Die TGA moderner Neubauten wird immer komplexer – geprägt von smarten Komponenten, hohen Sicherheitsanforderungen und vielfältigen Normvorgaben. Damit wächst für das Elektrohandwerk der Anspruch, Projekte effizient zu planen, fachgerecht umzusetzen und verlässlich zu dokumentieren. Genau an dieser Stelle entsteht jedoch häufig ein Medienbruch – zwischen der digitalen Planung und der obligatorischen Prüfung elektrischer Anlagen. Die typischen Herausforderungen in der Praxis:
- Doppelter Erfassungsaufwand: Stromkreislisten und Verteilerdokumentationen werden in der Planungssoftware detailliert angelegt, müssen für die Prüfung vor Ort aber erneut manuell in Prüfsoftware oder Messgeräte übertragen werden.
- Manuelle Fehlerquellen: Jede zusätzliche Eingabe birgt das Risiko von Übertragungsfehlern. Weichen Bemessungsangaben zwischen Planung und Prüfgerät voneinander ab, leidet die Reproduzierbarkeit der Messungen.
- Inkonsistente Dokumentation: Auch Messwerte und Prüfergebnisse müssen nachträglich oft manuell in die Anlagendokumentation zurückgeführt werden – mit dem bekannten Risiko einer uneinheitlichen Datenbasis.
Ein elektrotechnisches Modell im Grundriss: Stromkreise, Verbraucher und Verteiler werden strukturiert geplant und eindeutig zugeordnet. Bild: Graphisoft
Basis für eine effiziente TGA-Planung
„DDScad“ wurde für die gewerkübergreifende TGA-Planung entwickelt und bietet leistungsfähige Werkzeuge für die effiziente Projektierung, Kalkulation und Dokumentation. Als BIM-Software ermöglicht sie die Erstellung vollständiger, dreidimensionaler Gebäudemodelle. Eine integrierte Schlüssigkeitsprüfung erkennt Planungsfehler frühzeitig und trägt zur Qualitätssicherung bei.
Allpolige Darstellung der Unterverteilung: Automatisch aus dem Modell abgeleitete Stromlaufstruktur mit vollständiger Zuordnung von Schutzorganen und Abgängen.
Bild: Graphisoft
Die Software erleichtert die Projektierung durch umfangreiche Bibliotheken und Automatisierungsfunktionen erheblich. So können Verteiler und Stromlaufpläne angelegt werden, wobei umfangreiche Informationen über die Bauteile hinterlegt sind. Bauteildaten lassen sich per Klick aus dem ZVEH-Katalog auswählen. Dadurch sind nicht nur Funktion und Installationsort, sondern auch Herstellerangaben für jedes Anlagenelement ersichtlich. Auf dieser Grundlage können vollständige Leistungsverzeichnisse mit minimalem Zeitaufwand erstellt werden. Weitere zeitsparende Funktionen unterstützen die Planer im Alltag:
- Einmal angelegte Stromkreise können für andere Räume kopiert oder gespiegelt werden.
- Die Software ermittelt auf Wunsch automatisch den kürzesten Weg für elektrische Leitungen über ein Verlegesystem.
- Eine Berechnungsfunktion für den Füllgrad von Kabelbahnen, Kabelkanälen und Leerrohren zeigt an, ob diese ausreichend dimensioniert sind. Auch Kabel- und Leitungsgewichte, die Stützweite sowie die max. Tragfähigkeit nach IEC 61537 werden bei der Planung von Kabeltragsystemen berücksichtigt. Füllgrad und Gewichtsbelastung können zu Kontrollzwecken visuell dargestellt werden.
- Ebenso ist die Darstellung und Editierung von Kabeldurchmessern und -biegeradien im Arbeitsbereich möglich.
Die Schnittstelle: Vom Plan zum E-Check
Mit der Anbindung an die Prüfsoftware „IZYTRONIQ“ wird der Planungs- und Prüfprozess zu einem durchgängigen digitalen Workflow. Die Schritte sind klar strukturiert:
- Planung in „DDScad“: Alle Stromkreislisten, Bemessungsangaben und die Verteilerdokumentation werden vollständig angelegt.
