Verbrauchserfassung im Technologiepark
Flexibilität durch funkbasierte EnergiemengenzählerAn der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) arbeiten fast 8.000 Fachkräfte und studieren über 3.000 angehende Mediziner. Die geballte und weiterwachsende Kompetenz in den unterschiedlichen Disziplinen der Medizin hat Anziehungskraft: Um den Campus herum haben sich zahlreiche Unternehmen, Dienstleister und Forschungsinstitute aus der „Life Science-Branche“ angesiedelt. Vielen davon bietet der „Medical Park Hannover“ durch hochflexible Gebäudekonzepte einen maßgeschneiderten Standort auf Mietbasis. Allerdings machen die cleveren Objektzuschnitte das exakte Erfassen und Abrechnen des Energieverbrauchs pro Mieter sehr aufwendig. Funkbasierte Energiemengenzähler brachten die gewünschte Flexibilität.
Um den Unternehmen individuelle und maßgeschneiderte Raumkonzepte anbieten zu können, ist jedes Objekt in der Aufteilung der Nutzfläche hochflexibel konstruiert und kann in bis zu 50 Einheiten unterteilt werden. Passend zur Life-Science-Branche gehören dazu nicht nur Büros, Besprechungsräume und Vorlesungssäle, sondern auch Labore mit spezialisierter Infrastruktur.
Viele Räume, viele Zähler
Voraussetzung, um die kleinteiligen Nutzungsflächen den Bedürfnissen der Unternehmen entsprechend zusammenstellen zu können, ist die Installation von Verbrauchszählern für jede erzeugbare Raumkonstellation. Dazu gehören in jedem Fall Strom- und Wärmemengenzähler für die Heizenergie. Einige Räume sind klimatisiert, so dass hier auch der Kältebedarf erfasst werden muss. In den Laboren sind darüber hinaus Wasseranschlüsse vorhanden und infolgedessen auch Wasserzähler. Der Energieverbrauch in den Gemeinschaftseinrichtungen wie Flure, Verlesungssäle, Toiletten, Technikräume sowie Aufzüge ist gesondert zu erfassen. Insgesamt sind im Medical Park Hannover rund 150 Zähler abzulesen und die Verbrauchswerte zuzuordnen. Zusätzliche Komplexität ergibt sich, wenn Mieter wechseln und sich gleichzeitig Raumzuschnitte ändern.
„Um den personellen Aufwand für das Ablesen der Zähler zu reduzieren und gleichzeitig Fehlerquellen bei diesem Prozess zu minimieren, haben wir nach einer praktikablen Lösung gesucht“, berichtet Andreas Krug, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des Medical Park Hannover. Somit wurde vor Jahren ein Gebäude mit leitungsgebundenen Zählern ausgestattet, die fern auszulesen sind. „Das hat sich aber nicht gelohnt“, konstatiert Andreas Krug rückblickend. „Entgegen der uns vorgelegten Kalkulation haben der hohe Installationsaufwand und besonders die nachträglichen Anpassungen an neue Konstellationen der vermieteten Flächen die Kostenersparnisse beim Ablesen der Zähler wieder aufgefressen.“ Die Alternative, funkbasierter Zähler einzusetzen, brachte allerdings große Herausforderungen mit sich: Sicher funktionierenden Funkstrecken standen in dem massiven Gebäude aus Stahlbeton und mit teilweise strahlungsgeschützten Räumen viele Hindernisse im Weg.
Ein Sanitärfachbetrieb vor Ort stellte den Kontakt zu WDV-Molliné her. Der schwäbische Spezialist für Verbrauchsmesstechnik brachte das erforderliche Know-how sowie ein flexibles Messstellenkonzept für eine zuverlässig funktionierende Systemtechnik ein. So konnte ein zweites Gebäude für das Fernablesen der Zähler fit gemacht werden – diesmal aber per Funk. Dazu lieferte WDV-Molliné außerdem die Hardware; von den Zählern über Funk-Repeater bis zu den Erfassungsgeräten. Die Installation übernahm dann der dafür geschulte Fachhandwerkspartner mit Firmensitz in direkter Nähe zum Medical Park Hannover.
Wireless M-Bus, die sichere Lösung
Als Modular-Wasserzähler wurden Hauswasserzähler und Unterputzzähler für jede Einheit und die gemeinschaftlich genutzten Räume installiert. Das achtstellige Rollenzählwerk zeigt die Verbrauchswerte konventionell an, aber über ein steckbares, wireless M-Bus-Modul lässt sich die Fernauslesung einfach herstellen. Die Stromversorgung dafür liefert eine Batterie mit einer Lebensdauer von bis zu 13 Jahren, also über zwei Eichperioden hinweg.
