Schnittstellenkoordination

Planung und Ausführung von beheizten Fußbodenkonstruktionen

Voraussetzung für eine mängelfreie Bauleistung einer Fußbodenheizung sind die fach­gerechte Planung und Ausführung nach den anerkannten Regeln der Technik. Bei der Erstellung einer Fußbodenheizung müssen die Beteiligten – vom Architekten über Fachplaner, Heizungsbauer und Estrichleger bis zum Bodenleger – koordiniert zusammenarbeiten. Dies wird sich, betrachtet man moderne Wohnkonzepte, noch ausweiten: Die Häuser der Zukunft sind zunehmend als Gesamtkonstruktion zu verstehen.

Relevanz der Schnittstellenkoordination

K ommt es zu Reklamatio­nen und Mängeln bei der Erstellung von beheizten Fußbodenkonstruktio­nen, ist dies mehrheitlich auf Abstimmungsfehler unter den einzelnen Gewerken zurückzu­füh­ren. Eine gute Schnittstellenkoordination ist hier das Stichwort. Am leichtesten lässt sie sich umsetzen, wenn alle auszuführenden Arbeitsschritte detailliert aufgezeichnet und protokolliert werden – gleich ob Planung, Ausführung oder Bauüberwachung. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Flächenheizung für Boden, Wand oder Decke im Alt- bzw. Neubau handelt. Halten...

Relevanz der Schnittstellenkoordination

K ommt es zu Reklamatio­nen und Mängeln bei der Erstellung von beheizten Fußbodenkonstruktio­nen, ist dies mehrheitlich auf Abstimmungsfehler unter den einzelnen Gewerken zurückzu­füh­ren. Eine gute Schnittstellenkoordination ist hier das Stichwort. Am leichtesten lässt sie sich umsetzen, wenn alle auszuführenden Arbeitsschritte detailliert aufgezeichnet und protokolliert werden – gleich ob Planung, Ausführung oder Bauüberwachung. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Flächenheizung für Boden, Wand oder Decke im Alt- bzw. Neubau handelt. Halten sich alle Beteiligten, vom Bauherrn, Architekten, Planer, Ausführenden bis hin zum Überwachenden, an eine stringente Dokumentation, so ist die notwendige Transpa­renz in Bezug auf getätigte Arbei­ten und Zuständigkeiten gewährleistet. Welcher Akteur welche Aspekte bei der Planung und Ausführung zu beachten hat, wird im Folgenden näher ausgeführt.

Voraussetzungen zum Ein­bau der Fußbodenheizung

Die Planung der Heizungsanlage beginnt mit dem Gebäudeentwurf, der die Grunddaten für die Berechnung der Heizlast nach DIN EN 12 831 liefert. Aufbauend auf den Heizlasten der einzelnen Räume wird nach DIN EN 1264 die Auslegung der Fußbodenheizungsanlage durchgeführt. Der Fugenplan ist nach DIN 18 560 Teil 2 vom Bauwerksplaner zu erstellen und muss bei der Planung der Heizkreise berücksichtigt werden, damit die Anforderungen aus der DIN 18 560 Teil 2, Ziffer 4.3 erfüllt werden können. Vor dem Einbau der beheizten Fußbodenkonstruktion müssen die baulichen Voraussetzungen geprüft und erfüllt sein. Hierzu zählen folgende Aspekte: Die vom Bauwerksplaner festgelegten Abdichtungsmaßnahmen sind durchgeführt, die Arbeiten im Bereich des Innenputzes sind abgeschlossen und der Wandputz ist bis zum tragenden Untergrund durchgeführt. Höhenlage und Ebenheit der Oberfläche des tragenden Untergrundes müssen die Anforderungen nach DIN 18 202 erfüllen. Ein Höhenbezugspunkt (Meterriss) je Geschoss muss vorhanden sein, um zu prüfen, ob die vorgegebene Einbauhöhe der Gesamtkonstruktion realisiert werden kann. Rohre und Elektroleitungen auf dem tragenden Untergrund müssen befestigt sein. Die Bauwerksfugen sollen gleichmäßig vollkantig und geradlinig ausgeführt sein. Der tragen­de Untergrund muss augenscheinlich trocken und frei von Verunreinigungen sein. Der zugfreie Verschluss der Bauwerksöffnungen, wie Fenster und Außentüren, muss entweder durch Einbau dieser Bauteile oder andere ausreichende Maßnahmen gewährleistet sein.

Bauteile der Fußbodenheizung

Die wesentlichen Bauteile einer Fußbodenheizung bilden die Heizrohre, die auf einer Dämmschicht verlegt werden. Diese Dämmschicht besteht aus einer Wärmedämmung und, je nach Erfordernis, aus einer zusätzlichen Trittschalldämmung bzw. aus einer Kombination beider Dämmerfordernisse (Sandwichplatte) entsprechend den Wärme- und Schallschutzanforderungen des jeweiligen Bauwerkes. Randdämmstreifen verhindern eine Körperschallübertragung des Heizestrichs zu aufgehenden Bauteilen. Für die nötige Entkoppelung darf nur ausreichend verformbares Material der zulässigen Brandklasse verwendet werden, wobei die Komprimierbarkeit nach dem Erhärten des Heizestrichs mindestens 5 mm betragen muss. Die Verlegung erfolgt durchgängig von der Rohdecke bis über den fertigen Fußboden. Bei zweilagiger Verlegung der Dämmschicht kann der Randdämmstreifen auf der unteren Dämmschicht aufgestellt werden. Die überstehenden Teile des Randdämmstreifens werden erst nach Fertigstellung des Bodenbelags abgeschnitten. Die Heizrohre werden in einem Heizestrich eingebettet, dessen mörteltechnische Zusammensetzung der von nicht beheizten Estrichen gleicht. Dabei dürfen nur Zusatzmittel verwendet werden, die den Volumenanteil der Luftporen des Mörtels nicht mehr als 5 % erhöhen. Eine Bewehrung des Heizestrichs ist gemäß DIN 18 560 Teil 2, Ziffer 5.3.2 grundsätzlich nicht erforderlich.

