Rettungspaket „Erneuerbare Energien“?!

Zukunftsthemen der Energieversorgung

Nach dem turbulenten Jahresende 2008, das von dem Problem „Finanzkrise“ dominiert wurde und deren Auswirkungen auch für das Jahr 2009 eine düstere Wirtschaftsprognose hervorruft, kam nach dem Jahreswechsel eine weitere Herausforderung auf die Bundesregierung zu. Wie bereits im Jahr 2006 entwickelte sich ein Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine zu einem ernsten Energiekonflikt, dessen Folgen auch in den EU-Staaten zu spüren war. Dies führt zu Überlegungen, auf andere Energieträger zu sehen, insbesondere Erneuerbare Energien.

In Deutschland wurden im Januar 2009 Rekordtemperaturen von bis zu -28 °C gemessen und machten deutlich, was ein Gaslieferstopp für die Bevölkerung und einige Industrie- und Wirtschaftsbereiche bedeuten würde. Eine Entwarnung der Energiekonzerne, dass in der Bundesrepublik genug unterirdische Erdgasreserven für mehrere Wochen mit winterlichen Temperaturen vorhanden sind, beruhigten zwar die Gemüter, verbesserte aber nichts an der Situation.

Die angespannte Lage machte deutlich, in welcher Abhängigkeit wir uns in der Energieversorgung zu anderen Staaten befinden. Allein aus Russland bezieht...

In Deutschland wurden im Januar 2009 Rekordtemperaturen von bis zu -28 °C gemessen und machten deutlich, was ein Gaslieferstopp für die Bevölkerung und einige Industrie- und Wirtschaftsbereiche bedeuten würde. Eine Entwarnung der Energiekonzerne, dass in der Bundesrepublik genug unterirdische Erdgasreserven für mehrere Wochen mit winterlichen Temperaturen vorhanden sind, beruhigten zwar die Gemüter, verbesserte aber nichts an der Situation.

Die angespannte Lage machte deutlich, in welcher Abhängigkeit wir uns in der Energieversorgung zu anderen Staaten befinden. Allein aus Russland bezieht Deutschland 37 % seines Erdgases.

In der Bundesregierung ist durch diese neuerliche Auseinandersetzung eine Diskussion hinsichtlich der zukünftigen Energieversorgung in Deutschland ausgebrochen.

Zum einen stellt die derzeitige Sachlage, in der noch keine ausreichenden alternativen Vorsorgungslösungen vorhanden sind, wieder den im Jahr 2000 beschlossenen Atomausstieg in Frage und zum anderen besteht die Ungewissheit, wie lange die Versorgung aus dem Ausland mit steigendem Bedarf überhaupt noch gegeben ist. An diese Frage ist eine entscheidende Überlegung gekoppelt, „...wenn dem nicht so ist, wie sichern wir unsere Energieversorgung für die Zukunft?“.

Erneuerbare Energien sind in der Energiewirtschaft schon seit einigen Jahren kein Fremdbegriff mehr und machen am Endenergieverbrauch in Deutschland einen Anteil von 8,6 % (Jahr 2007) aus.
Davon ent­fallen 0,8 % auf Wasserenergie, 1,5 % auf Windenergie, 5,9 % auf Biomasse und 0,4 % auf die restlichen Erneuerbaren Energien [1].

Das Ziel der Bundesregierung sieht bis 2020 eine Steigerung des Anteils der Erneuerbaren Energien an der Energiebereitstellung auf 18 % vor. (Quelle: Richtlinie zur Förderung Erneuerbarer Energien in Europa bis 2020)

Um dieses Ziel zu erreichen ist es auch in weniger guten Wirtschaftszeiten wichtig den Ausbau der Erneuerbaren Energien durch verbesserte Rahmen- und Förderbedingungen weiter zu unterstützen. Denn der Klimawandel schreitet voran und lässt sich nicht durch Krisensituationen aufhalten.

