Ein solarthermisches Nahwärmenetz

Die Technikzentrale in der Regenwasserzisterne

Im Hamburger Stadtteil Farmsen wurde eine denkmalgeschützte Mehrfamilienhaussiedlung energetisch saniert und mit einer Solarthermieanlage ausgestattet. Da kein Platz für eine Technikzentrale zur Verfügung stand, dienen Regenwasserzisternen im Vorgarten als Raumersatz.

D ie Gartenstadt Farmsen wurde 1954 nach den Ent­würfen des bekannten Vertreters der organischen Baukunst, Hans Bernhard Reichow, erbaut. In diesem Stadtteil von Hamburgr formieren sich Straße und Mehrfamilienhäuser zu einem Ahornblatt und machen so Architektur zu einem Teil der Natur. Zu diesem achitektonischen Ahornblatt gehört die Siedlung an der Feldschmiede, in der seit Sommer 2010 Technik, Architektur und Natur ganz im Sinne von Reichow verknüpft sind: Durch ein Nahwärmenetz wird die denkmalgeschützte Mehrfamilienhaus-Siedlung mit Warmwasser und Heizwärme von der Sonne versorgt.

Die...

D ie Gartenstadt Farmsen wurde 1954 nach den Ent­würfen des bekannten Vertreters der organischen Baukunst, Hans Bernhard Reichow, erbaut. In diesem Stadtteil von Hamburgr formieren sich Straße und Mehrfamilienhäuser zu einem Ahornblatt und machen so Architektur zu einem Teil der Natur. Zu diesem achitektonischen Ahornblatt gehört die Siedlung an der Feldschmiede, in der seit Sommer 2010 Technik, Architektur und Natur ganz im Sinne von Reichow verknüpft sind: Durch ein Nahwärmenetz wird die denkmalgeschützte Mehrfamilienhaus-Siedlung mit Warmwasser und Heizwärme von der Sonne versorgt.

Die Solarversorgung erfolgt in jedem der neun Mehrfamilien­häuser durch eine ganz speziel­le Technik-Zentrale: Aufgrund fehlender Keller- oder Abstellräume im Inneren der Gebäude, musste bei der Umsetzung solarer Warmwasser- und Heizungsunterstützung für die Siedlung, neuer Raum für die Technik geschaffen werden. Ein pfiffiger Hamburger Premiumpartner von Wagner & Co, Rolf Benning von Münz24, hatte dafür eine perfekte Lösung parat. Anstatt den Speicher ins Haus zu bauen, baute er Regenwasserzisternen in den Garten: „Die denk­mal­geschützte Siedlung in der Gartenstadt und die damit einher­ge­henden Bauvorschriften sowie das Bedürfnis, eine möglichst ortsnahe Lösung für die Technik mit möglichst wenig Raumaufwand zu finden, gestalteten die Umsetzung zunächst zeitaufwendiger als gedacht. Als Lösung für Öltanks oder Pelletskessel ist die Zisterne als externer Raum ja bereits bekannt und bot in dem speziellen Fall der Feldschmiede die optimale Lösung für alle Ansprüche.“

Die Zisternenlösung

Die Beton-Zisternen wurden vor den Häusern im Boden eingelas­sen und bieten so ohne Gebäudeplatzverbrauch Platz für den Puf­fer­speicher, die Frischwasserstation, und die Teile der Solar- u. Heiz­kreistechnik: Solartechnik auf kleinstem Raum eben. Das in den Zisternen platzierte „Solarfresh“-System von Wagner & Co bietet auch bei derart großen Solarthermiesystemen trotz großer benötigter Speichervolumina eine perfekte Trinkwasserhygiene ohne Einbußen an Versorgungs­sicher­heit und Komfort. Das System besteht aus „LBM“-Kol­lek­toren, Pufferspeicher „Ratio“ mit einem Volumen von 1500 l und der Frischwasserstation „Ratiofresh 400“ sowie der Solarübergabe-Station „Circotransfer 30“ verbun­den durch den Systemregler „Sungovario“. Alle Komponenten wurden optimal aufeinander abgestimmt. „Die zusätzlichen Kosten, die für Zisternen und Nahwärmenetz entstanden sind, amortisieren sich relativ schnell, da sich auf der anderen Seite die Kosten für Wassererwärmung für Trinkwasser und Heizung deutlich reduzieren.“ erläutert Herr Sayk von der mgf Farmsen. „Damit bieten wir unseren Mietern auf Dauer reduzierte Nebenkosten und das gute Gefühl die Sonne grenzenlos zu nutzen.“ Die Mieter­genossenschaft Farmsen wurde für das Projekt „Umwelt schonen – in der Feldschmiede wohnen“ als eine von sechs hochklassigen Wohnungsgenossenschaften vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen anlässlich der Preisverleihung des zweiten „Genossenschaftspreis Wohnen“ ausgezeichnet. „Die Bewohner der Reihenhaussiedlung wurden intensiv informiert und es gab Vor-Ort-Begehungen in der Umsetzungsphase“, so Herr Sayk. Dies trug zur reibungslosen Umsetzung des Projekts durch gezielte Einbindung der Mieter bei.

