Schutz vor Stagnationsrisiken

Planung, Umsetzung und Betrieb einer Trinkwasserinstallation

Es gibt Konstellationen, die sind aus trinkwasserhygienischer Sicht kritisch, und das von Anfang an. Dazu gehören beispielsweise unter Denkmalschutz stehende Objekte, die aufwendig an- und umgebaut werden, um dann „öffentlich“ genutzt zu werden. Dort kann schon die geringste Verkeimung des Wassers schlimme Folgen haben.
Aber auch diese Herausforderung ist in den Griff zu bekommen, wie der Umbau eines ­Gebäudekomplexes in Vilsbiburg zu einer Kinderkrippe zeigt.

Ein historisches Gebäudeensemble in der gewachsenen Ringbebauung des Dorfkerns direkt an der Kirche zukunftsorientiert zu nutzen, ist nicht einfach. Es einfach abzureißen, ist auch keine Lösung, vor allem, wenn die Häuser unter Denkmalschutz stehen. Also entschloss man sich in Vilsbiburg (bei Landshut), das Anwesen zu einer modernen Kinderkrippe mit entsprechenden Aufenthalts-, Spiel- und Schlafräumen um- und auszubauen. Das ist zwar aufwendig, doch die Lage mitten im Ort, die direkte Nähe zur weiterführenden Schule und die gute Infrastruktur in der Nachbarschaft gaben letztlich den Ausschlag...
Ein historisches Gebäudeensemble in der gewachsenen Ringbebauung des Dorfkerns direkt an der Kirche zukunftsorientiert zu nutzen, ist nicht einfach. Es einfach abzureißen, ist auch keine Lösung, vor allem, wenn die Häuser unter Denkmalschutz stehen. Also entschloss man sich in Vilsbiburg (bei Landshut), das Anwesen zu einer modernen Kinderkrippe mit entsprechenden Aufenthalts-, Spiel- und Schlafräumen um- und auszubauen. Das ist zwar aufwendig, doch die Lage mitten im Ort, die direkte Nähe zur weiterführenden Schule und die gute Infrastruktur in der Nachbarschaft gaben letztlich den Ausschlag für diese Entscheidung. Auch wenn genau diese Punkte in Verbindung mit einer dichten Bebauung zugleich die erste große Hürde waren, die es bei der architektonischen und baulichen Realisierung des etwa 2,4 Mio. € teuren Projektes zu stemmen galt.

Die zweite „Hürde“ ergab sich bei der technischen Gebäude­ausrüstung generell aus dem Zusammenspiel „historischer Bau­kör­per“ und „Nutzung als Kinderkrippe“: Auf der einen Seite sollten die Wände aus Ziegelmauerwerk oder die Holzbalkendecken möglichst erhalten bleiben. Auf der anderen Seite bestand aber der Anspruch, die Raumtemperierung und die Sanitärinstallationen nutzungsgerecht auf dem aktuellen Stand der Technik auszuführen. „Für die Trinkwasserinstallationen war damit beispielsweise auch die VDI 6023 von Anfang an gesetzt“, so Stephan Wallhöfer von der Delta Immotec GmbH aus Geisen­hausen (www.delta-gruppe.de), der als Fachplaner für die Haustechnik der künftigen Kinderkrippe verantwortlich zeichnet. In der Praxis be­deutet das, bezogen auf die Trinkwasserinstallation, vor allem drei entscheidende Punkte zu beachten:

Den regelmäßigen Wasseraustausch im gesamten Rohrleitungsnetz kalt mindestens alle drei Tage;
eine bis unmittelbar vor die Zapfstelle durchgeschliffene Trinkwarmwasserzirkulation für kontinuierlichen Wasseraustausch und
die konsequent hygieneerhaltende Temperaturführung im gesamten Trinkwassernetz, also selbst in parallel geführten Leitungen Kaltwasser immer unter 25 °C, Warmwasser nie weniger als 55 °C.

Wasseraustausch abgesichert

Die Grundlage dafür, den regelmäßigen Wasseraustausch abzusichern, wurde bereits in der Planungsphase mit der Viega-Software „Viptool Engineering“ gelegt: Auf Basis der DIN 1988-300 gerechnet, konnte die Nennweite der Rohrleitungen durchweg deutlich kleiner gewählt werden, als es noch nach früheren Regelwerken und Gleichzeitigkeiten der Fall gewesen wäre. Wie viel das ausmacht, zeigt ein Blick auf die Hauptverteilleitungen: Statt des 65er-Rohres genügt eine 40er-Nennweite – das anstehende Volumen ist also allein in diesem Strangabschnitt auf etwa ein Drittel verringert worden. Entsprechend gering sind das Stagnationsrisiko bzw. der Aufwand, das Wasser regelmäßig auszutauschen.

