Mehrzweckgebäude für den Campus
Kommunikations- und Informationszentrum KIZ der Uni ErfurtDie 1994 neu gegründete Universität Erfurt erhielt 2016 mit dem dreigeschossigen Kommunikations- und Informationszentrum ein attraktives Eingangsgebäude auf der der Altstadt zugewandten Südostseite des Campus. Die nördlich der Altstadt gelegene Universität bildet heute Schwerpunkte in Religion, Geistes- und Kulturwissenschaften, Gesellschaft sowie Lehrerbildung. Das Energiekonzept für das KIZ wurde mit dem EnergieEffizienzpreis 2016 der Thüringer Energie- und Green-Tech-Agentur (TheGA) ausgezeichnet.
Das dreigeschossige Kommunikations- und Informationszentrum (KIZ) wurde wesentlich aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert. Das im Oktober 2016 fertiggestellte Gebäude ergänzt den Campus der Universität Erfurt um ein vielseitig einsetzbares Zweckgebäude, das u.a. über zwei Konferenzsäle mit 420 und 160 Hörsaalplätzen verfügt. Zudem werden das Universitätsrechen- und Medienzentrum (URMZ) mit Serverräumen sowie Räumen zur Audio-/Videobearbeitung ihren Platz finden. Im Untergeschoss wurden Erweiterungsflächen für das Bibliotheksmagazin der naheliegenden...
Das dreigeschossige Kommunikations- und Informationszentrum (KIZ) wurde wesentlich aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert. Das im Oktober 2016 fertiggestellte Gebäude ergänzt den Campus der Universität Erfurt um ein vielseitig einsetzbares Zweckgebäude, das u.a. über zwei Konferenzsäle mit 420 und 160 Hörsaalplätzen verfügt. Zudem werden das Universitätsrechen- und Medienzentrum (URMZ) mit Serverräumen sowie Räumen zur Audio-/Videobearbeitung ihren Platz finden. Im Untergeschoss wurden Erweiterungsflächen für das Bibliotheksmagazin der naheliegenden Bibliothek geschaffen. Dort sind bereits 90.000 Bände untergebracht. Ab Sommersemester 2017 soll das Gebäude im Regelbetrieb genutzt werden.
Architektur
Das Kommunikations- und Informationszentrum flankiert den südlichen Eingangsbereich zum Campus. Eine gefaltete Glasfuge gliedert das Gebäude in zwei rhythmisch gestufte Abschnitte, die dem Baukörper eine abstrakte, skulpturale Qualität mit einer angemessenen Präsenz verleihen. Beide Einheiten, der Hörsaalbereich und das URMZ (universitäres Rechen- und Medienzentrum) sind durch die Fuge zugleich verbunden sowie klar erkennbar getrennt. Mit einer einfachen Geste des Herausschneidens wird eine aufgeschlossene räumliche Wirkung generiert. Die Transparenz bzw. Durchlässigkeit der Fuge gibt dem Projekt in vielfacher Hinsicht eine zusätzliche Qualität. Sie ermöglicht als großzügiger Luftraum Durchblicke durch den gesamten Baukörper und Kontakt mit dem Außenraum und bildet eine gemeinsame Foyerzone mit verschiedenen Sitzmöglichkeiten mit öffentlicher Nutzung. Die Größe und Proportionierung des Foyers schafft Raum für Ausstellungen und Veranstaltungen. Das Foyer erstreckt sich über drei Geschosse und bietet die Möglichkeit, parallel verlaufende Veranstaltungen im neuen Kommunikations- und Informationszentrum auszurichten.
