Yukon Bay – die siebte Erlebnislandschaft im Hannover Zoo
Die technische Inszenierung von Geschichten
Bereits zur Expo 2000 hatte sich der Zoo Hannover herausgeputzt und neue Erlebnislandschaften eingerichtet, um mehr Besucher anzulocken. Das Konzept kam an und wurde fortgesetzt. Im Frühjahr 2010 folgte mit der „Yukon Bay“ die inzwischen sechste Landschaft des Tierparks. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass hinter einer auf die Bedürfnisse der Tiere angepassten Einrichtung und einer perfekten Präsentation für die Besucher jede Menge Technik versteckt ist.
Ein Besuch im Zoo soll Besucher heute nicht nur dazu bringen, Tiere zu beobachten und einen erlebnisreichen Tag zu erleben. Vielmehr bieten Zoos vermehrt die Möglichkeiten, sich über Umweltschutz, die nachhaltigere Nutzung von Rohstoffen und einem effizienteren Umgang mit Brennstoffen Gedanken zu machen. Mit diesem sanften Schulungsgedanken arbeiten die Zoos in Deutschland intensiv daran, den Betrieb ihrer Anlagen zu verbessern. Wie dies möglich ist, zeigt das Beispiel „Yukon Bay“ im Zoo Hannover. Die neue Landschaft wurde der endlos scheinenden subarktischen Landschaft im Westen Kanadas, die...
Ein Besuch im Zoo soll Besucher heute nicht nur dazu bringen, Tiere zu beobachten und einen erlebnisreichen Tag zu erleben. Vielmehr bieten Zoos vermehrt die Möglichkeiten, sich über Umweltschutz, die nachhaltigere Nutzung von Rohstoffen und einem effizienteren Umgang mit Brennstoffen Gedanken zu machen. Mit diesem sanften Schulungsgedanken arbeiten die Zoos in Deutschland intensiv daran, den Betrieb ihrer Anlagen zu verbessern. Wie dies möglich ist, zeigt das Beispiel „Yukon Bay“ im Zoo Hannover. Die neue Landschaft wurde der endlos scheinenden subarktischen Landschaft im Westen Kanadas, die direkt an den US-Bundesstaat Alaska grenzt, nachempfunden. Auch wenn es wegen des langen, kalten Winters zu einigen ungewollten Bauunterbrechungen kam, wurde „Yukon Bay“ nur wenige Wochen später als ursprünglich geplant im Mai 2010 für den Publikumsverkehr freigegeben.
Erlebniswelt Zoo
Den thematischen Einstieg in das Yukon Bay-Areal, finden Besucher mit der Durchquerung einer verlassenen Goldmine. Nach Überquerung einer Brücke, die über den Flusslauf des Yukon führt, der durch ein schnell fließendes Gewässer symbolisiert wird – dahinter stecken Pumpen und ein geschickt aufgebauter Wasserkreislauf – hat man den Themenbereich der Tierwelt Alaskas und dem Nordwesten Kanadas endgültig betreten. Der Bereich ist in zwei Teile gegliedert, in eine ursprünglich wirkende „Natur“-Landschaft und einen städtischen Bereich, in dem Zoobesucher Restaurants besuchen und Tierfütterungen live miterleben können. Beim Blick zurück in die gerade durchquerte Goldmine sieht man das sich beiderseits der Brücke über den Yukon erstreckende Timberwolfsgehege mit einer Karibuanlage dahinter. Beide Bereiche wurden durch einen Graben getrennt – dank der perfekten Landschaftsgestaltung wirkt es jedoch so, also ob beide Tierarten im selben Gehege miteinander leben würden. So bekommt der Besucher den Eindruck einer natürlichen, urwüchsigen Landschaft mit Jagd- und Beutetieren vermittelt. Daran anschließend bietet das Bison Areal den Eindruck einer weitreichenden Landschaft. Mit geschickt platzierten Aussichtsplattformen wird der Blick der Besucher dahin gelenkt, wohin er schauen soll, und wo er zugleich die beste Aussicht auf die Tiere hat. Weiter geht es in das „Hafenstädtchen Yukon Bay“, eine Tribüne auf der rechten Seite bietet Platz für bis zu 800 Besucher. Von hier aus haben die Zoobesucher nicht nur einen Überblick über das gesamte Hafenstädtchen mit seinen individuell gestalteten Häusern, Schuppen und einem 18 m hohen Lastenkran, sondern können auch bequem den Robbenshows zusehen. Hier sollen Zoobesucher das beschauliche Kleinstadtleben hautnah erleben können.
Spektakulär in diesem Bereich ist die Unterwasserstation mit eingebauten Containern, von denen aus die Robben bei ihrem natürlichen Treiben Unterwasser beobachtet werden können. Integriert ist ein Gebäudeteil, der zweifach schräg geneigt, den Eindruck eines gestrandeten Schiffes bietet. Davor liegt die Reparaturstation, von der aus man die Eisbären unter Wasser beobachten kann. Auf der anderen Seite, im gestrandeten Schiff, kann man Pinguine bei ihren Tauchspaziergängen beobachten. „Wieso Pinguine?“, mag sich ein in zoologisch vorgebildeter Leser denken, „die gibt es doch nur am Südpol?“ Dazu hat Zoodirektor Michael Machens eine Antwort parat: „Wir haben uns dazu eine nette Geschichte ausgedacht: Hier hat ein Kapitän einfach den „nördlichsten Pinguin-Zoo der Welt“ in einem leckgeschlagenen Schiff eingerichtet. Eine gut inszenierte Geschichte ist für die Besucher genauso faszinierend wie die Tiere selbst.“ „Aber nicht nur die Besucher müssen zufrieden sein, auch die Tiere sollen sich wohlfühlen“, erläuterte Jens Behn, Technischer Leiter des Zoos, im Rahmen eines Baustellenrundgangs. Dazu muss die Technik einwandfrei funktionieren.
