Von den Aufgaben im Ingenieurbüro

Ein Interview mit Einblicken in den Arbeitsalltag

Die TGA-Branche ist spannend. Das wissen Ingenieure, Technische Zeichner und Anlagenbauer. Wie aber sieht es mit dem Nachwuchs aus. In einer Zeit, in der zum Teil händeringend nach Berufseinsteigern gesucht wird, ist es interessant, einmal zu erfahren, was die Arbeit in einem Ingenieurbüro so spannend macht und auf welche Herausforderungen sich Berufseinsteiger freuen dürfen.

tab: Herr Deß, Ihr Ingenieurbüro ist seit gut 50 Jahren am Markt aktiv. Inwieweit haben sich die Anforderungen an die Mitarbeiter in einem Ingenieurbüro bis heute geändert?

 

Wolfgang Deß: Die Anforderungen sind ständig gewachsen und wachsen auch weiterhin. Allein in der Technik hat sich ja sehr viel getan.  Statt Ölkessel und Heizkörper sind jetzt intelligentere Heizungssysteme gefragt, wie Geothermie und Betonkernaktivierung; statt einfachem Handventil eine übergeordnete Leittechnik.  Die technischen Anlagen sind sehr viel anspruchsvoller geworden und müssen auf den jeweiligen Bedarf und das entsprechende Gebäude maßgeschneidert angepasst werden. Neben den technischen Gewerken steigen aber die Anforderungen in den Bereichen Kostensicherheit, Terminkoordination, Rechtssicherheit und vor allem in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Unsere Mitarbeiter müssen also in vielen Bereichen hervorragende Leistung bringen.

tab: Ist es für Sie in den letzten Jahren schwerer geworden, neue Mitarbeiter zu finden?

 

Wolfgang Deß: Es war schon immer schwer, gute Mitarbeiter zu finden, und das wird sich auch so schnell nicht ändern. Verantwortungsbewusste Menschen mit einer guten Ausbildung und einem gesunden Selbstbewusstsein werden immer Arbeit haben. Deshalb ist es wichtig, dass wir solchen Menschen ein attraktives Arbeitsumfeld mit interessanten Aufgaben bieten können. Auf der anderen Seite ist es natürlich sehr wichtig, gute Mitarbeiter zu halten.

 

tab: Welche Eigenschaften sollte ein Mitarbeiter mitbringen, um in Ihr Team zu passen? Auf welche Herausforderungen des Alltags sind Berufseinsteiger und auf welche üblicherweise noch nicht ausreichend vorbereitet?

 

Wolfgang Deß: Ein Mitarbeiter sollte in erster Linie eine fundierte Ausbildung besitzen, egal ob als Technischer Zeichner, als Techniker, als Meister oder auch als Ingenieur. Er braucht ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und eine gewisse Nähe zur Technik, also einen inneren Antrieb, sich weiterzubilden.

Besonders jungen Mitarbeitern ist am Anfang oft nicht klar, dass ein kleiner Strich im Plan mit der Dimension DN 300 bedeutet, dass auf der Baustelle beim Abladen ein Kran gebraucht wird und diese Rohrleitung nicht mal eben von zwei Handwerkern getragen wird.

Und dann ist vielen nicht klar, dass die Technik nur ein Teil ist und der andere Teil eine funktionierende Kommunikation im Planungsteam, mit dem Bauherrn und den Firmen.

In diesem Bereich, der Kommunikation liegen die meisten Defizite.

 

tab: Was können Sie jungen Leuten empfehlen, die sich überlegen eine Ausbildung oder ein Studium mit Bezug zur technischen Gebäudeausrüstung zu beginnen?

 

Wolfgang Deß: Die technische Ausrüstung ist ein sehr breites Feld. Angefangen von der normalen Haus- oder Wohnungsinstallation, die jeder kennt, bis hin zur sehr anspruchsvollen Ausstattung eines Krankenhauses oder eines Reinraumes in der Automobilbranche.

Voraussetzungen für den Erfolg in dieser Branche sind ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und Interesse an technischen Details und Zukunftsfragen. Und man sollt ein gewisses mathematisches Grundverständnis mitbringen. Wer den Dreisatz für eine Sportübung hält, der sollte lieber Politiker werden.

 

tab: Herr Deß, vielen Dank für die klaren Antworten.

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