Bei der Lichtplanung geht es um weit mehr als nur um das richtige Platzieren von Leuchten. Licht beeinflusst, wie Räume wirken, wie sie wahrgenommen und genutzt werden. Eine gut geplante Beleuchtung erzeugt gezielt Stimmungen und beeinflusst das Wohlbefinden wesentlich – in Wohnräumen, in Arbeitsumgebungen und in öffentlichen Bauten. Zu diesen anspruchsvollen Kriterien kommen für Planer und für das Fachhandwerk weitere Herausforderungen hinzu. So gilt es Funktionalität, Gestaltung und Energieeffizienz miteinander in Einklang zu bringen, normative Vorgaben zu erfüllen und trotz zunehmendem Kostendruck Projekte wirtschaftlich durchzuführen.
Professionelle Lichtplanung
Das Aufgabenspektrum in der Lichtplanung ist vielfältig. Neben ästhetischen und funktionalen Kriterien sind wichtige Anforderungen vor allem:
- Normative Vorgaben: Unzählige Normen und Richtlinien (wie die EN 12464 für Arbeitsstätten) müssen eingehalten werden, um rechtliche Konformität und die Sicherheit der Nutzer zu gewährleisten.
- Energieeffizienz: Angesichts steigender Energiekosten und Umweltauflagen ist die Minimierung des Stromverbrauchs durch den Einsatz energieeffizienter Leuchten und Steuerungssysteme von größter Bedeutung. Die LED-Technologie hat sich daher in den letzten Jahren als Standard etabliert.
- Technische Komplexität: Die Integration von Lichtsteuerungen, Notbeleuchtungssystemen und Smart-Home-Technologien erfordert ein tiefes technisches Verständnis und die Abstimmung mit anderen Gewerken.
- Zusammenspiel mit anderen Gewerken: In einem Bauprojekt existieren unzählige Abhängigkeiten. Die Lichtplanung muss nahtlos in die Planung der gesamten TGA eingebettet werden, etwa um frühzeitig störende Objekte berücksichtigen zu können. So würde sich beispielsweise ein Lüftungskanal unterhalb einer Leuchte negativ auf deren Effizienz auswirken. Im Rahmen der weiteren Systemplanung – etwa im Hinblick auf die Kabelverlegung – können durch einen gewerkeübergreifenden Ansatz Kollisionen mit Lüftungskanälen, Rohren oder anderen Installationen zuverlässig vermieden werden.
Die „DDScad“-Schnittstelle zum Lichtplanungssystem „DIALux evo Pro“ ermöglicht es, Gebäudemodelle an „DIALux“ zu übergeben und die Ergebnisse in „DDScad“ zu übernehmen.
Bild: DIAL/Graphisoft
Digitale Lichtplanung
Hier kommt die digitale Lichtplanung ins Spiel. Sie ermöglicht es, Lichtkonzepte virtuell zu entwickeln, zu visualisieren, zu kalkulieren und zu überprüfen. Durch den Einsatz von spezieller Software für die Lichtbranche lassen sich Berechnungen automatisch durchführen und normative Vorgaben zuverlässig einhalten. Darüber hinaus hilft die Simulation von Lichtwirkungen, Entscheidungen mit Projektbeteiligten und Bauherren abzustimmen. Von der Theorie zur Praxis: Nachfolgend ein Blick auf die Lichtplanung mit den Softwarelösungen „DIALux“ und die Integration in die weitere TGA-Planung mit „DDScad“.
Mit „DIALux“, einer der weltweit führenden Softwarelösungen für die Lichtplanung, lässt sich die normgerechte Planung und eine hochwertige Visualisierung von Beleuchtungskonzepten erstellen. Basierend auf realen Produkten internationaler Leuchtenhersteller kann so jede Beleuchtungssituation präzise dargestellt werden. Die Berechnungs- und Bewertungstools von unterstützen bei der Planung und sorgen für normgerechte Ergebnisse. Zahlreiche Funktionen vereinfachen die Planung und Realisierung selbst anspruchsvollster Lichtkonzepte. So lassen sich etwa Störlichtquellen, Lichtimmission und Blendung ohne großen Aufwand bestimmen. Die Software eignet sich für sämtliche Bereiche: Innen-, Außen-, Not- und Straßenbeleuchtung.
TGA- und Lichtplanung kombiniert
In Kombination mit der Softwarelösung „DDScad“ von Graphisoft entfaltet „DIALux“ sein volles Potenzial. „DDScad“ ist ein eigenständig einsetzbares, modulares Planungssystem für die gesamte TGA, also Elektro-, Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Lüftungsplanung. Die Software bietet integrierte Berechnungen, Visualisierungen und eine Produktdatenbank. Ein Open-BIM-optimierter Planungsmodus vereinfacht die gewerkeübergreifende Zusammenarbeit zusätzlich.
