entscheider? Und wie schnell ist dieser Entscheider, etwa ein Wachmann in einer Sicherheitsleitstelle, soweit über das Ereignis im Bilde, dass er die richtigen Entscheidungen treffen kann? Anders ausgedrückt: Die Qualität des eingehenden Informationsmaterials bedingt die Qualität der Analyse des Ereignisses und damit die Qualität der ergriffenen Maßnahmen. Daher gehört es zu den vorrangigen Anforderungen moderner Sicherheitssysteme, präzise Situationsbewertungen zu ermöglichen. Das gilt grundsätzlich für alle Bereiche der Sicherheitstechnologie.

Vor diesem Hintergrund hat Siemens eine innovative Leitstellenlösung speziell für die Verwendung in kritischen Infrastrukturen – wie Flughäfen, Häfen, Massenverkehrsmittel, Energie usw. – oder in Industriekomplexen – z.B. Öl und Gas, Petrochemie, Schwerindustrie usw. – entwickelt. Sie ist fester Bestandteil der Produktfamilie „Siveillance“ und zeichnet sich aus durch die Kombination von „intelligenten“ Videofunktionen und den Funktionen einer Leitstelle. Damit ermöglicht sie ein zuverlässiges, in der Größe anpassbares und effizientes Sicherheitsmanagement. Dieser ganz eigene Ansatz ermöglicht die schnelle und effiziente Entscheidungsfindung für den Umgang mit Routineabläufen und Prozessen, aber auch in Krisen- und Notfallsituationen.

„Siveillance SiteIQ“, die „intelligente“ Videolösung des Systems, spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle: Sie bietet eine wichtige Voranalyse der erfassten Bilddaten, gesteuert durch Algorithmen und voreingestellte Parameter. Das Sicherheitspersonal in den Leitstellen wird dadurch entscheidend entlastet. Die Videolösung ermöglicht Echtzeit-Klassifizierungen der aufgezeichneten Ereignisse. Der als „Objekt Verfolgung und Klassifizierung“ bezeichnete Vorgang wird permanent auf die eingehenden Videodaten angewendet und leitet seinerseits die Menschen an den Bildschirmen. Das System kann Vertrautes von Unbekanntem unterscheiden. Es klassifiziert sämtliche bewegliche Objekte im Sichtfeld der Kameras und versieht sie mit Identifikationsbezeichnungen. Dank dieser Unterscheidungsfähigkeit lassen sich Bewegungen von Personen oder Fahrzeugen in einem definierten Areal oder Gebäude visuell und kontextbezogen darstellen. In einem dreidimensionalen Modell werden dann nicht nur die augenblicklichen Standorte der betreffenden „ID“ angezeigt, sondern auch der bis dahin zurückgelegte Weg. Definierbare Regeln ermöglichen die Erzeugung einer Nachricht an den Wachhabenden, wenn ein Objekt gegen diese Regeln verstößt. Ein präziser Informationsvorsprung, den herkömmliche Videoanlagen nicht bieten.

 

Beispiel: Sicherung von Pipelines

Ein Anwendungsbereich für „Siveillance SiteIQ“ sind Pipelines. Werden sie ernsthaft geschädigt, drohen schwerwiegende Folgen für Ökonomie und Ökologie. Hauptrisiken sind etwa Bauaktivitäten in der Nähe der Pipelines, Schäden durch Wasser, Verstopfung der Röhren, aber auch böswillige Beschädigungen wie Sabotage. Dennoch sind Pipelines heute nicht selten weitgehend ungeschützt, denn sie verlaufen über weite Strecken, oft über tausende von Kilometern über freies Feld. Die Herausforderung besteht also in Sicherheitskonzepten, die dieser besonderen Kombination aus Größe und Gefährdungspotential der Anlage Rechnung tragen.