Die deutsche Wirtschaft und der Arbeitsmarkt profitiert von neuen Ideen und Konzepten. Investitionen in Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind notwendig um die Zielsetzung einer unabhängigeren Energieversorgung, einer stabilen Wirtschaft und die deutliche Verringerung von CO2-Emissionen zu gewährleisten.

 Geschäftsfeld Contracting

Ein zukunftsträchtiges Energiekonzept ist das Geschäftsfeld Contracting. Beim Contracting wird die Versorgung einer Liegenschaft an einen Dritten (Contractor) ausgelagert. Sein Verantwortlichkeitsbereich umfasst die Beratung, Planung, Finanzierung und den Betrieb der Energieanlage.

In der Praxis sind erfolgreich realisierte Contracting-Projekte mit Erneuerbaren Energien keine Seltenheit mehr und schlagen nach einer Mitgliederbefragung des Verbandes für Wärmelieferung e.V. im Jahr 2007 mit einer Anschlussleistung (thermisch) 650 MW und einer Anschlussleistung (elektrisch) 45 MW zu Buche. Im Befragungsjahr konnte somit die Umwelt allein durch den Einsatz von Erneuerbaren Energien um insgesamt 455 000 t CO2 entlastet werden.

Die dabei am häufigsten realisierte Contractingart ist mit 84 % das Energieliefer-Contracting. Gefolgt von den weiteren Varianten Einspar-Contracting, Finanzierungs-Contracting und dem Technischen Anlagenmanagement [2].

Die Merkmale des Energieliefer-Contracting sind, dass der Contractor die Energieerzeugungsanlage entweder plant, finanziert und errichtet oder eine vorhandene Energieerzeugungsanlage übernimmt und für die Dauer des Vertrages die volle Anlagenverantwortung trägt, also den Betrieb führt, die Anlage wartet, Instand setzt und bedient, die Einsatzenergie einkauft und die Nutzenergie verkauft.

Der Contractor weiß, dass sich Investitionskosten durch die steigende Energieeffizienz, in einem bestimmten Zeitraum, gut refinanzieren lassen. Denn bei einem Contractingprojekt werden nicht die Kosten des Primärenergieträgers (Heizöl, Erdgas, Biomasse etc.) in Rechnung gestellt, sondern die der Nutzenergie (Wärme, Strom, Kälte etc.) Im laufenden Betrieb sind dann durch ständige Überwachung und optimaler Regelung der Technik, weitere Vorteile zu erzielen. Somit ist eine sinnvolle Planung der Vorgänge für eine erfolgreiche Umsetzung unablässig.

Stärkung der regionalen Wirtschaft in den Vordergrund stellen

In der Energiebranche haben sich die Erneuerbaren Energien bei der Strom- und Wärmeproduktion etabliert. Dazu gehören Wind- und Wasserkraft, Biomasse, Deponie- und Klärgas, Photovoltaik, Solarthermie und Geothermie (tiefen- und oberflächennahe Geothermie).

Der Einsatz von Holzhackschnitzeln, die dem Energieträger Biomasse zuzuordnen sind, ist besonders interessant. Sie werden aus Restholz der Industrieholzgewinnung, aus Durchforstungs- und Landschaftspflegeholz, aus Sägerestholz und aus Gebrauchtholz hergestellt. Das Holz wird in mobilen oder stationären Hackern zu Hackschnitzeln zerkleinert. Bei ihrer Verfeuerung für die Wärmeversorgung entsteht kein zusätzliches Kohlendioxid (CO2) und trägt somit nicht zum Treibhauseffekt wie die fossilen Energieträger Kohle, Heizöl oder Erdgas bei. Dabei wird die Leistung von vollautomatischen Holzheizungen gleichermaßen erreicht wie bei Gas- oder Ölheizungen mit dem
Vorteil, dass Energieholz nicht von den extremen Preisschwankungen der konventionellen Energieträger betroffen ist. Hervorzuheben ist auch, dass vorwiegend Hölzer aus der Region verwendet werden und diese Art der Wärmeversorgung die heimische Wirtschaft unterstützt.

