Was wir von der ISH 2019 lernen können

Von Energiewende, Klimazielen und dem mangelnden Willen zur Umsetzung

„Die Energiewende muss …“. Stopp, man will es gar nicht mehr lesen. Dennoch ist es notwendig, sich weiterhin intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen. Denn wir Menschen lernen nur langsam und tun uns schwer damit, unser Verhalten zu ändern, wenn es nicht aus innerem Antrieb geschieht. Also nochmal an den Anfang: „Die Energiewende muss gewollt und endlich mit Leben gefüllt werden.“ 

Ist doch eigentlich gar nicht so schwer. Dafür sind in der Politik allerdings noch dicke Bretter zu bohren. Das wurde auf der ISH 2019 deutlich, als Thorsten Herdan, Abteilungsleiter Energiepolitik im BMWi, im Rahmen eines Pressegesprächs, zu dem Sie mehr auf Seite 23 lesen können, sagte: „Wir brauchen eine positive Grundstimmung für den Wandel, sonst ist die Politik machtlos.“

Ein hartes Eingeständnis. Aber der gesamtgesellschaftliche Wille zum Wandel, zur Energiewende und -einsparung ist noch nicht ausgeprägt genug, auch wenn die Schüler mit ihren Freitagsdemonstrationen unter dem Titel „Fridays for Future“ derzeit ein deutliches Zeichen setzen. 

Die Energiewende im Gebäudesektor kommt jedenfalls nach wie vor nicht wirklich voran. Und es ist auch vor den nächsten Bundestagswahlen im Jahr 2021 nicht viel von der Politik zu erwarten. Zwei Jahre weiterer Stillstand in der Umsetzung und daher sind die angestrebten Klimaschutzziele bis 2020 schwer bis kaum noch zu erreichen.

Es kommt noch dicker. Uwe Glock, Präsident des Bundesindustrieverbands der Deutschen Heizungsindustrie e.V. (BDH), warnte Ende März in einem Statement: „Mit dem Haushaltsplanentwurf für die Jahre 2020 und 2021 gibt die Bundesregierung augenscheinlich die Energiewende im Gebäudesektor auf.“

Dafür werden vom Bundesfinanzminister 300 Mio. € für zu befürchtende Strafzahlungen im Rahmen des EU-Effort-Sharing in den Haushalt einstellt. Verfehlt die Bundesrepublik die verbindlichen Klimaschutzziele, müssen Strafzahlungen an die EU entrichtet werden. 

„Statt Strafzahlungen einzuplanen, sollte der Finanzminister das Geld für CO2-mindernde Maßnahmen im Gebäudebereich einsetzen“, so der BDH-Präsident weiter. „Würde dieses Geld heute als Anreiz für Effizienz­inves­ti­tio­nen eingesetzt, könnten die drohenden Strafzahlungen ge- oder sogar verhindert werden.“

Die Einschätzung, dass politisch zu wenig passiert, was den aktuellen Stand der Energiewende im Gebäudebereich betrifft, wird auch von deutschen Top-Managern aus der Immobilien-, Energie- und IT-Branche geteilt. Über Dreiviertel der Befragten des im Auftrag von ista und ener­gate durchgeführten Immo-Energiewende-Index halten die Gebäude-Energiewende technisch für machbar und beinahe die Hälfte sehen die Klimaziele der Bundesregierung bis 2030 erreichbar; allerdings beurteilen 77 % der 30 befragten Top-Manager den aktuellen Stand nach wie vor negativ.

Mit jedem Schritt, der heute verpasst wird, werden die Klima­ziele, die dann wenigstens bis 2030 erreicht werden sollen, in noch weitere Ferne rücken. Technologien, Produkte, Services – alles steht in einer großen Vielfalt und passend für jeden Anwendungsfall zur Verfügung. Wenn man sich nicht auf einen Energieträger beschränkt, sondern die Vielfalt des Marktes wirken lässt, sind die Möglichkeiten beinahe unüberschaubar groß. 

Für jeden Fall, für jedes Gebäude, für jede Anwendung gibt es eine Lösung. Dies haben die Aussteller auf der ISH 2019 deutlich gezeigt. Die Umsetzung kostet und ist vielleicht in manchen Fällen sogar teuer, eine Nichtumsetzung von Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele kostet möglicherweise aber deutlich mehr!

Wir brauchen mehr Vorbilder und Beispielprojekte für die Energiewende im Gebäudesektor – gerade in öffentlichen Gebäuden!
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