Sonnige Aussichten auf Sylt
Solarthermie für das „Strandläufernest“Erneuerbare Energie für das Jugendzeltlager „Strandläufernest“ auf Sylt: Eine 48 m2 große Solarthermieanlage erzeugt künftig ökologische Wärme für Warmwasser und Heizung. Eine besondere Herausforderung der Sanierung war das Arbeiten auf einer Insel während der Corona-Einschränkungen.
Ein Ort, wie man ihn sich schöner kaum vorstellen kann: Das „Strandläufernest“ liegt im sonnigen Süden an der Wattseite von Sylt. Es ist ein Zeltlager für Jugend- und Familiengruppen und bietet Gruppen mit bis zu 110 Personen Platz. Träger ist die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland – kurz: die Nordkirche. Allerdings entsprach das beliebte Urlaubsziel nicht mehr den energetischen Standards. Im Rahmen ihres Klimaschutzprogramms hat die Nordkirche daher das Versorgungsgebäude des Zeltlagers komplett energetisch modernisieren lassen – inklusive Fassadendämmung, neuer Dacheindeckung...
Ein Ort, wie man ihn sich schöner kaum vorstellen kann: Das „Strandläufernest“ liegt im sonnigen Süden an der Wattseite von Sylt. Es ist ein Zeltlager für Jugend- und Familiengruppen und bietet Gruppen mit bis zu 110 Personen Platz. Träger ist die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland – kurz: die Nordkirche. Allerdings entsprach das beliebte Urlaubsziel nicht mehr den energetischen Standards. Im Rahmen ihres Klimaschutzprogramms hat die Nordkirche daher das Versorgungsgebäude des Zeltlagers komplett energetisch modernisieren lassen – inklusive Fassadendämmung, neuer Dacheindeckung und Umstieg von fossilem Flüssiggas auf eine große Solarthermieanlage.
Besondere Baustelle
Es war ein Objekt mit besonderen Herausforderungen, wie der verantwortliche Solarteur Timo Carstensen aus Tarp in Schleswig Holstein betont: „Das Projekt hat uns vier Wochen beschäftigt – unter erschwerten Bedingungen: Zum einen macht es einen großen Unterschied, ob man auf dem Festland oder einer Insel baut, auf die man mit dem Autozug fahren muss. Wir mussten das ganz penibel planen, denn was an Material oder Werkzeug nicht auf der Baustelle war, konnte nicht mal eben schnell besorgt werden wie auf dem Festland. Auch die Entsorgung von Müll gestaltete sich schwieriger als gedacht. Zum anderen mussten wir uns auch den jeweiligen Maßnahmen anpassen, die gegen die Corona-Pandemie ergriffen wurden. Während meine beiden Kollegen anfangs auf Sylt übernachtet haben, fuhren sie später täglich morgens auf die Insel und abends wieder runter, weil wir besorgt waren, dass sie dort festsitzen würden, wenn die Insel dicht gemacht würde.“
Heizungssanierung mit Solarthermie
Das Strandläufernest besteht aus Schlaf-, Gemeinschafts- und Versammlungszelten, einem festen Waschhaus mit Toiletten und Duschen, einer Spülküche und einem Wirtschaftshaus mit Küche, Kiosk, Aufenthaltsraum für Gäste sowie Schlaf- und Wohnräumen für die Saison-Mitarbeiter. Besucht wird das Zeltlager von Mai bis September – also genau zur Solarzeit. Um den grundsätzlichen Wärmebedarf des Zeltlagers künftig zu decken, wurde daher eine große Solarthermieanlage der Marke Paradigma von Ritter Energie auf dem Dach des Versorgungsgebäudes installiert – auf die nach Südwesten zur Düne hin gerichtete Dachfläche des Satteldachs. Die Anlage besteht aus zwölf „Aqua Plasma“-CPC-Vakuum-Röhrenkollektoren des Typs 15/40 mit einer Bruttokollektorfläche von jeweils 4 m2, die zusammen auf eine Kollektorfläche von 48 m2 kommen. Die Kollektoren erzielen Solarerträge von bis zu 661 kWh/m2 a. Die hohe Ausbeute resultiert insbesondere aus den verbauten Parabolspiegeln unter den parallel verlaufenden doppelwandigen Glasröhren, die die Sonnenstrahlen stets im optimalen Winkel auf die Absorber lenken. „Ausschlaggebend für unsere Entscheidung für die Sylter Anlage war einerseits die hohe Leistung, die die CPC-Vakuum-Röhrenkollektoren erbringen. Andererseits punktet eine Paradigma-Solarthermieanlage mit reinem Wasser als Solarflüssigkeit, was zu einem recht wartungsarmen Betrieb beiträgt“, erklärt Dipl.-Ing. (FH) Jobst-H. Ubbelohde, Architekt, Gebäudeenergieberater und Energieeffizienzberater im Landeskirchenamt der Nordkirche. Zudem besitzt reines Wasser eine deutlich bessere Fließ- und Wärmeleitfähigkeit als eine Solarflüssigkeit mit Glykol und ist dabei als natürliches Element frei von Giftstoffen.