Fugen

Die Herstellung von Bewegungsfugen erfolgt nach dem vorliegenden Fugenplan, wobei Heizrohre und die Bewegungsfugen nur als Anbindeleitungen in geschützter Form durchdringen dürfen, z. B. in Form von Rohrhülsen. Zwischen den Bewegungsfugen muss mindestens ein Abstand von 5 mm als komprimierbarer Raum vorhanden sein. Notwendige Scheinfugen als Sollbruchstelle zum Abbau der beim Abbinden entstehenden Spannungen sind im Estrich bis zu einem Drittel der Dicke anzuschneiden, wobei die Lage der Heizrohre zu berücksichtigen sind.

Montage der Fußboden­heizung

Bevor der Heizungsbauer mit der Montage der Fußbodenheizung beginnt, sind nach DIN 18 353 VOB Teil 10 „Estricharbeiten“ zu prüfen, ob der Untergrund sauber, trocken, eben und waagerecht ist und über eine ausreichende Einbauhöhe für die Fußbodenheizung verfügt. Eventuell müssen Abdichtmaßnahmen, z. B. gegen Bodenfeuchtigkeit, durch den Bauwerksplaner geplant und durchgeführt worden sein. Anschließend werden die notwendigen Randdämmstreifen verlegt. Nun kann die Wärme- und Trittschalldämmung – ein- bzw. mehrlagig, eventuell auch als Systemplatte vom Hersteller des Fußbodenheizungssystems – eingebracht werden. Nach Abschluss dieser Arbeiten werden die Heizrohre nach dem vorgegebenen Verlegeplan installiert. Anschließend wird durch den Heizungsbauer eine Dichtheitsprüfung durchgeführt. Vor Einbringen des Estrichs müssen die Heizrohre gegen Lageveränderung gesichert werden. Dies wird z. B. bei einer entsprechend gestalteten Systemplatte durch Noppen gewährleistet, die die Rohre sicher fixieren. Bei einer glatten Platte muss diese Aufgabe durch geeignete Rohrhalter oder Montagegitter mit Rohrhalter übernommen werden.

Bevor der Estrichleger den Heiz­estrich einbaut, muss sicher­ge­stellt sein, dass die Heizrohre unter Druck stehen, die Fugen entsprechend Fugenplan angelegt und die Messstellen für die Restfeuchtemessung des Estrichs markiert sind. Nach Ab­schluss und Protokollierung der Arbeiten des Heizungsbauers kann nun der Estrichleger mit den Estricharbeiten beginnen. Die Raum­temperatur beim Einbrin­gen des Estrichs muss über +5 °C liegen.

Markierung der Mess­stellen/Feuchtemessung

Eine Aufgabe des Heizungsplaners ist es, die Messstellen im Plan festzulegen. Um die Mess­punkte herum darf im Abstand von 10 cm kein Heizrohr verlegt werden. Der Estrichleger markiert nun die Messstellen nach Plan. Hierbei ist zu beachten, dass – abweichend von der DIN EN 1264 Teil 4 – mindestens je eine Messstelle pro Raum realisiert wird. Nach Einbringen des Estrichs und einer Liegezeit von 21 Tagen bei Zementestrich bzw. 7 Tagen beim Calciumsulfatestrich kann mit dem Funktionsheizen begonnen werden, das im Verantwortungsbereich des Heizungsbauers liegt. Das Funktionsheizen gilt nicht als Aufheizvorgang zum Erreichen der Belegreife. Nach Abschluss des Funktionsheizens endet die Arbeit des Heizungsbauers.

Voraussetzungen für die Oberbodenarbeiten

Voraussetzung zu Beginn der Oberbodenarbeiten ist die Messung der Belegreife des Es­trichs. An den ausgewiesenen Messstellen im Estrich wird eine entsprechende Probe für die CM-Messung entnommen. Liegt die gemessene Estrichfeuchte über der Grenzfeuchte, werden Zwischenprüfungen mit PE-Folie empfohlen, damit die Zahl der verbleibenden Messstellen für die CM-Messungen ausreicht.

Wohnkonzepte von morgen

Eine gute Schnittstellenkoordination, wie sie am Beispiel der Installation einer Flächenheizung dargelegt wurde, gewinnt in Zukunft auch in anderen Bereichen an Bedeutung. So beispielsweise, wenn für den Neubau das Niedrigstenergiegebäude zum Standard wird, wie es die EnEV 2013 vorgibt. Diese Wohngebäude zeichnen sich durch ihre hohe Gesamtenergieeffizienz sowie ihren großen Anteil an regenerativen Energien aus. Das Haus ist somit nicht mehr nur Energieverbraucher, sondern muss gleichzeitig auch als Erzeuger und Speicher für Wärme sowie Strom fungieren. Deshalb sind Gebäude zukünftig zu einem Verbund von Heizung, Lüftung, Kühlung und Trinkwasserversorgung sowie den weiteren haustechnischen Systemen zu optimieren. Eine besondere Bedeutung hierbei werden Puffer- und dabei bevorzugt Schichtenspeicher einnehmen, die den optimalen Betrieb der Wärmeerzeuger sicherstellen. Als Wärmeübergabesystem eignet sich hier wiederum die Flächenheizung, die für eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur dimensioniert ist.

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