Heißluft statt Elektrowärme

Modulare Sonderpumpen im Saunaparadies Erding

Die Beheizung der 16 neu erbauten Saunen des „Saunaparadieses“ der Therme Erding weicht von üblichen Lösungen gründlich ab. Der Investor wollte Heißluft statt Elektroöfen. Also setzten die Heizungsmonteure einen Großkessel in die Technikzentrale, der mit einer Vorlauftemperatur von 170 °C die Luft/Wasser-Wärmetauscher an den Kabinen bedient. Diese Heißwasserversorgung stellte für die Planer und Anlagenbauer beziehungsweise für die Komponenten des Rohrnetzes eine besondere Herausforderung dar.

Über den „Palazzo Veneziano“, dem originalgetreuen Nachbau des Privatpalastes des Dogen von Venedig, gelangen die Gäste in das neue Sauna-Paradies. Der Begriff Sauna trifft das Erlebnis nicht so ganz – denn die Besucher wandeln durch ein ganzes Ensemble von Kopien unvergleichlicher Baudenkmäler aus aller Welt. „Neues Sauna-Paradies“ bedeutet konkret, dass die Badelandschaft sich seit 1999, dem Eröffnungsjahr, bereits verdreifacht hat. Ein Ende des Wachstums sieht der Bauherr auch nach der letzten Erweiterung aber noch lange nicht.

„Wolperdinger Stube“ und „Garten Eden“

Die insgesamt 26 Sauna-...

Über den „Palazzo Veneziano“, dem originalgetreuen Nachbau des Privatpalastes des Dogen von Venedig, gelangen die Gäste in das neue Sauna-Paradies. Der Begriff Sauna trifft das Erlebnis nicht so ganz – denn die Besucher wandeln durch ein ganzes Ensemble von Kopien unvergleichlicher Baudenkmäler aus aller Welt. „Neues Sauna-Paradies“ bedeutet konkret, dass die Badelandschaft sich seit 1999, dem Eröffnungsjahr, bereits verdreifacht hat. Ein Ende des Wachstums sieht der Bauherr auch nach der letzten Erweiterung aber noch lange nicht.

„Wolperdinger Stube“ und „Garten Eden“

Die insgesamt 26 Sauna- und Wellness-Attraktionen stehen jeweils unter einem eigenen Thema. Sie wollen einige der schönsten und eindrucksvollsten Stätten rund um den Globus. widerspiegeln: Dazu gehören das leuchtende Bernsteinzimmer ebenso wie die isländische Geysirhöhle oder die Blaue Grotte (siehe Übersichtsplan rechts).

Der exotischen Garten Eden mit Palmen, Mango- und Papayabäumen gilt als ein High-light unter dem riesigen Glasdach. Während das Auge die kunstvolle Architektur wahrnimmt, umschmeicheln aromatische Dämpfe, exotische Klänge und mediterrane Gerüche von Kräuteraufgüssen Sinne und Körper der Besucher.

Fast schon ungemütlich heiß ist es in der nach dem Bayerischen Sagentier benannte „Wolperdinger Stube“, die bis zu 100 °C aufweist. Das Thermometer am Heißwasserkessel (Hersteller: Loos; Gasbrenner: Dreizler) in der Technikzentrale steigt sogar bis auf 170 °C. Denn die Beheizung der Saunen der Therme Erding dürfte, wenn nicht einmalig, so doch eine anlagentechnische Außergewöhnlichkeit sein: durch die Verwendung von Heißluft statt Elektroöfen.

TÜV geprüfte Sicherheit

Der Heißwasserkessel mit einer Leistung von 1300 kW liefert die Hochtemperatur. Kreiselpumpen transportieren das Medium zu den Heißwasser-Wärmetauschern an den 16 neuen Saunen. Hitzebeständige Spezialventilatoren blasen Luft durch die Register, und mit 100, 120 oder 130 °C, je nach Saunatypus, verlässt sie die Lamellen, strömt zugfrei in die Kabinen und temperiert sie auf das eingestellte Niveau. Jedes Ambiente darf sich seinen eigenen Klimawunsch erfüllen. Das heißt folglich, pro Sauna ist eine Wärmetauscheranlage erforderlich.

Motorventile regeln die Temperatur. Der Heißwasserkreis fährt mit einem Druck von 11,5 bis 12,5 bar. Der ist erforderlich, um nicht mit 170 °C in den Verdampfungsbereich hinein zu kommen. Die Wärmetauscher hielten einem Prüfdruck von 26 bar stand. Es muss garantiert sein, dass nicht irgendeine Naht platzt oder irgendeine Dichtung nachgibt und 170 °C heißes Wasser die Saunagäste verbrüht. Investor, Architekt und Planer Josef und Jörg Wund hatte sich für dieses Beheizungsschema entschlossen, um nicht eine Transformatorstation zur Versorgung alternativer Elektroöfen im Saunaparadies installieren zu müssen. Die Betriebskosten sprechen ohnehin zugunsten dieser Varianten, so dass eine Amortisation in wenigen Jahren erreicht sein sollte.

Luftgekühlte Dichtungen

Mit den Heißwassertemperaturen bis 170 °C für die 16 neuen Saunen müssen aber nicht nur die Wärmetauscher und die Ventilatoren fertig werden. Am Anfang der Wärmetransportkette stehen die Umwälzpumpen in der Technikzentrale nahe dem Heißwasserkessel. Nun ist leider der größte Feind einer Kreiselpumpe beziehungsweise ihrer Gleitringdichtung eine ständige Atmosphäre hoher Temperatur. Der Pumpenbauer Grundfos hat sich deshalb speziell dieses Problems angenommen.

