Glasfaser-Offensive: Neues Kern­element der Gebäudetechnik

Chancen und Herausforderungen für TGA-Ingenieure

Mit der TKG-Reform, die den Breitbandausbau in Deutschland zum überragenden öffentlichen Interesse erklärt, wächst der Druck auf die Planungsbüros. Politische Dynamik und der Einsatz erheblicher Fördermittel schaffen Möglichkeiten, doch technische und organisatorische Herausforderungen bleiben bestehen. Wie können TGA-Ingenieure diese überwinden, effiziente Installationen in Bestandsgebäuden sicherstellen und ambitionierte Ausbauziele erreichen?

Die Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG), die am 26. Juni 2025 vom Deutschen Bundestag verabschiedet wurde, hat dem Glasfaser- und Mobilfunkausbau den Status des überragenden öffentlichen Interesses verliehen. Dieser politische Meilenstein ist mit fast 3 Mrd. € an neuen Fördermitteln unterlegt. Für Kommunen, Wohnungsunternehmen und Betreiber eröffnet dies die Möglichkeit einer schnelleren Umsetzung.

Für Planer der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) bedeutet es jedoch auch neue Verantwortung. Gebäudetechniker sollen Breitbandinfrastruktur künftig systematischer in ihre Projekte integrieren. Ob in Wohnimmobilien, öffentlichen Gebäuden oder Gewerbeflächen: Glasfaseranschlüsse sind nicht länger optional, sondern ein Kernelement der Gebäudefunktionalität. Die Herausforderung besteht darin, hohe technische Leistungsfähigkeit mit einer kosteneffizienten und möglichst störungsarmen Integration in Neu- und Bestandsbauten zu kombinieren.

Bestandsgebäude: Das kritische Nadelöhr

Während Neubauprojekte Glasfaseranschlüsse bereits in frühen Planungsphasen berücksichtigen können, liegt die eigentliche Herausforderung im Bestand. Hier trifft die TGA-Branche oft auf komplexe bauliche Gegebenheiten, veraltete Gebäudetechnik oder restriktive Bauvorschriften. Klassische Methoden, wie das Aufstemmen von Wänden, das Bohren von Schächten oder das Verlegen umfangreicher Rohrsysteme, erhöhen nicht nur die Kosten, sondern mindern auch die Akzeptanz bei Eigentümern und Mietern.

Gerade in dicht bebauten Stadtgebieten erschweren Baulärm, Staub und enge Zeitfenster die Umsetzung. Planer benötigen Lösungen, die Beeinträchtigungen minimieren und dennoch Netzstabilität und Kapazität sicherstellen. Die technische Aufgabe geht damit über das reine Verlegen von Kabeln hinaus und erfordert ein sorgfältiges Austarieren zwischen architektonischer Integration und Brandschutzauflagen.

Eine der vielversprechendsten Ansätze zur Bewältigung dieser Herausforderungen ist der Einsatz von einfach zu installierenden Glasfasersystemen. Anstatt zeitaufwändiger Vor-Ort-Montagen sind diese Systeme für eine Installation mit minimalen baulichen Eingriffen ausgelegt. Die Komponenten verringern den Bedarf an hochspezialisierter Facharbeit, während standardisierte Module eine wiederholbare und planbare Projektdurchführung ermöglichen. Für Planer ergeben sich daraus zwei wesentliche Vorteile: Erstens verkürzen sich die Installationszeiten erheblich – ein wichtiger Faktor bei der Koordination mehrerer Gewerke in komplexen Bauprojekten. Zweitens vereinfachen solche Lösungen die Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern und Gebäudetechnik.

Ästhetik, Sicherheit und Performance

Für Gebäudetechniker ist die technische Leistung nur ein Teil der Aufgabe. Ebenso wichtig sind die visuelle Integration, die Einhaltung von Brandschutz- und Bauvorschriften sowie die langfristige Zuverlässigkeit. Installationsfreundliche Glasfasersysteme sind darauf ausgelegt, diese Kriterien zu erfüllen: Biegetolerante Kabel sichern die Signalqualität, während schlanke Profile und diskrete Installationsmöglichkeiten die optische Wirkung minimieren.