Das Solar-System

Auf den Dächern der neun Gebäude befinden sich insgesamt ca. 220 m² Kollektorfläche. Die durch das „LBM TRIC F“ frei auf­ge­stellten „LBM“-Kollektoren sind vor allem für den rationel­len Einsatz bei größeren Anlagen ausgelegt und konnten in der Feldschmiede problemlos miteinander verschaltet werden. Durch die Vormontage der Gestelle bei einer Kollektorfläche von insgesamt ca. 24 m² pro Dach und der Montage mit dem Autokran eine Erleichterung für den Monteur.

Vom Dach aus wird die Wärme aus den Kollektoren in die „Zister­nen­systeme“ geleitet. Diese sind gleichzeitig sowohl solarthermische Speichereinheiten als auch Übergabestationen für Heizung und Trinkwarmwasser, da sie über ein Nahwärmenetz mit der Technikzentrale verbunden sind, in der nötigenfalls eine konventionelle Nachheizung erfolgt.

Die Regelung der einzelnen Gebäudekreise erfolgt dezentral über einen Solarregler aus der „Sungo“-Linie von Wagner & Co, der sich in der Technikzentrale befindet. Hier wird auch die Anforderung der Nachheizwärme aus der Technikzentrale gesteuert. Das Nahwärmenetz wird dabei nicht unnötig im Standbybetrieb warmgehalten, sondern kann durch die Puffer in den Zisternen in Zeiten geringer Nachfrage oder solarthermischer Vollversorgung auskühlen. In der Technikzentrale wird die Grundlast über ein BHKW und die Spitzenlast über einen Gaskessel abgedeckt.

Das Projekt hat in der Gartenstadt Farmsen Schule gemacht: Weitere Straßenzüge werden zukünftig mit der unterirdischen Zisternenlösung die Sonne nutzen und ein weiteres Nahwärmenetz bilden. Okke von Bo­dungen, Ingenieur bei Wagner & Co, ist mit der gefundenen Lösung zufrieden: „Die technische Umsetzung ist dank der auf­ein­ander abgestimmten Komponenten der Produkte sehr gut ge­lungen. Die durchdachte Zisternenlösung und die partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Beteiligten hat das Projekt zusätzlich besonders gemacht. Wir gehen also mit den guten Erfahrungen aus der Feldschmiede in das nächste Projekt in der Gartenstadt.“

Erste Betriebserfahrungen

Die ersten Betriebserfahrungen zeigen, dass das Solarwärmekonzept erwartungsgemäß funktioniert und die Versorgung mit solarer Wärme für Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung reibungslos funktioniert. Da jedes Objekt mit einer vollständigen Einheit zur Warmwasserbereitung und Hei­zung­versorgung in einer Zisterne ausgestattet ist, und nur die Nach­heizung im Bedarfsfalle zentral erfolgt, ist für den Fall einer Störung ein hohes Maß an Versorgungssicherheit gewährleistet. So sind bei einer Fehlfunktion in einer Zisterne nur einzelne Teile der Wohn­anlage betroffen bzw. im Falle einer zentralen Störung noch aus den Puffer­speichern und ggf. mit Solarenergie versorgt. Eine Bedarfsüberdeckung mit Solarenergie wurde auslegungsgemäß nur selten erreicht, d.h. sämtliche solaren Erträge konnten genutzt und der Stagnationsfall im Regelfall vermieden werden. Der Systemnutzen, d.h. der Ertrag pro Kollektoreinheit, ist daher sehr hoch.

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