Stehendes Wasser im Leitungsnetz verhindert darüber hinaus die durchgeschliffene Rohrführung bis unmittelbar vor die einzelnen Zapfstellen. Selbst bei längerer Nichtbenutzung einzelner Zapfstellen wird, im Gegensatz zur Anbindung mit Stichleitungen, also immer auch dieser Rohrabschnitt mit durchströmt.

In Kombination mit einer hinreichenden Dämmung der aus dem Edelstahlsystem „Sanpress Inox“ ausgeführten Trinkwasserleitungen gegen Erwärmung bzw. Auskühlung sowie thermisch gesteuerten „Easytop“-Strangregulierventilen ist damit planerisch und installationsseitig alles für den Erhalt der Trinkwassergüte während des bestimmungsgemäßen Betriebs der Krippe in Vilsbiburg getan.


Dokumentierter Wasseraustausch

Was aber bleibt, ist das Restrisiko bei Nutzungsunterbrechungen, zum Beispiel an langen Wochenenden oder in Ferienzeiten. Dann händisch über einen Spülplan für den notwendigen Wasseraustausch zu sorgen, ist nicht zielführend, sagt Planer Stephan Wallhöfer: „Erstens ist es fraglich, ob seitens der Gemeinde dafür überhaupt Personal zur Verfügung gestellt werden kann und ob so ein Einsatz wirtschaftlich ist. Zweitens bleibt die zentrale Frage der Dokumentation, auch bezüglich der für den vollständigen Wasseraustausch notwendigen Spülmenge.“

Statt solcher Hilfskonstruktionen wurden daher in der Kinderkrippe von Anfang an zwei Spülstationen mit „Viega Hygiene+-Funktion“ vorgesehen: In die Kaltwasserstränge eingebunden sind sie so programmiert, dass entweder nach einer definierten Zeitspanne oder bei Überschreiten von Temperaturgrenzwerten automatisch so lange gespült wird, bis das stagnierende Wasservolumen vollständig ausgetauscht ist. Für Günter Hofbauer vom ausführenden Fachunternehmen „Bernkopf Versorgungstechnik“ aus Arnstorf (www.bernkopf-versorgungstechnik.de) ist das die wirtschaftlichste und sicherste Form, Stagnationsrisiken verlässlich und wirtschaftlich zu vermeiden: „Die Spülstationen werden von uns nach Inbetriebnahme der Trinkwasserinstalla­tion exakt so programmiert, dass sie bedarfs- und volumengerecht spülen. Das heißt, es wird tatsächlich nur bei Notwendigkeit und dann auch nur im wirtschaftlichsten Umfang gespült. So halten wir die Betriebskosten niedrig und entlasten die Umwelt. Gleichzeitig dokumentiert die Spülstation absolut präzise jeden Spülvorgang, von der Spülmenge bis hin zu den jeweiligen Wassertemperaturen. Damit ist in jeder Hinsicht belastbar dokumentiert, dass der Betreiber seinen Pflichten zum Erhalt der Trinkwassergüte nachkommt.“

Entscheidend könnte das werden, wenn es in der Folge von Trinkwasserverkeimungen zu Erkrankungen käme. Dann muss auf der Grundlage der aktuellen Trinkwasserverordnung (TrinkwV) der Betreiber nachweisen können, dass er gemäß den allgemein anerkannten Regeln der Technik alles zum Erhalt der Trinkwassergüte getan hat. Und dazu zählt eben, neben der fachgerechten Planung und Installation, auch der bestimmungsgemäße Betrieb der Trinkwasseranlage.


Hohes Verantwortungsbewusstsein

Dass im Sanierungs-Neu-Erweiterungsbau der künftigen Kinderkrippe das Thema „Erhalt der Trinkwassergüte“ so mustergültig durchdekliniert wurde, ist nicht zuletzt dem hohen Bewusstsein um die möglichen Gesundheitsrisiken bei allen an diesem Projekt Beteiligten zu verdanken: Schon bei der Stadt Vilsbiburg als Auftraggeber war die Notwendigkeit entsprechender Schutzmaßnahmen ganz hoch aufgehängt – und wurde zusätzlich durch eine entsprechende Planung und Ausschreibung durch die verantwortlichen Fachplaner unterstützt. Das reichte bis hin zur klaren Beschreibung der einzusetzenden Rohrleitungsmaterialien, Ventile oder Spülstationen. „Nur so kann verhindert werden, dass in der Ausschreibungsphase über den Entscheidungszwang für den günstigsten Anbieter die ursprünglichen Schutzziele aufgeweicht werden“, lobt Dipl.-Ing. Stephan Wallhöfer die hier praktizierte Vorgehensweise.