Für die Lichtplanung besonders interessant: Durch die Kooperation von Graphisoft und DIAL wurde eine IFC-basierte Echtzeit-Schnittstelle zwischen „DDScad“ und „DIALux evo Pro“ realisiert. Diese macht es möglich, das Gebäudemodell an „DIALux“ zu übergeben und die Ergebnisse der Lichtplanung und -berechnung wieder in „DDScad“ zu übernehmen. Hier können nun die Leitungen verlegt und die gesamte weitere elektrotechnische Gebäudeausrüstung geplant und berechnet werden. Dabei unterstützt die Software mit einer Vielzahl von Fachfunktionen, einer umfassenden Verteilerdokumentation sowie einer bedarfsgerechten, realitätsnahen Darstellung des Schaltschrankaufbaus. Die systemeigene Intelligenz sowie integrierte automatische Berechnungs- und Prüfroutinen – wie etwa die gewerkeübergreifende Kollisionserkennung – sparen Zeit und sorgen für eine sichere und fehlerfreie Elektroplanung. Stücklisten können automatisiert erstellt und direkt an Kalkulations- bzw. AVA-Programme übergeben werden.
Die Übergabe des Gebäudemodells von „DDScad“ an die Lichtplanungssoftware erfolgt auf Open-BIM-Basis.
Bild: DIAL/Graphisoft
Open BIM: Flexibilität durch Standards
Sowohl „DDScad“ als auch „DIALux“ setzen auf den offenen IFC-Standard und fördern damit eine herstellerunabhängige und flexible Projektabwicklung. Planer und Handwerker können sich somit flexibel an BIM-Projekten beteiligen, ohne an eine spezifische Software-Umgebung gebunden zu sein (Open BIM). Lichtplanungen können direkt in bestehende BIM-Prozesse eingebunden werden, etwa zur Erfüllung von BIM-Abwicklungsplänen (BAP) oder Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA).
Durch das Zusammenspiel der beiden Softwarelösungen lassen sich realistische Lichtplanungen sehr effizient durchführen und alle relevanten Informationen reibungslos zwischen den Programmen austauschen. Ein weiterer großer Vorteil der IFC-Schnittstelle besteht darin, dass alle Leuchten in DDScad automatisch als Produkte angelegt und somit in der Stückliste korrekt aufgelistet werden.
Falls gewünscht platziert „DIALux evo Pro“ automatisch die erforderliche Anzahl an Leuchten für einen bestimmten Bereich.
Bild: DIAL/Graphisoft
So funktioniert der Workflow:
1. Start aus „DDScad“: Aus „DDScad“, wo bereits ein 3D-Gebäudemodell vorliegt, startet der Nutzer „DIALux“. Das Modell wird automatisch über die IFC-Schnittstelle an „DIALux“ übergeben.
2. Lichtplanung in „DIALux“: In „DIALux“ wird die Lichtplanung basierend auf dem gelieferten Modell durchgeführt. Die Software ermöglicht die detaillierte Planung der Beleuchtung und berücksichtigt dabei alle relevanten Normen und Herstellerdaten.
3. Rückgabe an „DDScad“: Wenn alle Räume berechnet sind, erfolgt die Übergabe zurück in „DDScad“. Beim Export werden alle relevanten Informationen wie Leuchtentypen, Positionen und technische Eigenschaften übermittelt.
4. Aktualisierung in Echtzeit: Änderungen am Lichtkonzept lassen sich jederzeit in „DIALux“ nachbearbeiten und im TGA-Modell in „DDScad“ aktualisieren. Dies verhindert manuelle Übertragungsfehler und gewährleistet, dass die Planung stets auf dem neuesten Stand ist.
Das mit Leuchten ausgestattete Modell wird über die Schnittstelle wieder an „DDScad“ übergeben.
Bild: DIAL/Graphisoft
Alle übertragenen Leuchten verfügen über einen elektrischen Anschlusspunkt, sodass sie in „DDScad“ mit den Elektroleitungen angeschlossen werden können.
Bild: Graphisoft
Fazit
Ein durchgängiger, effizienter Planungsprozess ist heute entscheidend, um Bauprojekte und TGA-Planungen termingerecht, wirtschaftlich und in hoher Qualität umzusetzen. Die Verbindung beiden Softwarelösungen bietet Elektroplanern genau diese Grundlage. Beide Programme sind über eine Schnittstelle verbunden und tauschen alle wichtigen Informationen automatisch aus. Das spart Zeit, verringert die Fehlerquote und sorgt dafür, dass die Planung immer aktuell ist. So entstehen hochwertige und normgerechte Lichtlösungen – vom ersten Entwurf bis zur Ausführung.
