Schutz vor Stagnationsrisiken
Planung, Umsetzung und Betrieb einer TrinkwasserinstallationEs gibt Konstellationen, die sind aus trinkwasserhygienischer Sicht kritisch, und das von Anfang an. Dazu gehören beispielsweise unter Denkmalschutz stehende Objekte, die aufwendig an- und umgebaut werden, um dann „öffentlich“ genutzt zu werden. Dort kann schon die geringste Verkeimung des Wassers schlimme Folgen haben.
Aber auch diese Herausforderung ist in den Griff zu bekommen, wie der Umbau eines Gebäudekomplexes in Vilsbiburg zu einer Kinderkrippe zeigt.
Die zweite „Hürde“ ergab sich bei der technischen Gebäudeausrüstung generell aus dem Zusammenspiel „historischer Baukörper“ und „Nutzung als Kinderkrippe“: Auf der einen Seite sollten die Wände aus Ziegelmauerwerk oder die Holzbalkendecken möglichst erhalten bleiben. Auf der anderen Seite bestand aber der Anspruch, die Raumtemperierung und die Sanitärinstallationen nutzungsgerecht auf dem aktuellen Stand der Technik auszuführen. „Für die Trinkwasserinstallationen war damit beispielsweise auch die VDI 6023 von Anfang an gesetzt“, so Stephan Wallhöfer von der Delta Immotec GmbH aus Geisenhausen (www.delta-gruppe.de), der als Fachplaner für die Haustechnik der künftigen Kinderkrippe verantwortlich zeichnet. In der Praxis bedeutet das, bezogen auf die Trinkwasserinstallation, vor allem drei entscheidende Punkte zu beachten:
Wasseraustausch abgesichert
Die Grundlage dafür, den regelmäßigen Wasseraustausch abzusichern, wurde bereits in der Planungsphase mit der Viega-Software „Viptool Engineering“ gelegt: Auf Basis der DIN 1988-300 gerechnet, konnte die Nennweite der Rohrleitungen durchweg deutlich kleiner gewählt werden, als es noch nach früheren Regelwerken und Gleichzeitigkeiten der Fall gewesen wäre. Wie viel das ausmacht, zeigt ein Blick auf die Hauptverteilleitungen: Statt des 65er-Rohres genügt eine 40er-Nennweite – das anstehende Volumen ist also allein in diesem Strangabschnitt auf etwa ein Drittel verringert worden. Entsprechend gering sind das Stagnationsrisiko bzw. der Aufwand, das Wasser regelmäßig auszutauschen.
Stehendes Wasser im Leitungsnetz verhindert darüber hinaus die durchgeschliffene Rohrführung bis unmittelbar vor die einzelnen Zapfstellen. Selbst bei längerer Nichtbenutzung einzelner Zapfstellen wird, im Gegensatz zur Anbindung mit Stichleitungen, also immer auch dieser Rohrabschnitt mit durchströmt.
In Kombination mit einer hinreichenden Dämmung der aus dem Edelstahlsystem „Sanpress Inox“ ausgeführten Trinkwasserleitungen gegen Erwärmung bzw. Auskühlung sowie thermisch gesteuerten „Easytop“-Strangregulierventilen ist damit planerisch und installationsseitig alles für den Erhalt der Trinkwassergüte während des bestimmungsgemäßen Betriebs der Krippe in Vilsbiburg getan.