Innenraumgestaltung und Fassade
Besonderes Augenmerk wurde auf die hohe Qualität der Innenraumausstattung und der Fassadengestaltung des Neubaus gelegt. Golden schimmernde, eloxierte und perforierte Aluminiumpaneele umhüllen beide Gebäudeteile. Die dezente dreidimensionale Wellenform dieser Paneele erzeugt ein homogenes und doch lebhaftes Fassadenbild, welches punktuell von Fensterbändern und den großformatigen Fensterflächen der Hörsäle durchbrochen wird. Am Abend wird die Leichtigkeit der Fassade besonders erkennbar, wenn Licht von Innen durch die Perforierungen dringt und sich die Volumen dahinter abzeichnen. Im Innenraum dominieren natürliche Materialien. Warme Holztöne für Türen und Böden und ein dunkler Schiefer-Naturstein im Erdgeschoss setzen einen reizvollen Kontrast zur Fassade, die sich auch im Innenraum des Foyers fortsetzt.
TGA-Konzept
Doch das KIZ zeichnet sich nicht nur durch gestalterische Präzision, große Funktionalität und hohe Aufenthaltsqualität aus. Vor allem das Energiekonzept des Gebäudes ist besonderer Erwähnung wert, denn für die Kälte- und Wärmeversorgung des Gebäudes wurde auf die Weiterentwicklung innovativer Eisspeichertechnologie gesetzt. Das Energiekonzept des KIZ wurde bereits mit dem Thüringer EnergieEffizienzpreis 2016 honoriert.
Das Gebäude wird durch hohe ganzjährige Kühllasten dominiert. Zum einen sorgen die technische Ausstattung und hohe Belegungsdichte für interne Wärmeeinträge welche auch im Winter die Heizlast übersteigen, zum anderen wird aus dem Rechenzentrum eine Grundlast von 40 kW in der ersten und 80 kW in der Endausbaustufe erwartet. Heizleistungen werden für weniger kühlintensive Räume und die Luftaufbereitung benötigt.
Das entwickelte und inzwischen realisierte Energiekonzept ermöglicht die Kälteverschiebung aus dem Winter in die Übergangszeit sowie mittel- und kurzfristige Kältespeicherung bei kühleren Wetterlagen und in den Nachtstunden. Ein Latentwärmespeicher auf Wasserbasis (Eisspeicher) mit 400 m³ Inhalt dient einer Wärmepumpe in der Heizperiode als Umweltwärmequelle. Der Wärmeentzug durch die Wärmepumpe lässt den Speicher abkühlen und vereisen. Die Energienutzung des Phasenübergangs reduziert das Speichervolumen um das 8 bis 10fache gegenüber einem Wasserspeicher. Das in der Heizperiode entstandene Eis liefert Kälteenergie für die Übergangszeit bis in den Sommer hinein. Nach abschmelzen des Eises wird der Speicher während kühlerer Wetterlagen durch freie Kühlung z.B. in den Nachtstunden abgekühlt um tagsüber wieder Kälte liefern zu können. Im Sommer können die Betriebsstunden der Kältemaschine in Zeiten kühlerer Temperaturen verschoben werden. Das Speichervolumen wird dann als Puffer zur Energieoptimierung der Kältemaschine genutzt.
Die Standardanwendung der Eisspeichertechnologie ist vordergründig für die Wärmeerzeugung vorgesehen und soll die Gebäudekühlung unterstützen. In diesem Projekt wurde jedoch durch intelligente hydraulische Verschaltung und Gebäudeautomation zusätzlich die Kälteerzeugung hinsichtlich des Endenergiebedarfs optimiert. Das Konzept ist übertragbar, da durch steigende Dämmstandards und eine zunehmende Technisierung der Gebäude der Kühlenergiebedarf gegenüber dem Heizenergiebedarf immer mehr Bedeutung gewinnt.
Eine der Maßnahmen zur Minimierung des Kältebedarfs des Gebäudes war die Optimierung der Verglasung in der Fuge hinsichtlich der Möglichkeiten zur natürlichen Nachtauskühlung. Eine enge Abstimmung zwischen Architektur- und TGA-Planung sowie eine CFD-Simulation waren die Grundlage zur effektiven und sinnvollen Anordnung öffenbarer Fensterflächen und Oberlichter. Im Ergebnis wird ein maximaler Auskühleffekt in den Nachtstunden erreicht. Gleichzeitig werden Schutzziele hinsichtlich Einbruch, Witterung und Eindringen von Insekten und Verunreinigungen nicht verletzt.
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