Interview zur HLK-Branchenentwicklung

Optimistischer Blick in die nahe Zukunft

Die Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik hat ein außergewöhnliches Jahr hinter sich und auch 2022 wird voraussichtlich einige Herausforderungen für die Branche bringen. Im Gespräch mit der tab-Redaktion blickt Holger Thiesen, General Manager Living Environment Systems und Vice President der deutschen Niederlassung von Mitsubishi Electric Europe B.V. auf 2021 zurück und wagt eine Prognose, welche Themen in diesem Jahr wichtig werden.

„Wir machen die Nachwuchsförderung und -gewinnung zu einem unserer wichtigsten Ziele im aktuellen Jahr“, erläutert Holger Thiesen
Foto: Mitsubishi Electric

„Wir machen die Nachwuchsförderung und -gewinnung zu einem unserer wichtigsten Ziele im aktuellen Jahr“, erläutert Holger Thiesen
Foto: Mitsubishi Electric

tab: Herr Thiesen, war 2021 ein gutes oder schlechtes Jahr für die Unternehmen der Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik?

Holger Thiesen: Zunächst einmal: Die Branche bewegt sich genauso wie ein Großteil der Wirtschaft in einem sehr instabilen Fahrwasser. Dafür verantwortlich ist die Pandemie mit ihrer kaum kalkulierbaren Entwicklung. Zudem spielen Rohstoff-, Material- und Komponentenverfügbarkeit eine entscheidende Rolle. Wir alle haben die Erfahrung machen müssen, wie schnell globalisierte Lieferketten der wirtschaftlichen Entwicklung einen Dämpfer verpassen können.

tab: Gab es trotz dieser Probleme auch positive Entwicklungen?

Holger Thiesen: Ja – in jedem Fall. Kennzeichnend dafür sind nachhaltige Trends zur Klimatisierung und Lüftung sowie der Wunsch nach einer hohen Indoor-Air-Quality. Dazu kommt die Energiewende in der Heiztechnik. Sie gibt der Branche mit dem Ziel der Dekarbonisierung und Elektrifizierung der Wärmeerzeugung über die Wärmepumpen-Technologie einen weiteren starken Wachstumsimpuls.

tab: Wird sich diese Tendenz in diesem Jahr fortsetzen?

Holger Thiesen: Die Einschätzungen für 2022 sind nach wie vor schwierig und letztlich davon abhängig, wie sich der Pandemieverlauf darstellen wird. Weiterhin bestehen Unsicherheiten in den Lieferketten und entsprechenden Verfügbarkeiten der Produkte. Nach unseren derzeitigen Kenntnissen gehen wir aber davon aus, dass die Lage beherrschbar bleiben wird, sodass sich die Branche in diesem Jahr weiter auf einem relativ hohen Niveau bewegen wird. Grundsätzlich rechnen wir daher in Europa mit einem stabilen Wachstum in allen Bereichen. Die wichtige Botschaft für 2022 ist aber, dass wir uns als Branche gemeinsam noch intensiver um den Nachwuchs kümmern und junge Menschen für uns begeistern müssen. Wir alle sind dafür verantwortlich, Nachwuchs in unsere Branche zu bringen und ihn zu qualifizieren.

tab: Zu den angesprochenen Lieferverfügbarkeiten und Materialengpässen: Wie bewerten Sie die Entwicklung im vergangenen und aktuellen Jahr?

Holger Thiesen: Um bestmöglich lieferfähig zu bleiben, haben wir 2021 verschiedene Strategien kombiniert und konnten dadurch an vielen Stellen Lösungen bieten, an denen es keine Verfügbarkeit im Markt gab. Zunächst einmal hatten wir zuverlässig kontinuierliche Wareneingänge, die für den benötigten Nachschub gesorgt haben. War vorübergehend die eine oder andere Variante für eine oder zwei Wochen nicht lieferbar, konnten wir das mit unserer Lagerstruktur in Europa abfangen. War auch das nicht möglich, können wir auf unser großes Produktprogramm zurückgreifen, das so variabel ist, dass z.B. Leistungsgröße A durch Leistungsgröße B ersetzt werden kann.

tab: Ein vielfach diskutiertes Thema im vergangenen Jahr waren auch die Inflation und Preissteigerungen. Wie blicken Sie hierzu auf 2022?

Holger Thiesen: Preissteigerungen betreffen nicht nur unsere Branche, sondern quasi alle Märkte. Insbesondere hinsichtlich der benötigten Energieträger wie z.B. Elektrizität und Gas, aber auch der Rohstoffe, die an den internationalen Märkten gehandelt werden, rechnen wir weiter mit einer hohen Dynamik. Die Rekord-Inflationsrate in Deutschland ist eines der Anzeichen dafür. Auch wir werden nicht umhinkommen, 2022 die Kostensteigerungen weitergeben zu müssen. Das wird aber nicht der tatsächlichen Kostenentwicklung entsprechen, die größtenteils durch unsere Fabriken und Konzerne aufgefangen wird. Anders als sonst werden wir die notwendige Anpassung nicht zum 1.4., sondern erst zum 1.7. des Jahres umsetzen. Das gibt unseren Partnern die Möglichkeit und Zeit, es einzuplanen und vorausschauend zu agieren.

tab: Auch der Umgang mit den unterschiedlichen Kältemitteln ist nach wie vor präsenter Diskussionsstoff in der Branche. In Europa gibt hier die F-Gas-Verordnung den Weg vor. Derzeit setzen Hersteller bei Wärmepumpen vor allem R32 und R290 ein. Wie sehen Sie hier die weitere Entwicklung?

Holger Thiesen: Grundsätzlich sind aus unserer Sicht sowohl R32 als auch R290 zwei sehr gute Kältemittel, die tauglich für den Einsatz in Wärmepumpen sind. In den verschiedenen Einsatzbereichen bieten sie unterschiedliche Vor- und Nachteile. R32 hat insbesondere andere Sicherheitsvoraussetzungen im Einsatz als R290. Das führt u.a. dazu, dass Wärmepumpen mit R290 aktuell fast ausschließlich als Monoblockgeräte mit geschlossenem Kältekreis im Außengerät eingesetzt werden. Der internationale Markt ist nach wie vor durch Splitgeräte mit R32 dominiert. Aus unserer Sicht werden wir künftig beide Varianten auf dem europäischen Markt benötigen.

tab: Herr Thiesen, vielen Dank für das Gespräch.

Mitsubishi Electric blickt auf eine sehr positive Entwicklung im Jahr 2021 zurück. Das Unternehmen konnte in mehreren Bereichen seine Marktposition nochmals ausbauen und Marktanteile gewinnen.
Foto: Mitsubishi Electric

Mitsubishi Electric blickt auf eine sehr positive Entwicklung im Jahr 2021 zurück. Das Unternehmen konnte in mehreren Bereichen seine Marktposition nochmals ausbauen und Marktanteile gewinnen.
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