Dokumentierter Wasseraustausch
Was aber bleibt, ist das Restrisiko bei Nutzungsunterbrechungen, zum Beispiel an langen Wochenenden oder in Ferienzeiten. Dann händisch über einen Spülplan für den notwendigen Wasseraustausch zu sorgen, ist nicht zielführend, sagt Planer Stephan Wallhöfer: „Erstens ist es fraglich, ob seitens der Gemeinde dafür überhaupt Personal zur Verfügung gestellt werden kann und ob so ein Einsatz wirtschaftlich ist. Zweitens bleibt die zentrale Frage der Dokumentation, auch bezüglich der für den vollständigen Wasseraustausch notwendigen Spülmenge.“
Statt solcher Hilfskonstruktionen wurden daher in der Kinderkrippe von Anfang an zwei Spülstationen mit „Viega Hygiene+-Funktion“ vorgesehen: In die Kaltwasserstränge eingebunden sind sie so programmiert, dass entweder nach einer definierten Zeitspanne oder bei Überschreiten von Temperaturgrenzwerten automatisch so lange gespült wird, bis das stagnierende Wasservolumen vollständig ausgetauscht ist. Für Günter Hofbauer vom ausführenden Fachunternehmen „Bernkopf Versorgungstechnik“ aus Arnstorf (www.bernkopf-versorgungstechnik.de) ist das die wirtschaftlichste und sicherste Form, Stagnationsrisiken verlässlich und wirtschaftlich zu vermeiden: „Die Spülstationen werden von uns nach Inbetriebnahme der Trinkwasserinstallation exakt so programmiert, dass sie bedarfs- und volumengerecht spülen. Das heißt, es wird tatsächlich nur bei Notwendigkeit und dann auch nur im wirtschaftlichsten Umfang gespült. So halten wir die Betriebskosten niedrig und entlasten die Umwelt. Gleichzeitig dokumentiert die Spülstation absolut präzise jeden Spülvorgang, von der Spülmenge bis hin zu den jeweiligen Wassertemperaturen. Damit ist in jeder Hinsicht belastbar dokumentiert, dass der Betreiber seinen Pflichten zum Erhalt der Trinkwassergüte nachkommt.“
Entscheidend könnte das werden, wenn es in der Folge von Trinkwasserverkeimungen zu Erkrankungen käme. Dann muss auf der Grundlage der aktuellen Trinkwasserverordnung (TrinkwV) der Betreiber nachweisen können, dass er gemäß den allgemein anerkannten Regeln der Technik alles zum Erhalt der Trinkwassergüte getan hat. Und dazu zählt eben, neben der fachgerechten Planung und Installation, auch der bestimmungsgemäße Betrieb der Trinkwasseranlage.
Hohes Verantwortungsbewusstsein
Dass im Sanierungs-Neu-Erweiterungsbau der künftigen Kinderkrippe das Thema „Erhalt der Trinkwassergüte“ so mustergültig durchdekliniert wurde, ist nicht zuletzt dem hohen Bewusstsein um die möglichen Gesundheitsrisiken bei allen an diesem Projekt Beteiligten zu verdanken: Schon bei der Stadt Vilsbiburg als Auftraggeber war die Notwendigkeit entsprechender Schutzmaßnahmen ganz hoch aufgehängt – und wurde zusätzlich durch eine entsprechende Planung und Ausschreibung durch die verantwortlichen Fachplaner unterstützt. Das reichte bis hin zur klaren Beschreibung der einzusetzenden Rohrleitungsmaterialien, Ventile oder Spülstationen. „Nur so kann verhindert werden, dass in der Ausschreibungsphase über den Entscheidungszwang für den günstigsten Anbieter die ursprünglichen Schutzziele aufgeweicht werden“, lobt Dipl.-Ing. Stephan Wallhöfer die hier praktizierte Vorgehensweise.
Er sieht die selbstverständlich immer noch regelkonforme Ausschreibung wie das gesamte in Vilsbiburg umgesetzte Konzept als beispielhaft an für die Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen, bei denen im Lande Handlungsbedarf besteht: Nach Einschätzung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) gibt es in Deutschland etwa 40 000 Schulen und rund 50 000 Kindergärten, von denen über die Hälfte dringend sanierungsbedürftig sind.
In der Mehrzahl der Objekte dürfte es dabei unmöglich sein, die Trinkwasserinstallationen komplett auszutauschen. Umso dringender sind daher im Zuge von schrittweisen Sanierungen Konzepte, die zum Beispiel über reduzierte Rohrdimensionen, durchgeschliffenen Ringleitungen und Spülstationen den Erhalt der Trinkwassergüte bestmöglich unterstützen.
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