Siemens bietet eine integrierte Sicherheitslösung, die auf die besonderen Anforderungen von Pipelines zugeschnitten ist. Die Lösung basiert auf Siveillance und einem gesicherten Glasfaserkabel als Manipulations-Sensor mit integrierbaren Hardware-Software-Komponenten und für die Übermittlung der Daten. Das Glasfaserkabel wird entlang der Pipeline verlegt. Durch dieses Kabel wird ein Laserstrahl geschickt und dessen Reflexionen gemessen. Eventuelle Abweichungen des Strahls, die auf eine Störung hinweisen könnten, werden ausgewertet und über eine Kontrolleinheit an die zentrale Einsatzleitstelle „Siveillance ELS“ übertragen. Die Meldegenauigkeit beträgt auf einer Distanz von 40 km pro detektiertem Einzelabschnitt entlang einer Pipeline ca. 150 m.

Der besondere Vorteil des Systems liegt darin, dass ein und dasselbe Glasfaserkabel sowohl die Funktion des optischen Sensors als auch die der Datenübertragung übernehmen kann. Der Installationsaufwand reduziert sich damit auf ein Minimum. Dies gilt insbesondere dann, wenn bereits ein Übertragungskabel vorhanden ist, das ohne größere Umbauarbeiten auch zur Detektion genutzt werden kann.

Der Glasfasersensor detektiert vor allem Drittaktivitäten, etwa externe Bautätigkeiten nahe der Pipeline oder Sabotageversuche. Genau wie diese Meldungen werden auch die Videodaten über das Glasfaserkabel zur Einsatzleitstelle transportiert und dort auf Monitorwänden ausgewertet. Die Nutzung eines einzigen Kabels für die Informationsübertragung sämtlicher Sicherheitsdaten, also die vollständige Integration der gesamten Sicherheitslösung in ein einziges Netzwerk, bedeutet eine nicht zu unterschätzende Effizienz sowohl bei den Investitionskosten als auch bei der Übertragung der Daten. Auch sämtliche sonstigen digitalen Kommunikationstechnologien lassen sich so integrieren. In der Ein­satz­leit­zen­tra­le wird die Lösung dann in ein gra­fisches Inter­face integriert, das Alarm-Ma­na­ge­ment von jeder Sta­tion und je­der Zone der Pipe­line, Echt­zeit-Bildübertragung und Video­da­ten­spei­che­rung ermöglicht.

 

Beispiel: Sicherungskonzepte für Flughäfen

Sicherheit spielt praktisch in allen Bereichen des modernen Flugverkehrs eine zentrale Rolle. Entsprechende Konzepte gewährleisten, dass die Flughafenbetreiber alle erfolgskritischen Betriebs- und Wertschöpfungsprozesse lückenlos absichern können. Dies reicht von der effizienten und transparenten Abwicklung des Check-in von Passagieren, Gepäck und Fracht bis hin zum Luftverkehrsmanagement und dem allgemeinen Flughafenbetrieb. Eine Antwort auf diese Anforderungen sind integrierte Technologien und flexible Managementsysteme. Die durchgängige Vernetzung unterschiedlicher Systemwelten ermöglicht einen sicheren, effizienten Betrieb bei niedrigen Investitions- und Unterhaltskosten. Die Basis für solche umfassenden Lösungen bilden optimal aufeinander abgestimmte Systeme und Dienstleistungen. Auf einem Flughafen greifen dabei ganz unterschiedliche Gewerke ineinander. Im Einzelnen gehören dazu Systeme für Brandschutz, Evakuierung, Zutrittskontrolle, Videoüberwachung, Alarmmanagement, Energiemanagement, Automationssysteme zur Regelung von HLK (Heizung, Lüftung, Klima) in Räumen sowie elektrische Installationstechnik. Besondere Aufmerksamkeit bei der Realisierung technischer Sicherheitskonzepte für Flughäfen verlangen dabei der Schutz vor Brand und unberechtigtem Zutritt, eine kontinuierliche und effiziente Überwachung der Außenbereiche sowie die Terminalgebäude mit Passagierabfertigung.

 

Fazit

Große Infrastrukturen wie Pipelines oder Flughäfen verlangen nach besonderen Sicherheitskonzepten. Hier treffen durch ihre Größe nur schwer zu überwachende Objekte und ein hohes Gefährdungspotential zusammen. Eine Antwort darauf bieten die Lösungen der „Siveillance“-Familie, die eine konsequente situative Risikowahrnehmung durch die Vernetzung und Interaktion unterschiedlicher, interoperabler Systeme ermöglicht.

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