Als einziger Hersteller bietet der dänische Konzern respektive seine deutsche Tochter heute Aggregate mit einer Standard-Gleitringdichtung an, die jedoch in einem zusätzlich angebauten luftgekühlten Kopfstück sitzt. Dieses Teil trennt den Pumpenkörper mit seinen hohen Medientemperaturen von der Dichtung. Mit der Folge, dass selbst bei 170 °C Wassertemperatur nicht mehr als maximal 120 °C am Gleitring herrschen. Dieses Niveau garantiert eine lange Standzeit und damit eine zuverlässige Abdichtung. Hohe Drücke dagegen, um diesen Punkt auch zu erwähnen, machen hochwertigen Standard-Gleitringdichtungen nichts aus. Sie vertragen im Dauerbetrieb 20, 30 oder 40 bar.

Die nachhaltige Pumpen-Kühltechnik hat einen Namen: Air-Cooled Top. Grundfos führt sie unter dieser Bezeichnung. Der Pumpenspezialist modifiziert auf Wunsch Pumpen der Baureihe CR beziehungsweise CRN mit diesem luftgekühlten Wellendichtungssystem. Entsprechend schneidert er die Heißwasser-Kreiselpumpen der Therme Erding auf Maß, angepasst auf Durchsatz, Druck und Temperatur. Das bedeutet jedoch nicht, dass kundenspezifische Ausführungen wegen eines vermeintlich umfangreichen konstruktiven Aufwands tief ins Geld gehen. Der Pumpenhersteller hat eine preiseffiziente Modularbauweise konzipiert: Nach Vorgabe des Planers oder Auftraggebers stellen die Ingenieure im Unternehmen das Aggregat aus einer breiten Palette von Einzelkomponenten individuell zusammen.

Modularität führt zu individuellen Kundenlösungen

Im Endergebnis läuft das modulare Prinzip auf rund eine Million unterschiedliche CR-Varianten hinaus. Diese Palette passt in keinen Katalog. Grundfos stellt deshalb den Planern Datenblätter zur Verfügung, um anschließend mit den projektbezogenen Angaben und der EDV die optimale und kostengünstigste Lösung zu entwickeln. Selbstverständlich unterstützt die Konstruktionsabteilung die Kunden mit verschiedenen Leitfäden, etwa einer katalogisierten Auswahlhilfe bei Dichtungsfragen. Erhältlich ist dieser z. B. via Download von der Grundfos-Webseite (www.grundfos.de), zu finden unter WebCAPS Unterlagen „Pumpen nach Maß – Kundenspezifische CR-Pumpen“.

Dieses Angebot begrenzt sich nicht nur auf Temperaturen, Drücke und Durchsätze. Partikelhaltige oder hochviskose oder klebrige Flüssigkeiten dürfen ebenfalls im Datenblatt eingetragen sein oder auch die Forderungen nach graphit- oder silikonarmen Werkstoffen. Korrosionsbeständiger Spezial-Edelstahl gehört zum Programm wie Grauguss oder wie auch für besondere Einsatzfälle Titan. Gleichgültig ob aggressive Chemikalien oder das Risiko von Explosion oder Staubentzündung, die Modifikationen für Industrie, Chemie und Gebäudetechnik beherrschen beinahe jeden Sonderfall.

Als weiteren wesentlichen Vorteil der mehrstufigen, vertikalen Hochdruckpumpen der Baureihe CR nennen die Anwender regelmäßig den geringen Platzbedarf, den leisen Lauf, die hohen Wirkungsgrade und das breite Leistungsspektrum. Im Verbund mit EFF1 Energiesparmotoren, welche zum Standard bei der CR Baureihe gehören, oder mit integriertem Frequenzumrichter zur Drehzahlregelung können Betriebskosten spürbar gesenkt werden.

Gewichene Skepsis

Markus Feurer, dessen Installations- und Planungsbetrieb Helmut Feurer GmbH in Riedlingen an der Donau für die aktuellen gebäudetechnischen Erweiterungen der Therme Erding mit in der Verantwortung steht, gibt eine anfängliche Skepsis zu: „Im Prinzip handelt es sich ja bei jeder Sonderpumpe dieser Art um ein Unikat. Vermutlich wird in Bezug auf den Auslegungspunkt wohl so schnell keine zweite mehr gebaut oder verlangt werden. Zudem haben wir noch den Lieferanten unter Zeitdruck setzen müssen. Trotz dieser kritischen Bedingungen laufen die ersten Air-Cooled-Top – und nicht nur die, auch die anderen Typen von Grundfos – im Saunaparadies nun schon seit gut einem Jahr ohne Beanstandungen.“

Für den täglichen Einsatz bedeutet dies: „Das heißt freilich nicht, dass sie keiner Wartung bedürfen. Das bleibt bei diesen hohen Temperaturen gar nicht aus. Die macht aber keine Schwierigkeit. Erstens haben wir den Durchsatz auf Doppelpumpen verteilt, der besseren Regelung aber auch der Instandhaltung wegen. Diese Ausführung gestattet es, bei laufendem Betrieb immer eine Pumpe vom Netz zu nehmen und eventuell die Dichtung auszuwechseln oder andere Arbeiten durchzuführen. Zweitens lassen sich die CR-Pumpen, darauf hat man bei der Konstruktion geachtet, relativ leicht zerlegen und Verschleißteile schnell und ohne Spezialwerkzeuge austauschen.“

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