Die Architektur im richtigen Licht

Einfluss der Lichtplanung auf das TGA-Konzept

Licht braucht Material oder Raum, um überhaupt sichtbar zu sein, Architektur braucht Licht, um zu wirken. Wie bei einer Symbiose gehört beides zusammen, und schon bei der Formfindung eines Gebäudes spielt das Licht eine Rolle. Wie viel Tageslicht im Innenbereich braucht der Raum, wie viel kann er vertragen, wie fällt die Sonne hinein und wie lange? Wie ist das Dach aufgebaut und ausgerichtet, welcher Anteil ist geschlossen? Dies sind alles Fragen, die in enger Abstimmung zwischen Architektur und Lichtplanung projektspezifisch gelöst werden, die weitere Planung beeinflussen und damit die Grundlage für das Kunstlichtkonzept bilden.

Licht kann einen Raum komplett verändern: Es kann nur seine Begrenzungen betonen, ihn durch indirektes Licht nach oben hin öffnen, ihn weiter erscheinen lassen, sachlich oder dramatisch. Das Vokabular für Lichtsituationen umfasst daher nicht nur die Worte „hell“ und „dunkel“, sondern viele andere mehr wie „gleichmäßig“, „ungleichmäßig“, „diffus“ oder „brillant“, „direkt“ und „indirekt“, „engbündelnd“ und „breitstrahlend“, „statisch“ oder „dynamisch“, „warm“ und „kalt“ und so weiter. Scheinbar endlos sind die Beschreibungen und damit auch die Gestaltungsmöglichkeiten.

Ziel ist es dabei immer,...

Licht kann einen Raum komplett verändern: Es kann nur seine Begrenzungen betonen, ihn durch indirektes Licht nach oben hin öffnen, ihn weiter erscheinen lassen, sachlich oder dramatisch. Das Vokabular für Lichtsituationen umfasst daher nicht nur die Worte „hell“ und „dunkel“, sondern viele andere mehr wie „gleichmäßig“, „ungleichmäßig“, „diffus“ oder „brillant“, „direkt“ und „indirekt“, „engbündelnd“ und „breitstrahlend“, „statisch“ oder „dynamisch“, „warm“ und „kalt“ und so weiter. Scheinbar endlos sind die Beschreibungen und damit auch die Gestaltungsmöglichkeiten.

Ziel ist es dabei immer, eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich wohlfühlt, eine Gesamtkomposition aus Licht und Raum, die in sich stimmig ist, und das zu jeder Tages- und Jahreszeit. Auch wenn es dabei etablierte Qualitätsstandards gibt, wie den Tageslichtbezug und eine dynamische Lichtregelung über den Tag, wird jedes Projekt aufs Neue gestaltet und erhält seinen ganz eigenen Charakter.

 

Das Beispiel Hamburger Straße in Hamburg

Die Fassadenverkleidung entfaltet ihre dynamische Wirkung am Tage durch das Licht- und Schattenspiel der Sonne. Reflexe auf dem Material, die aus unterschiedlichen Perspektiven immer anders wirken, beleben die Fassade und geben ihr eine hohe Wertigkeit. Die Hinterleuchtung der Fassadenverkleidung am Abend imitiert die Sonnenreflexe und betont die Horizontale des Gebäudes. Als Start- und Endpunkte der Fassadenabwicklung bilden die Türme eine optische Klammer. Sie geben den Impuls für eine Lichtinszenierung und scheinen so miteinander zu kommunizieren. Farbiges Licht läuft langsam die Fassade entlang, lässt das Geschehen dahinter erahnen und wird wieder abgelöst von einer statischen, warmen Hinterleuchtung.

Das Licht wirkt sowohl aus der Ferne als auch aus der Nähe anziehend und gibt einen Vorgeschmack auf die Gestaltung im Innenbereich. Die dort nachgebildeten für Hamburg spezifischen Themen wie die Speicherstadt oder die Reeperbahn werden durch den Einsatz von typischen Lichtszenarien wie der Nachtstimmung im Containerhafen oder der Neonwerbung auf dem Kiez erlebbar. Unterschiedliche Licht- und Farbstimmungen wecken Assoziationen, ohne plakativ zu wirken, und schaffen eine wirklich neue, junge und einladende Einkaufswelt.

Aber nicht nur Stimmung steht im Vordergrund. Eine intelligent geplante und ausgeführte Technik und der wirtschaftliche Betrieb sind die Voraussetzung bei jeder Planung. Die Leistungsaufnahme pro Quadratmeter „Mall“-Fläche konnte in den letzten fünf Jahren bereits um 20 % gesenkt werden. Ziel ist eine weitere Reduktion zusammen mit den Mietern. Das Gesamtbild in der Ladenstraße wird nicht nur durch Materialien, sondern wesentlich durch die unterschiedlichen Helligkeitsverhältnisse der Flächen zueinander geprägt.