So können Glasfaserwege nahezu unsichtbar entlang von Wänden oder Decken geführt werden können, ohne das architektonische Design zu beeinträchtigen. Der geringere Bedarf an Bohrungen oder Schächten reduziert Staub und Lärm – ein Vorteil insbesondere in sensiblen Umgebungen wie Gesundheitseinrichtungen, Schulen oder denkmalgeschützten Gebäuden. Für Planer erleichtert das Genehmigungsprozesse und Projektumsetzungen.

Brandschutz und die MLAR-Herausforderung

Bei Glasfaserprojekten gehört die Einhaltung von Brandschutzvorgaben zu den zentralen Aufgaben der TGA-Ingenieure. Die Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) legt bundesweit Anforderungen für die sichere Führung von Kabeln in Gebäuden fest, um die Brandausbreitung – insbesondere in Fluchtwegen wie Treppenhäusern und Fluren – zu verhindern. In der Praxis interpretiert jedoch jedes Bundesland die Richtlinie unterschiedlich, was zu Abweichungen bei Genehmigungsprozessen, Dokumentationspflichten und Baupraktiken führt.

Für Planer bedeutet das oft verlängerte Projektlaufzeiten und die Notwendigkeit präziser Kenntnisse regionaler Vorschriften. Dabei müssen sie zahlreiche genehmigungsrelevante Faktoren berücksichtigen – von der Auswahl der richtigen Brandklassifizierung (z. B. B2ca-zertifizierte Produkte gemäß EU-Bauproduktenverordnung) über die Erstellung erforderlicher Brandschutzdokumentationen bis hin zur Einbindung externer Sachverständiger. Systeme, die bauliche Eingriffe minimieren, helfen auch hier, den Aufwand zu reduzieren.

Gewerkeübergreifende Koordination unerlässlich

Deutschlands Investitionsschub in den Glasfaserausbau ist mehr als eine politische Schlagzeile. Er ist eine praktische Aufgabe, die auf Gebäude- und Infrastrukturebene gelöst werden muss. Für Ingenieure und Planungsbüros bedeutet das, Werkzeuge und Ansätze einzusetzen, die Komplexität reduzieren und gleichzeitig Qualität sichern. Brandschutz, regulatorische Anforderungen und begrenzte Schächte unterstreichen die Bedeutung durchdachter Planung.

Zudem teilt sich Glasfaserinfrastruktur den Raum mit Lüftungsanlagen, Stromleitungen und anderen technischen Systemen. Eine gewerkeübergreifende Koordination ist daher unerlässlich. Installationsfreundliche Glasfasersys­teme erleichtern diese Aufgabe, indem sie bauliche Eingriffe reduzieren, die Integration in BIM-Modelle ermöglichen und die Zusammenarbeit zwischen Gewerken vereinfachen. Durch diesen Ansatz können Gebäudetechniker politische Ambitionen in praktische Realität übersetzen und zum schnellen, nachhaltigen und zukunftssicheren Breitbandausbau beitragen.

Politische Dynamik als Chance

Die Kombination aus Rechtsreform, Fördermitteln und technologischer Innovation rückt TGA-Ingenieure ins Zentrum der digitalen Infrastrukturtransformation in Deutschland. Mithilfe einfach installierbarer Systeme in ihren Projekten können sie direkt zum beschleunigten Ausbau beitragen, Compliance sicherstellen und Kosten senken.

Gleichzeitig gewinnen Planungsbüros strategischen Mehrwert, indem sie sich als Wegbereiter digitaltauglicher Gebäude positionieren. Im Wohnungsbau steigert Glasfaser den Immobilienwert; in Gewerbeprojekten stärkt es die Wettbewerbsfähigkeit; in öffentlichen Infrastrukturen sichert es zukunftsfähige Dienstleistungen. TGA-Spezialisten übernehmen damit eine Schlüsselrolle nicht nur beim Bau, sondern auch in der gesellschaftlichen Digitalisierung.

Best Practice-Beispiel aus Luxemburg

Mit der Glasfaseroffensive hierzulande kommt es besonders auf die praktische Umsetzung an. Ein Best Practice-Beispiel aus Luxemburg zeigt, wie eine ambitionierte Umsetzung der Glasfaserstrategie gelingen kann – dies ist auf der tab-Webseite über den Link www.t1p.de/tab-10-25-Glasfaser zu finden.

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