VDMA Positionspapier: Förderung muss das Gebäude ganzheitlich betrachten
03.09.2026Neubau, Sanierung und Wärmeinfrastruktur gehören zusammen. Förderung im Gebäudesektor muss ganzheitlich, technologieoffen und verlässlich sein.
Sascha Seiß, Mitglied der Geschäftsführung der KONE GmbH, stellvertretender Geschäftsführer des VDMA Forum Gebäudetechnik.
Bild: KONE
Das VDMA Forum Gebäudetechnik ordnet mit einem Positionspapier die Förderpolitik im Gebäudesektor ein. Die zentrale Botschaft: Es geht nicht um mehr Geld, sondern um die richtige Logik. Förderung muss das Gebäude als Gesamtsystem betrachten und Neubau, Sanierung und Wärmeinfrastruktur über den gesamten Lebenszyklus zusammenbringen, statt einzelne Technologien oder einzelne Sanierungsschritte auszuzeichnen. Laut VDMA Positionspapier wird Förderung heute zu oft von einzelnen Produkten und kurzfristigen Programmänderungen gedacht. Das Ergebnis seien Fehlanreize, ein ständiges Auf und Ab bei der Bundesförderung Energieeffiziente Gebäude (BEG) und ein deutliches Missverhältnis zwischen der Förderung einzelner Maßnahmen und der Förderung zentraler Infrastruktur wie der Wärmenetze.
„Ein Gebäude muss über den gesamten Lebenszyklus funktionieren: energieeffizient, sicher, gesund, digital steuerbar und im Betrieb wirtschaftlich. Ein gesundes Gebäude mit guter Luft, Trinkwasserhygiene und Barrierefreiheit ist kein Zusatz, sondern Grundgedanke. Deshalb muss Förderung ganzheitlich sein und darf nicht einzelne Technologien gegeneinander ausspielen“, sagt Sascha Seiß, stellvertretender Vorsitzender des VDMA Forum Gebäudetechnik.
Was ganzheitliche Förderung bedeutet
Aus Sicht des VDMA Forum Gebäudetechnik entscheidet nicht der Einbau einzelner Technik über Nachhaltigkeit und Bezahlbarkeit, sondern das dauerhaft effiziente Zusammenspiel der technischen Systeme im Gebäude. Ganzheitliche Betrachtung heißt, Energieeffizienz, CO₂-Minderung über den Lebenszyklus, Betrieb, Sicherheit, Gesundheit, Trinkwasserhygiene, Barrierefreiheit und Resilienz zusammenzudenken, statt sie gegeneinander auszuspielen. Das gilt für Neubau, Sanierung und Wärmeinfrastruktur gleichermaßen.
Unsere Kernforderungen
Gebäude als Gesamtsystem in den Mittelpunkt der Förderpolitik stellen.
Technologieoffen fördern und die jeweils fachlich anerkannte wirksamste und wirtschaftlichste Lösung vor Ort ermöglichen.
Kurzfristige Programmänderungen vermeiden und stattdessen Verlässlichkeit, Planbarkeit und eine gesicherte Finanzierung ohne Zweckentfremdung von Klima- und Transformationsfonds sowie Sondervermögen gewährleisten.
Keine Bevorzugung einzelner Bereiche, sondern eine ausgewogene Förderung von Neubau, Sanierung und Wärmeinfrastruktur.
Christoph Singrün, Geschäftsführer VDMA Pumpen + Systeme.
Bild: VDMA
„Wir brauchen keine Debatte über mehr oder weniger Geld, sondern über die richtige Logik. Bei der BEG erleben wir ein Stop-and-Go und haben über Jahre einzelne Technologien überfördert. Gleichzeitig steht die Fernwärme, die für die Wärmewende entscheidend ist, im Verhältnis deutlich zurück. Das ist keine Frage von mehr Geld, sondern von Balance“, sagt Christoph Singrün, Geschäftsführer VDMA Pumpen + Systeme.
Förderung durch Neubau, Sanierung und BEG und Wärmeinfrastruktur
Neubauförderung muss modular aufgebaut sein und darf nicht einseitig einzelne Standards oder Technologien privilegieren. Sie sollte den Bau in der Breite unterstützen und den Neubau von Beginn an als funktionierendes Gesamtsystem denken: energieeffizient und gesund im Betrieb, digital steuerbar, resilient, barrierearm und anschlussfähig an die European Performance of Buildings Directive (EPBD), kommunale Wärmeplanung und Lebenszyklusbetrachtung.
Das ständige Nachjustieren der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) macht Förderpolitik selbst zum Investitionsrisiko. Die kurzfristige Änderung im Juli 2026 hat das erneut gezeigt, bereits 2022 führten Förderstopps zu erheblicher Verunsicherung. Zugleich wurden über Jahre Mittel in einzelne Technologien gelenkt und Technik teils künstlich verteuert. Förderung muss auf wettbewerbsfähige, europäisch vergleichbare Preise hinwirken, statt Fehlanreize zu setzen, und geringinvestive Maßnahmen wie Heizungsoptimierung, hydraulischen Abgleich oder Digitalisierung in der Breite ermöglichen.
In der Wärmeinfrastruktur zeigt sich ein deutliches Missverhältnis. Während in die BEG Milliardenbeträge fließen, steht die netzgebundene Wärme im Verhältnis deutlich zurück, obwohl sie für die Wärmewende zentral ist. Es geht nicht um mehr finanzielle Mittel, sondern um eine ausgewogene Verteilung über die Dimensionen der Wärmewende. Wärmenetzförderung, kommunale Wärmeplanung und die Einbindung klimaneutraler Wärmeerzeugung müssen konsistent zusammenpassen. Wärmenetze, Kraft-Wärme-Kopplung, Großwärmepumpen und thermische Speicher sind zentrale Bausteine der netzgebundenen Wärmeversorgung.