Speicher für Sonnenanbeter
Die Solarthermieanlage wurde von Paradigma so konzipiert, dass sie das „Strandläufernest“ nahezu komplett solar erwärmen kann. Etwa drei Viertel der Solarwärme sollen zur Warmwasserbereitung dienen, das restliche Viertel zur Heizungsunterstützung des etwa 170 m2 großen Erdgeschosses des Hauptgebäudes. Im Winter wird das Zeltlager nicht genutzt, aber die neue Anlage gewährleistet in dieser Zeit bei Minimalbetrieb die Frostsicherheit.
„Den Wärmebedarf zur Bereitstellung von Warmwasser haben wir drei Jahre lang genau erfasst, indem wir an den Warmwasserthermen für das Warmwasser der Dusche Zähler angebaut haben. Den Heizwärmebedarf haben wir auf die Fläche bezogen berechnet“, erläutert Jobst-H. Ubbelohde. Die von den Kollektoren erzeugte Solarwärme wird in einer Pufferspeicher-Kaskade im Keller des Gebäudes zwischengelagert, bis sie nachgefragt wird. Die Kaskade besteht aus drei Pufferspeichern „PS2 Plus“ von Paradigma mit jeweils einem Fassungsvermögen von 1.000 l. Eine passende Frischwasserstation „WFS-35 III“ wurde ebenso wie die zum Betrieb der Solarthermieanlage nötigen Solarstationen „STAqua II“ an die Wand montiert.
Pufferspeicher mit kombinierter Frischwasserstation sind besonders hygienisch, weil das Wasser stets frisch gezapft wird. Außerdem ist die neue Anlage energetisch sinnvoll, weil die eingebrachte und im Pufferspeicher bevorratete Energie die Wärme gleichzeitig für Trinkwasser und Heizung bereitstellt. Nicht zuletzt wurden vier alte Gasdurchlauferhitzer und alle sieben Gasaußenwandheizer des Zeltlagers demontiert und durch Heizkörper ersetzt. Der vorhandene Wasserspeicher im Waschhaus und zwei Gasthermen bleiben dort vorerst installiert. Sie sollen in Zeiten von Spitzenlast nötigenfalls zum Einsatz kommen.
Beitrag zum Klimaschutz
Jobst-H. Ubbelohde resümiert: „Ziel der energetischen Sanierung war und ist es, möglichst klimaneutral zu geringen Kosten zu wirtschaften. Deshalb wollten wir weg vom Flüssiggas und hin zu erneuerbaren Wärmequellen. Wobei deren Beschaffung für uns bei der Wahl auch eine Rolle spielt, denn je kürzer die Transportwege für die Energieträger sind, desto besser ist die Klimabilanz der Anlage am Ende.“
Auch Annette Piening, Klimaschutzmanagerin der Nordkirche, betont die ökologischen Aspekte der Sanierung: „Interessant an der Solarthermie-Lösung im ‚Strandläufernest‘ ist vor allem der Ansatz, die Wärmeversorgung allein auf Solarthermie zu stützen. Damit lässt sich eindrucksvoll demonstrieren, welchen umfassenden Beitrag Solarthermie leisten kann.“
Ganz abgeschlossen ist das Projekt allerdings noch nicht. „Wir erwägen, einen weiteren Warmwasserspeicher im Waschhaus an die Anlage im Haupthaus anzuschließen. Außerdem wollen wir noch Luftkollektoren zur Belüftung des Waschhauses installieren“, sagt Jobst-H. Ubbelohde. Ein Projekt mit weiterhin sonnigen Aussichten.
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