Er sieht die selbstverständlich immer noch regelkonforme Ausschreibung wie das gesamte in Vilsbiburg umgesetzte Konzept als beispielhaft an für die Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen, bei denen im Lande Handlungsbedarf besteht: Nach Einschätzung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) gibt es in Deutschland etwa 40 000 Schulen und rund 50 000 Kindergärten, von denen über die Hälfte dringend sanierungsbedürftig sind.

In der Mehrzahl der Objekte dürfte es dabei unmöglich sein, die Trinkwasserinstallationen komplett auszutauschen. Umso dringender sind daher im Zuge von schrittweisen Sanierungen Konzepte, die zum Beispiel über reduzierte Rohrdimensionen, durchgeschliffenen Ringleitungen und Spülstationen den Erhalt der Trinkwassergüte bestmöglich unterstützen.

Jetzt Artikel freischalten:

tab DIGITAL

14 Tage kostenlos testen

2,49 € / Woche*

Fachwissen jederzeit und überall.

Greifen Sie auf exklusive PLUS-Artikel und das komplette Online-Archiv zu und lesen Sie tab bequem im E-Paper-Format. Das digitale Abo für alle, die flexibel bleiben möchten.

Ihre Vorteile:

  • Exklusive tab-PLUS-Artikel
  • 6 E-Paper für mobiles Lesen
  • Online-Archivzugang

*129,48 € bei jährlicher Abrechnung inkl. MwSt.

Jetzt bestellen

tab KOMBI

4,99 € / Woche*

Das komplette tab-Erlebnis – digital & gedruckt.

Für alle, die Fachinformationen auf allen Kanälen nutzen möchten: Kombinieren Sie Print und Digital, profitieren Sie von unseren Fachforen und präsentieren Sie Ihr eigenes Projekt.

Ihre Vorteile:

  • Exklusive tab-PLUS-Artikel
  • 6 Print-Ausgaben pro Jahr
  • E-Paper für mobiles lesen
  • Teilnahme an einem Fachforum
  • Online-Archivzugang
  • Veröffentlichen eines Projekts

*259,48 € bei jährlicher Zahlung inkl. MwSt. & Versand

Jetzt bestellen

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 03/2023

Trinkwasseranlagen konzipieren

Hygiene und Komfortanforderungen erfüllen

Für eine optimale Trinkwasserhygiene sind vor allem zwei Kriterien ausschlaggebend: der regelmäßige Wasseraustausch im gesamten Leitungssystem sowie die Vermeidung ungünstiger Temperaturbereiche...

mehr
Ausgabe 02/2010

Trinkwassergüte ist keine Kostenfrage

Geringere Investitions- und Betriebskosten bei hoher Wassergüte

Das im Folgenden behandelte „Hygiene+“-Konzept von Viega basiert auf zwei wesentlichen Grundgedanken: In aller Regel steht schon bei der Planung einer Trinkwasser-Installation fest, wie sie später...

mehr
Ausgabe 05/2014 Nutzungsunterbrechung ausgeschlossen

Hygiene im Hockey-Club

Der Düsseldorfer Hockey-Club hat Tradition: 1905 gegründet, vertreten die ersten Mannschaften heute sowohl bei den Damen wie bei den Herren die Vereinsfarben im Feldhockey in der 2. Bundesliga; in...

mehr
Ausgabe 01/2019

„Water Safety“-Plan im Krankenhaus

Maßnahmen zum Erhalt der Trinkwasserhygiene im Neubau

Das Hygienekonzept für den im Juni 2015 in Betrieb genommenen Neubau eines fünfgeschossigen Funktionsgebäudes mit Notfallaufnahme, Radiologie sowie Normal- und Intensivpflegestationen am KRH...

mehr
Ausgabe 04/2024 Nutzungsszenarien einplanen

Erhalt von Trinkwassergüte

Mit der „AquaVip-Duscheinheit elektronisch“ präsentiert Viega eine Armatur für öffentliche Sanitärräume. Sie kann per App programmiert werden, um bspw. bei drohender Stagnation auch in...

mehr