Ein Projektbeispiel in Hannover

In einem Praxisbeispiel mit Holzhackschnitzeln der GBH Mieterservice Vahrenheide GmbH (MSV) lässt sich sehr gut verdeutlichen, wie das Zusammenwirken von Energieeffizienz und Erneuerbaren Energieträgern funktioniert.

Aus der modernen und vollautomatischen Holzfeuerung werden die Mieter der Gesellschaft für Bauen und Wohnen Hannover mbH (GBH) aus 318 Wohneinheiten bzw. 18175 m2 Wohnfläche versorgt. Als Primärenergie wird heimisches Holz eingesetzt. Damit ist die Wärmeversorgung CO2-neutral und schützt das Klima durch die Einsparung von 560 t CO2 pro Jahr.

Außerdem ist die Anlage mit einem Elektrofilter ausgestattet, der die Staubemissionen auf einen Wert von 5,5 mg/m3 im Abgas reduziert. Der Elektrofilter ist durch die MSV freiwillig eingebaut worden. Das heißt, der gesetzlich geforderte Grenzwert (150 mg/m3 Abgas) wird auch ohne das Elektrofilter erreicht. Saubere Luft war der MSV zusätzliche 62 000 € wert.

Zuvor war es erforderlich, ein Nahwärmenetz für 13 Häuserblöcke zu errichten, um ausreichend Wärmebedarf auf einen Punkt zu konzentrieren. Um vollautomatische Holzhackschnitzelfeuerungen wirtschaftlich zu betreiben, ist eine bestimmte Leistungsgröße erforderlich. Dieses Nahwärmenetz besteht aus 13 Hausübergabestationen. Das Nahwärmenetz ist leckageüberwacht und fast einen Kilometer lang. Es wurde bereits in 2006 errichtet. Die gesamte Anlagentechnik ist mit einer Gebäudeleittechnik (GLT) ausgestattet und kann von der Leitwarte der MSV fernüberwacht und fernbedient werden.

Die Energiekosten haben einen großen Anteil an der Wirtschaftlichkeit, sei es bei der privaten Anmietung einer Wohnung oder in der Kalkulation von Unternehmen. Dabei rückt auch das Umweltbewusstsein immer weiter in den Vordergrund.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Erneuerbare Energien stehen kontinuierlich zur Verfügung und setzen gerade soviel Kohlendioxid (CO2) frei, wie im Beispiel Holzhackschnitzel, die gewachsene Biomasse der Atmosphäre zuvor entnommen hat. CO2-Emissionen, welche z.B. durch den Transport zusätzlich entstehen, sind in der Regel zu vernachlässigen, da diese bei konventionellen Energieträgern noch bei weitem höher ausfallen. Damit sind Erneuerbare Energien CO2-neutral und tragen nicht zur Erderwärmung bei. Die Preisentwicklung ist derzeit nahezu konstant, koppelt sich durch die Verwendung einheimischer Energiequellen von internationalen Märkten ab und stärkt somit die regionale Wirtschaft.

 

Fazit

Die Sicherung der zukünftigen Energieversorgung in Deutschland, weitaus unabhängiger von anderen Staaten zu gestalten, ist durch Alternativenergien in Kombination mit effizienten Energiekonzepten erreichbar. Schon heute ist Deutschland weltweit führend und muss sollte diese Position vehement verteidigen. Politik und Wirtschaft sollten dieses Potential weiter aufgreifen und den Ausbau vorantreiben.

Literatur

[1] BMU-KI III 1 nach AGEE-Stat, ZSW, unter Verwendung von Anga- ben der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB); Angaben vorläufig Erneuerbare Energien in Deutschland 2007 Stand: Juni 2008)

[2] Quelle: www.energiecontracting.de

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