Studie zum Kältemittelmarkt in Europa

Das EPEE-Gapometer

Die Inhalte der novellierten F-Gase-Verordnung mit ihren Verboten für bestimmte Kältemittel und den Phase-down-Stufen sind mittlerweile recht bekannt. Trotzdem lassen viele die kommende Reduzierung der F-Gas-Mengen in aller Seelenruhe auf sich zukommen. Der Herstellerverband EPEE (European Partnership for Energy and the Environment, www.epeeglobal.org), der die Interessen der Kälte-, Klima- und Wärmepumpenindustrie in Europa, vertritt, hat mit dem „Gapometer“ eine Studie zu den Auswirkungen des Phase-down auf die Branche erstellt. Der Expertenverband setzt sich aus 41 Unternehmen, internationalen und nationalen Verbänden zusammen, die in Europa einen Umsatz von über 30 Mrd. € erzielen sowie über 200.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Die Lücke schließen

Am 28. April 2016 stellte EPEE in Brüssel die Ergebnisse einer neuen Studie zur Kältemittelsituation in Europa vor. Die Studie trägt den Titel „Gapometer“ – abgeleitet vom englischen Begriff „gap“ für Lücke – und beschreibt, mit welchen Ansätzen der Kältemittel-Phase-down in Europa, der sich aus der novellierten F-Gase-Verordnung ergibt, umgesetzt werden kann bzw. muss. Dass eine Lücke im Kältemittelangebot entstehen wird, ist unausweichlich – spätestens 2018 wird diese schmerzhaft zu spüren sein, wenn die erste große Phase-down-Stufe greift. Die Herausforderung besteht darin, die richtigen Schritte einzuleiten – und zwar rechtzeitig –, damit die zur Verfügung stehende Kältemittelmenge trotzdem für alle neuen und bestehenden Kälte- und Klimaanlagen ausreicht. Betrachtet man die Größenordnung der einzelnen Phase-down-Stufen, so wird die Notwendigkeit, Maßnahmen zu ergreifen, deutlich – und zwar bevor erste Kältemittelverbote greifen und die Preise drastisch anziehen.

2018 kommt eine Kältemittelreduzierung um 44 % 

Basis aller Betrachtungen ist der gemittelte Kältemittelverbrauch der Jahre 2009 bis 2012 in Europa. Umgerechnet in CO2-Äquivalente – je höher der Treibhauseffekt (GWP) eines Kältemittels ist, umso mehr CO2-Äquivalente bringt es in die Waagschale – ergibt das eine Gesamtmenge von 183 Megatonnen (Mt) CO2. Diese sinkt 2018 auf nur noch 115 Mt CO2. In den 183 Mt CO2 fehlt jedoch noch das Kältemittel (ca. 22 Mt CO2), das über vorbefüllte Anlagen in den Markt gebracht wird. Bei den Phase-down-Stufen wird diese Menge dann allerdings mit eingerechnet. 2018 werden also insgesamt 90 Mt CO2 weniger Kältemittel verfügbar sein als heute – das entspricht einem Rückgang um etwa 44 % im Vergleich zu 2015. Bis 2030 geht es in mehreren Stufen weiter abwärts, bis nur noch 38 Mt CO2 in den Markt gebracht werden dürfen.

Low-GWP-Kältemittel und Leckagen

Ray Gluckman, der die „Gapometer“-Studie mit seinem Beratungsunternehmen im Auftrag von EPEE erstellt hat, erläuterte diese im Detail. Als dringend erforderliche Maßnahme bei Neuanlagen bezeichnete er den Einsatz von Kältemitteln mit niedrigem GWP. Was angesichts der seit Jahren bestehenden Kältemitteldiskussion wie eine banale Binsenweisheit klingt, hat einen ernsten Hintergrund.Denn trotz der F-Gase-Verordnung werden in Europa nach wie vor etliche neue Kälte- und Klimaanlagen verkauft, die mit Hoch-GWP-Kältemitteln arbeiten. So mancher Betreiber und ihn beratender Anlagenbauer hat die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt. Ray Gluckman forderte bei Neu- und Bestandsanlagen  ein viel stärkeres Engagement, die Kältemittelleckagen zu reduzieren und durch entsprechende Anlagentechnik geringere Füllmengen anzustreben. Bei den Leckagen steht vor allem die Gewerbekälte am Pranger, bei der die jährliche Leckagerate bis 2018 auf unter 10 % sinken muss, um nicht den zu erwartenden Kältemittelengpass zusätzlich zu verschärfen – die Zahlen gelten wohlgemerkt für ganz Europa; in Deutschland sieht es sicher heute schon besser aus. 