- Export: Über die Schnittstelle wird das Projekt als XML-Datei in „IZYTRONIQ“ importiert.
- Übertragung auf das Prüfgerät: „IZYTRONIQ“ überträgt die Daten auf die Prüfgeräte der Serie „PROFiTEST Master“.
Digitale Objektstruktur in der Prüfsoftware: Stromkreise und Betriebsmittel werden aus der Planung übernommen und eindeutig im Anlagenbaum abgebildet. Bild: Gossen Metrawatt Die gemeinsame Datenbasis sorgt dafür, dass alle Beteiligten mit identischen Informationen arbeiten. Änderungen vor Ort, etwa Umbenennungen, aktualisierte Bemessungswerte oder zusätzliche Stromkreise, können sowohl in der Prüfsoftware als auch direkt am Prüfgerät vorgenommen werden. Das erhöht die Flexibilität, ohne die Datenkonsistenz zu gefährden.
Prüfgeräte in der digitalen Prozesskette
Auswahl des Stromkreises direkt am Prüfgerät: Die aus dem Planungsmodell übergebenen Daten stehen für die Messung strukturiert zur Verfügung.
Bild: Gossen Metrawatt
Das Multifunktionsprüfgerät „PROFiTEST MF XTRA“ deckt alle Mess- und Prüffunktionen ab, die für den Nachweis der Schutzmaßnahmen an ortsfesten elektrischen Installationen erforderlich sind. Die Arbeitsabläufe orientieren sich an den geltenden Normen wie IEC 60364-6 (DIN VDE 0100-600) und EN 50110-1 (DIN VDE 0105-100). Über „IZYTRONIQ“ lassen sich individuelle Prüfabläufe mit bis zu 200 Einzelschritten erstellen. Unterstützt wird dies durch ein praxisorientiertes Bedienkonzept, ein schwenkbares Farbdisplay sowie kontextsensitive Hilfefunktionen. Automatische Abläufe, bspw. das Weiterschalten innerhalb einer Messsequenz oder das automatische Entladen von Kapazitäten, erleichtern die Arbeit und verhindern Fehlmessungen.
Revisionssichere Dokumentation und vollständiger Datenrückfluss
Automatisch generierter Prüfbericht mit Objektstruktur, Messergebnissen und Geräteinformationen – Grundlage für eine normgerechte Dokumentation und Nachweisführung.
Bild: Gossen Metrawatt
Die Dokumentation ist ein entscheidender Bestandteil der Prüfprozesse – gleichzeitig aber oft zeitintensiv und fehleranfällig. „IZYTRONIQ“ bildet alle Arbeitsschritte geräteübergreifend ab und ermöglicht eine revisionssichere Dokumentation gemäß ArbSchG, BetrSichV und den einschlägigen VDE-Vorgaben. Nach Abschluss der Messungen werden die Daten wieder an die Software zurückgespielt und können anschließend nach „DDScad“ reimportiert werden. Änderungen aus der Praxis sind klar ersichtlich und lassen sich bei Bedarf übernehmen. Die erzeugten Prüfberichte erfüllen hohe Anforderungen an die Rechtssicherheit: Sie werden nicht nur in der Datenbank gespeichert, sondern zusätzlich als unveränderbare PDF-Dateien mit QR-Code und eindeutiger Prüfberichtsnummer archiviert.
Hochflexibel, effizient, rechtssicher
Die Verbindung von „DDScad“ und der Prüftechnik von Gossen Metrawatt zeigt, wie sich digitalisierte Prozesse im Elektrohandwerk sinnvoll verzahnen lassen. Sie eliminiert den Medienbruch, der traditionell zwischen Planung und Prüfung existiert. Durch den bidirektionalen Datenaustausch werden doppelte Datenerfassung und manuelle Fehlerquellen vermieden, was zu enormen Zeiteinsparungen führt und eine konsistente Datenbasis gewährleistet. Das Ergebnis ist eine hochflexible, effiziente und rechtssichere Abwicklung von TGA-Projekten – vom ersten Entwurf bis zum finalen Prüfprotokoll.
