Zwang zum Heizungstausch

Welche Neue ist die Richtige?

Normalerweise tauscht man in Deutschland eine Heizung nur, wenn sie kaputt ist. Doch seit Anfang 2016 zwingen neue Vorschriften dazu, alte Heizkessel auch von rechtlicher Seite her auszutauschen. Was ist zu beachten, wenn die alten „Schmuckkästchen“ aus dem Keller müssen? Sollte man beim alten Energieträger bleiben oder auf einen neuen umsatteln? Und welcher wäre das dann?

Eine Heizungswahl ist von drei Aspekte abhängig: Brennstoffkosten und deren Entwicklung, Investitionskosten sowie Zukunftsfähigkeit des Systems. Letzteres ist immer wieder von politischen Entscheidungen abhängig, wie aktuell von der neuen EnEV und dem Effizienzlabeling alter Heizkessel (siehe Info­kasten).

Zudem wird aktuell und angestoßen durch das Bundeswirtschaftsministerium eine Besteue­rung von Öl- und Gasheizungen aufgrund des CO2-Ausstoßes diskutiert. Käme die, sollte man so viel wie möglich an erneuerbaren Energien einbinden. Doch das ist sehr kostenintensiv. Zudem gibt es...

Eine Heizungswahl ist von drei Aspekte abhängig: Brennstoffkosten und deren Entwicklung, Investitionskosten sowie Zukunftsfähigkeit des Systems. Letzteres ist immer wieder von politischen Entscheidungen abhängig, wie aktuell von der neuen EnEV und dem Effizienzlabeling alter Heizkessel (siehe Info­kasten).

Zudem wird aktuell und angestoßen durch das Bundeswirtschaftsministerium eine Besteue­rung von Öl- und Gasheizungen aufgrund des CO2-Ausstoßes diskutiert. Käme die, sollte man so viel wie möglich an erneuerbaren Energien einbinden. Doch das ist sehr kostenintensiv. Zudem gibt es wartungsseitig sowohl zum Aufwand als auch zur Lebensdauer nur zeitlich begrenzte Erfahrungen zu Wärmepumpe, Solarthermie, Pelletkessel und Co.


Gebäudezustand entscheidend

Bevor es an die Planung einer neuen Heizung geht, sollten grundsätzliche Fragen zum Gebäude beantwortet werden. Wesentlich für die Kosten wäre zum Beispiel, ob demnächst eine umfassende und somit auch energetische Sanierung ansteht oder ob diese vorgezogen werden könnte. Wäre das der Fall, muss auch die neue Heizung darauf abgestimmt werden.

Ist dies nicht der Fall, gilt unter dem Gesichtspunkt der Kos­ten­erspar­nis, dass ein reiner Heizungstausch die effizienteste Maßnahme ist. In Frage kommt dies jedoch nur, wenn der bauliche Zustand für die nächsten 20 Jahre, also der Lebensdauer eines fossilen Heizsystems, keine Sanierung erfordert. Beachtet werden muss auch noch ein technischer Fakt: Durch die 2015 eingeführten Effizienzlabel für Heizgeräte sind in Deutschland praktisch nur noch Brennwertkessel zugelassen. Diese benötigen einen eigens ausgelegten Abzugstrang, der bei Eignung auch in einen alten Kamin geführt werden kann. Ob dies möglich ist, muss jedoch der Schornsteinfeger entscheiden.

Dennoch hat ein reiner Heizungstausch einen entscheidenden Nachteil: Man bleibt beim alten, und das heißt fast immer fossilen Brennstoff. Und auch wenn die derzeitigen Preise für Gas und Öl recht günstig scheinen – vor zukünftigen Kostensteigerungen ist niemand gefeit. Schon deswegen spricht vieles für eine Diversifizierung der Wärmequellen mittels einer hybriden Heizung. 

Infrage kommt hier besonders die Solarthermie, die sich problemlos mit Öl- und Gas- oder auch Pelletskesseln kombinieren lässt und zu der schon viele Erfahrungen vorliegen. Die durchschnittliche Lebensdauer beträgt gut 25 Jahre und liegt somit fünf Jahre über der einer Heizung. 

Auch Wärmepumpen könnten bei einer Sanierung eine Rolle spielen. Doch sind diese nur sinnvoll bei gedämmten Häusern. Ob eine Fußbodenheizung bei einer umfassenden Sanierung Sinn macht oder ob man lieber bei den Wandradiatoren bleiben sollte, auch wenn die ineffizienter arbeiten, muss eine individuelle Prüfung ergeben. Kombinieren sollte man eine Wärmepumpe immer mit Solarthermie zumindest für die Warmwasserbereitung, da dann keine Stromkosten für den Betrieb zumindest im Sommer und in großen Teilen der Übergangszeit anfallen. Möglich wäre hier auch eine Frischwasserstation mit Durchlauferhitzer. Doch sind diese ineffizient und verursachen, verglichen mit anderen Systemen, zu hohe Kosten für den Strombezug. Gleiches gilt für Kombitherme, in denen Warmwasser ebenfalls wie im Durchlauferhitzer erzeugt wird.


Mit Hybridisierung aus der Kostenfalle

Zwar sind die Investition für Hybridsydsteme deutlich höher. Doch sie können die Abhängigkeit von nur einem Energieträger durchbrechen. Man denke an die Nachtstromheizungen, die in den 1960er und 1970er Jahren und nach der Wende sogar noch in der ehemaligen DDR in großem Umfang installiert wurden. Heute produzieren sie aufgrund der hohen Stromkosten Wärme zu Luxuspreisen.