Retrofit und Wiederaufbereitung

Bei Bestandsanlagen – vor allem bei R404A-Anlagen – müsse noch intensiver die Verwendung von Kältemittel mit niedrigem GWP als Retrofit-Lösung forciert werden, führte Ray Gluckman weiter aus. Und hier sei Tempo gefordert: Bis Ende 2017 müsse es u.a. gelingen, die Hälfte aller Supermarktanlagen auf Low-GWP-Kältemittel umzustellen. Auch die Nutzung von wiederaufbereitetem Kältemittel sei ein wichtiger Ansatzpunkt, um die Folgen des Phase-downs abzuschwächen. Dies erfordert eine besondere Sorgfalt beim Umgang mit den Recyclingflaschen, die möglichst sortenrein zu befüllen sind, damit sie in einer Wiederaufbereitungsanlage genutzt werden können. Andernfalls bleibt nur die thermische Spaltung in die Ausgangsstoffe, was aber der Kältemittelquote nicht hilft.

Bei Klimaanlagen wird ein drastischer Wechsel auf Anlagen mit dem Kältemittel R32 oder mit HFO-Blends unvermeidlich sein. Generell wird man, wo immer es sinnvoll und sicher möglich ist, auf natürliche Kältemittel umschwenken müssen, was aufgrund der Brennbarkeit bzw. Toxizität der Substanzen erhöhte Sorgfalt bei Installation und Betrieb erfordert.

Die „Gapometer“-Studie betrachtet auch die verwendeten Mengen an CO2-Äquivalenten in den jeweiligen Anwendungsbereichen von Kälte- und Klimaanlagen und um welchen Anteil diese jeweils sinken müssen, um die geforderten Quoten zu erreichen. Den größten Anteil wird die Gewerbekälte mit ca. 47 Mt CO2-Einsparung bis 2018 stemmen müssen. Die Indus­triekälte wird auf ca. 12 Mt CO2 verzichten müssen, mobile Klimaanlagen auf 15 Mt CO2. Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet: Für Neuanlagen werden 36 Mio. Mt CO2 und für Bestandsanlagen 30 Mt CO2 weniger zur Verfügung stehen. 24 Mt CO2 müssen durch wiederaufbereites Kältemittel ersetzt werden – das sind 27 % der gesamten Kältemittelmenge.

Bekannte Kältemittel verschwinden

Betrachtet man die Summe aller GWP-Werte der eingesetzten Kältemittel und errechnet einen Mittelwert, so wird Kältemittel in Neuanlagen in der Gewerbekälte 2018 einen durchschnittlichen GWP von 750 haben müssen, um den Phase-down zu meistern, ab 2020 wird dieser auf unter 500 sinken. Was bedeutet dies für die einzelnen Kältemittel? In der Gewerbekälte wird R404A ab 2018 nahezu vollständig vom Markt verschwinden, R134a spätestens ab 2022. Nicht brennbare Kältemittelgemische mit einem GWP zwischen 1400 und 2100, die derzeit noch den Löwenanteil ausmachen, werden sich ab 2022 bei etwa 10 % einpendeln, den größten Anteil wird CO2 als Kältemittel ausmachen. Kältemittelgemische mit geringer Brennbarkeit werden in der Gewerbekälte dann ca. 25 % Marktanteil haben. Bei kleineren und mittleren Klimaanlagen wird der durchschnittliche GWP von knapp über 2000 im Moment auf 1500 im Jahr 2018 und auf 750 im Jahr 2022 sinken müssen. Dieses bedeutet bei Klimaanlagen einen kontinuierlichen Phase-out von R410A, das spätestens ab 2022 fast vollständig von R32 und HFO-Blends ersetzt wird.

Ein Video zum EPEE-Gapometer gibt es unter https://www.youtube.com/watch?v=dwOeId4ohNk.

Über die Aktivitäten und Ziele des EPEE berichtete Andrea Voigt, Director General, in einem Interview in der KKA 4/2015 (www.kka-online.info: Webcode: „KKAVW776“).

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