Wassertechnik
Aufwendig ist vor allem die ständige Bereitstellung sauberen und klaren Wassers. Denn schließlich sollen die Zoobesucher die Tiere auch unter Wasser sehen können.
So sind in der Yukon Bay drei großer Wasserbereiche zu unterhalten. Das Eisbärenbecken mit 1700 m3, das Robbenbecken mit 200 m3 und der Pinguinbereich mit 200 m3 Die Wasserfläche für die drei Tierbecken ist dabei um 64 % gegenüber den bisherigen Becken gestiegen. Damit das Wasser stets klar bleibt wird es allein im Eisbärenbecken einmal in der Stunde komplett umgewälzt. Dementsprechend groß dimensioniert sind Rohrleitungen, Filteranlagen und Pumpen.
Als erfahrene Betreiber wissen die Fachleute vom Zoo Hannover, worauf es ankommt. So ist seit zehn Jahren eine entsprechende Aufbereitungsanlage für das Flusspferdbecken installiert, die seit der Installation ohne Probleme funktioniert.
Im Eisbärenbecken, in dem im Gegensatz zum Flusspferdbecken, Salzwasser eingesetzt wird, werden neben Grob- und Feinfilter, auch Eiweißabschäumer und Ozonierungsanlagen eingesetzt. Für Rohrmaterial und Pumpen bestehen wegen des korrosiven Salzwassers besondere Anforderungen, um einen langfristigen Betrieb sicherzustellen. Dabei konnte durch eine moderne technische Ausstattung trotz vergrößerter Wasserfläche der Wasserverbrauch gegenüber den Altanlagen um 85 % reduziert werden.
Die Erfahrungen nach einem halben Jahr Betriebszeit zeigen: Was sich die Planer ausgedacht haben, funktioniert im Grundsatz auch. Jetzt steht die Aufgabe an, die Systeme kontinuierlich zu optimieren.
Automatisierungstechnik und Fernüberwachung
Aufbauend auf einer SPS Siematic S7 von Siemens werden die einzelnen Anlagen gesteuert bzw. geregelt. Für die Überwachung der einzelnen technischen Anlagen nutzt der Zoo seit vielen Jahren ein zentrales Leitsystem. Über BACnet werden auch die neuen Anlagen auf das Leitsystem aufgeschaltet, so dass eine Fernüberwachung der Technik rund um die Uhr möglich ist.
Durch die Fernüberwachung können beispielsweise die Anforderungen an die Klarheit des Wassers – das nur aus optischen Gründen für die Besucher so klar sein soll – bei Nacht oder im Winter auf das hygienisch sinnvolle Maß abgesenkt werden, um unnötige Energie- und Wasserkosten zu vermeiden.
Inszenierung von Geschichten
Damit eine Landschaft die Besucher überzeugend einfängt, muss nicht nur die Hülle, sprich der optische Gesamteindruck stimmig sein, sondern auch die Technik sich perfekt in das gesamte Ambiente integrieren. Dazu kommen weitere Eindrücke, die alle Sinne ansprechen sollen: das Geräusch fließenden Wassers, der Geruch frischen Holzes, Tiergeräusche und eine perfekt arrangierte optische Gestaltung. Auch die Gebäude müssen die Goldgräberromantik des 19. Jahrhunderts spürbar werden lassen.Damit diese perfekt umgesetzt werden konnte, fand in der Rohbauphase eine ausgiebige Bemusterung statt. Heizkörper wurden an die Wand gehängt und schließlich durch matte, altertümlich wirkende, dennoch moderne und effizient arbeitende Heizkörper ersetzt. Statt Wickelfalzrohre kamen für die Lüftungsanlage im Restaurantbereich gesteckte Rohre zum Einsatz, die einfacher an die gewünschte Optik angepasst werden konnten. Die Isolierung der Edelstahlsanitärrohre wurde mit einem weiteren Rohr verkleidet und dieses optisch künstlich gealtert, damit auch hier das historische Ambiente stimmig wirkt.
Fazit
Mit der siebten Erlebnislandschaft bietet der Zoo Hannover einen neuen Höhepunkt der Zoogestaltung. „Wir inszenieren nicht nur Geschichten, die unsere Besucher einfangen sollen; wir gestalten auch eine Landschaft und einen Erlebnisbereich gleichermaßen authentisch“, so Zoodirektor Klaus-Michael Machens zum Konzept der Erlebnislandschaften. Da er für den wirtschaftlichen Betrieb des Zoos verantwortlich ist, legt er selbstverständlich auch großen Wert darauf, dass die Technik perfekt im Schuss gehalten wird und dabei möglichst geringe Betriebskosten verursacht. Diese Ziele konnten dank einer guten Planung und Ausführung erreicht werden.
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