Zum Messen der Energieverbrauchswerte für Raumwärme und Klimatisierung auf den Etagen wählte WDV-Molliné den Kompakt-Wärmezähler „WingStar S1“ mit Messkapseln von Allmess. Neben der geforderten Wireless-M-Bus-Schnittstelle kann dieses Messgerät als Klimazähler eingesetzt werden. Das heißt, es erfasst die abgerufene Wärmeenergie bei einer Medientemperatur von 15 bis 90 °C oder Kälteenergie im Temperaturbereich von 5 bis 20 °C für die Raumkühlung. Die Kombination beider Funktionen reduziert die Anzahl der Zähler. Dies zeigte sich als sehr wichtiger Aspekt bei der Vielzahl an Verknüpfungsmöglichkeiten im Medical Park-Gebäude.
In den größeren Hauptversorgungsleitungen mit DN 20 bis DN 50 wurden Klimazähler mit Ultraschallmessung eingebaut. Auch hier stand der flexible Einsatz im Vordergrund: Ultraschallzähler lassen sich in jeder beliebigen Einbaulage und ohne zusätzliche Ein- und Auslaufstrecken installieren. Darüber hinaus ist das Rechenwerk des Ultraschallzählers „Ultramess S2 Split“ getrennt vom Volumenmessteil zu montieren, beispielsweise an der Wand. Das vereinfacht den nachträglichen Einbau an unzugänglichen Messstellen.
Ablesen im Vorbeigehen
Statt dass Mitarbeiter des Medical-Park-Betreibers mehrere Tage Zählerstände manuell ablesen, den einzelnen Mietern zuordnen und allgemeine Energie und Verbrauchskosten umlegen, ist jetzt alles deutlich einfacher: Jeder Zähler erhält eine eigene ID und sendet zu voreingestellten Zeiten die Verbrauchsdaten per Funk; die Daten sind AES-128-verschlüsselt. Anhand der Funkdaten sind keine Querverbindungen zwischen Zähler und Nutzer zu ziehen. Die Zuordnung der Verbrauchswerte zu den Mietern erfolgt in dem Softwaretool „Sysmess S1“ von WDV-Molliné. Mit diesem einfach zu handhabenden Programm lassen sich die Zähler frei gruppieren und zu Kostenstellen zusammenfassen. Die Daten können in das übergreifende Datenformat CSV exportiert werden – beispielsweise für eine Excel-Datei, ein Gebäudeautomationssystem oder ein Abrechnungsprogramm.
Das Auslesen der Zählerstände selbst funktioniert quasi im Vorbeigehen. Der Ableser ist dazu mit einem USB-Funkempfänger und Laptop mit der „Sysmess S1“-Software ausgerüstet. Nähert er sich einem Funkzähler, werden die Daten automatisch registriert und gemäß der mitgesendeten ID in der Auslesesoftware dem richtigen Zähler zugeschrieben. Eine optische Erkennungshilfe zeigt an, welche Zähler bereits erfasst sind und welche noch fehlen. In diesem Programm lässt sich auch eine Route festlegen, damit der Ableser auf dem schnellsten Weg alle Daten erfasst. Je nach Zählerposition reicht dazu eine Annäherung auf 100 m. In dem Stahlbetonbau des Medical Park Hannover läuft der Ableser allerdings durch jede Etage. Doch auch das ist in etwa einer Stunde erledigt.
Das Ablesen hat die Medical Park Hannover GmbH übrigens an den SHK-Betrieb, der auch die Zählerinstallation vorgenommen hat, outgesourct. Der Fachhandwerker liefert eine abrechnungsfertige Excel-Datei. Die letzte Kontrolle im Zuge der Rechnungsstellung übernimmt dann der Betreiber.
Fazit
Netzwerken im Sinne des engen Austauschs von Wissen ist im Medical Park Hannover der Erfolgsschlüssel für viele Unternehmensansiedlungen rund um die MHH. Um den Standort wirtschaftlich zu betreiben, zeigte sich indes das Netzwerk „wireless M-Bus“ plus „Sysmess S1“ von WDV-Molliné als zukunftsfähige Lösung, die das Fernablesen der vielen Energie- und Verbrauchszähler in dieser spezialisierten Liegenschaft ermöglicht.
Schon nach der ersten Abrechnungsperiode kommt Geschäftsführer Andreas Krug daher zu dem Schluss: „Das System funktioniert reibungslos und bringt genau die Flexibilität und Vereinfachung in der Verbrauchsabrechnung, nach der wir gesucht haben.“
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