Die FGK-Mitgliederversammlung 2011 und die Energiewende

Bereits zum fünften Mal fand einen Tag vor der Mitgliederversammlung des Fachverband Gebäude-Klima e.V. (FGK, www.fgk.de) und damit fast schon traditionell der Klima-Tag statt. Die vom 1. Vorsitzenden des FGK, Prof. Dr.-Ing. Ulrich Pfeiffenberger, moderierte Veranstaltung zeigte sich als historischer Tag, da am 30. Juni 2011 der Bundestag die Energiewende beschloss. Die Themenauswahl der Vorträge zeigte sich passend zum Anlass.

So warf Dr.-Ing. Manfred Stahl, Herausgeber CCI, einen kritischen Blick auf die Systeme der Gebäudezertifizierung. So sei die Gebäudetechnik in den Zertifizierungssystemen wie DGNB, BREAAM und LEED nur unzureichend berücksichtigt. Und selbst Gebäude „mit Schmalspur-TGA könnten eine DGNB-Zertifizierung in Gold erlangen“. Bei BREAAM und LEED gelte dies entsprechend. Auch die Akzeptanz im Allgemeinen sei noch unzureichend. So hätten von derzeit 310 Auditoren 250 noch kein Projekt abgeschlossen.

Dr. Bernd Schulitz, DBS Ingenieure, berichtete aus 25 Jahren TGA-Planungserfahrung in seinem Vortrag zur „Energieeffizienz in der Gebäudetechnik - Anforderungen an die Gebäudeplanung“.  Kritisch ging er auf das sich immer schneller „drehenden Karussell“ der Normen- und Gesetzesänderung ein, das es kleinen TGA-Planungsbüros kaum noch ermögliche, den aktuellen Stand zu verfolgen. Auch bemängelte er, dass der Zeitdruck bei vielen Projekten sehr groß sei. So müsse eine verlässliche Grundlagenermittlung/Vorplanung häufig in vier bis sechs Wochen erfolgen. Ohne Erfahrung sei dies eigentlich nicht zu machen.

Dr. Bruno Lüdemann, Imtech Deutschland, schloss das Vormittagsprogramm mit der Vorstellung von Simulationswerkzeugen in seinem Vortrag „Innovative Gebäudetechnik im Objektbau“ ab. Dabei wies er darauf hin, dass die Rahmenbedingungen bei der Planung sich dahingehend ändern, dass eine Steigerung der Effizienz immer häufiger gefordert werde.

Den Einfluss des Ordnungsrechts auf die Gebäudeplanung erläuterte Dipl.-Ing. Claus Händel, Technischer Referent des FGK, und gab dabei konkrete Handlungsvorgaben wieder. So müssen beim Austausch von Klimaanlagen die neuen Anlagen einen Grenzwert beim Strombedarf einhalten, wie § 15 der EnEV 2009 vorschreibt. Werden Zentralgeräte erneuert, muss zudem ein Wärmerückgewinnungssystem eingebaut werden.

Dipl.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. Gerhard Hoffmann, ifes GmbH, einer der aktivsten Zertifizierer nach DGNB, ging auf die Vorteile der Zertifizierungssysteme ein, die für mehr Transparenz in der Planung und in Gebäuden bringen würden. Allerdings sei eine Integrale Planung, wie sie dort vorgesehen wären, leider immer noch nicht Standard. Er warnte aber auch vor einer unzureichenden Planung, denn die „Rechtsanwälte haben die Zertifizierung als Thema für sich entdeckt“.

Zum Abschluss des Klima-Tags bot Thomas Boermans, Ecofys Germany GmbH, eine Übersicht über kostenoptimale Anforderungen im Rahmen der EPBD und erläuterte dazu aktuelle Informationen zu den kommenden politischen Anforderungen aus Brüssel an die TGA.

 

 

Mitgliederversammlung

Aufgeweckt durch einen Fehlalarm der Brandmeldeanlage des Hotels waren alle zur Mitgliederversammlung hellwach, die traditionell mit dem Geschäftsbericht des Geschäftsführers startete. Engagiert wie gewohnt, erläuterte Günther Mertz bereits zum 25. Mal, welch großes Arbeitspensum der Fachverband auch im zurückliegenden Jahr bewältigte. Als besonders positiv stellte sich der Hallenwechsel auf der ISH in die neue Halle 11 dar, die der Lüftungs- und Klimabranche ein passendes Umfeld für die Messepräsentationen bot. Immer wichtiger wird auch der Einblick in die politische Willensbildung und die politische Kommunikation. So haben Energiemanagementsysteme in Industrie und Gewerbe noch nicht die Bedeutung, die sie eigentlich haben könnten. Auch die Sensibilisierung für das Thema Wärmerückgewinnung und die Inspektion von Klimaanlagen nach § 12 EnEV sind dem FGK wichtige Anliegen. Vor allem an den beiden letztgenannten Themen soll auch im kommenden Jahr intensiv weitergearbeitet werden.

Prof. Dr.-Ing. Dirk Müller, Vorsitzender der Fachkommission, gab anschließend einen Einblick in die Technik. Zudem nutzte er seine Redezeit, um einen interessanten Einblick in die energetischen Strukturen der Zukunft zu bieten (siehe Infokasten). Die weitere Mitgliederversammlung erfolgte in der gewohnten Effizienz und Schnelligkeit, so dass sich die Mitglieder nach den Wahlen erneut als komplettes Branchengremium präsentieren kann.

Damit wird der Fachverband Gebäude-Klima e.V. auch im kommenden Jahr in gewohnter Weise wichtiger Ansprechpartner rund um Lüftung und Klima im Gebäude sein und auch die Normungsarbeit aktiv begleiten.

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