Dachflächen, Brüstungen, Decken und Schaufenster müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass das Ladenangebot selbstverständlich in den Vordergrund tritt. Die Gesamthelligkeit ist dabei nicht so entscheidend wie die differenzierte Abstimmung dieser Helligkeitsverhältnisse. Ziel ist es, die Gesamthelligkeit zu senken, ohne die Gesamtqualität im Erscheinungsbild zu verändern.

Das Alstertal-Einkaufszentrum in Hamburg zeigt diese perfektionierte Helligkeitsabstufung eindrucksvoll. Das Lichtkonzept ist elegant und sachlich, aber dennoch stimmungsvoll und bildet einen an­ge­messenen Rahmen für die unterschiedlichen Shopdesigns. Auch Zonen ohne natürliches Licht wirken hell und freundlich. Eine zentrale Licht­steuerung regelt tageslichtabhängig vier Lichtszenen von kühlen Tönen bei Sonnenlicht bis zu warmen Einstellungen bei Dunkelheit. Diese Dynamik sorgt nicht nur für Wohlempfinden, da sie der inneren biologischen Uhr des Menschen entspricht, sondern auch für einen wirt­schaftlichen Betrieb, da am Abend und in der dunklen Jahreszeit nur die Hälfte der Energie verbraucht wird.

Energetisch sinnvoll und trotzdem attraktiv ist auch die Fassade beleuchtet. Das gläserne Portal, das tagsüber den Himmel und die Wolken spiegelt, wird nachts mit LED und Leuchtstofflampen hinterleuchtet und gibt dem Gebäude so die Leichtigkeit und Transparenz, die an dieser Stelle städtebaulich gewünscht ist. Vier Lichtszenen in dezenten Farbgebungen können saisonal und veranstaltungsabhängig abgerufen werden. Wichtig sind bei den Fassadeninszenierungen die Abstimmung auf den städtebaulichen Gesamtkontext und der zurückhaltende Umgang mit Farbe im innerstädtischen Bereich.

Anders bei „nova eventis“, das von der Farbigkeit und Verfremdung bei Nacht lebt. Die Fassade verwandelt sich nachts in eine Bühne, auf der ein abstraktes Schauspiel von unterschiedlichen Farb- und Oberflächenprojektionen stattfindet, die die Fassadenflächen mal hervortreten, mal verschwinden lassen, so dass eine Tiefe und Dreidimensionalität entsteht, die den Kunden förmlich in das Center hineinzieht.

Der Durchgang durch das Parkdeck, „The Living Seas“, eine kunstvolle Licht- und Klanginstallation, entrückt den Besucher vom Alltagsstress und führt ihn in eine Unterwasserwelt. Für „nova eventis“ wurde ein Lichtdrehbuch verfasst, das zu den unterschiedlichen Jahreszeiten für den Innen- und Außenbereich unterschiedliche Erscheinungsbilder vorsieht und so immer wieder neue Eindrücke und Highlights schafft. Projektionen von Margeriten, Sternen, Herbstlaub oder Wolken in den Rotunden und die farbige Untermalung der wellenförmigen Decken schaffen dort ein immer neues Raumgefühl.


Das Beispiel Limbecker Platz in Essen

Um die Wahrnehmung von unterschiedlichen Räumen geht es auch beim Limbecker Platz in Essen. Das Metropolen-Konzept der Innenarchitektur schafft die Atmosphäre europäischer Städte wie Paris und Rom, Amsterdam und natürlich Essen mithilfe typischer Stilelemente. Die Beleuchtung greift diese Themen auf: Kugelförmige Pendelleuchten in der Rotunde Paris verbreiten Kaffeehaus-Atmosphäre, zurückgesetzte leuchtende Kassettendecken in Rom vermitteln italienische Eleganz, die Industriehistorie des Ruhrgebiets unterstreichen robuste Leuchten in Essen. Die noch fertig zu stellende Rotunde Amsterdam wird mit großen Lichtfenstern die transparente holländische Architektur nachempfinden. Die Leuchten sind hier bewusst eingesetzte „Highlights“, die sich einprägen und den Kunden zur Orientierung dienen.

Die leuchtenden Pailletten an der Fassade setzen das „i-Tüpfelchen“ auf die Architektur und sorgen für Lebendigkeit und Fernwirkung. Am Tage durch die Spiegelungen, in der Nacht durch die Hinterleuchtung. Jede Paillette ist einzeln ansteuerbar, so dass auch Bewegungsabläufe möglich sind.

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