Welche Technik ist nun die richtige? Eine Patentlösung gibt es nicht, da der Gebäudezustand entscheidend ist. Berücksichtigt werden muss auch das Verhalten der Bewohner oder Mitarbeiter. Herrscht großer Warmwasserbedarf in einer Wohnimmobilie, etwa durch Kinder, oder eher nicht bei einem alleinstehenden Ehepaar? Müssen gewerbliche Mitarbeiter in einem Firmengebäude duschen oder nicht? Lieben es die Mitarbeiter eher mollig warm oder sind 20 °C Raumtemperatur ausreichend? Und: Habe ich überhaupt eine Wahl oder ist das Gebiet, in dem ich baue, von Anschlusszwängen oder Verbrennungsverboten betroffen, von denen es bundesweit mittlerweile 1.123 gibt?

Will man sich am Markt orientieren, erlebten dort 2015 die fossilen Heizungen, allen voran Öl, ein Comeback. Dies lag zum einen an dem hohen Modernisierungsstau in Verbindung mit dem stark gesunkenen Heizölpreis ab dem 3. Quartal. Zum anderen griffen die Instrumente wie das Marktanreizprogramm (MAP), da diese Heizungstechnologien schon immer gern mit Solarthermie verknüpft wurde. In diesem Jahr zeigt sich ein ähnliches Bild, allerdings legen jetzt auch Pelletsheizungen und Wärmepumpen, Letztere in den ersten drei Monaten 2016 mit 15.000 oder 14 % im Vergleich zum Vorjahresquartal, deutlich zu, nachdem deren Absatz im letzten Jahr noch eingebrochen war. Ein Grund: Biomassekessel und Wärmepumpen werden durch das MAP stärker gefördert. Bei erdgebundenen Wärmepumpen können das bis zu 9.500 € sein.

Auch wenn für eine Pellets­heizung in Kombination mit Solarthermie rund 4.200 € Fördermittel und damit fast ein Viertel der Investition drin sind: Eine Amortisation ist kaum möglich. Denn die Differenz zum Heizölpreis ist aktuell zu gering. Hinzu kommt der deutlich höhere Wartungsaufwand und der Besuch des Schornsteinfegers. Denn der kommt hier aufgrund der höheren Verbrennungstemperaturen zweimal im Jahr, während er eine Brennwertheizung nur einmal in zwei Jahren aufsuchen muss.

Eine weitere Möglichkeit wäre die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), jedoch nicht in Einfamilienhäusern. Denn hier lässt sich ein wichtiges Problem nicht lösen: Wohin mit der reichlich produzierten Wärme im Sommer? Dann steht das Blockheizkraftwerk (BHKW) arbeitslos im Keller und kommt nicht auf die 5.000 Betriebsstunden jährlich, die es für einen effizienten Betrieb braucht. In dieser Zeit muss teurer Strom zusätzlich extern bezogen werden. In Mehrfamilienhäusern ab vier Wohneinheiten, in Hotels oder Gewerbebetrieben, wo ständig Warmwasserbedarf für Duschen oder Küche herrscht, wären sie jedoch eine Überlegung wert.


Amortisation: Die große Unbekannte Brennstoff

Die Brennstoffkosten sind bei der Heizungswahl die große Unbekannte – im Gegensatz zu allen anderen Parametern wie Technik, Handwerkerleistung und Wartung. Niemand kann derzeit sagen, was in zehn Jahren Heizöl oder Gas kosten werden; dasgilt auch für Pellets oder Kaminholz und Strom für die Wärmepumpe. Deswegen wäre die Einkopplung von erneuerbaren Energien, die ohne Brennstoff auskommen, überlegenswert. 

Marktreif ist vor allem die Solarthermie, die auch zur Unterstützung der Heizleistung eingebunden werden kann. Aber auch für sie gilt: Eine Einbindung lohnt sich nur bei einer umfassenden energetischen Sanierung eines Hauses inklusive Heizungs- und Speicherwechsel und nicht als Ergänzung einer bestehenden Anlage. Selbst im Sanierungsfall kann eine Amortisationsrechnung negativ ausfallen, insbesondere dann, wenn die Preise für fossile Brennstoffe dauerhaft niedrig bleiben.


Kundenwünsche und Nachhaltigkeit

Bei manchen Kunden ist der Preis jedoch nicht alles. Investoren wünschen sich mitunter eine erneuerbare Energiequelle, weil sie auf nachhaltig agierende Mieter oder Käufer setzen. Für die steht nicht der Preis einer Investition im Vordergrund steht, sondern deren Umweltverträglichkeit (zu den Emissionen der infrage kommenden Brennstoffe siehe Tabelle 1). 

An diesem Punkt kommen Holzheizungen, Pellets sowie Wärmepumpen wieder ins Gespräch. Gerade Wärmepumpen sind im Neubau eine ideale Lösung, da sie mit ihren niedrigen Vorlauftemperaturen hervorragend zu den beliebten Fußboden­heizungen passen. Das macht sie besonders effizient. Die wenigsten Investitionen verursacht eine Luft-Wärmepumpe, da sie nicht viel mehr als eine herkömmlichen Heizung kostet und einfach zu installieren ist.

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